Raus mit dem Staat aus der Familie!

Erika Vögeli: http://zeit-fragen.ch/index.php?id=1630   Die Familie stärken   (5.11.):

In allen Kulturen bildet die Familie Kern und Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. Als soziales Lebewesen ist der Mensch für seine gesamte körperliche, seelische und geistige Entwicklung auf tragfähige menschliche Beziehungen angewiesen. Im «sozialen Uterus» der Familie (Adolf Portmann) als erster menschlicher Gemeinschaft erlebt das Kind den gefühlsmässigen Rückhalt, der das Fundament für seine gesamte Persönlichkeitsentwicklung bildet, hier erfährt es Orientierung, hier werden ihm die Grundwerte menschlichen Lebens und Zusammenlebens vermittelt.

Anthropologisch wie psychologisch gesehen ist die Familie die natürliche soziale Einheit, welche die Entwicklung des Menschen am besten gewährleistet. Auch wenn sie im Einzelfall in dieser Aufgabe versagt oder sie zuwenig wahrnimmt – kein Staat und keine Institution sonst vermag das zu leisten, was Mütter und Väter insgesamt tagtäglich und über Jahre für ihre Kinder an menschlichem Engagement aufbringen.

Das Zusammenleben in der Familie ist überdies eine höchstpersönliche und intime Angelegenheit und liegt im vorstaatlichen Bereich – Aufgabe des Staates und einer sinnvollen Rechtsordnung ist in erster Linie, diese persönliche Sphäre zu schützen und zu fördern. Die Familie ist Grundlage eines freiheitlich-demokratischen Staatswesens und nicht Gegenstand staatlicher Beeinflussung und Steuerung.

Leider ist die Diskussion um die Bedeutung der Familie in den letzten Jahrzehnten aber durch Gendermainstreaming und Gleichstellungsdebatten völlig verdreht worden: Alles, was im Sinne dieser Schlagworte lief und läuft, wurde per se als fortschrittlich definiert, die Frau, die sich für die Erziehung ihrer Kinder entschied, als «Heimchen am Herd» abqualifiziert, die Bedeutung der Erziehung geriet zur sekundären «Organisationsaufgabe» neben dem Beruf. Man glaubte, es ginge um die Emanzipation und Befreiung der Frau von überkommenen Klischees, um Gleichberechtigung und gleiche Chancen für berufliche Entwicklung und Karriere – wenige warfen ein, dass man hier doch wohl das Kind mit dem Bade ausschütte und auch die Grundlagen des Menschseins, der Freiheit und Demokratie untergrabe.

Das medienwirksam verpasste Etikett «fortschrittlich» scheint die Frage nach dem «cui bono?» dieser Entwicklung nachhaltig blockiert zu haben. Wie der Artikel «Familienpolitik im internationalen Kontext» deutlich macht, sind an dieser Entwicklung ganz andere Kräfte mitbeteiligt und interessiert.

Und wenn ausgerechnet Goldman Sachs die Genderdebatte mental und wohl auch finanziell befeuert1, um mehr Potential für Wirtschaftswachstum zu generieren, wäre auch das Anlass zu reiflicher Überlegung. Gegen die Gleichberechtigung der Frauen hat wohl niemand ernsthaft etwas einzuwenden. Gegen die einseitige Höherbewertung des elterlichen Beitrages zum Wirtschaftswachstum gegenüber der Bedeutung und dem Wert der Erziehungsaufgabe aber sehr wohl.

… Diese bewusste Steuerung der Familie ist unzulässig – ein Ja zur Familieninitiative setzt ein Zeichen dagegen und ist Ausdruck der Wertschätzung für eine der oft schönsten, manchmal sehr fordernden, sicher aber wertvollsten Leistungen für Gemeinwohl und Staat.

1 vgl. Homepage von Goldman Sachs, Stichworte wie Womenomics usw. 

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