Edathygate: Abgrund an Heuchelei und Doppelmoral

Michael Paulwitz: http://jungefreiheit.de/allgemein/2014/von-heuchlern-regiert/   (22.2.):

Kleinkariert, glanzlos und unappetitlich – so kommen politische Skandale in Deutschland üblicherweise daher. Und so haben sich die Bundesbürger daran gewöhnt, daß ihre Politiker selbst im Scheitern oft das Mindestmaß an Größe und Anspruch auf Respekt vermissen lassen.

Im Fall des in der kinderpornographischen Schmuddelecke versunkenen SPD-Stars Sebastian Edathy liegt indes mehr auf dem Tisch als die, wenn nicht strafrechtlichen, so doch sittlichen Verfehlungen eines abgestürzten Moralapostels. Der Umgang der etablierten Parteienoligarchie mit der ans Tageslicht gekommenen Affäre zeichnet das Bild einer inwendig verkommenen politischen Klasse, die in ihrem grenzenlosen Gruppenegoismus über den Regeln zu stehen glaubt und keine Hemmungen hat, sich den Rechtsstaat zur Beute zu machen.

… Im luftdicht abgekapselten Berliner Politikbetrieb sind die Antreiber auf den hohen Moralrössern manchmal lästig, meistens aber nützlich und willkommen. Sebastian, der Moralist, hatte sich durch sein bisheriges Treiben für einen Posten in der Großen Koalition empfohlen. Dieser einen Imageschaden zu ersparen, schien während der Koalitionsverhandlungen dem damaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wichtiger, als Schaden vom Rechtsstaat abzuwenden und der Justiz ihren Lauf zu lassen – also verriet er das Dienstgeheimnis des Ermittlerverdachts gegen Edathy brühwarm an Sigmar Gabriel. Der nutzte das ihm zugefallene Wissen rücksichtslos zum Vorteil der eigenen Partei, plauderte es an wichtige Strippenzieher weiter und nahm damit zumindest billigend in Kauf, daß früher oder später der Beschuldigte selbst davon Wind bekam und dem Staatsanwalt eine lange Nase drehte.

… Kanzlerin …, die im selben Atemzug das „Vertrauen in der Koalition“ und das „Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat“ beschwört.

Wenn der beschädigt wurde, dann in diesem Fall durch die gesamte politische Klasse. „Edathygate“ eröffnet tiefe Einblicke in einen Abgrund an Heuchelei und Doppelmoral. Zu sehen ist darin eine Parteienkaste, die ihr eigenes Wohl mit dem des Gemeinwesens gleichsetzt, die parteienübergreifend glaubt, der Zweck, ihr eigenes Ansehen und ihre ungestörte Machtausübung zu schützen, rechtfertige alle Mittel bis hin zur Sabotage juristischer Verfahren. Rücktritte und Parteiengezänk sind Teil der Inszenierung, sie stabilisieren den Korpsgeist der politischen Klasse und halten das Publikum ruhig. So lange jedenfalls, wie es sich dieses Schmierentheater bieten läßt.

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Ergänzung:

Vera Lengsfeld: http://ef-magazin.de/2014/02/19/4981-edathygate-veritable-krise-der-demokratie:

… Fragen wirft auch die Mitteilung von Regierungssprecher Seibert auf, die Kanzlerin hätte „nach ihrer Erinnerung“ bevor die Edathy-Affäre öffentlich geworden wäre, keine Kenntnis davon gehabt.

Die geringste der Fragen ist, was die Mitarbeiter der Kanzlerin in der Fraktion taugen, wenn ihnen verborgen blieb, was selbst CDU-Hinterbänkler gehört hatten. Schwerer als die Koalitionskrise, die offensichtlich beigelegt werden soll, obwohl die Abgründe, die der Fall Edathy sichtbar gemacht hat, eigentlich unüberwindbar sind, wiegt das merkwürdige Verhalten der Verwaltung des Deutschen Bundestages. Obwohl bekannt war, dass inkriminierende Bilder über den Bundestags-IT-Server heruntergeladen wurden, haben die Verantwortlichen des Hohen Hauses, entgegen ihrer Zusicherung an die Staatsanwaltschaft, weder das Büro von Edathy gesichert noch den angeblichen Diebstahl des Bundestagscomputers von Edathy, der erst Tage nach dessen Mandatsniederlegung von Unbekannt per Fax gemeldet wurde, der Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

… Warum ist das bei Edathy unterblieben? Warum ist das Fehlen seines Bundestagslaptops tagelang nicht aufgefallen, auch dann nicht, als die Staatsanwaltschaft bereits Haussuchung in den Räumen von Edathy gemacht hatte? Warum hat die Bundestagsverwaltung die Staatsanwaltschaft erst informiert, nachdem der „Stern“ dem gestohlenen Laptop auf die Spur gekommen war?

Regierungen kommen und gehen, der Bundestag bleibt. Er ist nicht nur der Gesetzgeber, sondern auch der Kontrolleur der Regierungen. Wenn die Bundestagsverwaltung so lax mit Recht und Gesetz umgeht, wie im Fall Edathy, haben wir es nicht nur mit einer Koalitionskrise zu tun, sondern mit einer veritablen Krise der Demokratie.

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Ergänzung 24.2.2014:

http://lepenseur-lepenseur.blogspot.co.at/2014/02/der-mohr-hat-seine-schuldigkeit-getan.html   (14.2.)

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Ergänzung:

http://www.danisch.de/blog/2014/02/18/alice-schwarzer-ist-tot/:

Also nicht die Frau Alice Schwarzer, sondern das Thema Schwarzers Steuerhinterziehung. Ist Euch mal aufgefallen, wie schnell und gründlich das aus der Presse verschwunden ist? Und wie intensiv man sich plötzlich mit Edathy und den bösen, männlichen Kinderpornoguckern befasst?

… Obwohl: Eigentlich ist Edathy ja ziemlich blöde. Saublöde. Denn er könnte ja ganz einfach aus der Sache rauskommen. Was jetzt einfach fehlt, ist sein Coming Out: Der muss eigentlich nur sagen, dass er schwul ist. Und dass er sich deshalb ja gerne kleine Jungs und nicht kleine Mädchen anguckt. Und dass er jetzt bitte den politisch gebührenden Respekt für seine Homosexualität einfordert und nicht länger ausgegrenzt und angeprangert, sondern gemocht und akzeptiert werden will. Vielfalt und so.

… Es müsste eigentlich jedem einleuchten, dass der schwul sein muss.

Aber es erwähnt keiner. Niemand spricht es aus. Weil ja der Zusammenhang Schwule–Kindesmissbrauch politisch gar nicht erlaubt ist. Also lässt man ihn lieber als typischen Normalmann dastehen und hängt es den heterosexuellen Männern an, dass sie so gemein wären, sich kleine nackte Jungs anzusehen. Denn auch Schwule und Lesben sind herzensgut, und für das Böse allein die Heteromänner zuständig. Sogar dann, wenn es um kleine Jungs geht.

Trotzdem: Wäre ich Edathys Berater, dann würde ich ihm jetzt dringend anraten, den Spruch zu bringen: „Ich bin schwul! Findet Ihr das etwa nicht gut?”

Sofort wäre Ruhe. Das Thema wäre so tot wie Schwarzers Steuerhinterziehung. Vielleicht noch ein Nachruf, dass er es von Herzen bereut. Der Gute!

Schon mal drüber nachgedacht, wieviel die deutsche Presse noch taugt?

(Gefunden via http://lepenseur-lepenseur.blogspot.co.at/2014/02/schon-mal-druber-nachgedacht-wieviel.html)

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Eine Antwort zu Edathygate: Abgrund an Heuchelei und Doppelmoral

  1. La majorité opprimée schreibt:

    Tja…mit erhöhten Diäten Kinderpornos horten.

    Du mußt ein Schwein sein in dieser Welt
    Du mußt eine Politpappnase sein in dieser Welt, besser noch ein Doktor Blender

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