Verstärkte schulische Erziehung unterhöhlt elterlichen Einfluss

Maria Steuer im Interview: http://www.freiewelt.net/interview/versuch-einfluss-des-elternhauses-zu-minimieren-10018210/   (6.12.):

FreieWelt.net: Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Urteil (Az.: BVerwG 6 C 12.12) gegen die klagenden Zeugen Jehovas entschieden. Diese wollten verhindern, dass ihre Kinder den Film “Krabat” in der Schule zu sehen bekommen, in dem das Praktizieren schwarzer Magie dargestellt wird. Können Sie den Klagegrund nachvollziehen?

Maria Steuer: Grundsätzlich kann ich verstehen, daß in der Schule Inhalte vermittelt werden, mit denen Eltern nicht einverstanden sind. Bisher haben meines Wissens nach Eltern in solchen Fällen oft einfach ihr Kind zu Hause behalten und es “krank” gemeldet. Wichtig ist dabei auf jeden Fall das Alter des Kindes: mit einem 15jährigen können Eltern die Inhalte besprechen – bei einem Grundschulkind ist das nicht wirklich möglich. Besonders problematisch ist das Vorführen von Filmen, da über ein solches Medium Emotionen vermittelt werden, die dann nur schwer auf die Verstandesebene geholt werden können.

FreieWelt.net: Welche Auswirkungen hat das BVerwG-Urteil – besonders in Hinblick auf das im Grundgesetz verankerte Erziehungsrecht der Eltern?

Maria Steuer: Unser Erziehungsrecht beschränkt sich auf den außerschulischen Bereich unserer Kinder. Das wird zum Problem, wenn Kinder mehr Zeit in der Schule als zu Hause verbringen und je mehr die Schule den Bildungsauftrag vernachlässigt und den Schwerpunkt auf den Erziehungsauftrag verlagert. Da hat in den letzten Jahrzehnten ein enormer Wandel in den Schulen stattgefunden: immer mehr soll versucht werden, den Einfluß des Elternhauses zu minimieren. Bisher wird dies nur in dem Bereich der Bildungschancengerechtigkeit offen besprochen.

FreieWelt.net: Kann es nicht auch sinnvoll sein, das Erziehungsrecht, auch das religiöse Erziehungsrecht der Eltern zu relativieren – gerade im Hinblick auf Kinder von Extremisten, etwa Satanisten oder Islamisten?

Maria Steuer: Hier zeigt sich die Schizophrenie der augenblicklichen politischen Situation. Es wird oft mit unterschiedlichem Maß gemessen. Ich bin mir nicht sicher, ob man ebenso das religiöse Erziehungsrecht von Islamisten relativieren würde in einer Zeit, in der bereits die Abschaffung des Sankt-Martins-Festes in Schulen und Kindergärten gefordert wird, weil das Fest diskriminierend für den muslimischen Kulturkreis sei.

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