Rentenumlage benachteiligt Familien

http://jungefreiheit.de/wirtschaft/2014/studie-rentenumlage-benachteiligt-familien/   (17.1.):

Familien zahlen bei der Rente drauf. Zu diesem Schluß kommt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. „Unser Rentensystem benachteiligt Familien – ausgerechnet diejenigen, die das System am Leben erhalten“, faßt der Vorstandschef der Stiftung, Jörg Dräger, das Ergebnis der Studie zusammen. „Spätestens mit dem Ende des demographischen Zwischenhochs 2030 gerät unser heutiges Rentensystem massiv unter Druck.“

Hintergrund ist das sogenannte Umlageprinzip. Mit den heutigen Beiträgen zur Rentenversicherung versorgen Erwerbstätige die gegenwärtige Generation an Rentnern. Gehen sie selbst später in Rente, werden sie von den dann Erwerbstätigen versorgt. Der Autor der Studie, der Ökonom Martin Werding, sieht das grundlegende Problem darin, daß in diesem System kaum die zusätzliche Belastung durch die Versorgung von Kindern berücksichtigt wurde:

„Eltern erbringen durch die Erziehung und Ausbildung von Kindern zwar entscheidende Vorleistungen für die dauerhafte Finanzierbarkeit umlagefinanzierter Alterssicherungssysteme. Bei der Bemessung ihrer eigenen Rentenansprüche werden diese Beiträge aber nur sehr begrenzt berücksichtigt“, schreibt der Lehrstuhlinhaber für Sozialpolitik an der Ruhr-Universität Bochum.

Gegenwärtiges System macht Kinder zum Armutsrisiko

In langfristigen Projektionen hat Werding den Betrag kalkuliert, den Familien im gegenwärtigen System draufzahlen müssen. Faßt man die derzeit über hundertfünfzig familienpolitischen Fördermaßnahmen für ein im Jahr 2000 geborenes Kind zusammen und verrechnet diese gegen die durchschnittlich entrichteten Sozialbeiträge und Steuern, so ergibt sich ein Fehlbetrag von 50.500 Euro. Berücksichtigt man dabei auch mögliche Enkelkinder, steigt der Fehlbetrag deutlich an.

Insgesamt profitiert die Rentenkasse um 77.000 Euro, die dieses Kind mehr einzahlt, als es später erhalten wird. Dieser Betrag liege deutlich höher als die durchschnittliche Mütterrente von 8300 Euro. „Angesichts der Leistung von Eltern und der positiven Effekte, die ein Kind im weiteren Leben für die Gesellschaft erzielt, sollten Familien in der Erziehungsphase finanziell entlastet werden“, fordert Dräger. Die gegenwärtigen hohen Belastungen lassen dagegen Kinder zum Armutsrisiko werden.

Zahl der Kinder ist nicht wichtig?

Die Vorsitzende des Bundestagsauschusses für Arbeit und Soziales, Kerstin Griese (SPD), zeigte sich dagegen skeptisch und bezeichnete gegenüber dem ARD-Morgenmagazin die Berechnungen als „etwas problematisch“: „Es kommt ja nicht darauf an, wie viele Kinder es gibt, sondern es kommt darauf an, ob sie sichere, gute Jobs haben.“ Mit diesen könnten sie dann auch in die Rentenkasse einzahlen.

—————————

Ergänzung 7.2.2014:

Bertelsmann-Stiftung: http://www.youtube.com/watch?v=h5d6GeUT_TM   Rentensystem unter Druck   (16.1.2014   3:30):

Was haben Familien und Kinder mit dem Rentensystem zu tun? Die gesetzliche Rentenversicherung ist in Deutschland im sogenannten Umlageverfahren organisiert. Arbeitnehmer zahlen jeden Monat Beiträge in die Rentenversicherung ein, diese Beiträge werden heute direkt auf die Rentner umgelegt und als Renten ausgezahlt, nicht jedoch angelegt oder für die Zukunft gespart. Die Beitragszahler von heute treten irgendwann in den Ruhestand ein. Ihre Renten bezahlen dann die Erwerbstätigen aus der Generation nach ihnen, also ihre Kinder oder die Kinder anderer. Doch als Folge des demografischen Wandels gibt es immer weniger Kinder und folglich auch immer weniger junge Erwerbstätige. Gleichzeitig gibt es immer mehr Rentner, die von den Beiträgen der Erwerbstätigen abhängig sind. Die Renten hängen also davon ab, dass junge Generationen Kinder bekommen und in deren Erziehung und Ausbildung investieren, denn diese zahlen später Beiträge in die Rentenversicherung ein und finanzieren so die Renten. Kinder und Jugendliche stehen damit bereits heute vor einem riesigen Problem und die Renten natürlich auch.

Ergänzung 13.2.2014:

Bertelsmann-Stiftung: http://www.youtube.com/watch?v=-ufFmALwdJI   Reformpaket Kinderrente   (16.1.   3 min)

Ein Reformpaket für ein familiengerechtes und tragfähiges Rentenversicherungssystem. Familien stehen durch das aktuelle Rentensystem unter besonders hohem Druck. Sie sichern zwar die Zukunft der Rente, indem sie Verantwortung für Kinder übernehmen, dafür erhalten sie aber keine finanzielle Anerkennung. Die fehlende Tragfähigkeit unseres Rentensystems geht später einmal zu Lasten unserer Kinder. Denn aufgrund des demografischen Wandels gibt es immer weniger Kinder, die später einmal als Erwerbstätige Rentenversicherungsbeiträge bezahlen, aber gleichzeitig immer mehr Rentner. Eine äußerst ausweglose Situation. Aus dieser Situation kommen wir nur mit einer Rentenreform heraus, die diese Probleme gleichzeitig beseitigt, also die Leistungen von Familien im Rentensystem anerkennt und das System dauerhaft bezahlbar und demografiefest macht. Eine Idee für ein solches Rentensystem legt die Bertelsmann Stiftung nun vor. Im Animationsfilm wird das System dargestellt.

*******************************************************************************

Dieser Beitrag wurde unter Ehe und Familie abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Rentenumlage benachteiligt Familien

  1. Mama ohne Enkel schreibt:

    Da kann sich Bertelsmann ja mal fragen, was Bertelsmann dazu beigetragen hat

  2. Mütter in Stusslandschaft schreibt:

    ein Sonnabend im Leben eines meiner gestressten und stresskranken Chronikerkinder, das momentan doch etwas zu viel auf die Reihe kriegen muß…Nur neue Wohnungssuche vom Praktikantenwohnort aus (Sch…Bachelor) …. aber das ist GANZ NORMAL! Mit der Bahn von 1 nach 2 nach 3 nach 4. Mit Bus von 4 nach 5. Vertrag unterschreiben. Von 5 nach 4 mit Bus und mit Bus nach 6 (alter Studienwohnsitz) . Kisten packen und für Abholung bereit stellen. Nachmieter instruieren. Mit Bus von F6 nach 4 und von 4 nach 3 nach 2 nach 1. Dort Kisten packen. Sortieren: Lernen für Examen, Hausarbeit anfertigen…
    und weiter: Wohnung auflösen. Abmelden… Esplodierende Kosten. Auf Zwischenstation geht es dann zu mir, sowei, wenn die nicht Timing freundliche Bürokratie es so will, in ein Krankenhaus …zwischendurch Jobben, dann wieder 800km zurück ins neue Semester, in die neue Wohnung. Wie gesagt, NUR EIN Brennpunkt. ..da haben es kinderlose Rentern in meinem Alter doch gemütlicher 🙂 ..

  3. Verlinkerin schreibt:

    (betrifft auch H²O)
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=19990

    h ttp://www.nachdenkseiten.de/?p=19985#h05

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.