Stabile Ehen sichern das Gemeinwohl

Stefan Fuchs: http://www.freiewelt.net/kinderarmut-hauptgrund-ist-die-trennung-der-eltern-10027359/   (17.3.):

Seine Kinder alleine groß zu ziehen hat wenig mit Emanzipation zu tun und geschieht selten freiwillig. Alleinerziehende sind ärmer und ihre Kinder haben es schwerer.

Lebenslage Alleinerziehend – wo liegt das Problem? Glaubt man der gängigen Erzählung von Modernisierung und Emanzipation, dann ist die gestiegene Zahl Alleinerziehender ein Indikator für vielfältiger und „bunter“ gewordene Lebensverläufe, Ausdruck von Autonomiestreben und Unabhängigkeit, vor allem der Frauen. So populär diese Sicht in manchen Feuilletons ist, so wenig entspricht sie der Wirklichkeit (1).

Wie die Sozialstatistik zeigt, bedeutet Alleinerziehen oft Armut: Etwa 40 Prozent aller Alleinerziehenden beziehen Hartz-IV. Diese „Hilfequote“ ist mehr als viermal so hoch wie bei Paaren mit Kindern, von denen weniger als zehn Prozent Hartz-IV beziehen (2).

Die Paarfamilien wiederum unterscheiden sich in ihrer Transferabhängigkeit signifikant nach dem Familienstand: Während rund zehn Prozent aller nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit ein oder zwei Kindern ihren Lebensunterhalt überwiegend durch staatliche Transfers decken, sind es bei den Ehepaaren weniger als fünf Prozent (3).

„Traditionelle Familien“ bestreiten also in aller Regel, anders als mediale Legenden über Milliardensubventionen insinuieren, ihren Lebensunterhalt aus eigenem Erwerbseinkommen (4).

Für die wirtschaftliche Selbständigkeit und das Armutsrisiko von Familien ist die Lebensform der Eltern keine Nebensächlichkeit, sondern eine Schlüsselgröße.

Schlaglichtartig zeigen dies die Zahlen zu Kindern in „Hartz-IV“: Etwa die Hälfte der 1,9 Mio. Kinder in Hartz-IV-Haushalten lebt bei Alleinerziehenden (5).

Die vieldiskutierte Kinderarmut ist, nicht allein, aber doch ganz wesentlich, eine Folge der steigenden Zahl Alleinerziehender (6).

Bewusst für diese Lebensform entschieden haben sich die wenigsten Alleinerziehenden, in den allermeisten Fällen hat sie sich aus dem Scheitern von Beziehungen ergeben. Die Brüchigkeit von Beziehungen, die sprunghaft gestiegenen Trennungs- und Scheidungszahlen sind damit ein wesentlicher, wenn nicht sogar der Hauptgrund für die materielle Deprivation von Kindern. Für die Politik ergibt sich daraus ein Dilemma widersprüchlicher Erwartungen: Einerseits soll sich der Sozialstaat aus dem privaten Beziehungsleben heraushalten, andererseits muss er für das Zerbrechen von Familien mit vielen Milliarden aufkommen. Das zeigt sich nicht nur an den Transferströmen im Hartz-IV-System, sondern auch an den öffentlichen „Erziehungshilfen“. Die Kosten für diese Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe sind ebenfalls sprunghaft gestiegen, was vor allem die Kommunen belastet (7).

Auch das hat mit dem Zerbrechen von Kernfamilien zu tun. Nur etwa zwei Prozent der Kernfamilien nehmen solche Leistungen in Anspruch, aber immerhin zehn Prozent der Alleinerziehenden (8).

Hinzu kommt, dass Alleinerziehende aufwendigere Hilfen benötigen. Während für Kernfamilien meist Erziehungsberatungen oder ambulante Hilfen ausreichen, benötigen Kinder getrennter Eltern häufiger „familienersetzende Maßnahmen“, sprich Vollzeitpflege oder Heimerziehung. Diese „familienersetzenden Maßnahmen“ sind besonders teuer – ein Heimplatz kostet mehrere tausend Euro im Monat (9).

Der Hauptgrund für solche Maßnahmen sind Trennungen: Fast die Hälfte der Heimerziehungsmaßnahmen betrifft Kinder Alleinerziehender, ein weiteres Viertel Kinder, deren Eltern mit einem neuen Partner zusammenleben; in mehr als zwei von drei Fällen muss also das Kind ins Heim, weil die Beziehung seiner Eltern gescheitert ist (10).

Angesichts des Leids der betroffenen Kinder mag es zynisch erscheinen, diese Tragödien im Blick auf ihre Kosten für den Steuerzahler zu betrachten. Beide Perspektiven, die des Leidens der Kinder wie die der Kosten für die Allgemeinheit, führen aber zur selben Einsicht: Trennungen von Eltern sind nicht einfach „Privatangelegenheiten“, wie ein oberflächlicher, falsch verstandener Liberalismus weismachen will. Trennungen von Eltern als Massenphänomen sind vielmehr eine Gefahr für das Gemeinwohl. Und umgekehrt gilt, dass stabile Ehen eine Ressource für das Gemeinwesen sind. Wer die Ehe rechtlich schwächt (z. B. durch Kappen des Splittingvorteils) trocknet diese Wohlstandsquelle aus. Damit ist niemandem geholfen, weder den Unverheirateten noch den Alleinerziehenden und schon gar nicht den Kindern.

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(1)   Die Kluft zwischen „Erzählung“ und Wirklichkeit wird besonders deutlich im Blick auf den stark gewachsenen Anteil Alleinlebender („Singles“): http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2012/07/29/artikel/lebensformenwandel-feuilleton-phantasien-versus-nackte-empirie.html
(2)   Vgl.: „Risiko des Hartz-IV-Bezugs nach Lebensform“ (Abbildung)
(3)   Vgl.: „Lebensunterhalt von Familien nach Lebensform“ (Abbildung)
(4)   Zu verzerrten Darstellungen der Förderung („Subvention“) von Familien: http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2013/01/22/artikel/neue-toene-im-familienreport-die-familienfoerderung-betraegt-55-milliarden-euro-sind-auch-die-medi.html
(5)   Vgl.: Anne Lenze: Alleinerziehende unter Druck: Rechtliche Rahmenbedingungen, finanzielle Lage und Reformbedarf, im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, Gütersloh 2014, S. 7.
(6)   Zur Problematik der Diskussion über Kinderarmut im Blick auf Alleinerziehende: http://altewebsite.i-daf.org/403-0-Wochen-29-30-2011.html
(7)   Insgesamt kosten Erziehungshilfen die öffentliche Hand mehr als sechs Milliarden Euro. Detailliert hierzu: Matthias Schilling: Erneuter Ausgabenanstieg in der Kinder- und Jugendhilfe, S. 1-5, in: Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe, 16. Jg., Heft 3/2013, Januar 2014, S. 3.
(8)   Vgl.: Statistisches Bundesamt: Alleinerziehende in Deutschland, Ergebnisse des Mikrozensus 2009, Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 29. Juli 2010, Wiesbaden 2010, S. 31.
(9)   Zu den Arten der Erziehungshilfen im Blick auf die Betroffenheit Alleinerziehender: http://altewebsite.i-daf.org/167-0-Woche-19-2009.html
(10) Vgl.: „Heimerziehung in Deutschland – mehr als zwei von drei Fällen geht die Trennung der Eltern voraus“ (Abbildung). Eingehender hierzu: http://altewebsite.i-daf.org/328-0-Wochen-33-34-2010.html

http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2014/03/16/artikel/kinderarmut-hauptgrund-ist-die-trennung-der-eltern.html

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5 Antworten zu Stabile Ehen sichern das Gemeinwohl

  1. heureka47 schreibt:

    „Stabile Ehen“:

    kann es unter der Einwirkung der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“, der „Krankheit der Gesellschaft“, der „pathologischen (geistig-seelischen / spirituellen) Unreife“ bzw. „pathologischen Dummheit“ („Die Pathologie der Normalität“: ERich Fromm; „Der Wahnsinn der Normalität“: Arno Gruen) NICHT GEBEN.

    Die Befallenen / Beeinträchtigten sind nicht fähig, DAS zu geben / zu leisten, was zu geben ist, wenn die Beziehung konstruktiv und langfristig tragfähig sein soll – und wenn die daraus hervorgehenden Kinder im „lebensrichtigen“ Bewußtsein erzogen werden sollen.

    Die in den letzten Jahrzehnten sehr deutlich gewordenen Probleme in Sachen Liebe / Ehe und Kindererziehung BEWEISEN ganz klar, daß das System am Zusammenbrechen ist!
    Das läßt sich mit Parolen / Appellen oder Steuervorteilen oder sonstigen üblichen politischen Maßnahmen auch nicht ändern – jedenfalls nicht grundlegend bessern.

    Die zivilisierte Gesellschaft steht vor der – zugegeben: großen – Herausforderung zu erkennen, daß es sich bei der Ursache der „besorgniserregenden“ Entwicklung um eine schwere „psychische“ Störung („mit Krankheitswert“) handelt, gegen die nur die GRUNDLEGENDE Heilung hilft. Auch mit den üblichen Mitteln und Möglichkeiten der Medizin / Psychiatrie ist das Problem nicht zu lösen. Nicht einmal mit den üblichen – krankenkassenfinanzierten – Miteln der Psychotherapie. Denn auch die große Mehrheit der (vor allem Kassen-)Psychotherapeuten kennt die Wahrheit nicht und kann den „Weg der Heilung“ nicht beschreiben oder die Klienten dorthin oder darauf führen.

    Die Bewußtseine / Seelen(zugänge) der allermeisten Menschen der zivilisierten Gesellschaft sind gegenüber neuen Informationen, die die SEELE betreffen / berühren könnten, VERSCHLOSSEN – und zwar durch das „normale Trauma“, das die große Mehrheit der Kinder in der zivilisierten Gesellschaft erleidet. Das Trauma des Vertrauens-Verlustes – weil irgendwann in der Kindheit ihrer Kinder die nicht wahrhaft erwachsenen Eltern versagen!
    Nicht wahrhaft erwachsene Eltern KÖNNEN das höchste universellle / göttliche Prinzip NICHT wahrhaft leben. Es ist schlicht gesagt UNMÖGLICH.
    Wer körperlich zeugungsunfähig ist – weil Voraussetzungen fehlen – kann keine Kinder zeugen.
    Wer geistig-seelisch / spirituell nicht REIF ist, kann seine Kinder nicht zu REIFEN Menschen erziehen. Geht AUCH nicht!

    Es gibt aber den Trost, daß die geistig-seelische / spirituelle Zeugungsunfähigkeit jederzeit HEILBAR ist. Jeder Mensch kann JEDERZEIT das Versäumte nachholen und zum höheren Bewußtsein aufsteigen und sich mit ihm vereinigen und mit der Verbindung und der Kraft, die ihm daraus zur Verfügung steht, IDENTIFIZIEREN.

    Vor allem muß zuerst ANGST überwunden werden bzw. der „Abwehr-Mechanismus“, der entsprechende Informationen ausblenden, verdrängen oder als „falsch“ verurteilen will.
    Das ist der „Antichrist“!
    Darunter leiden offensichtlich auch sehr viele „Christen“.

  2. Die Frau des Polizisten schreibt:
  3. TV-Tipp/Diskussion schreibt:

    Hinweis auf eine zwar total unübersichtliche und kuddelmuddelige Webseite der EKD zur Thematisierung und Übertragung:
    „Ist die Ehe noch heilig“?
    http://tacheles.tv/Themen/ehe.htm

  4. Mareike schreibt:

    Hier analysiert der Autor falsch, weil er seine Schlussfolgerung (pers. Meinung) offs. stützen will, und zwar eine Hommage an die Ehe bzw. Kinder lieber in Ehe statt bei Alleinerziehenden, weil, angeblich wegen den dadurch finanziell benachteiligten Kindern UND weil angeblich der Staat damit das Scheitern von Beziehungen mit Milliarden finanzieren würde.

    Er meint auf Basis der Daten einer Arbeitsamtsstatistik aus 2013 unter FN 2:


    Wie die Sozialstatistik zeigt, bedeutet Alleinerziehen oft Armut: Etwa 40 Prozent [Anm.: 43,9% in Quelle. Der Wert ist in der Quelle allerdings falsch berechnet, richtigerweise würde sich 46,5% errechnen aus 38,9% alleinerz. mit 1 Kind und 54,1 alleinerz. mit 2 und mehr Kindern] aller Alleinerziehenden beziehen Hartz-IV. Diese „Hilfequote“ ist mehr als viermal [Anm.: 4,8x also knapp 5x] so hoch wie bei Paaren mit Kindern [Anm.: 9,1% in Quelle. Auch hier falsch berechneter Wert in Quelle, rechnerisch richtig wäre 11,37% aus 7,3% Paare 1 Kind, 8,1% Paare 2 Kinder, 18,7% Paste 3 und mehr Kinder], von denen weniger als zehn Prozent Hartz-IV beziehen (2)

    Wenn man wissen will, ob Haushalte von Paaren mit Kindern oder alleinerziehende Haushalte die Hartz-IV-Kassen stärker belasten, muss der absolute und jeweilige Anteil auf ALLE Haushalte mit Kindern (mit und ohne Hartz-IV) ermittelt werden.

    Laut Bundesamt für politische Bildung lag “ Der Anteil der Alleinerziehenden mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren an allen Familienhaushalten … im selben Jahr [Anm.: 2011 – das ist im Folgenden quasi ein Näherungswert, da dann mit Daten aus 2013 verwendet] bei 13,6 Prozent.“

    Davon beziehen 43,9% Hartz-IV (sh. oben), ergibt 5,97% bezogen auf ALLE Haushalte mit Kindern [ 43,9% von 13.6%=5,97 ]. Folglich ist der Anteil für Haushalte mit beiden Eltern (die Rede ist nur von Paaren mit Kindern) die Hartz-IV bekommen an allen Haushalte mit Kindern 7,86% [ 9,1% von (100-13,6)%=7,86].

    Fazit: Von allen Haushalten mit Kindern erhalten rd. 14% Hartz-IV [5,97+7,86=13,83%; sh. oben]. Der Anteil der alleinerziehenden Haushalte darunter beträgt rd. 43% [5,97:13,83] und der Anteil der Haushalte mit Elternpaaren 57% [7,86:13,83].

    Somit belasten Alleinerziehende die Hartz-IV-Kasse geringer als Paare mit Kindern !

    Zu ganz anderen Ergebnissen kommt man mit der andere Quelle vom Statistischen Bundesamt aus 2013 die dasselbe mißt aber völlig andere Werte aufweist, und die er -gleichberechtigt und völlig unkritisch- benutzt unter FN 3:

    Nach dieser Quelle beziehen „nur“ 27% ALLER Alleinerziehenden Hartz-IV [Anm.: ich nehme an es handelt sich um Hartz-VI, dort steht nur „staatliche Transfers“, die bestehen eigentlich aus noch mehr Leistungsarten] In erstgenannter Quelle waren dies 43,9% ! Weiterhin beziehen 6%
    aller Paare mit Kindern (verh. 3% und unverh. 9%) nach dieser Quelle Hartz-IV, während das in der vorherigen Quelle 9% waren.

    Danach beziehen 27% Hartz-IV (sh. oben), ergibt 3,67% bezogen auf ALLE Haushalte mit Kindern [ 27% von 13.6%=3,67%]. Folglich ist der Anteil für Haushalte mit beiden Eltern (die Rede ist nur von Paaren mit Kindern) die Hartz-IV bekommen an allen Haushalte mit Kindern 5,18% [6% von (100-13,6)%=5,18%].

    Fazit: Von allen Haushalten mit Kindern erhalten rd. 9,5% Hartz-IV [3,67+5,81=9,48%; sh. oben]. Der Anteil der alleinerziehenden Haushalte darunter beträgt rd. 39% [3,67:9,48] und der Anteil der Haushalte mit Elternpaaren 61% [5,81:9,48].

    Somit belasten auch nach diesen Werten die Alleinerziehenden die Hartz-IV-Kassen geringer (39%) als Paare mit Kindern, und zwar noch geringer als nach der ersten statistischen Quelle (43%)!

    Zusammenfassung und Ausblick:
    Nach beiden statistischen Quellen belasten Paare (verh. u. unverh.) mit Kindern die Hartz-IV- Kassen stärker als Alleinerziehende. Zusätzlich reduzieren verheiratete Paare (nicht alle) mit Kindern durch das Ehegattensplitting die gesellschaftlichen Steuereinnahmen. Damit belasten insgesamt betrachtet verheiratete Paare das staatliche Budget bzw. die Gesellschaft (zumindest rein rechnerisch und als Momentaufnahme) viel höher als Alleinerziehende!

    Rein rechnerisch spricht das nicht für die Schlussfolgerungen bzw. Empfehlungen des Autor bzw. kann er sie bei richtiger Analyse nicht darauf stützen!

    (@Autor: Ich bin über diese Email nicht zu erreichen da ich diese Box nie kontrollierte, also geht nur hier)

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