Pflichtganztagsschule – Friedrich Fröbel: Mentor des finnischen Bildungswesens – U3-Fremdbetreuungsirrsinn

Albert Wunsch: http://www.freiewelt.net/pflicht-ganztags-schule-10030812/   (29.4.):

Initiative für eine bessere Bildung oder Tribut an einen kapitalistischen Zeitgeist?

… Real sind die unisono zu hörenden Rufe von Politikern unterschiedlichster Richtung: ‚Ganztagsschulen fördern ein gutes Lernklima und verbessern den Unterricht und sollen daher verpflichtend eingeführt werden’. Eine besonders starke Relativierung dieser ‚abstrusen Denke’ zu dieser Diskussion kam per Leserbrief von einem langjährigen Schulleiter: „Was haben wir davon, wenn wir das Elend des Vormittages auch auf den Nachmittag ausdehnen?“

Über ideale Bildungskonzepte und optimale lernorganisatorische Voraussetzungen für die Schule nachzudenken ist immer gut. Ein Lamentieren über Dieses und Jenes geht jedoch nicht an den Kern, und das ist immer schädlich. Stattdessen könnten hier erfolgreiche Praktiken von Nachbarn übernommen werden, auch wenn Abgucken in der Schule meist geahndet wird. Manche knüpften in den zurückliegenden Jahren daher an eine alte christliche Tradition und wurden zu Pilgern mit Kurs auf Finnland. Der Tross neugieriger Journalisten und Bildungspolitiker riss zeitweise nicht ab. Sie suchten dort nach Erleuchtung, um die Düsternis in deutschen Klassenräumen zu überwinden.

Dort stellten sie fest, dass die Finnen weitgehend ein deutsches Modell kopiert hatten. Unser modernistisches Denken gäbe ihm keine Chance, schließlich sind die Grundzüge schon über 150 Jahre alt. Aber dank einer intensiven skandinavischen Fröbelbewegung prägt sein pädagogischer Geist, welcher Mitte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert ins Erziehungssystem Einzug hielt, bis heute das dortige Schulwesen.

Fröbel, Pfarrerssohn aus Thüringen und Schüler des Schweizer Pädagogen Pestalozzi, gründete 1817 in der Nähe von Rudolstadt bei Weimar eine Privatschule, die bis heute existiert. Seine erzieherischen Gedanken veröffentlichte er 1826 in dem Hauptwerk: „Die Menschenerziehung“. Im Jahre 1847 schuf er den ersten „Allgemeinen deutschen Kindergarten“, welcher zum weltweiten Impulsgeber wurde. Fröbel setzte sich früh für eine individuelle und ganzheitliche Förderung mit ‚Kopf, Herz und Hand’ ein. „Sie beginnt bei der Mutter, wenn sie ihr Kind kost, dazu singt, Fingerspiele spielt, Bilder einbezieht.“ Auf diese Weise wird in einer Lehr- und Lerngemeinschaft des Vertrauens gegenseitige Achtung erfahren. So entsteht ‚kategoriale‘ Bildung, wächst Basiskompetenz als entscheidende Voraussetzung für ein lebenslanges Lernen. …

Dagegen hierzulande: Fremdbetreuung von der Wiege bis zur Bahre.

… Wirtschafts-Lobbyisten diktieren schon seit Jahren den Politikern aller Parteien, häufig durch feministische Verlautbarungen unterstützt, dass der Nachwuchs – möglichst direkt nach der Mutterschutzzeit – in die Fremdbetreuung gegeben werden soll. Leider gibt es noch keine Säuglings-Schutzzeit, [es müssten wohl] Bindungs-Forscher, Entwicklungs-Psychologen, Kinder-Ärzte und Elementar-Pädagogen eine einjährige Schutzzeit nach der Geburt fordern und vehement dafür plädieren, Kleinkinder bis zum dritten Lebensjahr im förderlichen familiären Umfeld aufwachsen lassen. …

… So stören Kinder mit ihren jeweiligen und kaum zeitlich einplanbaren Bedürfnissen – wenigstens unter dem Gesichtpunkt betrieblicher Gewinn-Maximierung – die Produktivität und Karriereplanung ihrer Eltern erheblich. Damit Väter und Mütter bei soviel Fremdbetreuung kein schlechtes Gewissen bekommen, werden Krippen und vergleichbare Angebote als besonders förderliche Bildungsmaßnahmen zu verkaufen gesucht. Und um Restzweifel zu überspielen, werden alle Betreuungsangebote des Staates hochrangig subventioniert. Betreuung von der Wiege bis zur Bahre.

… “Kinder brauchen Elternhäuser und keine Verschiebebahnhöfe zwischen öffentlicher Ganztagsbetreuung und familiärem Nachtquartier” (aus: Abschied von der Spaßpädagogik).

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