Amazon: Rechte Buchtitel, Autoren und Verlage ausselektiert

André F. Lichtschlag: http://ef-magazin.de/2014/02/26/5010-amazon-gegen-antaios-franzoesischer-schriftsteller-in-deutschland-aussortiert:

Ein Land wie von Sinnen

Der Schriftsteller Jean Raspail ist in Frankreich nicht irgendwer. Die Académie française verlieh ihm 1970 ihren Jean-Walter-Preis für sein Gesamtwerk. Und 2009 zeichneten ihn die Editions de Mathusalem mit dem Prix Wartburg de Littérature für sein Lebenswerk aus.

Drei seiner Romane sind derzeit in deutscher Sprache erhältlich. Durch die Zensurpolitik des Buchriesen Amazon (ef berichtete gestern an dieser Stelle) finden deutsche Literatur-Interessierte auf dessen Seiten allerdings nur einen einzigen Titel – den Roman „Sire“, der im Verlag Nova & Vetera erschien.

Raspails bekanntestes Werk „Das Heerlager der Heiligen“ ist bei Amazon dagegen schon seit geraumer Zeit nicht zu finden, nachdem das Unternehmen den Verlag Hohenrain zensierte. „Zensiert“ ist tatsächlich das treffende Wort, weil nicht einmal Drittanbieter das Buch bei Amazon anbieten dürfen und es auch antiquarisch wie nicht existierend nicht angezeigt wird, jenes Buch also, das in Frankreich ein Bestseller war und mit großem Lob in der „FAZ“ besprochen wurde.

Seit ein paar Tagen ist nun auch das dritte Buch Raspails in deutscher Sprache auf diese Weise ausgelöscht. Jetzt griff die politische Zensur des amerikanischen Vertriebsriesen nach dem Antaios-Verlag und dessen Raspail-Titel „Sieben Reiter verließen die Stadt“.

Ein unbequemer Verlag nach dem anderen wird indiziert – Salamitaktik nennt man das wohl. Wir dürfen uns einmal einmal vorstellen, was im einstigen Land der Dichter und Denker los wäre, wenn Günter Grass oder Charlotte Roche oder auch nur ein paar Linksaußen-Verlage von Amazon auf den Index gesetzt werden würden. Von „Spiegel“ bis zur Tagesschau gäbe es einen Aufschrei, der bis nach Paris schallen würde: „Meinungsfreiheit!“ würden sie einfordern. Und tun es jetzt nicht, wenn es Andersdenkende trifft. Unzählige große Verlage würden im Streiten für diese leicht einseitige „Meinungsfreiheit“ dem Unternehmen Amazon ihrerseits mit Boykott drohen…

Der französische Schriftsteller Jean Raspail sollte mit dergleichen nun allerdings nicht rechnen. Hierzulande ducken sich jetzt sogar jene lieber mal schnell weg („Ich habe immer gute Erfahrungen mit Amazon gemacht!“), die von Hause aus nicht feige sind und doch eigentlich wissen, dass dieses Land wie von Sinnen ist.

Wohlgemerkt: Amazon kann und soll machen, was es will. Zum Beispiel Buch.de ist eine gute Alternative, dort sind die beiden Bücher von Raspail und alle anderen Titel dieser Verlage nach wie vor erhältlich. Das Problem ist vielmehr, dass Amazon nicht aus freien Stücken zensiert, wie es gerade lustig ist, sondern von totalitären Gesinnungswächtern dazu genötigt wurde, die Amazon zum Beispiel im „Netz gegen Nazis“ (unterstützt von der Wochenzeitung „Die Zeit“ und dem Deutschen Fußball-Bund) wiederholt an den Pranger stellten, nur weil dort Literatur verkauft wurde, die den modernen Bücherverbrennern missfällt. Der Skandal betrifft also willfährige Helfershelfer wie den DFB und die „Zeit“ weit mehr als irgendeinen Buchhändler und dessen Sortiment (auch wenn das amerikanische Unternehmen Amazon im Mutterland der Meinungsfreiheit ein gänzlich anderes Selbstverständnis zeigt). Es ist der fehlende Aufschrei, der ob solcher wiederholten Reinigungsaktionen ängstigen muss. Es geht um die Feigheit und Verlogenheit allzu vieler Journalisten und Schriftsteller in Deutschland.

Siehe auch:

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Ergänzung 28.2.2014:

Michael Klonovsky: http://ef-magazin.de/2014/02/26/5012-sarrazin-antaios-und-amazon-grossen-zeiten-entgegen:

Antifa und Brüssel schnüren das meinungspolitische Zwangskorsett immer enger

Nahezu zeitgleich erreichen mich die Information eines kleinen rechten Verlages, dass Amazon klammheimlich und ohne jede Begründung sämtliche aktuellen Bücher desselben aus dem Angebot genommen hat – keine Sorge, Lenins und Stalins Werke kann man dort weiterhin beziehen (und immerhin das ist gut so!) –, sowie der Brief eines aus der diskursiv sich permanent besinnenden deutschen Öffentlichkeit seit längerem exkommunizierten Professors, der sich darüber beschwert, dass in offiziellen und halboffiziellen (also Medien-)Darstellungen der Reichskristallnacht im vergangenen Jahr entgegen der von ihm sauber dokumentierten Quellen, ja diese oft in ihr Gegenteil verkehrend, der Eindruck erweckt wurde, „die“ Deutschen hätten weiland der Judenverfolgung freudig „johlend“ ihre Zustimmung nicht versagt, aber keine hiesige Gazette sei bereit gewesen, seine Version abzudrucken. Und nochmals zeitgleich erfahre ich nahezu unisono aus sämtlichen Medien, das neue Sarrazin-Buch sei ein (weiterer) Schmarr’n eines PR-geilen Querulanten, denn in der Bundesrepublik walte natürlich Meinungsfreiheit, was allein daran zu erkennen sei, dass einer wie Sarrazin publizieren und Talkshows besuchen dürfe.

Bei der Berliner Pressekonferenz, auf welcher der dissidente Sozi sein Buch präsentierte, wurde ihm genau dieser Vorwurf genüsslich unterbreitet, worauf der neben Sarrazin auf dem Podium sitzende Mainzer Medienprofessor Kepplinger bemerkte, dass es darum gar nicht gehe, denn zwar sei Sarrazin durch seine Prominenz und seine hohen Auflagenzahlen in die kommode Situation versetzt worden, seine Ansichten medienverstärkt (und, wie ich mir anzumerken gestatte, medienverzerrt) unters Volk zu bringen, aber all die namenlosen anderen, die wie er dächten, besäßen diese Gelegenheit nicht (beziehungsweise allenfalls im privaten Kreis), weil sie eine nicht ganz unbegründete Angst vor den Konsequenzen hätten.

Schon kündigt irgendeine Toleranz-Kommission der EU an, dass Sarrazin zum Schweigen gebracht werden müsse, womit der Schulterschluss zwischen Brüssel und der Antifa hergestellt wäre, wie überhaupt innerhalb der Brüsseler Politbürokratie interessante Pläne zur toleranzfördernden Bevormundung und antirassistischen beziehungsweise -sexistischen Lenkung der europäischen Presse zirkulieren. Wir gehen ersichtlich großen Zeiten entgegen.

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Ergänzung 10.3.2014:

Doris Neujahr: http://jungefreiheit.de/kultur/literatur/2014/politische-saeuberung/   (9.3.):

Unter den Anhängern des Dezisionismus dürfte Amazons Entscheidung, zwölf Bücher des rechtskonservativen Antaios-Verlags aus dem Angebot zu streichen, Bewunderung auslösen – als Paradebeispiel gelingender Machtausübung.

Der Internethändler hatte am 19. Februar die Titel aus seinem Sortiment genommen, darunter den Roman „Sieben Reiter verließen die Stadt“ von Jean Raspail und Joachim Fernaus Novelle „Hauptmann Pax“ sowie Werke unter anderem von Bernard Willms, Stefan Scheil, Günter Scholdt und Armin Mohler.

Eine Maßnahme ohne Geräusche oder Aufsehen

Die Entscheidung ist effektiv, weil sie dem Verlag einen Teil des potentiellen Publikums entzieht, damit seine wirtschaftliche Existenz bedroht und gleichzeitig die Verbreitung eines alternativen Programms behindert. Sie ist legal, weil sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegt und durch das hohe Rechtsgut der Vertragsfreiheit legitimiert ist. Darin liegt noch ein zusätzlicher Mehrwert, mit dem das Opfer, Antaios, wenn es sich zu wehren versucht, über das Juristische hinaus politisch und moralisch neutralisiert werden kann.

Die Maßnahme verursacht weder Geräusche noch Aufsehen, denn sie besteht aus ein paar Handgriffen im virtuellen Raum. Sie ist unangreifbar, weil ein kleines Unternehmen gegen einen international agierenden Branchenriesen keinen Rechtfertigungs- und anderen Gegendruck aufbauen kann. Die Internationalisierung führt zu einer Anonymisierung der Instanzen. Amazon hat es nicht einmal nötig, dem Verlag die Gründe für den halben Rauswurf mitzuteilen. Solche Unschärfe verstärkt die negative Generalprävention, die diese Maßnahme transportiert. Andere Autoren und Verlage werden sich noch mehr als bisher hüten, rechtskonservative Bücher zu verfassen und zu verlegen, weil über ihnen die Gefahr schwebt, daß der Branchenriese den Vertrieb beschränkt.

Eine gezielte Steuerung von Angeboten und Informationen

Amazons Machtexekution demonstriert, wie aus wirtschaftlichem auch politischer Einfluß erwächst. Machtverhältnisse lediglich anhand von Wählerstimmen, journalistischen Kampagnen oder nationalen Gesetzgebungsprozessen zu beurteilen, ist längst ein Zeichen der Harmlosig- und analytischen Unzurechnungsfähigkeit. Marxisten waren sich dessen stets bewußt! Zuletzt haben die pleitebedrohten Großbanken ihre Systemrelevanz geltend gemacht und der Politik milliardenschwere Hilfspakete abgepreßt.

Man muß sich im klaren darüber sein, daß Firmen und Systeme wie Ebay, Facebook, Wikipedia, Google, Yahoo nicht nur das Einkaufen und Kommunizieren leicht und bequem machen (siehe auch Seite 10 dieser Ausgabe), sie sind durch gezielte Steuerung von Angeboten und Informationen in der Lage, unser Verhalten und Denken so zu beeinflussen, daß sie verwertbar und profitabel werden. Sie gehören einer globalen Bewußtseinsindustrie amerikanischer Provenienz an und versuchen, das menschliche Bewußtsein in ihrem Sinne zu konditionieren.

An Amazon führt kein Weg vorbei

Zur Bewußtseinsindustrie gehört längst auch der Onlinehänder Amazon, der seinen Kunden nicht nur empfiehlt, was sie lesen sollen, sondern mittelbar auch in der Lage ist zu entscheiden, was sie lesen dürfen. Da ist es nur noch ein weiterer Schritt bis zur Entscheidungskompetenz über die Frage, was künftig überhaupt noch veröffentlicht wird.

Amazons Macht hat immerhin bereits große Buchhandelsketten wie Hugendubel und Thalia in die Knie gezwungen. Auch der vielzitierte kleine Buchhändler um die Ecke stützt sich zur Informationsbeschaffung auf Amazon, vom Privatverbraucher ganz zu schweigen. Sogar der Verlag Antaios, in dessen Publikationen vieles von dem, was Amazon verkörpert, scharf abgelehnt wird, muß sich, um existieren zu können, auf das kommunikative und Vertriebsnetzwerk von Amazon stützen. Vor einigen Jahren ging das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) an den internationalen Buchhändler Abebooks – der wiederum zu Amazon gehört!

Der Wettbewerb wird außer Kraft gesetzt

Dabei nötigen einem der Ideenreichtum und die Geschäftstüchtigkeit des Onlinehändlers zunächst sogar Bewunderung ab. Doch die Konzentrationsprozesse im Medienbereich setzen den Wettbewerb und das Wechselspiel der Kräfte mehr und mehr außer Kraft. Darüber kann man nicht mehr in den begrifflichen Kategorien des liberalen, nur noch in denen des internationalen Monopolkapitalismus verhandeln. Aus der Marktmacht können sich zweifelhafte Konstellationen und Übereinkünfte ergeben. Ein theoretisches Beispiel: Der Staat könnte, um Standortverlagerungen zu vermeiden, bei der Lohngestaltung und den Arbeitsbedingungen ein Auge zudrücken, während Amazon bei der politischen Säuberung seiner Angebotspalette gefällig ist.

Die Vertragsfreiheit gilt nicht uneingeschränkt. Sie wird unter anderem durch das Gleichbehandlungsgesetz eingehegt, das Diskriminierungen aufgrund von Ethnie und Herkunft, sexueller Orientierung, Religion und Behinderung verbietet. Die Diskriminierung aus politisch-weltanschaulichen Gründen ist wohlweislich ausgespart.

Es geht um die Durchsetzung von Ideologie

Der Antidiskriminierungspolitik geht es weniger darum, Benachteiligungen zu beseitigen, sondern eine gesetzestreue Mehrheit zu zwingen, abweichende Verhaltensweisen zu erdulden und sogar Nachteile dafür in Kauf zu nehmen. Oft geht es um Folgen der Zuwanderung und der Durchsetzung der Eine-Welt-Ideologie. Hier treffen sich die politisch-ideologischen Interessen der Politik mit denen des internationalen Multis. Die Schriften des kritisch eingestellten Kleinverlages mögen Amazon gleichgültig sein. Auf keinen Fall hat der Onlinehändler ein Interesse daran, Antaios’ informellen Anspruch auf Öffentlichkeit gegen politisch motivierte Anschwärzer zu verteidigen.

Die meisten Kunden aber – darüber besteht kein Zweifel – wähnen sich weiter im Zustand fast vollkommener Meinungs- und Gedankenfreiheit. Das macht die Gegenwehr so schwierig.

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