BW Bildungsplan 2015 – Amoklauf der Akzeptanz

Sophie Dannenberg: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/amoklauf_der_akzeptanz   (12.2.):

In Brechts Theaterstück „Leben des Galilei“ gibt es eine Szene, in der Galileo den Gelehrten sein neues Fernrohr vorführen möchte. Ein einziger Blick durch das Fernrohr würde das geozentrische Weltbild widerlegen. Aber die Gelehrten weigern sich. Sie reden und reden, dann ziehen sie ab.

Diese wunderbare und zugleich schwer erträgliche Szene wiederholte sich gestern bei Maischberger. Thema der Sendung: „Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die ‚moralische Umerziehung‘?“ Alles lag auf dem Tisch – ein Medienkoffer, ein Aufklärungsbuch für Grundschüler, der Entwurf für den Bildungsplan aus Baden-Württemberg – und hätte nur gezeigt werden müssen, um den Zuschauern und auch den Diskutanten zu vermitteln, worum es im Unterrichtsmodell „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ geht.

Aber keiner der Gelehrten (zwei Homos, zwei Heteros, eine Tolerante) schaute drauf bzw. bekam überhaupt die Gelegenheit dazu. Alle redeten und redeten, und wie Galileo wollte man ihnen zurufen: „Aber die Herren brauchten wirklich nur durch das Instrument zu schauen!“ Dann hätten alle klar gesehen: Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg ist die Eislaufmutti unter den Sexualerziehern, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Sexualkunde in einen hyperaktiven Amoklauf der Akzeptanz zu verwandeln. Die Kinder sollen, statt Kinder zu sein, Sexualstreber werden, die nicht nur alles über Sex wissen, sondern auch alles gut finden. Gut finden müssen.

Die schon im Vorfeld der Sendung von aufgeregten Zuschauern attackierten Kritiker des neuen Unterrichtsmodells machten schnell klar, dass sie weder irgendetwas gegen Homosexuelle haben noch gegen einen Sexualkundeunterricht, der über alle Formen der menschlichen Sexualität aufklärt. Der Generalsekretär der “Deutschen Evangelischen Allianz“ Hartmut Steeb betonte, er würde seine Söhne genau so lieben, wenn sie homosexuell wären. Für ihn sei halt einfach das heterosexuelle Modell ein gesellschaftlich notwendiges Ideal. Die Journalistin Birgit Kelle wollte die Möglichkeit haben, ihrem Sohn selbst zu erklären, was schwul ist. Und sie fand es nicht angemessen, Viertklässlern was über lesbisches Lecken zu erzählen. Niemand widersprach.

Damit war eigentlich alles geklärt.

Man hätte nun gelassen über die Unterrichtspläne der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg diskutieren können. Aber das war nicht möglich, weil Frau Maischberger versuchte, die von ihr unterstellte und gewollte Frontstellung durchzusetzen: die netten, aber übel diskriminierten Schwulen auf der einen Seite und die strunzreaktionären heterosexuellen Schwulenhasser auf der anderen Seite, dazwischen Hera Lind, die nichts beizutragen hatte und darum nur ab und zu opportunistisch betonte, mit der Zeit würde sich sowieso alles von selbst erledigen.

Die Fakten wurden weitgehend ausgeblendet. Maischberger kramte fahrig einen Styropor-Penis samt Kondom aus dem Medienkoffer — für Grundschüler, zum Üben (http://www.cicero.de/berliner-republik/aufklaerung-zeiten-des-gender-mainstreaming/43249) und hielt ihn ratlos in die Runde. Dann wurde er schnell zurück zu den übrigen, nicht gezeigten Utensilien gelegt, und der Koffer blieb für den Rest der Sendung zu.

Das Bilderbuch „Wo kommst du her. Aufklärung für Kinder ab 5“ (http://www.welt.de/politik/deutschland/article115526137/So-schoen-ist-dass-es-schoener-nicht-werden-kann.html) wurde nach einem kurzen Kamerablick auf das Bild von einem erigierten Penis schnell wieder beiseite gelegt. Offenbar sind solche Bilder zwar für Fünfjährige geeignet, aber nicht für die Zuschauer des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens.

Frau Kelle wollte dann noch aus einem Leitfaden für sexuelle Vielfalt der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) zitieren, kam aber kaum zu Wort. Weil laut Statistik Geschlechtskrankheiten bei Lesben am wenigsten vorkämen, wird in diesem Leitfaden die Frage aufgeworfen, ob es daher für Frauen wirklich sinnvoll sei, heterosexuell zu sein. (https://www.gew-bw.de/Binaries/Binary20121/L-S-Lebenswesen.pdf) Frau Kelle wurde gleich unterbrochen, und die Diskussion mäanderte zum Hauptthema zurück.

Statt um Kindererziehung ging es nämlich endlos um die Frage, wie das ist, schwul zu sein. Vom Selbstdarsteller Oliver Knöbel alias Olivia Jones, bekannt aus Dschungelcamp und DSDS, war zwar nichts anderes zu erwarten außer einem farbenprächtigen Auftritt als Drag Queen. Aber dem erfahrenen CDU-Politiker Jens Spahn hätte man durchaus abverlangen können, zum Thema wenigstens ein paar Gedanken zu präsentieren, anstatt den ganzen Abend lang nur um sich und seine Homosexualität zu kreisen. Die Kinder in Baden-Württemberg waren ihm offensichtlich egal.

Damit zeigte die Talkshow exemplarisch, dass die Debatte über die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ vor allem Missverständnisse generiert.

Die Homosexuellen glauben, sie müssten angesichts der Debatte ihre Sexualität gegen homophobe Heteros verteidigen und sich von morgens bis abends erklären.

Die Heteros glauben, die Homosexuellen wollten ihnen die Kinder bereits im Grundschulalter versauen.

Und so bekriegen sie sich, anstatt gemeinsam jene Vollpfosten von Politikern abzusägen, die eine komplett unsensible, distanzlose und überfordernde Sexualerziehung propagieren. Diese Erziehung zur „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ hat mit Akzeptanz aber nichts zu tun und ist verlogen, solange die Akzeptanz der solcherart erzogenen Kinderdie Akzeptanz ihrer Grenzen, ihrer Intimsphäre, ihrer seelischen Verletzlichkeit mit Füßen getreten wird.

Die Talkshow hätte ganz anders laufen können.

Jens Spahn hätte, ohne sich irgendeinen Zacken aus der Krone brechen zu müssen, sagen können: „Frau Maischberger, es geht doch hier gar nicht um mich oder mein Schwulsein, sondern darum, wie wir unseren Kindern einen vernünftigen Sexualkundeunterricht bieten können, der sie informiert, aber nicht frühzeitig sexualisiert. Wenn wir einem schwulen Jugendlichen in der Schule heterosexuelle Rollenspiele aufzwingen würden, um ihm Akzeptanz zu vermitteln, wäre das ein Skandal. Umgekehrt soll das aber mit heterosexuellen Kindern gemacht werden. Und ist angeblich persönlichkeitsfördernd.“

Oliver Knöbel hätte, anstatt die übliche Travestie-Show abzuziehen, sagen können: „Sie kennen mich als Rampensau, aber diesmal komme ich ungeschminkt, um ein Zeichen zu setzen. Mir ist das Kindeswohl heute wichtiger als mein Ego. Ich finde auch, dass man Erstklässlern keine Bilder von erigierten Penissen zeigen muss. Pornographie ist toll, aber doch nicht für die Kleinen. Viel wichtiger wäre es, ihnen beizubringen, wie man sich vor sexuellen Übergriffen schützt. Wie man die eigene Intimsphäre hegt und die von anderen respektiert. Dann klappt’s auch mit der Toleranz.“

Hera Lind hätte sagen können: „Es geht hier auch um den Schutz der pubertierenden Schwulen. Die werden ja regelrecht unter Outingzwang gestellt und bekommen schablonenhafte Vorgaben, wie sie ihre Sexualität vorzuführen haben. Warum soll der schwule Jugendliche nicht, wie andere Jugendliche auch, eine Zeit des Fantasierens und Träumens und heimlichen Schwärmens in Anspruch nehmen dürfen? Das hat doch mit glücklicher und freier Sexualität nichts zu tun, wenn die von Politikern klischeehaft diktiert wird!“

Und Sandra Maischberger hätte alle Anwesenden fragen können: „Was hätten Sie sich gewünscht, damals, als Sie klein waren? Was für ein Unterricht hätte Ihnen geholfen, was wäre Ihnen zu weit gegangen? Lassen Sie uns doch aus Kinderperspektive über die Sache nachdenken, nicht aus der Perspektive politisierter Erwachsener!“

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L. S. Gabriel: http://www.pi-news.net/2014/02/maischberger-die-kelle-uebergebraten/   (12.2.):

Der Maischberger-Talk von Dienstag unter dem Titel “Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die moralische Umerziehung?” war ein Paradebeispiel für gesinnungsmoderierte Talkrunden. Wer es gesehen hat und zu halbwegs unverbildeter Wahrnehmung fähig ist, konnte unschwer erkennen, dass die Sendung von der Einleitung über die Moderation bis zu den Einspielern darauf abzielte, die Gegner des grün-roten baden-württembergischen Bildungsplans zu diskreditieren und deren gesellschaftliche Werte in ein krankes Licht zu rücken.

Gleich zu Beginn wird ein Filmbeitrag eingespielt, der Szenen der Stuttgarter Demonstration „Gegen die Indoktrination unserer Kinder – Stoppt den Bildungsplan 2015“ vom 1. Februar zeigt (PI berichtete) und auch durch Maischbergers Anmoderation offensichtlich suggerieren soll, dass gewaltbereite rechtslastige Staatsfeinde gegen etwas gesellschaftspolitisch Wertvolles agierten.In Folge lief die Sendung dann, wenig überraschend, in die schon zu Beginn vermutete Richtung. Aber dank der Familienrechtlerin und Buchautorin Birgit Kelle nahm sie dann wohl doch nicht ganz den Verlauf wie erwünscht.

Kelle als Bollwerk vor besorgten Eltern und einem gesellschaftsfördernden Wertemaßstab mit den Waffen einer geistigen Überlegenheit. Ihre Munitionspunkte: Die Erziehungshoheit gehört in die Hand der Eltern. Kinder sollten entwicklungsgerecht an die Themen des Bildungsplans herangeführt werden. Und die gerne verschwiegene Diskriminierung von Familien im naturgewollten Stil mit mehr als 1,4 Kindern.

Wie Recht sie mit Letzterem hat, merkt auch der Generalsekretär der Evangelischen Allianz Deutschlands, Hartmut Steeb, denn er sieht sich der Situation ausgesetzt, sich für seine zehn Kinder rechtfertigen zu müssen und vollkommen irrwitziger Weise auch dafür, dass er sich darüber freut, dass aus ihnen ganz normale heterosexuelle Menschen geworden sind.

Als Steeb einen von der “Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft” herausgegeben „Leitfaden für sexuelle Vielfalt“ anspricht, ein Papier, das Beispiele für den Bildungsplan liefert, wird er sofort niedergemacht. Birgit Kelle übernimmt und möchte erklären, was es damit auf sich hat.

Zuvor sagt sie, dass es für eine, wie der Bildungsplan fordere, fächerübergreifende Aufklärung keine Veranlassung gäbe, da dieses Feld ohnehin der Sexualkundeunterricht abdecke. Maischberger unterbricht sie und erklärt oberlehrerhaft, worum es aus ihrer Sicht im Bildungsplan ginge und um richtig Stimmung zu machen, fügte sie perfide hinzu, dass es schließlich mittlerweile auch zwei Gegenpetitionen gäbe, die auch schon von über 200.000 Personen unterzeichnet worden wären.

Danach erteilt sie Birgit Kelle gnadenvoll wieder das Wort, für ihr, wie Maischberger es nennt, „obskures“ Papier. Birgit Kelle informiert dann den erstaunt entsetzten Zuschauer über einen der ungeheuerlichen Punkte in diesem Leitfaden.

Fragen, die Jugendliche diskutieren sollten, wären unter anderem: Laut Statistik kämen Geschlechtskrankheiten bei Lesben am wenigsten vor und ob es deshalb für Frauen sinnvoll wäre, eine heterosexuelle Lebensweise zu führen und so das Risiko von Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaften einzugehen. Der Zuschauer hat das eben Gesagte in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit noch gar nicht verdaut, da unterbricht auch schon Olivia Jones lautstark und lacht: „Da sehen Sie doch, wie wichtig das jetzt ist, dass Sie das auch noch glauben!“

Im Laufe der Diskussion kommt noch heraus, dass Jones wohl ein von „es“ (Definition Jones) geschriebenes Kinderbuch promoten wollte, das kein Verlag haben will und „es“ die Meinung vertritt, dass Kindern schon mit vier Jahren erklärt werden müsse, dass es Schwule und Transen gäbe. Hera Lind nickt zustimmend.

Kelle fordert vernünftiges Unterrichtsmaterial, eine einheitliche Herangehensweise an den Sexualkundeunterricht und entsprechende Information der Eltern. Sie führt ins Feld, dass im Zuge dieser Debatte unglaubliche Unterrichtsmethoden ans Licht gekommen wären. Lehrer hätten sich bemüßigt gefühlt, Kindern zu erklären, wie sich Lesben gegenseitig befriedigen. Maischberger winkt abwertend mit der Hand und spricht von „Einzelfällen“.

Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, argumentiert, nachdem er ganz zu Anfang versucht hatte, Hartmut Steeb einzuschüchtern, im Verlauf der Sendung dann aber erstaunlich sachlich und weitgehend fair.

Über Hera Lind kann man nur sagen, dass ihr Weltbild dem ihrer Bücher entspricht, seicht und anspruchslos.

Maischberger hat an diesem Abend wenig professionell agiert und eindeutig Partei für die linken Gesellschaftszerstörer mit Worten, Gesten, in Tonfall und Mimik ergriffen – deutlicher geht es eigentlich nicht mehr.

Insgesamt war die Sendung, so wie wir es aus anderen derartigen Runden kennen: Menschen mit einer konservativen, auf einer gesunden Vorstellung von der gesellschaftlichen Entwicklung fußenden Meinung werden als nicht ernst zu nehmend hingestellt und es wird der Versuch unternommen, sie als gesellschaftsfeindlich und krank, nämlich in diesem Fall als homophob, darzustellen. Hier vollbrachte die Gastgeberin sogar noch das Kunststück, die Wahrheit umzukehren und die offensichtliche Position der Sendungsredaktion zum Opfer von Hetze hochzustilisieren.

Was bleibt, ist der Eindruck einer starken Birgit Kelle, die sich nicht beirren ließ und trotz einiger unqualifizierten Attacken sachlich, ruhig und kompetent argumentierend Maischberger und auch die Transe ziemlich alt aussehen ließ.

Wer allerdings die Internetseite des Schwulen- und Lesbenmagazins Queer besucht, hat den Eindruck, es müsste die selbe Sendung auch in einem rosa-lila Paralleluniversum gelaufen sein, denn dort fühlt man sich in der Talkshow in die Defensive gedrängt und natürlich von Homohassern verfolgt. Beinahe schon erheiternd ist es, dass Maischberger es auch den Extremhomos nicht recht machen konnte:

Wie Maischberger zum Ende der Sendung hetzerische Kritik am Bildungsplan mit der Kritik an ihrer Sendung durch Homosexuelle gleichsetzte, lässt einen sprachlos zurück.

Es wäre angebracht, dass die Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Trans- und Intersexuellen (LSBTTI-Menschen) langsam wieder runter kommen auf den Boden der Tatsachen. Denn sie sind in Deutschland weder verfolgt noch bedroht. Genaugenommen sind nicht die konservativ Heterosexuellen und Nicht-LSBTTI-Menschen pathologisch relevant gestört, nein, die wahren Phobiker sind diese Schreihälse, deren Paranoia aus der Angst erwächst, wieder in der Normalität des Lebens unterzugehen, zu verschwinden zwischen einer heterosexuellen, familienorientierten Gesellschaft mit Moral- und Wertvorstellungen.„Homosexuelle sollen sich nicht rechtfertigen müssen“, fordert „Queer“. Nein, müssen sie auch nicht. Dem Großteil der Bevölkerung wäre es auch völlig egal, würde, was privat bleiben sollte, nicht mit einer derartigen Impertinenz zur Schau gestellt und alle anderen zu Voyeuren ihrer sexuellen Spielweisen gemacht werden. Wenn eine Minderheit der Mehrheit etwas aufzwingt, nennt man das Diktatur, die politische ist schrecklich – die sexuelle widerlich.

Video: http://livingscoop.com/watch.php?v=MzMyNg== (11.2.   74:35)

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Siehe dazu: https://kreidfeuer.wordpress.com/2014/02/11/maischberger-moralische-umerziehung-zur-akzeptanz-sexueller-vielfalt/

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Ergänzung 15.2.2014:

http://www.freiewelt.net/interview/umerziehung-zum-neuen-menschen-10024710/   (14.2.):

Bereits die Ankündigung der Talkrunde »Menschen bei Maischberger« zum Thema Bildungsplan in Baden-Württemberg hat die Emotionen hochkochen lassen. FreieWelt.net sprach mit der Journalistin und Buchautorin Birgit Kelle über ihren Auftritt in der Sendung, Erziehungsrechte und Meinungsfreiheit.

FreieWelt.net: Vor wenigen Tagen waren Sie als Gast in der Sendung »Menschen bei Maischberger«, um über den umstrittenen baden-württembergischen Bildungsplan zu diskutieren. Das schwul-lesbische Magazin “Queer” hatte das im Vorfeld scharf kritisiert. Ihnen werde damit eine Plattform geboten, die Ihnen nach dem sog. »Waldschlösschen-Appell« [siehe unten] nicht zustünde. Weshalb will man Ihnen den Mund verbieten?

Birgit Kelle: Ich argumentiere bei öffentlichen Auftritten stets betont sachlich gegen die Genderisierung unserer Gesellschaft, gegen die Frühsexualisierung unserer Kinder in der Schule und insbesondere für die traditionelle Familie aus Vater, Mutter und Kindern. Das passt diesen Herrschaften nicht in den Kram. Und weil ich so gar nicht dem Bild der freudlosen Spießerin, die statt von Parfum von Weihrauchdüften umweht wird, entspreche, versucht man nun, mich persönlich zu desavouieren. Das ist keine neue Strategie. Fragen Sie mal Eva Herman. Alles, was dem Mainstream nicht entspricht, wird an den Rand gedrängt, beleidigt und verhöhnt. Auch dieses Mal gab es auf twitter Zeitgenossen, die vollkommen überfordert damit sind, eine sachliche Diskussion zu führen. Stattdessen will man mir »auf die Fresse« hauen, bezeichnet mich als »dumme Kuh« oder als »geifernde Reaktionärin«. Jeder, der die Sendung gesehen hat, weiß, was für ein unfassbarer Schwachsinn eine solche Einordnung ist.

FreieWelt.net: Müsste man hier nicht mal eine Gegeninitiative starten, die sich für die Einhaltung von Meinungsfreiheit in den Medien einsetzt?

Birgit Kelle: Das muss man gar nicht organisieren. Jeder kann Frau Maischberger oder Chefredakteuren von Tageszeitungen einen Brief schreiben. Nur in den sozialen Netzwerken muss mehr passieren, besonders auf twitter, wo der pöbelnde Mob immer am ausuferndsten wütet. Ich freue mich, wenn ich nach so einer Sendung 500 zustimmende Mails erhalte, aber gut wäre auch, wenn zwei Dutzend von denen abends bei twitter dagegen halten würden. Und zwar so, wie es Bürgerliche tun, nämlich sachlich.

FreieWelt.net: Das »Queer-Magazin« nannte Sie in demselben Beitrag einen »notorischen Homo-Hasser«. Von vielen Medien ist das unhinterfragt einfach so übernommen worden. Auf welche Aussagen von Ihnen stützt sich das Queer-Magazin denn konkret?

Birgit Kelle: Keine Ahnung. Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemals abwertend oder abfällig über Homosexuelle gesprochen. Warum auch? Was geht es mich an? Wer homosexuell ist, ist es eben. Wir erleben ja derzeit alle paar Tage ein »Outing« von Politikern oder Fußballprofis im Ruhestand. Die Medien machen dann einen großen Hype daraus. Mein Eindruck ist aber, dass es die große Mehrheit der Bevölkerung nicht interessiert. Diese Gesellschaft ist viel toleranter, als die Schreihälse der Homo-Lobby wahrhaben wollen.

FreieWelt.net: »Dass Maischberger irgendwann mal Nazis einlädt, um mit ihnen über Antisemitismus zu plaudern, kann man mittlerweile nicht mehr ausschließen«, zitierte der Stern den Journalisten René Martens mit Blick auf Ihre Haltung zu »sexueller Vielfalt« im Unterricht. Sind Sie jetzt auch noch ein Nazi?

Birgit Kelle: Der Vorwurf kommt bestimmt auch noch. Ich vertraue einfach darauf, dass sich die ganz normalen Menschen in Deutschland von diesem Quatsch nicht einlullen lassen. Mein Thema ist übrigens nicht die Homosexualität, sondern der Kampf für mehr Anerkennung und eine bessere Absicherung der Familien in Deutschland, die in der Politik keine Lobby haben. Es werden Unsummen für Krippenausbau ausgegeben. Meinetwegen. Aber es ist völlig inakzeptabel, dass man 65 % der Eltern, die ihre Kinder bei den ersten Schritten ins Leben selbst begleiten und dafür auf Vieles verzichten, sagt: Für Euch ist leider kein Geld mehr da. Denen sage ich: Es ist Geld da in diesem Land, für alles Mögliche. Und Ihr habt ein Recht darauf, dass Eure Leistung anerkannt und gefördert wird. Wir reden ja viel über Sexismus in Deutschland. Dass Politiker hierzulande Mütter, die zu Hause ihre Kinder erziehen, als »Heimchen am Herd« beleidigen dürfen – das ist der wahre Sexismus unserer Zeit.

FreieWelt.net: Im Medienecho am Tag nach der Sendung ging es mehr um die »geifernde Reaktionärin Birgit Kelle«, wie der Mediendienst »Meedia« Sie nannte, denn um Inhalte. Was sind Ihre Vorbehalte gegen den Bildungsplan 2015?

Birgit Kelle: Auch heute kann und wird im Sexualkundeunterricht ein Thema wie Homosexualität behandelt. Aber das reicht den Volks-Umerziehern nicht aus. Ihnen reicht es nicht, dass Homo, Bi, Trans in der Gesellschaft toleriert wird. Sie wollen, dass wir es alle ganz toll finden müssen. Und da gehe ich nicht mit. Und der zweite, ebenso wichtige Punkt: Erziehung ist das vorrangige Recht der Eltern im Land. Das ist sogar in unserem Grundgesetz festgeschrieben. Wir schicken unsere Kinder in die Schulen, damit sie Lesen, Rechnen, Schreiben lernen und etwas über Geschichte, Physik und Erdkunde erfahren. Aber wir stellen unsere Kinder nicht den Ideologen für eine Umerziehung zum neuen Menschen zur Verfügung.

FreieWelt.net: Welche Reaktionen haben Sie auf Ihren Auftritt bei Maischberger erhalten?

Birgit Kelle: Das Übliche, dem sich jeder aussetzt, der es wagt, zu diesem Thema in eine Talkshow zu gehen, ohne sich dabei in eine Regenbogenfahne zu wickeln. Eine Reihe derber Beleidigungen, eine Reihe verbreiteter Zitate, die ich nie geäußert habe, und einige wenige Drohungen mit Gewalt. Es ist wirklich erstaunlich bis lächerlich, dass sich auf twitter einige pubertierende Kinder auch zwei Tage später noch am Gebrauch des Wortes »lecken« erfreuen können. Aber das Entscheidende sind die bisher gut 500 zustimmenden Mails, die ich aus allen Teilen Deutschlands erhalten habe. Wenn diese Leute aufstehen und sich auch aktiv in diesem Kulturkampf zu Wort melden, wird die Rechnung der Umerzieher nicht aufgehen.

FreieWelt.net: Machen Sie jetzt um dieses Thema einen Bogen oder werden Sie – sofern der »Waldschlösschen-Appell« nicht doch noch greift – auch künftig für die Ehe zwischen Mann und Frau in den Medien streiten?

Birgit Kelle: Das werde ich ganz sicher. Und der »Waldschlösschen-Appell« interessiert mich überhaupt nicht, weil wir in diesem Land eine freie Presse haben, die sich um solche Kinkerlitzchen zu Recht nicht kümmert. Gut 80 Prozent aller Kinder in Deutschland wachsen auch heute noch bei ihren verheirateten Eltern auf. Wenn man Zeitungen liest, könnte man ja den Eindruck bekommen, die gibt es vor lauter gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gar nicht mehr. Und alle Jugendstudien belegen Jahr für Jahr, dass es für drei Viertel der Heranwachsenden einer der größten Wünsche ist, später zu heiraten und Kinder zu haben. Ja, manche Ehen scheitern. Davor kann niemand die Augen verschließen. Die Ehe von Mann und Frau ist nach wie vor ein großartiges Erfolgsmodell, das übrigens weltweit schon viele Jahrhunderte besteht – auch ganz ohne Politik und staatliche Einmischung.

FreieWelt.net: Herzlichen Dank für das Gespräch!

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/queer-sandra-maischberger-und-der-waldschloesschen-appell-im-wortlaut/9464484.html   (11.2.):

Das Lesben- und Schwulenmagazin „Queer“ hatte sich bei seinen Angriffen auf Sandra Maischberger auf den “Waldschlösschen-Appell” berufen. Dieser listet exakte Vorschriften auf, was Medien berichten dürfen sollten und was nicht. Lesen Sie hier den Wortlaut. …

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Ergänzung 16.2.2014:

Michael Paulwitz: http://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2014/angriff-aus-bruessel/   (15.2.):

… Es geht um die Grundsatzentscheidung zwischen Freiheit und totalitärer Entmündigung.

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Ergänzung 17.2.2014:

Klaus Kelle: http://www.kath.net/news/44896   Die Autopsie einer Schmutzkampagne   (14.2.):

Rund um die jüngste Maischberger-Sendung über den rot-grünen Bildungsplan für Baden-Württemberg schaut man erstaunt auf die begleitende Berichterstattung und fragt sich: Haben die alle etwas anderes gesehen? Dabei ist die Medienkampagne ein Paradebeispiel dafür, wie weit die Politische Korrektheit die Wirklichkeit vernebelt.

… Lassen Sie mich zu Beginn sagen, dass die katholische Talkshow-Teilnehmerin und Familienrechtlerin Birgit Kelle meine Frau ist. …

… Das „Community“-Portal „Queer“ startete mit dem Holzhammer. Leute wie Steeb und Kelle dürfe man nicht ins Fernsehen einladen, schrieb man dort und appellierte an die Maischberger-Redaktion, diese Gäste auszuladen, da es sich um „Homo-Hasser“ handele. …

… Doch nur wenige Stunden später rauschte es im Blätterwald. „Empörung vor der Maischberger-Sendung“ meldeten die Medien landauf, landab und verbreiteten das Queer-Ansinnen an ein großes Publikum. Stern, Bunte, Stuttgarter Zeitung, Focus usw. berichteten, teils in großer Aufmachung, in ihren Online-Ausgaben. …

… Bei diesem Thema können Sie sagen, was sie wollen, als Christ oder Konservativer ist es immer falsch. …

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Ergänzung 20.2.2014:

Hartmut Steeb: http://www.theeuropean.de/hartmut-steeb/7866-aufruhr-im-laendle   (15.1.):

Revolution von oben

Gleichmacherei wie in Baden-Württemberg missachtet die Verfassung und das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Über 60 Jahre bin ich Baden-Württemberger, Stuttgarter. Hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, Ausbildung gemacht, Fachhochschule absolviert, beruflichen Aufgaben nachgegangen, geheiratet, Kinder gezeugt, alt geworden. Im Musterländle bin ich zu Hause. Weil die baden-württembergische Landesregierung viele Fehler gemacht hat, der bewährte Erwin Teufel als Ministerpräsident „vom Hof gejagt“, sein Nachfolger bald nach Brüssel „abgeschoben“ wurde und nichts Besseres nachkam, bedurfte es nur noch eines Unfalls in Japan und einer misslungenen Kommunikation beim Projekt Stuttgart 21, dann kam der Sinneswandel. Die stärkste Partei blieb in der neuen Legislaturperiode von der Regierung ausgeschlossen, weil Kleinere Aufwind spürten. Grün-Rot herrscht jetzt in Baden-Württemberg und in Stuttgart.

Ja, sie „herrschen“. Sie wollen die kurze Chance nutzen, das Ländle gründlich umzubauen. Eine neue Politik des „Gehörtwerdens“ wollte der erste grüne Ministerpräsident einführen. Schluss mit der „Basta-Politik“ sollte sein. Aber offenbar auch gleich Schluss mit gesetzten und bewährten Werte-Entscheidungen, die frühere Generationen bewusst getroffen hatten. Grün-Rot plant die Kulturrevolution von oben. Was kümmert die politischen Bildungsplaner die Grundwerte-Entscheidungen im Grundgesetz, wonach „Ehe und Familie“ „unter dem besonderen Schutz des Staates“ stehen und die „Erziehung das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ ist? Was kümmert sie die Verfassungsvorgabe des Landes vom „christlichen Sittengesetz“ und die daraus resultierenden Schulgesetze, dass die „Kinder in der Ehrfurcht vor Gott“ zu erziehen wären?

Umdeutung des Familienbegriffs

Es werden einfach bildungspolitische neue Leitsätze erfunden, zu denen die Akzeptanz „sexueller Vielfalt“ gehört. Anstatt die verfassungsmäßigen Leitsätze als Schwerpunkt- und Querschnittsaufgaben für den Bildungsplan festzuhalten, werden die Interpretation und die Diktion einer sexuellen Minderheiten-Interessengruppe übernommen. Man schwadroniert von „sexueller Vielfalt“ und übernimmt die Formulierungen aus den Papieren einschlägiger LSBTTII-Gruppen. Man tut so, als ob es kein Naturgesetz sei, dass sich der Mensch durch die geschlechtliche Vereinigung von Frau und Mann fortpflanzt. Und damit man schlechter mit der Verfassung argumentieren kann, werden die Begriffe eben uminterpretiert. Dann ist Ehe nicht mehr – wie seit tausenden von Jahren und wie von den Verfassern des Grundgesetzes für selbstverständlich vorausgesetzt – die lebenslange Gemeinschaft zwischen einer Frau und einem Mann, aus der durch Kinder eine Familie wird. Dann behauptet man, es könne auch Mann und Mann oder Frau und Frau sein. Und Familie ist dann überall dort, wo Erwachsene mit Kindern zusammenleben.

Die Nachhaltigkeit sexueller Entfaltung durch Kinder, die ein Recht auf Vater und Mutter haben, deren Leben eingebettet sein soll in optimale Wachstumsbedingungen, nämlich der Liebes- und Treuegemeinschaft seiner Eltern, wird geopfert auf dem Altar sexueller Lust und Beliebigkeit. Homosexualität, Transgender, polyamoröses Leben – folgerichtig dann ja auch Polygamie – soll als gleichwertig anerkannt und gefördert und beschult werden. Und da muss doch einem echten Mann aus dem Ländle die Frage erlaubt sein, ob man Erkenntnisse der Gewaltenteilung schlicht vergessen hat? Wieso darf denn eine Regierung an den Verfassungszielen und Verfassungsinhalten vorbei faktisch ein verfassungswidriges Leitbild in den Bildungsplan schreiben?

Wieso kann eine „grün“ geführte Regierung gegen alle hehren Grundsätze der Nachhaltigkeit ausgerechnet im Zentralbereich gesellschaftlichen Handelns Nicht-Nachhaltiges, nur auf sich selbst und die eigene Lust Konzipiertes, gleichstellen wollen mit Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der Menschen? Und wenn dann einer sagt, man brauche ja heute nicht mehr die geschlechtliche Vereinigung zwischen Frau und Mann, um Kinder zu zeugen – also nachhaltig zu wirken – dann muss man doch gerade die Grünen fragen, warum sie ihre Ziele durch Missachtung von natürlichen Läufen herbeiführen wollen? Kann man Gentechnik gegenüber kritisch eingestellt sein, aber anstelle natürlicher Vermehrung auf Operationen, Geschäfte mit Samen und Eizellen, Handel über Menschen und menschliche Körperteile, die Erzeugung von Kindern und ihr zukünftiges Leben setzen? Einfach mal mit Menschen experimentieren?

Sozialkrankheit „Homophobie“

Der Widerstand im Ländle und in der Republik ist heftig. Aber Politik und Medien sorgen schon dafür, ihn möglichst mundtot zu machen. Es sind ja vermeintlich die „Rechten“, die sich da noch auflehnen, die „Fundamentalisten“. Die „Erzkonservativen“ sind im Widerstand. Da wird den Gegnern dieser naturfeindlichen Gleichmacherei eben die Sozialkrankheit „Homophobie“ unterstellt. Sie werden also als gesellschaftlich krank diskreditiert und diskriminiert, der Petent als einer Sekte angehörig bezeichnet, obwohl weder die erwähnte Prisma-Gemeinschaft den Tatbestand einer Sekte erfüllt noch der Petent dort Mitglied ist. Nein, er ist als landeskirchlicher Prädikant anerkannt.

Ich bin wirklich erstaunt und erschrocken, mit welcher Intoleranz gegenüber Andersdenkenden die Akzeptanz jedes Lebensstils gefordert wird. Und dazu passt dann auch das völlig intransparente undemokratische Verhalten der politischen Bildungsplaner. Erst aufgrund des öffentlichen Drucks hat man die Papiere am 10. Januar auch öffentlich zugänglich gemacht. Vorher wurden manche Anfragen abgewiegelt oder von der Kultusverwaltung einfach ignoriert. Wenn denn wenigstens alles gleichgültig wäre? Nein, man darf alles sein, nur nicht gegen die Revolution von oben. Da hört Demokratie und Toleranz auf. Aber diesem „Homofundamentalismus“ muss man widersprechen. Nicht nur als Baden-Württemberger.

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