Fristenregelung ist keine Lösung

Bischof Klaus Küng: http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1492229/Abtreibung-ist-niemals-eine-Lösung   (29.11.):

Es gibt Jubiläen, die sollte man nicht feiern. Wie etwa den 40. Jahrestag der Einführung der Fristenregelung. Hier geht es übrigens nicht um eine Glaubensfrage, auch nicht um einen besonderen moralischen Standard für Katholiken. Sondern es geht um das Menschenrecht schlechthin! Und es ist auch keine Frage der politischen Orientierung. Der bedingungslose Schutz des menschlichen Lebens ist die Fortschrittsfrage par excellence!

Noch einmal: Es gibt nichts zu feiern. Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt und schafft es nicht, eines der gravierendsten sozialen Probleme der Gesellschaft anzugehen. Ein geschätztes Drittel unserer Kinder wird abgetrieben, allein die Stadt Wien verliert täglich eine Schulklasse. Und doch spricht man nicht darüber. Die Abtreibung ist eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft, der „Elefant mitten im Zimmer“, um den sich alle herumdrücken. Sprechverbote drohen, Keulen fallen auf alle nieder, die es wagen, Frauen in dieser Krise lebensbejahend zu beraten.

Wir schaffen es nicht einmal, genaue Zahlen der abgetriebenen Kinder zu erheben, sondern sind auf Schätzungen der abtreibenden Ärzte angewiesen. In fast allen Ländern Europas kann man offenbar Frauen eine anonyme Statistik zumuten – nur in Österreich nicht.

… Eine einfache Maßnahme, nämlich eine vorgeschriebene zeitliche Pause zwischen Beratung und Abtreibung, würde den Frauen Zeit geben, nachzudenken – und sich in einem beträchtlichen Teil der Konfliktsituationen letztlich doch für das Kind zu entscheiden. Denn ich bin fest davon überzeugt: Keine Frau will im tiefsten Inneren ihr Kind abtreiben.

Wie oft sind es massive Beeinflussung von außen und zeitlicher Druck, die letztendlich zur ungeliebten Entscheidung führen. Eine kleine Wartezeit könnte da den Unterschied machen. Es gibt sie nebenbei in vielen Staaten, doch bei uns nicht.

Dafür ist etwa im Schönheitschirurgie-Gesetz §6 vorgesehen: „Die Durchführung einer ästhetischen Operation sollte ohne Zeitdruck, aufgrund einer bewussten Entscheidung und erst nach reiflicher Überlegung und Reflexion durch die Patientin (den Patienten) erfolgen. Zusätzlich soll durch die Wartefrist von mindestens zwei Wochen bei ästhetischen Operationen die Möglichkeit der Einholung von weiteren Fachmeinungen gegeben sein.“

… So eine Wartefrist ist ein massiver Eingriff in die Autonomie eines Menschen. Und doch wird sie bei einem so oberflächlichen Thema vorgeschrieben und akzeptiert. Warum nicht in dem viel existenzielleren Fall, in dem ein Leben auf dem Spiel steht? Sollten da solche Parameter nicht selbstverständlich sein? Ohne Zeitdruck? Aufgrund einer bewussten Entscheidung? Nach reiflicher Überlegung und Reflexion?

Es wird Zeit, über den eigenen Schatten zu springen. Man wird uns einmal fragen, wie es möglich war, dass 40 Jahre lang Jahr für Jahr nicht ehrlich darüber geredet wurde, wie man Frauen in unserer Mitte helfen kann. Und es ist vor allem die Sprachlosigkeit, die Tabuisierung des Themas Abtreibung, die eine echte Hilfe schwer möglich macht.

… Wir Christen wollen die Fragen stellen, die niemand stellt. Wir wollen Sprachlosigkeit durchbrechen. Und wir wollen wissen, wie die Gesellschaft mit ihren schwächsten Gliedern umgeht. Auch und besonders am 40. Jahrestag der Fristenregelung. Die keine Lösung ist.

Ergänzung:

http://orf.at/stories/2208361/2208357/ Streichung aus Strafgesetzbuch gefordert   (29.11.):

Das Thema Schwangerschaftsabbruch ist weiterhin stark umstritten. Mitglieder mehrerer Parteien forderten am Freitag die völlige Streichung des Schwangerschaftsabbruchs aus dem Strafgesetzbuch.

FPÖ: Abbrüche verhindern

Kritik an der Petition und den Änderungswünschen kam von der FPÖ. Mit der Petition zeigten NEOS, Grüne und die SPÖ, dass ungeborenes Leben für sie völlig wertlos sei, so FPÖ-Frauen- und -Gleichbehandlungssprecherin Carmen Gartelgruber. Auch ungeborenes Leben müsse von der Gesellschaft geschützt werden.

Würde man dem Wunsch der Petition nachkommen, wäre ein Schwangerschaftsabbruch bis zum letzten Tag der Schwangerschaft möglich und nicht zu bestrafen. Alleine die Vorstellung sei grausam und verwerflich, so Gartelgruber am Freitag in einer Aussendung. Man dürfe Abtreibungen nicht generell pönalisieren, aber müsse sie wenn irgendwie möglich doch verhindern, so Gartelgruber. Sie forderte eine tiefere Aufklärung und Hilfe für die Betroffenen. …

Ergänzung:

Josef Preßlmayer: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20131130_OTS0015/pro-life-kundgebung-zu-40-jahre-fristenloesung-vor-der-oevp-zentrale-in-wien:

Am 40. Jahrestag der Beschlussfassung der „Fristenlösung“ im Nationalrat, am Freitag, dem 29. November 2013, fand vor der ÖVP-Zentrale in der Wiener Lichtenfelsgasse eine Pro-Life-Kundgebung mit rund zwanzig Teilnehmern verschiedener Bewegungen, der CPÖ (Christliche Partei Österreichs), Christen-Allianz, HLI (Human-Life-International) und Jugend für das Leben statt.

Die Kundgebung wurde vom Lebensschützer Dr. Josef Preßlmayer initiiert, der seit etwa drei Monaten vor der ÖVP-Zentrale ein Gebetsfasten durchführt, inzwischen 20 kg abgenommen hat und derzeit bei 51 kg hält. Preßlmayer begründete seinen Hungerstreik damit, dass die ÖVP seit Jahrzehnten im Gleichschritt mit der SPÖ die „Fristenlösung“ unverändert weiterführt, andererseits bezeichnet sich Vizekanzler Dr. Michael Spindelegger aber als jemand, der „christliche Werte“ hochhält, den „Glauben lebt“, um damit im vergangenen Wahlkampf offenkundig katholisch-konservative Wähler zu ködern. Gesetzen wie der „Fristenlösung“ müsse sich der Katholik aber „widersetzen“ fordert Papst Johannes Paul II. in „Evangelium vitae“. Wer für die „Fristen-Endlösung“ eintritt, kann daher niemals ein Gläubiger sein!

Preßlmayer rief auch dazu auf, dass die durch den Obmann-Wechsel und Umbenennung erfolgte Abspaltung der Christen-Allianz von der CPÖ durch Versöhnung und gegenseitige Verzeihung überwunden wird.

Tatsächlich verweigert Spindelegger aber das Gespräch über eine verbesserte Beratung vor der Abtreibung und reagiert auf Briefe nicht. Auch Gespräche mit Generalsekretär Hannes Rauch, EU-Abgeordneten Heinz Becker und E-mail-Schreiben an Gudrun Kugler, die im Vertrauen auf ihre Pro-Life-Verdienste von vielen Lebensschützern Vorzugsstimmen erhielt, waren bis jetzt ohne Ergebnis und drangen offenbar nicht bis Parteiobmann Spindelegger vor, der jetzt, im Zuge der Koalitionsverhandlungen, die einmalige Chance hätte, eine qualifizierte Pflichtberatung, wie sie bereits in öffentlichen Wiener und niederösterreichischen Spitälern vor Abtreibungen durchgeführt werden muss, gesetzlich zu verankern. Dr. Robert Grießner, medizinischer Geschäftsführer der Landeskliniken-Holding teilt dazu unserer „Initiative zur Bewahrung des katholischen Glaubens“ mit: „Jede Frau, die einen Abbruch möchte, muss sich davor einer Beratung bei eigens dafür ausgewiesenen Beratungsstellen unterziehen, um mögliche Alternativen aufgezeigt zu bekommen“.

Es ist völlig unverständlich, dass diese Regelung, die im schwarzen Niederösterreich und im roten Wien gilt, nicht für ganz Österreich eingeführt wird und Frauen noch immer vom Abtreiber selbst, wie etwa von der Jahrzehnte „beratenden“, nun endlich gesperrten Dr. Mihaela Radauer oder von Dr. Christian Fiala, der das Früh- und Fehlgeburts-Risiko nach Abtreibung sowie den Herzschlag bei einem ungeborenen Kind mit sechs Wochen leugnet, beraten werden können!

In einer kurzen Ansprache wies Dr. Rudolf Gehring, Bundesobmann der CPÖ, auf den Verfall der ÖVP als christliche Partei hin, deren EU-Abgeordnete sogar teilweise für die Estrela-Entschließung im EU-Parlament für das „Recht auf Abtreibung“ gestimmt haben und forderte die Abschaffung der „Fristenlösung“.

Maria Fellner, CPÖ Steiermark, Krankenschwester, gab einen erschütternden Bericht über die Leiden der Frauen nach der Abtreibung, welche vom Abtreiber oft falsch über den Entwicklungsstand ihres Kindes informiert werden, etwa wenn das Kind mit acht Wochen als „Schwangerschaftsgewebe“ bezeichnet wird, das noch keinen Herzschlag habe, und dann, wenn die Frau nachträglich die Wahrheit erfährt, selbst am Sterbebett noch tief unter der Tötungs-Schuld an ihrem Kind leidet.

Dipl.-Kaufmann Erich Pekarek von der Christen-Allianz, der wesentlich zum Zustandekommen der Kundgebung durch seine Rundschreiben beitrug, beklagte das Schweigen der Kirche von Kardinal König bis Kardinal Schönborn zur Tötungskultur und regte an, dass der Tag der Unschuldigen Kinder von der Kirche mehr als Gedenk- und Besinnungs-Tag der abgetriebenen Kinder hervorgehoben wird.
Abschließend wurden die beiden letzten Gesätzchen des schmerzhaften Rosenkranzes gebetet.

Siehe dazu https://kreidfeuer.wordpress.com/2013/11/28/wien-29-11-kundgebung-gegen-vorgeburtliche-menschentoetung/

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