Schädliche Psychiatrisierung kindlichen Verhaltens

http://zeit-fragen.ch/index.php?id=1699   Von der personalen Sicht des Menschen hin zur Psychiatrisierung kindlichen Verhaltens   (14.1.):

Immer neue Reformen im Schulbereich führen zu einem Anstieg von Lernschwierigkeiten und seelischen Auffälligkeiten bei Kindern
von Dr. med. Andreas Bau, Hackborn

zf. Um heutige Ereignisse und Entwicklungen verstehen, einschätzen und einordnen zu können, braucht es die Fähigkeit, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen mit wachem Geist über einen langen Zeitraum zu überblicken und im mitmenschlichen Sinne zu beurteilen. Richtungsweisende Erkenntnisse daraus dienen dem Wohle aller. Dies gilt auch für den Bereich der Bildung und der Medizin (Sozialwissenschaften), wie der folgende Beitrag auf das Eindrücklichste zeigt.

Bei Kindern, die durch Lernschwäche oder ihr Verhalten auffallen, werden heute bereits im Kindergarten und später in der Schule Diagnosen aus dem psychiatrischen Bereich wie ADHS, Autismus, Asperger-Syndrom usw. gestellt und häufig mit Psychopharmaka wie Ritalin behandelt. Das war nicht immer so. Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Auffälligkeiten in dem Bereich behoben, in dem sie entstanden waren: durch pädagogische, psychologische oder erzieherische Mittel. Die im folgenden geschilderten Veränderungen sollen den engen Zusammenhang zwischen dem Paradigmenwechsel in der Schule, dem nicht mehr personalen Menschenbild und parallelen Fehlentwicklungen in der medizinischen Diagnostik aufzeigen.
Dieser Wechsel von der personalen Sicht des Menschen hin zur Psychiatrisierung kindlichen Verhaltens hat seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch immer neue Reformen im Schulbereich zu einem Anstieg seelischer Auffälligkeiten bei Kindern geführt.
Auch wir Kinderärzte mussten uns mit dieser Problematik befassen und uns einen Standpunkt entsprechend unserem Berufsethos erarbeiten.

Ich beschränke mich hier auf die Zwischenüberschriften:

Erste Schulreformen und psychosomatische Auffälligkeiten …
Einführung der Mengenlehre – Abschaffung der Rechtschreibung …
Bericht über die weitere Entwicklung der Diagnosestellungen …
Die menschliche Vernunft hat den längeren Atem …

http://zeit-fragen.ch/index.php?id=1707   Leserbriefe   (28.1.):

Christa Meves: «Kinder zu behandeln, als seien sie krank, macht sie erst krank»

Ihrer Redaktion sei gedankt, den aufklärenden Bericht über den Anstieg von Lernschwierigkeiten und seelischen Auffälligkeiten des Pädiaters Dr. med. Andreas Bau veröffentlicht zu haben. Die Zunahme einer nicht beherrschbaren Unruhe von Kindern in den zivilisierten Ländern hat seit einigen Jahren zu einer bedrängenden Diagnose, ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) geführt. In hohen Prozentsätzen werden solche Kinder mit Ritalin gedopt.
Als langjährig praktizierender Kinderarzt in Hamburg hat Dr. Bau den Werdegang dieses seit 20 Jahren weit verbreiteten Medikaments verfolgt. Er schreibt: «Ritalin wurde als grosser Fortschritt dargestellt, sozusagen als Königsweg. (…) Eine psychiatrische Diagnose dieser Art bedeutet für viele Kinder eine lebenslange schwere Hypothek. Die ‹Diagnose› ADHS usw. ersetzte alle vorherigen Diagnosen. Sie stützte sich auf eine zunehmende Zahl von ‹Symptomen›, die fast alle als ein normales Verhalten von Kindern anzusehen sind. (…) Eine Lösung kindlicher Probleme, in dem Bereich, wo sie entstanden sind, nämlich im pädagogischen Bereich, wurde aufgegeben.»
In dieser Weise weist Dr. Bau auch im Hinblick anderer zu früh gestellter Diagnosen wie Autismus und Asperger-Syndrom auf eine den Kindern schadende Psychiatrisierung ihrer Auffälligkeiten hin.
Eine solche Stimme ist dringlich geboten. Mit Recht prangert es der Kinderarzt an, dass in vielen Einzelfällen hier der Mensch auf diese Weise um eine seelisch gesunde Entfaltung, um ein unbeschwertes Aufwachsen gebracht wird.
Als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin möchte ich hinzufügen, dass einer solchen zu Recht angemahnten gefährlichen Verkünstlichung unserer Kinder nur durch eine natürliche Nähe zwischen der Mutter und dem Kleinkind in den ersten Lebensjahren und damit eine Abstützung der normalen Familie begegnet werden kann. Dr. Bau bereitet mit seiner fachkompetenten Schrift den Weg dazu vor, einen gesünderen Weg einzuschlagen. Die Kinder zu behandeln, als seien sie krank, macht sie erst krank, betont dieser weise Kinderarzt und plädiert dafür, der schöpferischen Potenz unserer Kinder Rechnung zu tragen.

Christa Meves, Uelzen

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Ergänzung 25.2.2014:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/ein-arzt-empoert-sich-lasst-die-kinder-in-ruhe-12815971.html   (22.2.):

„Gestört“, „hyperaktiv“: Auffällige Schüler werden schnell in Therapie geschickt. Kinderarzt Michael Hauch wehrt sich gegen Lehrer und Eltern, die ihn zum Rezeptautomaten degradieren – weil sie ihr eigenes Versagen nicht sehen.

… Aus kinderärztlicher Sicht ist Leon ein normal entwickelter Junge. Rundum gesund. Seine Lehrerin aber findet ihn deutlich auffällig – drei Monate nach seinem ersten Schultag. Leon erledige zwar seine Hausaufgaben gewissenhaft, sagt sie der Mutter. Er komme im Unterricht gut mit, aber er könne sich nicht konzentrieren. Deshalb brauche er dringend Ergotherapie. Ohne Ergotherapie werde Leon bald dem Unterricht nicht mehr folgen können.

Jetzt steht Leons Mutter vor mir in meiner Praxis. Die erste Therapiestunde sei für heute Nachmittag vorgesehen, sagt sie: „Sie müssen mir nur noch das Rezept unterschreiben.“ …

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8 Antworten zu Schädliche Psychiatrisierung kindlichen Verhaltens

  1. Sybille Stoa schreibt:

    ADHS tritt häufiger bei Burschen auf. Manche Feministinnen meinen Mädchen haben in dem Alter eine bessere Konzentrationsfähigkeit und sind weiter entwickelt. Das stimmt nicht ganz. In archaischen Kulturen lernen Mädchen in dem Alter das Weben, weil sie sich schon länger kontemplativ konzentrieren können im Durchschnitt. Burschen gegen eher erkunden, prägen sich yOrte ein, erlernen die Jagd. Die Menschen haben nun einmal zweierlei Geschlechter, die durch sexualhormone und andere physiologie auch unterschiedliche Talentrichtungen ermöglichen, wobei die einzelnen Individuen breit variieren können. Es hing von Kultur, geographischer und somit wirtschaftlicher Lage und anderen Faktoren ab, wie die Geschlechter sich ergänzten.
    Bis zu den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts war es so, dass Mütter einige Zeit bei den Kindern blieben und dann erst ab dem Gymnasium wieder ins Arbeitsleben zurückkehrten.
    Irgendwer kam dann auf die „glorreiche“ Idee mit Kita und sofort zurück in den Beruf. Das überforderte zahlreiche Frauen, die dann früher zum Stillen aufhörten und die Arbeit des Mannes veränderte sich auch kaum, dass er seine Frau unterstützen konnte.
    Seitdem haben wir ein gesellschaftliches Problem.
    Die Ideologie, hinter der Kita ist trivial: der Staat möchte soviel Steuerzahler, wie möglich und jede frühzeitig ins Arbeitsleben zurückgeholte Mutter schafft nebenbei einen Betreuungsplatz zum Teil mit. Die jungmütter werden meist niedriger entlohnt und sind doppelt belastet.
    Von meinen Schulfreunden, die Mütter machten mit späterer Rückkehr oft noch gute Karrieren, sie konnten sich wieder voll auf die Arbeit konzentrieren und waren leistungsfähiger. Die jetzigen Mütter brennen oft aus, die Kinder haben Probleme und die Ehen gegen kaputt.
    Und das alles nur zum Kurzfristigen Wohl des Fiscus.

  2. Hebel schreibt:

    Häufig ist ADHS mit Magnesiummangel korreliert und wird leider mit Ritalin angegangen.
    Magnesiummangel durch Verlust aus der Niere kann durch kindlichen Stress (z. B. bereits in der Krippe infolge Cortisolanstieg) verursacht sein.
    [siehe Kapitel „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ im Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014]

  3. Pingback: Schädliche Psychiatrisierung kindlichen Verhaltens | CatInfor.com

  4. heureka47 schreibt:

    Ich denke, es sind nicht nur die „Reformen“, die Zahl der Änderungen oder die Menge des Änderungs-Volumens, sondern auch – und vielleicht vor allem – die allgemein sinkende Fähigkeit der Konzentration / Aufmerksamkeit(sabgabe).

    Ich sehe diese Fähigkeit abhängig von dem individuellen Potenzial an FEINstofflicher Energie = höherer Bewußtseins-Energie = Lebens-Energie / geistiger Liebe = universeller Energie.

    Und das Potenzial an dieser Energie sinkt tendenziell in der zivilisierten Gesellschaft. Die Ursache ist m.e. die „Kollektive Neurose“ wie sie auch in der Soziologie hauptsächlich genannt wird. Ich selbst nenne sie die „Kollektive Zivilisations-Neurose“.
    Der typische zivilisierte Mensch ist – wie durchaus bekannt – „entfremdet“. Und zwar nicht nur von der äußeren naturnahen Lebensweise, sondern er ist auch und vor allem entfremdet von seiner inneren, geistig-seelischen Natur, von seinem wahren SEIN, von seinem „Höheren / wahren Selbst“, von seiner wahren Identität.
    Er ist entfremdet vom WISSEN von seiner wahren Identität und vom „Know-How“, wie man seine wahre Identität erkennt / erlangt.
    Er ist entfremdet vom Wissen über die FEINstoffliche Ebene des Seins, die nichtmaterielle und Ursprungs-Ebene, über die FEINstoffliche Energie und deren Fähigkeiten und Bedeutung.
    Er leidet – und weiß nicht warum.
    Er – seine Seele – produziert aussagekräftige Symptome – und er kann sie nicht deuten und kann keine wahre Heilung bewirken.
    Auch die wissenschaftlich orientierte Medizin weiß das alles nicht und versucht mit „primitiven“ Mitteln auf der GROBstofflichen Ebene die Symptome zum Veschwinden zu bringen.
    Wenn es nicht so traurig wäre, müßte man als Eingeweihter, als wahrer Erwachsener, lachen über so viel Einfalt.

    Ich hoffe seit 1992, seit ich Aufklärung betreibe über die „Kollektive Zivilisations-Neurose“, daß wir doch noch Gebrauch machen von unserer Intelligenz und die Krankheit erkennen und konstruktiv überwinden können – statt daran unterzugehen / auszusterben.

    Freundliche Grüße auch an Dr. Bau!

  5. alles Lüge schreibt:

    Hamburg…..Stadt der Staus und (Schul)“Reformen“..Stadt des Regens und der Vernebelung, der zugigen kalten Ecken und Straßenzüge..Stadt des Konsums, der Springerpresse und der Eigenlobhudelei, der Schaumschläger und der meisten Millionäre und Pfeffersäcke, der sozialen Ungerechtigkeit und der bundesweit größten Frauenaltersarmut.
    In Hamburg fördert man auch das „Selbstbestimmungsrecht“ Behinderter auf ganz besondere Weise! :- ( ..(dazu äussere ich mich hier und jetzt nicht ausführlicher)
    Wir kamen im Jahr 2000 (wieder) in Hamburg an und eine Zwölfjährige mußte im Abenddunkel auf den Steindamm kotzen! (wegen all dem aufgblähten Gigantismus, der Alb(p)träume verursachte…) Früher hieß es auf den Autoaufklebern noch : „Frohe und Hansestadt Hamburg“ …als die Stadt noch tatsächlich „weltoffen“ war :- )
    Bald darauf, im „noblen“ Gymnasium im Hamburger Westen, wurde sie gemobbt: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ …DIe 68-Lehrer-Rentnerband, die mit dem Pamphlet-in-die-Runde werfen, sangen mit…wenn sie sich nicht gerade – freshgestylt – im Straßencafe während der vielen Freistunden bei einem Latte vergnügten und von Nizza und Segeln träumten.
    Ansonsten:

    S T R E S S in einer veränderten Welt.

    Seit Jahrzehnten nichts drinnen in der Nahrung (Selen, Mangan, Zink, Vitamine), aber viel drauf..vor allem Nitrat, Uran, Polyethylen…
    Lifestyle-Milchprodukte, die keinem nützen. Süchtig und krank machendes Gluten in der Weizenwampe….(oder lokal der Franzbrötchenkultur….)
    Hamburgs Elder Statesman sagte zu hat Recht auf der Sicherheitskonferenz, Mü: „2050 sind wir 9 Milliarden Menschen und die Mehrheit wird vertikal in 20Millionenstädten leben.“

    Pyrroliker oder ADS sind dagegen ein winzig kleines Problemchen.

    Eine (vom ansässigen Robert-Koch-Institut nicht anerkannte Krankheit, die man heute allerdings ernst nehmen sollte)
    http://www.kpu-berlin.de/de/For_Neu_Heufelder.ht
    „Prof. Dr. med. Armin E. Heufelder, München

    Kryptopyrrolurie Studien mit AD(H)S-Schülern.

    Bereits im dritten Jahr führt Professor Heufelder Studien mit insgesamt 120 Schülern zwischen 6 und 14 Jahren durch. Es handelt sie jeweils um Paralellklassen normaler Volksschulen beziehungsweise Klassen mit verhaltensauffälligen Kindern. Bei der zweiten Gruppe zeigte sich ganz deutlich, dass bei einer Mehrzahl der Schüler vermehrte Kryptopyrrole im Urin nachgewiesen werden konnten. Diese Kinder erhalten über einen individuell verschiedenen Zeitraum das Vitamin B6 und Zink. So lange, bis sich die biochemischen Verhältnisse im Körper ausgeglichen haben. Bei 60 Kindern sind die Studien bereits abgeschlossen. Zielsetzung der Studien ist es, den Nachweis zu erbringen, dass es sinnvoll wäre, vor Einschulung bei allen Schülern das Kryptopyrrol zu testen. Nur so scheint es möglich, allen Schülern die gleiche Chance zu geben und ein Studium ihrer Inteligenz entsprechend zu ermöglichen. Die Studien können Sie zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle lesen. Zur Veröffentlichung bedarf es noch der Genehmigung einiger Schulen und Eltern.“

    Artikel zur Kryptopyrrolurie von Prof. Dr. med. Armin E. Heufelder

    • alles Lüge schreibt:

      Superchristen sind in meinen Augen keine Aspiranten für eine höhere Ethik!
      Was Superchristen durch ihre Fremdenfeindlichkeit und Feindschaft anzetteln, an Frauenverachtung und Ausgrenzung, Ignoranz und Nichtachtung und Diffamierung, an Erwartungsdruck und ausgeübter Leistungskontrolle ist GEFÄHRLICH! 😦 bis verdammungswürdig.Und steht einer Madame A.S. in Moral und Heuchelei in nichts nach!
      Mein Gottesbild und mein „Christenbild“ haben sich jedenfalls (aus Erfahrung und Praxis) nachhaltig geändert.(Ich hätte gar keinen Anlaß, mich ihnen wieder zuzuwenden!)
      Die Kirchenväter von damals, sind die Funktionäre und Wasserprediger von heute (die sich selbst und ihre Sippen in die Weinberge schlagen und sich hinter groß aufgedruckten Etiketten verstecken)
      WIE HATTE MAN N die Frauen doch instrumentaisiert und erniedrigt!Bäähh

  6. alles Lüge schreibt:

    Die Diskussion um die Hoheit über die Kinderbetten und Müttergerechtigkeit ist HEUCHELEI!…(einschl. von Leuten der Landeskirchlichen Gemeinschaft – ausgerechnet denen!……nicht nur der kath. Bischöfe)

  7. schöne Leserbriefe schreibt:

    akruell bei zeit-online zum FALL Schwarzer

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