Kinderbetreuung: Wo bleibt die Wahlfreiheit?

Gudrun Kattnig, Geschäftsführerin des Katholischen Familienverbandes Kärnten, wirft in einem Debattenbeitrag in der heutigen Kleinen Zeitung der Familienministerin Sophie Karmasin vor, nicht die Familien zu vertreten.

Es gibt keine Wahlfreiheit für Eltern

Hurra, wir haben eine Familienministerin – die neue Regierung setzt ein Zeichen: Familie ist wichtig. Wer allerdings gedacht hat, dass damit die Familien eine starke Lobby haben, wird zunehmend eines Besseren belehrt.

Wer eine Lobby bekommt, lesen wir täglich in den Medien. Es ist eine kleine Minderheit, die es mittels guter Strategie mit fast täglichen Meldungen in die Printmedien geschafft hat. Wer keine Lobby hat, ist auch klar: die Familien. Sparmaßnahmen hin oder her. Man kann nicht immerzu vor den Wahlen von der Bedeutung der Familie reden und dann nicht einmal dafür sorgen, dass die maßlos rückständigen Familienleistungen erst am Sankt-Nimmerleins-Tag valorisiert werden sollen. Die Familienministerin macht sich stark. Fragt sich nur, für wen. Nicht für die Gruppe der Hausfrauen, auf deren Leistungen so vieles an Humankapital und gesunder Gesellschaft ruht. Diejenigen, die gern ihre Kinder selbst betreuen wollen, weil sie ihnen gern von den 90 Jahren ihres Lebens wenigstens 20 zur Verfügung stellen wollen – nicht weil sie von ihren Männern dazu verknechtet werden, sondern weil es ihr eigener tiefer Wunsch ist –, haben keine Lobby. Sie werden von links und nun auch zunehmend von konservativ ins Eck gedrängt. Auf, auf in den Erwerb. Eine Frau, eine Mutter zählt, wenn sie berufstätig ist.

Aber es scheint doch, dass das Budget für die Familien in Wahrheit ein Budget der Wirtschaft ist. Mit der Verfünffachung (!) von 70 Millionen auf 350 Millionen für den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen wird in erster Linie dem Diktat der Wirtschaft gefolgt, nicht dem der Familien. Wäre es anders, gäbe es längst eine Wahlfreiheit für Eltern – nämlich die finanzielle Gleichbehandlung von familieninterner und familienexterner Kinderbetreuung. Das vorgesehene Geld kann auch zur Förderung alternativer Einrichtungen zur Kinderbetreuung eingesetzt werden. Wer denkt, dass dazu auch Familie zählt, irrt. Man darf eine Familienministerin wohl fragen, warum dies nicht zwei gleichwertige Modelle von Kinderbetreuung sind. Der Familienverband fordert seit Jahren zum Wohle des Kindes und auf Basis des Gleichheitsprinzips echte Wahlfreiheit für Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder. Das beinhaltet die Anerkennung und finanzielle Gleichstellung für die Betreuung innerhalb oder außerhalb der Familie.

Das wäre ein Thema für die Familienministerin. Im Gegensatz zu den Pensionisten, die eine gesetzliche Interessenvertretung mit gutem Budget haben, schauen die Familien in keine verheißungsvolle Zukunft. Streik oder Ähnliches steht Familien nicht zur Verfügung. Umso mehr hat man auf ein Familienministerium und eine starke Ministerin gehofft, die ihre Schwerpunkte auf die gravierendsten Anliegen der Familien setzt und sie streitkräftig vertritt.

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Ergänzung:

http://www.freiewelt.net/nachricht/mutter-mussen-immer-fruher-wieder-arbeiten-10030423/   (23.4.):

Junge Mütter gehen nach der Geburt ihres Kindes immer früher wieder arbeiten. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) zeigt sich mit dieser Entwicklung zufrieden. Fragwürdig ist nur, ob das gut für die Entwicklung von Kindern ist. 

Aus einer aktuellen Studie des Bundesfamilienministeriums unter Manuela Schwesig (SPD), erstellt von der Prognos AG, geht hervor, daß eine zunehmende Zahl junger Mütter nach der Geburt ihres Kindes immer früher wieder arbeiten geht. Die Familienministerin erklärte das zu einer erfreulichen Entwicklung. So würden junge Mütter mit kleinen Kindern sich den Arbeitsmarkt zurückerobern. Schwesig weiter: »Das ist gut für ihren beruflichen Erfolg, für die Chancen auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit und für das Einkommen der ganzen Familie«.

Offen ließ Schwesig Nachfragen, ob die frühe Rückkehr an den Arbeitsplatz aus freien Stücken oder aus finanzieller Not geschehe.

Auch läßt sich hinterfragen, ob es für die Entwicklung des Kindes wirklich gut ist, so kurz nach der Geburt über weite Strecken in fremde, meist staatliche Obhut gegeben zu werden, wo doch gerade die ersten zwei Jahre entscheiden, wie sich ein junger Mensch später entwickeln wird.

Zu einem zukunftsorientierten Familienbild sollte nicht gehören, Eltern allein als Arbeitskräfte zu betrachten, die möglichst schnell dem Arbeitsprozeß wieder zuzuführen sind, sondern ihnen auch den Raum zu geben, etwas als Familie gemeinsam zu erleben.

Aktuell seien nach der Studie 41 Prozent der Mütter mit Kindern zwischen ein und zwei Jahren und 54 Prozent mit Kindern zwischen zwei und drei Jahren berufstätig. Noch vor acht Jahren waren die analogen Werte noch acht bzw. zwölf Prozentpunkte niedriger.

Mehr dazu unter focus.de

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Eine Antwort zu Kinderbetreuung: Wo bleibt die Wahlfreiheit?

  1. Arcturus schreibt:

    Hat dies auf Oberhessische Nachrichten rebloggt.

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