Schweiz: Familieninitiative unterstützen!

http://zeit-fragen.ch/index.php?id=1631   «Wer die Kinder zu Haus betreut, soll genau gleich behandelt werden»   (5.11.):

Interview mit Nationalrat Jakob Büchler, CVP

Am 24. November sind die Schweizer Stimmberechtigten aufgerufen, über die «Familieninitiative» abzustimmen, die bei Annahme eine bestehende Diskriminierung beseitigt. Denn heute dürfen nur Familien, die ihre Kinder in Fremdbetreuung geben, die dafür anfallenden Ausgaben steuerlich absetzen, während Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, keinen Abzug geltend machen dürfen. Diese Ungleichbehandlung soll mit diesem Verfassungsartikel aufgehoben werden. Im folgenden Interview legt CVP-Nationalrat Jakob Büchler dar, warum er die Initiative zur Annahme empfiehlt.

Zeit-Fragen: Sie sprechen sich für eine Annahme der Familieninitiative aus und folgen damit nicht der Parole Ihrer Partei, warum?

Nationalrat Jakob Büchler: Ich habe in der Fraktion und in der Partei immer klar gemacht, dass ich die Initiative unterstütze. Ich mache da keine Unterschiede. Wer die Kinder zu Haus betreut, soll genau gleich behandelt werden wie diejenigen, die sie weggeben. Aus dieser Frage darf man nun wirklich keine parteipolitische Angelegenheit machen, denn im Zentrum steht unsere Familie. Die Familie ist die Grundlage unserer Gesellschaft, und was man in eine Familie eingibt, das zahlt sich in unserer Zukunft aus. Mit dieser Frage darf man keine Parteipolitik betreiben. Unabhängig von welcher Partei die Idee kommt, sie ist richtig, und deshalb sollte man sie unterstützen. …

… Unsere Gesellschaft lebt und überlebt durch Familien mit Kindern, darum ist diese Unterstützung absolut wichtig. Auch können die Kantone selbst entscheiden, wie hoch der Abzug sein soll. Heute werden etwa 77 Prozent der Kinder fremdbetreut. Das ist ein hoher Prozentsatz, den man nur schwerlich ändern kann. Die Gesellschaft hat sich in diese Richtung entwickelt, und daher ist es wichtig, dass wir die 23 Prozent, die es anders lösen wollen, nicht diskriminieren.

Muss man heute nicht die Bedeutung der Familie für unser Land stärken?

Unsere Gesellschaft überaltert immer mehr. Die demographische Zusammensetzung des Schweizer Volks geht ganz deutlich in Richtung höheres Alter. Wir leben länger, haben immer weniger Kinder und das führt dazu, dass wir in Zukunft im Sozialbereich mehr Ausgaben haben werden. Deshalb ist es falsch zu sagen, bei den Kindern müssen wir sparen. Das ist für mich völlig unverständlich. Wenn Eltern oder Ehepaare sich entscheiden, wir wollen Eltern mit Kindern sein, dann ist das ein wichtiger Entscheid, und hier soll man helfen, ungeachtet davon, ob jemand seine Kinder zu Hause oder auswärts betreut. …

… In der Schweiz haben wir heute im Schnitt etwa 1,2 bis 1,3 Kinder auf eine Mutter. Das ist zum Erhalt des Schweizer Volks eigentlich zu wenig, darum muss man alle Massnahmen, die den Entscheid, Kinder zu haben, fördern, unterstützen.

Eine Familie mit Kindern zu haben ist neben der eigenen Erfüllung doch immer ein Beitrag zum Gemeinwohl. Vielen ist das wohl zu wenig bewusst.

Aus dem aktiven Berufsleben von früher wissen wir, dass mit der Einführung der AHV 1948 auf einen Rentner vier bis fünf Arbeitnehmer kamen, die diesen finanzierten. Heute haben wir pro Rentner noch knapp zwei Arbeitnehmer. Die aktiv arbeitende Bevölkerung hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Für einen Rentner müssen heute knapp zwei Personen aufkommen. Die demographische Kurve hat sich ganz klar in Richtung Älterwerden verschoben. Wenn wir keine Kinder haben, dann fehlen diese in unserer Gesellschaft, was zu mehr Einwanderung führen wird.

Was können wir dagegen tun?

Politisch es so zu gestalten, dass eine Familie nicht in eine finanzielle Notlage kommt, ist sicher der richtige Weg. Investitionen in die Familie, in die Kinder, sind letzten Endes eine Investition in die Zukunft von unserem Land. Die Kinder werden später als Erwachsene überall gebraucht: in der Wirtschaft, in der Politik, bei der Verteidigung, in den Gemeinden, in den Spitälern – überall. Wir brauchen junge Menschen mit einer guten Ausbildung und einem grossen Rucksack für das Berufsleben. Sie sind die Träger unseres Staatswesens, unseres politischen Systems, unserer direkten Demokratie, unserer Gesellschaft und tradieren unsere Errungenschaften auf allen Gebieten weiter. Die Erhaltung der Familie ist letztlich die Erhaltung unseres politischen, sozialen und wirtschaftlichen Erfolgsmodells. Mit der Familieninitiative können wir das unterstützen.

Herr Nationalrat Büchler, herzlichen Dank für das Gespräch. 
Interview Thomas Kaiser

Ergänzung 27.11.2013:

Andreas Unterberger: http://www.andreas-unterberger.at/2013/11/den-schweizern-ist-das-geld-wichtiger-als-ressentiments/   (24.11.):

… Weniger erfreulich – aber ebenfalls von alemannischer Sparsamkeit geprägt – ist eine weitere Entscheidung der Stimmbürger: Sie haben Steuerbegünstigungen für Familien abgelehnt, die ihre Kinder selbst erziehen. Das hilft zwar der Eidgenossenschaft beim budgetären Sparen. Das bedeutet aber eine anhaltende Ungerechtigkeit gegenüber Familien: Daheim betreute Kleinkinder kommen die Allgemeinheit ja viel billiger als jene Kinder, wo die Allgemeinheit für Horte oder Kindergärten (mit)zahlt.

Die familiäre Betreuung ist ja – bis auf bildungsferne Randschichten – auch qualitativ die viel bessere Erziehung für kleine Kinder. Dies hat man aber offensichtlich nur in einigen katholischen Kantonen in der Innerschweiz verstanden, nicht jedoch im Rest der Schweiz, wo neuerlich das Sparen wichtiger war. …

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