Familien-Mainstreaming: Berücksichtigung der Familienperspektive

iDAF: http://www.freiewelt.net/reportage/ein-neues-parlament-mit-mehr-sinn-fur-familie-10033527/   (3.6.):

Am 25. Mai konnten sich Väter und Mütter sowie ihre wahlberechtigten Kinder dafür einsetzen, dass das zukünftige EU-Parlament die Rechte und Pflichten der Familie positiv fördert und verteidigt.

Etwa die Hälfte der Mitglieder des Parlaments wurde erneuert. Bis zum 1. Juli werden die Fraktionen begründet, die Besetzungen der Führungsposten ausgehandelt und die Fach-Ausschüsse neu besetzt. Auch die interfraktionelle Arbeitsgruppe „Familie, Kinderrechte und Solidarität zwischen den Generationen“ soll wiederbegründet werden. Sie will ein „Familien-Mainstreaming“, also die alle relevanten Politikbereiche übergreifende Berücksichtigung der Familienperspektive, in der neuen Legislaturperiode zum Schwerpunkt-Thema machen. Es nützt ja nichts, den Euro zu retten, wenn das Fundament der 28 Mitgliedsstaaten vernachlässigt wird. Damit die Integration der EU eine menschliche Dimension erhält, sollten die Institutionen die Interessen der Familien in all ihren Entscheidungen berücksichtigen. Dazu gehört auch, Familien eine Stimme und institutionelles Gewicht zu geben, auch den kinderreichen.

Was sollte das neue Europäische Parlament in der neuen Legislaturperiode in diesem Sinn bedenken?

  • Zum einen eine banale Selbstverständlichkeit: Mann und Frau sind unterschiedlich und ergänzen einander. Für die Anwendung des Begriffs „Gender“, der die künstliche Aufhebung dieser natürlichen Unterschiede anstrebt, gibt es keine Rechtsgrundlage im Vertrag. Das haben sowohl die Kommission als auch der Rat anerkannt. Darum sollte die EU die Finanzierung und Förderung aller „Gender-Projekte“ einstellen. Die Aktivität der Mitgliedsstaaten bleibt auf nationaler Ebene davon unberührt.
  • Zweitens: Die EU und die Institution der Ehe zwischen Mann und Frau. Seit dem „EU-Fahrplan zur Bekämpfung von Homophobie und Diskriminierung aus Gründen der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität“ wurde öffentlich, wie die EU mittels der Grundrechte-Konflikte in die Kompetenzhoheit der Mitgliedsstaaten eindringt: Sie verlangt, das Rechtsinstrument „Ehe“ diskriminierungsfrei anzuwenden, im Klartext: Die Ehe soll auch gleichgeschlechtlichen Paaren offenstehen. Die Mitgliedsstaaten verfügen nur noch im Rahmen der Brüsseler Vorgaben über eine eigene nationale Definitionshoheit. Hier besteht nach Ansicht einiger Mitgliedstaaten Handlungsbedarf. Das neue EP sollte in diesem Sinn das Recht der Mitgliedstaaten im Hinblick auf die Definierung von eingetragenen Partnerschaften und Ehe respektieren, und in Anwendung des Subsidiaritätsprinzips jede Einmischung der EU ablehnen.
  • Drittens: Vater und Mutter sind gemäß internationaler Grundlagenverträge die ersten Erziehungsberechtigen ihrer Kinder. Das ist für die EU nicht selbstverständlich, wie ein Blick auf die Dokumente zur EU-Strategie für die Kinderrechte ergibt. Auf die EU-Parlamentarier kommt daher die Forderung zu, sich dafür einzusetzen, dass die EU bei allen Jugend- und Bildungsprogrammen das Ersterziehungsrecht der Eltern respektiert und unterstützt. Dazu gehört auch, dass Kinder in Übereinstimmung mit den moralischen und religiösen Überzeugungen der Eltern erzogen werden dürfen, unter Berücksichtigung der kulturellen Traditionen der Familie, zum Wohl und der Würde des Kindes.
  • Viertens: Anstelle von „Vater“ und „Mutter“ stehen „Bürger“ und „Arbeiter“ im EU-Vertragswerk. Deshalb werden wichtige familienpolitische Belange im Fachausschuss für Arbeit und soziale Angelegenheiten behandelt. Bislang unterließ es dieser Ausschuss, den Wert der informellen Hausarbeit anzuerkennen. UNO, Weltbank, OSZE und das Nobelpreis-Komitee haben den Wert der Hausarbeit von Mutter und Vater als Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, angesichts ihres Wertes für die Familie und Gesellschaft und das Ehrenamt, ansatzweise schon anerkannt. Bei der Ausgestaltung der EU-weit geltenden Mindestregelungen der Arbeitsbedingungen sollte die Familienzeit als Ausgangspunkt betrachtet werden. Zum Familienleben in Europa gehört in diesem Zusammenhang auch, für einen arbeitsfreien Sonntag als gemeinsamer Wochentag der Entspannung einzutreten. Auch die Mutterschutz-Richtlinie gehört in diesen Kontext. Die Verhandlungen darüber sind seit Jahren blockiert, obwohl darin nur die EU-weit geltenden Mindestregelungen festgelegt werden.

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14 Antworten zu Familien-Mainstreaming: Berücksichtigung der Familienperspektive

  1. Identitäten schreibt:

    Frauen sind die Angesch….
    Ist doch egal, wer da kommt…

    Um das Leben betrogen, um die Rente betrogen. Ist doch egal wer da kommt, mit welchem Programm.Ob Heilsbringer oder Wirtschaftswunderguru. Ob mit Bibel oder mit E-Gitarre… Für Deutschland heißt es. Sie können es einfach nicht! 😦 Ob Flickwerk oder „großer Wurf“. Es bleibt ein deutsches FRAUEN-UND FAMILIEN-DESASTER.
    Ob mit Kind und Kegel, oder ohne. Ob mit Beruf oder ohne.
    Das ist nun allerdings der schärfste Hammer, der jetzt den 50jährigen trotz geleisteter Erwerbsarbeit widerfährt! Gehts ihnen doch nicht besser als ihren „faulen Hausschmarotzerschwestern“…

    “Ich glaube, der eigentliche Fehler im Geschlechterkampf ist die Abwertung von Weiblichkeit”
    http://www.genios.de/presse-archiv/artikel/BRIG/20140521/-ich-glaube-der-eigentliche-fehler-/A57196809.html

    oder
    UNBEDINGT nachlesen!
    STERN 18 vom 24.4.2014
    Generation Wut.

    Artikel/Gesellschaft (leider nicht auf die Schnelle im Archiv zu finden , vermutlich nur gegen Gebühr)
    “Wir müssen drüber reden”
    _____________________

    “Mehr als 6 Millionen Frauen im Alter zwischen 45 uind 55 Jahren leben in Deutschland. Sie waren Vorkämpferinnen, voller Hoffnung auf ein gleichberechtigtes Leben im Job, in der Ehe, in der Familie. Jetzt blicken sie auf ihr Einkommen und ihre Rentenbescheide – und merken, dass sie betrogen worden sind. Was ist da schiegelaufen? Und was lernen wir daraus? (von Frauke Hunfeld und Andrea Runge) ”
    “Alles schien möglich. Kinder, Beruf, Partnerschaft auf Augenhöhe. Als der Nachwuchs kam, trafen sie auf die Wirklichkeit.”

    KÖSTLICH! :- ) :- ):- ) UND SO WIRKLICH!

    “Verzweifeln ist keine Option, Zweifeln schon”.
    Buch “Die verratene Generation” Christina Bylow.

    Also, men,
    “Check your privileges”

    http://www.genios.de/presse-archiv/artikel/BRIG/20140521/hoert-endlich-auf-zu-heulen/A57196818.html

  2. Identitäten schreibt:

    allmählich komme ich in „Regionen“ (das Alter und die „Abgeklärtheit“ = gelebte Wirklichkeit betreffend) , wo das ganze Gerede und Getue um Familien, egal woher (ob Bibelfundamentalisten oder Gewerkschaften und anderen Streitgruppen) sowas von…..wird..
    Wenn man(N) das doch endlich einsehen würde!
    S O wird das nichts und nie was.

    Mein Leben ist gelaufen. Das meiner Kinder sehe ich mit Sorge.
    Meine „Familienwirklichkeit“ hieß eher : mit fünf Kindern geht man nicht auswärts essen, unternimmt keine Reisen und wird auch nicht eingeladen.
    So what? Warten auf die Zeit „nach Familie“ ?
    Sollte wohl ein Witz sein…“AnschlußverWERTUNG“ von Frauen 50plus? Quereinstieg? Wiedereinstieg?…von den Bossen, die das abgeschleppte (Volks)Vermögen von Monaco bis Cayman parken, statt in die hiesigen Infrastrukturen zu investieren?

    Das Leben der ausgedienten Frauen läuft ungesehen und undramtisch aus…

  3. Identitäten schreibt:

    und wenn man das entspannte HB-Männchen fragen würde, es würde vielleicht dies empfehlen:
    http://www.mdr.de/fakt/video201108.html

    😦

  4. Identitäten schreibt:

    und die „investigative“ Presse feiert sich selbst zum H.Nannenpreis. Ekelhafte Fotostrecke: Liz Mon, Ulrich Wickert, Giovanni di Lorenzo….die Wahrheits-Elite in Schale….

    Leider ist das Private durch und durch „politisch“. Glück für die Kinderlosen. Für die ist man ein armseliges Pack. Selber schuld. Jammerer und Verlierer. 250.000Euro bis 18 und dann fürs Studium….
    Ja, man ist ihnen peinlich bis lästig.
    Sie selber lassen sich ihre Sushi-/Plastikwelt und ihre Flugmeilen nicht ankreiden.
    „Check your privileges“.
    Aber gut, dass wir Bibel TV haben! Familienrabatt für die christiche Kreuzfahrt mit der MS Deutschland!

  5. Identitäten schreibt:

    Das, was ich mit Christen (des Bible Belts) erlebt habe, war auf jeden Fall sehr undemokratisch, ganz so wie bei Dr. Karsten Poppe beschrieben und nicht minder durchsetzungsstark, diktatorisch und autoritär als EU-Richtlinien es bis in die unterste Ebene durchgeben oder nicht weniger bigott oder hirnwaschend wie die derzeitge Presse instrumentalisiert pariert und kaschiert.
    In der christlichen Schwieger-Familie ist es trotz allen Gehorsams und glaubhaften Bemühungen auch nicht gelungen, die Geschwister aufeinander einzuschwören und zu Solidarität und Zusammenhalt zu erziehen. Spaltung allerorten. Wenn man sich in den Gemeinden umschaut, leider die traurige Alltäglichkeit: Konkurrenz und Zwist.

    Religiöse Knechtung – eine Geschichte der freikirchlichen Brüderbewegung

    Von K.P. am 23. Januar 2012

    Archive

    ##Gerhard Sennlaub, Lehrer, Schulrat und acht Jahre lang Schulamtsdirektor im Ennepe-Ruhr-Kreis, hat unter dem Titel „Die folgenreiche Errettung des Ludwig B.“ eine bermerkenswerte Geschichte der Brüderbewegung geschrieben.

    Als später Nachfahre Ludwig Birkenstocks beschreibt der Autor, wie es zur religiösen Knechtung seiner Sippe kam. In einer auch literarisch anspruchsvollen Recherche schildert er den Aufstieg der fundamentalistischen Brüderbewegung im Arbeiterelend des frühen 19. Jahrhunderts. Schauplatz ist die „Sektenschlucht“ (Freiligrath) an der Wupper, der deutsche bible belt.

    An der Abschaffung der Armut und politischen Reformen war John Nelson Darby und Carl Brockhaus, dem englischen (An-)Stifter der Brüderbewegung und seinem deutschen Propheten, wenig gelegen, eher schon an der Abschöpfung des Elends zum Zwecke der Evangelisation und des Betriebs eines blühenden Verlagswesens.

    In den Text montierte Interviews zeigen, wie unter den Sektierern der religiöse Zwang über Generationen gefestigt wird, institutionell und psychisch. Immer geht es um Autorität, Unterwerfung und Gehorsam, nie um christliche Liebe. Dass Gewalt als Mittel der Kindererziehung heute nicht anders als damals in evangelikalen Kreisen auf Grundlage der Bibel legitimiert wird, wundert nach der Lektüre nicht.

    Eine Lesetipp für jeden, der sich über Geschichte und religiöse Ideen der Brüderbewegung informieren und einen Einblick in deren vor den Augen der Öffentlichkeit verborgene Strukturen gewinnen möchte. (In Hohen Neuendorf ist die Brüderbwegung in der Emmaus-Gemeinde organisiert und betreibt ein Altenheim.)

    Das Buch liegt als PDF-Datei vor: Gerhard Sennlaub: Meine religiöse Knechtung.##

    oder hier:
    Von K.P. am 18. Februar 2012

    Archive

    ##Ich habe bereits auf die bemerkenswerte Geschichte der Brüderbewegung verwiesen, die Gerhard Sennlaub als Geschichte seiner Rettung aus christlich-fundamentalistischer Verknechtung geschrieben hat.

    In dem literarisch durchaus anspruchsvollen Text schildert er den Aufstieg der fundamentalistischen Brüderbewegung im Arbeiterelend des frühen 19. Jahrhunderts und fügt in die historische Erzählung oft ganz erschreckend traurige Interviews ein, die er mit Angehörigen der Brüderbewegung geführt hat, die auch drei und vier Generationen später sich kaum aus dem familiären Bann der religiösen (Zwangs-)Gemeinschaft lösen können.

    Wie sieht er aus, der “fundamentalistische Bibelglaube” (G. Sennlaub) der christlichen Brüderbewegung (oder Darbysten)? Sennlaub beschreibt ihn vor dem Hintergrund seiner Entstehung bis in die Gegenwart als psychische und soziale Zwangseinrichtung. Die Welt, das ist der Feind: Frauen, Homsosexuelle und Demokraten.

    Ganz ähnlich habe ich vor gut einem Jahr die geistigen und sozialen Hintergründe der (geschlossenen) Brüderbewegung zu umreißen versucht, die in Hohen Neuendorf durch den Emmaus e.V. vertreten ist. Als Ergänzung und Beleg dieser Skizze ist deswegen die folgende Montage von Zitaten aus Sennlaubs (Erinnerungs-)Arbeit über die “Die folgenreiche Errettung des Ludwig B.” zu sehen.
    Historischer Hintergrund
    Elberfeld – Geburt des christlichen Fundamentalismus im proletarischen Elend (um 1850)

    Elberfeld dünstet geradezu Frömmigkeit aus. Freiligrath schimpft über das „verdammte Muckernest“, die „Sektenschlucht“, das „vertrackte Traktätleinsthal“, das „verketzernd“ sei wie kein zweites. „Mit der Toleranz ist es hier nicht weit her.“

    Inspiration Elberfelder Bibel aus dem Geist des Fanatismus

    Endlich, im Jahre 1854, ist Mister Darby zum ersten Mal in Deutschland. Er kommt nach Elberfeld, eingeladen von Carl Brockhaus – und bleibt gleich den ganzen Winter über. Die beiden helfen zwei Altsprachlern und Glaubensgenossen bei der Neuübersetzung des Neuen Testaments. Bis auf den heutigen Tag wird diese Leistung anerkannt, und der Text ist nicht nur in „Versammlungen“ der einzig akzeptierte. Während seiner Elberfelder Zeit wird der Deutsche von dem herrischen, fanatisch konsequenten und zu Kompromissen unfähigen Engländer endgültig radikalisiert.

    Lehre
    Brüderbewegung

    Wo er missioniert hat, hinterlässt er kleine Gemeinden, die er der Staatskirche abgepredigt hat und die sich schlicht „christliche Versammlungen“ nennen. Die sind nun weder lutherisch noch reformiert noch calvinistisch noch katholisch, sondern „dissidentisch“: andersgläubig. Und nach dem Männerbild des Paulus nennen sie sich „Brüder“. „Schwestern“ gibt es natürlich auch, aber die haben – wieder nach dem Vorbild des Paulus – nichts zu sagen und spielen in den Gemeinden bestenfalls eine Nebenrolle.

    Wiedergeboren

    Die erklären schlankweg alle Pastores im Lande und überhaupt alle Evangelischen für die wahren Sektierer, die Katholiken sowieso. Sie behaupten, die Lehre der Kirche sei nicht wahrhaftig. Sich selbst heißen sie „wiedergeboren“. Sie hätten nun, frohlocken sie, neben ihrer alten auch diese neue Natur, und die könne gar nicht mehr sündigen. Als „Bekehrte“ hätten sie den Heiligen Geist empfangen und seien „eins mit Christus“ geworden. Sie dürften sich deshalb mit Fug und Recht für Heilige halten (mit der angenehmen Folge, vor dem Jüngsten Gericht keine Angst mehr haben zu müssen).

    Bibeltreu

    Merk dir das: Wenn du nicht deine ewige Seligkeit riskieren willst, hast du jedes Wort für verbindlich zu halten. Kein einziges steht zufällig in der Bibel. Schon der geringste Zweifel ist Sünde.

    Einzig wir haben, der Urkirche gleich, die Einheit der Lehre, wie Darby das durchsetzte. Die muss unter allen Umständen rein erhalten bleiben.

    Versammlungen

    Jede ist nämlich für die Reinheit ihrer Lehre selbst zuständig. Da genügt nicht eine Beitrittserklärung wie bei der Kirche oder irgendeiner Freikirche, sondern jeder Aspirant hat sich einem Verhör zu unterziehen, bei dem ausgesuchte „Brüder“ die Qualität seines Glaubens prüfen.

    Erst, nachdem ihm die Ältesten einen im darbystischen Sinne „gesunden“ Glauben attestiert haben, lassen sie ihn zum „Tisch des Herrn“ zu: Er darf mit ihnen das Abendmahl nehmen, das in ihrer Sprache „Brotbrechen“ heißt.

    Trennungen

    Exkommunikation würden die Katholiken sagen. Aber bei denen muss man unendlich viel mehr falsch gemacht haben, bis es zum Letzten kommt. In Darbys Freikirche geschieht das regelmäßig und schon für scheinbare Kleinigkeiten, die für Nichteingeweihte unverständlich sind, bei denen es aber für Darbysten um Tod und Leben geht, weil es sich um Gottes pingelig genaue Anweisung für private Lebensführung handelt.

    Die Welt (und Demokratie) als Feind
    Welt

    Nie wird einer im Theater gesichtet werden. Keiner flirtet oder unterhält auch nur freundschaftliche Beziehungen zu einem weiblichen Wesen. Interesse an Kultur und Politik gibt es nur bei denen, die noch nicht weit genug fortgeschritten sind. Von Goethe, Schiller und Storm bis Coopers Lederstrumpf und Karl May – allesamt „Welt“. Sie zu lesen wäre Sünde. Niemand hat andere als die vereinseigene erbauliche Lektüre aus dem Brockhaus-Verlag.

    Ihre Worte trafen mich entsetzlich hart. Sie sagte, sie könne nicht verstehen, wie ich mich mit dem Jungen treffen könne, da ich mich doch für den Herrn Jesus entschieden hätte! Total verwirrt und verzweifelt setzte sich bei mir ein Gedanke fest: Wenn das Sünde ist, wenn Jesus mir das verbietet, wie soll dann mein Leben in seiner Nachfolge aussehen? Es gab keine freundschaftlichen Kontakte zur „Welt“.

    Demokratie

    das ganze Elend im Industriegebiet des Wuppertals komme einzig vom schlechten Glauben der Menschen.

    Der betrachtet alle demokratischen Bestrebungen mit mildem Abscheu. Was hat die Gemeinde des Herrn Jesus mit Bürgerrechten zu schaffen? „Unser Bürgerrecht ist in den Himmeln!“

    Dass man politisch etwas ändern müsse, um gegen das himmelschreiende Elend des Proletariats anzugehen, hält er für biblisch nicht begründet, in seiner Sprache: für „nicht schriftgemäß“.

    Weil aber gegen Nationalismus kein Wort in der „Schrift“ zu finden ist, lässt sich die überwältigende Mehrheit von nationalsozialistischen Gefühlen mitreißen; manche ihrer Jungmänner marschieren bei der SA mit.

    Finanzierung
    Brockhaus – Finanzierung durch ein blühendes Verlagswesen

    Denn nun beginnt des Brockhaus‘ große Zeit. Er eröffnet eine private Missionstätigkeit, gibt seine erste Zeitschrift für Erwachsene heraus, ist auf seinen Schwager bald nicht mehr angewiesen und lebt nur noch von Spenden seiner Zuhörer und Anhänger und vom Verkauf seiner Schriften.

    Spenden für das Werk des Herrn nimmt er immer noch gern an, aber privat ist er weniger denn je darauf angewiesen, denn er ist ein wohlhabender Mann, und sein Verlag schreibt Jahr für Jahr fette schwarze Zahlen.

    Hauptberufliche „Kolporteure“ verlassen das Gebäude mit Zentnern der schwarzen Bücher, „bedienen“ damit und mit geistlicher Fürsorge die von Carl erpredigten Gemeinden im ganzen Reich, lassen sich dafür mit Wurst und Schinken versorgen und mit Bargeld ausstatten und kommen nach ein paar Wochen mit den Abrechnungen der verkauften Bücher zurück.

    Niemand hat andere als die vereinseigene erbauliche Lektüre aus dem Brockhaus-Verlag.

    Des Vaters Erbe aber und die wirtschaftliche Macht dazu machen den Rudolf Brockhaus praktisch unangreifbar.

    Strukturen
    Macht ohne demokratische Kontrollen

    Es gibt in der Welt der Versammlungen keine förmliche Hierarchie, weil die in der Bibel nicht vorgesehen ist. Dass die anerkannten Kapazitäten, „Lehrbrüder“ und „Reisebrüder“, sich um den Verleger Brockhaus scharen, der sie mit dem Handelsgut Bücher und Heftchen versorgt, der die Verbindung zwischen ihnen hält, bei dem sie einander treffen und von dem aus sie auf ihre Tourneen gehen, ist doch keine Hierarchie! Wenn dieser Kreis handverlesener „Brüder“ auf seinen vierteljährlichen „Konferenzen“ dafür sorgt, dass es in deutschen Versammlungen nach Gottes von Darby entdeckter und von Rudolf Brockhaus bewachter Wahrheit zugeht, kann es allenfalls auf verblendete Nicht-Brüder so wirken, als gäbe es „eine straffe, von Elberfeld ausgehende Führung“ (Kunz) oder eine „kettenfeste Vergliederung, die nicht einmal die Methodisten haben“ (Ischebeck). In Wahrheit ist natürlich jede Versammlung autonom und entscheidet ihre Angelegenheiten selbst wie weiland die Römer, Korinther und Epheser. Aber Rat wird man sich doch holen dürfen! Und dafür gibt es eben die „Lehr- und Reisebrüder“.

    Niemand wird je bezeugen können, wer welche Fäden im Hintergrund zieht. Protokolle gibt es nicht. Wenn Gott Protokolle brauchte, hätte er das den Seinen an irgendeiner Stelle mitgeteilt. Aber die Vorstellung, dass einige Dutzend schwarzberockter älterer Männer aus allen Gauen des Reichs auf einer „Reisebrüder-Konferenz“ zusammensitzen, sehr wahrscheinlich im Elberfelder Brockhaus-Verlag, und dass Rudolf Brockhaus ihnen das Problem Adolf Birkenstock darstellt und sogleich auch die Lösung parat hat, kommt sicherlich der Wahrheit sehr nahe. Eine Entscheidung muss her. Zwischen den verschiedenen Versammlungen gibt es ein dichtes Netz von Beziehungen, Freundschaften und Bekanntschaften. Man trifft sich immer wieder auf so genannten Konferenzen, wovon unzählige Erinnerungsfotos mit viel Vordergrund und einer Hundertschaft winziger Figuren im Hintergrund noch heute zeugen.

    Dabei kommt ihm zu Hilfe, dass es bei den „Brüdern“ weder demokratische Strukturen gibt (die kommen ja in der Bibel auch nicht vor) noch schriftliche Verträge – nur „brüderliche“ Absprachen.

    Brüderstunde

    Das ist bis auf den heutigen Tag eine Art beschlussfassender Vollversammlung. Ab etwa 30 Jahren darf jeder Mann teilnehmen, der „in Gemeinschaft“ ist, also die Abendmahlslizenz hat. Aber unter 40 traut sich kaum einer. In dieser VV wird über alle Angelegenheiten der Glaubensgemeinschaft entschieden, von der Reparatur des Fensterrollos über die seelsorgerliche Betreuung des Wackelkandidaten X bis zur Zulassung zum „Tisch des Herrn“, dem Abendmahl. Alle Teilnehmer sind vergattert, kein Wörtchen aus dieser Runde nach draußen zu tragen, an ihre Weiber zuletzt.

    Mehrheitsentscheidungen kennt die Brüder-VV nicht.

    Wenn es wenigstens ein Beschluss von Menschen wäre! Aber diesen hat schließlich der Heilige Geist eingegeben, und auch unser Herr Jesus saß dabei, unsichtbar natürlich, wie er es uns in Matthäus 18 versprochen hat, wenn wir uns in seinem Namen versammeln.

    Seelischer Zwang
    Angst (machen)

    Dem Proletarier Birkenstock geht es doch wahrhaftig schon schlecht genug. Und nun macht ihm der ehemalige Lehrer auch noch klar, dass seine Existenz Gold ist zu dem, was ihm bevorsteht. Du, Ludwig, bist so durchseucht von Sünde, dass du keine Chance hast. Mach dich auf Schreckliches gefasst.

    Auf vier Feldern haben sie mir Angst gemacht. Erstens natürlich vor der ewigen Verdammnis. Zweitens, dass ich mich zurückgelassen finden könnte, wenn der Herr die Seinen entrückt hätte. Drittens vor dem unwürdigen Essen und Trinken des Abendmahls, womit man sich selber um Kopf und Kragen esse und trinke („sich selber zum Gericht“: 1. Korinther 11.29). Viertens mit ihrem liebsten Thema, das aber immer nur mit düsteren Andeutungen und Umschreibungen behandelt wurde: der Sexualität.

    Nicht die Sehnsucht nach der Liebe Gottes, sondern die so erzeugte Angst soll zum Motor der Umkehr werden.

    Bekehrungserlebnis

    Wir hatten schon als Kinder große Angst vor der Hölle, wenn wir kein Bekehrungserlebnis hätten.

    Als ich Kind war, bedrängte mich Hildegard G. aus der Christlichen Buchhandlung so sehr, dass ich ein wunderschönes Bekehrungserlebnis erfand, so glaubwürdig, dass sie es mir abnahm und mich als Eingeweihte in ihre Arme schloss.

    Diskriminierung der Frauen

    Die Frauen der „Brüder“ sind in der Ehe leicht zu handhaben.

    Denn bei den „Brüdern“ ist die Benachteiligung der Weiber sogar ideologisch zementiert.

    Zuständig ist immer nur der Mann, das Oberhaupt der Familie.

    Sie hat ja nach dem Gebot des Apostels Paulus zu schweigen „in der Versammlung“. Geredet wird nur auf der anderen Seite des Raums, bei den Männern. Nur die beten laut, nur die lesen aus der Bibel, nur die „legen das Wort aus“ und machen der Gemeinde Mitteilungen. Gegenüber, wo Hut an Hut die Frauen sitzen, wird allenfalls gehüstelt.

    („Versammlungs“-Frauen sind bis heute auch an ihren Frisuren erkennbar.)

    Haare abschneiden war „Sünde“.

    Gemeinschaftszwang und Überwachung

    Achthaber der Brüderbewegung kommen prinzipiell unangemeldet, immer zu mehreren, beginnen selbstverständlich mit einem gemeinsamen intensiven Gebet und haben das Recht, das Innere der Woh- nung zu inspizieren. „Nicht schriftgemäße Bilder“ an der Wand, gar Bücher „aus der Welt“, erst recht heidnische Symbole wie Adventskranz und Weihnachtsbaum, unziemlich gekleidete Mädchen. (Als unziemlich gelten schon bloße Oberarme und hell bestrumpfte Beine.)

    Das klappte vorzüglich. Man konnte kaum einen Schritt unbeobachtet tun.

    Den Weihnachtsbaum zu Hause hat er weggeschafft, weil Brüder den bei einem “Habt-acht-aufeinander!“- Kontroll-Besuch mit Schaudern entdeckten.

    Die Gebetsgemeinschaft in der „Versammlung“ (das nannte sich „vor Gott bringen“) wurde dazu missbraucht, das zu sagen, was man dem „Bruder“ nicht von Angesicht zu Angesicht sagen wollte.

    Es war eine subtile Mischung aus Freiheit (für die meine Eltern standen) und Angst. Die schlimmsten Strafandrohungen der Bibel waren nichts dagegen, mit irgend etwas Verbotenem von „Brüdern“ erwischt worden zu sein.

    In einer Gemeinschaft, wo einer den anderen fortwährend argwöhnisch beschnüffelt, ob auch nicht ein einziges falsches Wort seinem Munde entfleucht, wo Streitschriften, Spaltungen und wechselseitiges Ausschließen längst zum Tagesgeschäft gehören, ist die öffentliche Beantwortung kritischer Fragen höchst gefährlich.##

  6. Identitäten schreibt:

    etwas, was zu dem ganzen Familien-Komplex gehört, unabhängig von politisch korrekt-unkorrekt/rechts-links, christlich-unchristlich. Christen sind nicht die „besseren“ Menschen. Und Männer sind überall Männer.

    Frau TV v. 5.6.2014 Neustart. Verlassene Mutter von fünf Kindern, z.Zt. 68
    http://www1.wdr.de/fernsehen/information/frautv/sendungen/Neustart102.html

    • Carolus schreibt:

      Das Abspielen funktioniert bei mir nicht. Geht’s bei Ihnen?

      • Identitäten schreibt:

        leider auch nicht, aber man kommt sicher auch anders noch an den Film? Evtl. Wdhlg. der ganzen Sendung

        freundliche Grüße

  7. Identitäten schreibt:

    angesichts dieses idea-Propaganda-Beitrags
    http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/was-menschen-wirklich-gluecklich-macht-1164.html
    und meine hier vorbeschriebenen Beobachtungen und Erfahrungen kontrastierend, den kollektiven evangelikalen GESINNUNGSTERROR noch im Nacken (siehe Auszüge Gerhard Sennlaub, z.B. bei Homepage Dr.Karsten Poppe) , würde ich gerne jene Funktionärsherren, die sie sich immer wieder hervor tun…wie sie da heißen Diener, Steeb, Riemenschneider uvam oder i.V.
    Psychotherapiekliniken Hohe Mark, Elbingerode und de’ignis……
    einmal direkt konfrontieren, insbesondere mit jenem letzten Frau-TV-Auszug, siehe oben und jener Quintessenz gelebter Frauenleben -zuletzt Verratene Generation, Bylow –
    unter Berücksichtiung der Voraussetzungen der im 19. Jahrhundert begründeten Freikirchen-Kurslegung…

    • Identitäten schreibt:

      Der Lebenstil in christlichen Kreisen, insbesondere für kinderreiche Mütter, war nicht per se ein „gesünderer“!
      Mütter „vor“ mir (Generationen) waren oft noch „Matronen“ und ihre Töchter sitzen dann mit Anorexie oder Bulimie in jenen „christlichen“ Kliniken. Streß bei beiden, Müttern und Töchtern. Mütter wie Töchter agieren über den Körper etwas aus, was in der Seele nicht in Ordnung ist. Perfektion und Überforderung, m.E. die ÜBERDIEMASSENBEANSPRUCHUNGdort, wo Gesinnungsterror, Gesinnungsschnüffelei-und Kontrolle ein täglicher DRUCK-Begleiter waren.

      Die Protagonistin des Frau-tv- Filmes (nicht explizit „chritlich“) ,der leider nicht abspielbar ist, sagte erschütternd deutlich „nach Familie“ : „es gibt keine Ziele mehr“ ….
      Eine ganze Epoche hat die Frauen reduziert, nur kleine Aspekte/Anteile/Segmente ihrer Persönlichkeit zu leben! Das Christenthum hat sie INSTRUMENTALISIERT UND AUSGEBEUTET. Das Christentum als Rädchen im Getriebe der Subkultur oder umgekehrt.
      Während der Mann ein riesengroßes E G O entwickelte, welches IHM oft auch über die letzten Hürden hilft.

      Stinkefinger, Christenthum!

      • Identitäten schreibt:

        „Vielfalt in Glaubensfragen“? Meine Frage an die Evangelikalen lautet: Was will diese Herrenriege (Steeb, Diener, Riemenschneider-Doppelspitze…) anderes als Wichtigtuerei, Frauen beHERRschen und Ideologie? Wenn eine „ihrer“ Kirche im Norden das Gegenteil verkündet als eine im Süden, dann ist das „Standortfrage“? ,Beliebigkeit und Willkür

        und kann mir schon lange gestohlen bleiben!

  8. Identitäten schreibt:

    auch wenn ich mich gegen das momentan gesellschaftlich verordnete „Familien-Mainstreaming“ verwahre, heißt das nicht, dass ich die Abteilungen
    Allianz – Evangelikale
    Rechts u. Evangelikal
    Strenge Evangelikale
    der homepage fundamentalismusdebatte nicht kennen würde! Ich weiß sehr wohl, WAS ICH ZU WÄHLEN HABE! (aus dem Supermarkt der Ideologien)

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