Proteste gegen Life-Ball-Plakat

Im Bild: „Sexismus“ vs. Life-Ball-„Toleranz“:
https://pbs.twimg.com/media/Bnmub41IcAILNU-.jpg:large

http://www.kath.net/news/45963   Dieses Plakat ist respektlos den Schwächsten gegenüber   (16.5.):

… Der bekannte Linzer Mediziner Primarius Michael J. Merl, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz, hat sich jetzt mit einem Offenen Brief an die Veranstalter des umstrittenen Life-Balls gewandt. Kath.net dokumentiert den Brief im WORTLAUT:

S.g. Hr. Keszler!

Das Plakatsujet des Lifeballs 2014 macht mich betroffen und nachdenklich. Als Kinder- und Jugendpsychiater habe ich täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die die Grenzen der Intimität nicht kennen und die oft nicht verstehen, was der Unterschied zwischen Sexualität ohne Liebe und Sexualität in einer Liebesbeziehung ist.

Das Sich-Entblößen vor anderen ist Teil dieses Nichterkennens von Grenzen. Viele Kinder, Jugendliche und ich denke auch Erwachsene leiden darunter, dass andere diese Grenzen des Schamgefühls oder der Intimität nicht respektieren.

Täglich arbeiten meine MitarbeiterInnen und ich daran, das jungen Menschen zu vermitteln oder wieder herzustellen, was zerstört wurde. Dieses Plakat ist respektlos v. a. den Schwächsten der Gesellschaft gegenüber. Durch Conchita Wursts Triumph haben wir gehört, dass Toleranz dort endet, wo jemand anderer Schaden nimmt oder nehmen könnte.

Viele Kinder und Jugendliche haben durch ihre Lebenserfahrung nicht die Distanz und Reflexionsfähigkeit, um mit derart expliziter Kunst umzugehen. Sie würden definitiv Schaden nehmen. Die Entblößung vor anderen in der Öffentlichkeit als Instrument einer falsch verstandenen Toleranz darf nicht die notwendige Achtsamkeit im gesellschaftlichen Umgang außer Kraft setzen. Und Toleranz darf nicht auf die Freiheit der sexuellen Orientierung reduziert werden.

Toleranz brauchen unsere Kinder und besonders die, die es nicht so gut im Leben hatten. Toleranz brauchen auch kranke, verzweifelte Menschen, was immer auch ihr Unglück verursacht haben mag. Im Sinne eines achtsamen und toleranten Umgangs miteinander sollte das Plakat aus dem Straßenbild verschwinden!

Prim. Dr. Michael J. Merl
Abt. f. Kinder- u. Jugendpsychiatrie Landes-Frauen- u. Kinderklinik Linz

http://www.kath.net/news/45985   Über 300.000 Protest-Mails gegen Life-Ball-Plakate-Sponsoren   (19.5.):

… Die umstrittenen Life-Ball-Plakate beschäftigen auch weiterhin die Österreicher. Jetzt hat selbst die KRONEN-Zeitung, die Mitunterstützerin des umstrittenen Life Balls ist, Kritik an den Plakaten der Life-Ball-Initiatoren geübt. Klar ist, dass der Druck der eigenen Leser bei diesem Thema übergroß ist. Beim Großteil der Online-Kommentare auf der Online-Ausgabe der Krone werden sowohl die Plakate wie auch die Veranstaltung kritisiert. Ähnliche Erfahrungen dürften derzeit auch andere Zeitungen wie Presse, OÖN oder Kurier machen. Beim Kurier musste beim letzten Beitrag über Conchita Wurst die Kommentarfunktion gesperrt werden. Offensichtlich hält sich die Begeisterung der Österreicher über den medialen Hype doch in Grenzen. In der Krone selbst übt Michael Jeannée jetzt Kritik an den Plakaten und meint in einer Kolumne, dass er privat die Plakate für „schlecht, peinlich, zum Genieren und pornografisch“ halte. Als Postler der „Krone“ halte er die sogar für „mörderisch kontraproduktiv“, weil damit der Schwulenhass beflügelt werde.

Über das Wochenende ist der Widerstand gegen die Life-Ball-Plakate auch weiterhin angewachsen. Inzwischen wurde ein Aufruf von CitizenGo mehr als 13.000 Mal unterzeichnet. Die Folge ist offensichtlich. Bei den Sponsoren der Veranstaltung sind inzwischen über 300.000 Protest-Emails eingelangt und der Widerstand wächst jede Stunde weiter. Auf verschiedenen Facebook-Seiten wird dazu aufgerufen, an BILLA die Vorteilskarte zurückzuschicken. Die scharfe Kritik des bekannten Linzer Kinder- und Jugendpsychiaters Michael Merl an den Plakaten des Life Balls wurde inzwischen in Zeitungen wie Format und in den OÖN wortwörtlich abgedruckt.

Deutliche Kritik an den Plakaten übt jetzt auch Michael Prüller, der Sprecher von Kardinal Schönborn. In einem aktuellen Kommentar in der Wiener Tageszeitung „Die Presse“ ruft Prüller zum Protest auf und meint: „Das entblößende Life-Ball-Plakat verstärkt das Vorurteil, dass Homo- und Transsexualität nur Formen infantiler Schamlosigkeit sind – von unangreifbaren Lobbys betrieben. Daher sollten alle protestieren, aus Respekt.” Schweigen zu der Aufregung kommt derzeit aus der Bundes-ÖVP. Eine kath.net-Anfrage bei Michael Spindelegger zu dem Thema wurde bis jetzt nicht beantwortet.

http://www.kath.net/news/45961   Weiter Widerstand gegen Wiener Life Ball – Beginn des Billa-Boykotts   (16.5.):

… Gegen das umstrittene Life-Ball-Plakat mit dem Transgender-Model Carmen Carrera gibt es weiterhin massive Proteste in Wien. Auch vergangene Nacht haben Wiener erfolgreich mehrere Plakate übermalt bzw. kreativ erweitert. In der KRONEN-Zeitung, der auflagenstärksten Zeitung Österreichs, wird groß über die Protestwelle berichtet. Die Wiener Tageszeitung HEUTE hat am Freitag eine Frau interviewt, die in Wien jede Nacht die Plakate mit einem Spray übermalt.

Seit gestern läuft eine Boykottwelle bei BILLA, die sich derzeit auch via Facebook verbreitet. Verschiedene Bürger schicken derzeit auch ihre BILLA-Vorzugskarte an die Konzernleitung zurück. Für den Boykott der Life-Ball-Firmen wurde übrigens eigens eine Facebook-Website errichtet (Stoppt die Life Ball-Plakate). Auch CitizenGo hat eine Protestaktion gestartet.

Von den angesprochenen Firmen hat sich jetzt die Firma Campari bei kath.net gemeldet und mitgeteilt, dass man weiterhin den Life Ball unterstützen möchte. Auf das Plakat habe man keinen Einfluss, eine Distanzierung gab es allerdings auch nicht. Isabell Maron, die Sprecherin von Campari, behauptete dann, dass entgegen der vorgebrachten Kritik bei dem umstrittenen Bild „keineswegs Sexualität im Vordergrund“ stehe. Ähnlich argumentierte auch Swarowski. Auch diese Firma möchte nicht auf die Werbung beim Life Ball verzichten. Die Wiener Städtische stellte gegenüber kath.net allerdings klar, dass man kein Sponsor sei, sondern nur der Versicherer des Balles.

Kritik am Plakat gibt es erneut aus der Politik. FPÖ-Generalsekretär Kickl hat einer Aussendung gefordert, dass der Werberat das Plakat untersagen müsse, weil dies in mehreren Gründen der freiwilligen Selbstbeschränkung und dem Ethik-Kodex der Werbewirtschaft widerspreche. „Auch wenn die Homo- und Transgenderlobby wegen des Songcontest-Erfolges ihrer Galionsfigur völlig aus dem Häuschen ist und nun offenbar der Meinung ist sich alles erlauben zu können, gelten noch immer ethisch-moralische Grundsätze und die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes“, betonte Kickl. „Die Abbildung eines nackten Transgender mit halberigiertem Penis widerspricht gleich in mehreren Punkten einschlägigen Bestimmungen“, mahnte Kickl die Exekution des Wiener Jugendschutzgesetzes ein. Ähnliches sei laut dem FPÖ-Generalsekretär ja auch bei der Ausstellung „nackte männer“ des Wiener Leopold-Museums passiert, bei der das Werbesujet drei unbekleidete Fußballer gezeigt habe. Dies musste, nach Protesten, mit Balken an den Anstoß erregenden Stellen überklebt werden. „Gesetze und Richtlinien des Werberates gelten auch für links-linke Weltverbesserungs-Aktivisten“, forderte Kickl ein rasches Einschreiten des Werberates.

Kardinal Schönborn hat in der Tageszeitung HEUTE am Freitag die Plakataktion als „fragwürdig“ bezeichnet und gemeint: „Ja, unsere Welt braucht echte Toleranz, das heißt Achtung vor dem Anderen, auch wenn man seine Ansichten nicht teilt.“ Freilich gebe es auch „Intoleranz im Namen der Toleranz“. Das Plakat für den diesjährigen Life Ball, das einen nackten Hermaphroditen im Paradies zeigt, empfinde er zum Beispiel als „grenzwertigen Fall“ und als eine Form von Intoleranz, die „anderen Menschen breitflächig aufgenötigt“ wird. …

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2 Antworten zu Proteste gegen Life-Ball-Plakat

  1. LichtWerg schreibt:

    Hat dies auf LichtWerg rebloggt.

  2. Marienzweig schreibt:

    TOLERANZ wird heutzutage großgeschrieben!
    Aber muss ich wirklich a l l e s tolerieren?
    Wer sagt, wer bestimmt, dass ich etwas ganz Bestimmtes zu tolerieren habe?
    Es gibt Dinge, die ich nicht verhindern kann, die ich vielleicht hinnehmen muss, weil ich keinen Einfluss habe.
    Aber niemand kann mich wirklich zwingen, etwas innerlich zu tolerieren.
    „Die Gedanken sind frei“ heißt ein altes Lied.
    Wir sollten den Text nicht vergessen!

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