Illusion Inklusion

Ron Kubsch: http://www.freiewelt.net/die-illusion-mit-der-inklusion-10033440/   (2.6.):

Es ist ein hehres Ideal: Kinder mit und solche ohne Behinderung sollen gemeinsam unterrichtet werden. Doch viele Lehrer und Fachleute sagen: Das hilft keinem der Schüler wirklich.

Katrin Hummel zieht eine differenzierte und nüchterne Bilanz. Darin heißt es:

Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbandes, zweifelt ebenfalls daran, dass Regelschulen in jedem Fall der geeignete Ort für Förderkinder sein sollen: „Warum es die hochdifferenzierten, höchst individuell fördernden und von hochprofessionellem Lehrpersonal geführten Förderschulen wegen der UN-Konvention zukünftig nicht mehr oder kaum noch geben soll, erschließt sich keiner nüchternen Betrachtung.“

Es gibt Eltern von Förderkindern, die das genauso sehen, zum Beispiel die „Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung NRW“. Längst nicht alle wollen von ihrer neuen Wahlfreiheit Gebrauch machen und ihre Kinder auf Regelschulen schicken. Man würde sie aber dazu zwingen, wenn man die Förderschulen abschaffen würde – was man tun müsste, damit die Inklusion bezahlbar wird.

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Ergänzung 4.6.2014:

Michael Paulwitz: http://jungefreiheit.de/kolumne/2014/schulabwracker-am-werk/ (4.6.):

Neues vom Stand der grün-roten Schulzerstörung im Ex-Bildungsmusterland Baden-Württemberg. …

… Immer deutlicher wird auch, daß der Rummel um die „Inklusion“ vor allem dazu dient, aus den Gymnasien die eigentlichen Gesamtschulen (Grün-Rot dekoriert sie als „Gemeinschaftsschulen“) zu machen. Ein Stuttgarter Gymnasium macht den Vorreiter: Das Cannstatter Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium nimmt einen zuvor an anderen Gymnasien und Realschulen abgewiesenen geistig behinderten Buben auf.

Zwar sieht auch der Schulleiter, daß ein geistig behinderter Junge keine Chance hat, zum Abitur zu kommen. Daß Inklusionskinder am Gymnasium gemeinsam mit Regelschülern unterrichtet werden, auch ohne den Anforderungen des achtjährigen Gymnasiums gewachsen zu sein, während bei überforderten Gymnasiasten die Versetzungsordnung greift und sie gegebenenfalls die Schule verlassen müssen, sei halt „ein Spannungsverhältnis, das sich nicht auflösen läßt“.

Daß sonderpädagogische Einrichtungen fehlen, ist der Mißstand, nicht deren Existenz

Der Widerstand von Eltern und Lehrern müsse überwunden werden, verkündet die Elternbeiratsvorsitzende, es gelte ja, einen „Mißstand“ zu beheben. Keiner will mehr wissen, daß selbst die UNO-Konventionen zur „Inklusion“ zwar Bildungszugang für Behinderte fordern, aber weder die Regelbeschulung noch die Zerschlagung sonderpädagogischer Einrichtungen fordern. Deren Fehlen ist der Mißstand, nicht ihre Existenz und das in vielen Jahren dort gesammelte Fachwissen. Für Bildungsideologen ist die „Inklusion“ eine Brechstange, um gewachsene Strukturen zu planieren, die der Einheitsschule im Weg stehen.

Hauptziel sind die Gymnasien. Die waren einmal dazu da, Schüler zur Hochschul- und Studierreife zu führen. Die Geschäftsführende Schulleiterin der Stuttgarter Gymnasien weiß es besser: Inklusion müsse grundsätzlich auch an Gymnasien stattfinden, die Gymnasiasten könnten dadurch schließlich „soziale Kompetenz“ lernen. Und darauf kommt’s ja schließlich an in der Sozialarbeiterrepublik.

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Ergänzung 15.6.2014:

http://kultur-und-medien-online.blogspot.co.at/2014/06/schulpolitik-hessen-scheitert-die.html   Schulpolitik Hessen: Scheitert die Inklusion?   (10.6.):

Eltern in Deutschland haben es schwer, ihr behindertes Kind an einer Regelschule anzumelden. Dabei ist Deutschland aufgrund einer UN-Konvention zur Inklusion von behinderten und nicht-behinderten Kindern in Schulen verpflichtet.

Die Teilhabe behinderter Schüler an Regelschulen, Inklusion genannt, kommt in Hessen nicht voran. Zu diesem Ergebnis kommt die im April veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung. Zwar sei der Anteil von Förderschülern in Hessen, die eine Regelschule besuchen, in den vergangenen fünf Jahren von 11,0 auf 20,5 Prozent gestiegen. Damit liege Hessen jedoch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 28,2 Prozent.

In Hessen haben demzufolge immer mehr Schüler einen besonderen Förderbedarf. Im Schuljahr 2012/2013 lag ihr Anteil bei 5,6 Prozent. Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Konvention der Vereinten Nationen für den Ausbau des gemeinsamen Unterrichts vor fünf Jahren war es von 4,8 Prozent.

Zudem ist die Zahl der Sonderschüler ist im selben Zeitraum leicht gestiegen, und zwar von 4,3 auf 4,5 Prozent. Laut Studie machten 78,4 Prozent von ihnen im vergangenen Schuljahr keinen Hauptschulabschluss.

„Von einem Systemwandel kann in Hessen noch nicht die Rede sein, denn das Doppelsystem aus Regel- und Sonderschulen bleibt bestehen“, sagte Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger. Für den erhöhten Förderbedarf würden nun zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen benötigt. „Bleiben dann auch noch die bisher vorhandenen Ressourcen im Förderschulsystem gebunden, ist die Inklusion in den Regelschulen ernsthaft gefährdet“, sagte Dräger. …

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http://www.spiegel.de/schulspiegel/foerderschule-junge-mit-down-syndrom-vom-schulbesuch-ausgeschlossen-a-965158.html    (20.5.):

Severin, 15, hat das Downsyndrom. Er kann ein lieber Junge sein – aber auch so stark und aggressiv, dass Lehrer Angst bekommen. Eine Förderschule scheiterte an dem Jungen. Jetzt hat er einen Betreuer, der ihm Paroli bieten kann. …

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2 Antworten zu Illusion Inklusion

  1. Identitäten schreibt:

    Die „soziale Kompetenz“ an einer kooperativen Schule in einer sogenannten „Weltstadt“ (die mit dem Tor zur Welt) sah so aus, dass nach sechs Jahren „Integration“ an dieser Regelschule mit betreffs Behinderung inkompetenten Lehrpersonen das Maß für unser „G“-und „I“-Kind voll war: keine Beaufsichtiung in den Pausen auf dem Schulhof, Gewürgtwerden, Instrumentalisiertwerden, es standen ferner schon die Zweitklässler bei der Einschulung Spalier. Von den ständig wechselnden Eintagsfliegen-Sonderschullehrern und Referendaren (auch mit Fisch am Auto) ganz zu schweigen…
    Es ging danach in eine Sonderschule, in welche die Stadt der meisten Millionäre jene verhaltensgestörten (und anderen, wie muslimischen) *Problemfälle* der Stadt pferchte….So eine Klasse hatte nicht selten einen Auslandsanteil von über 80Prozent. Förderung?
    Die Sportlehrer saßen neben der in die Turnhalle gequetschten Hüpfburg und quatschten, während sich die behinderten Schüler die Sehnenbänder zerrissen.
    Pest oder Cholera?
    Leider hat der neue Bildungsbericht bestätigt, was viele der betroffenen Experimentierhasen der Inklusion am eigenen Leib versprüren konnten. EBENSO DIE SACKGASSE INKLUSION. Dass es nämlich NACH Schule und Berufsbildungsjahr nicht mehr weiter geht.
    (Anm. v.m.: Und dass sie Sondereinrichtungen an Qualität verlieren, weil ihnen das Geld gestrichen wird. )

    Und lesen Sie doch mal hier: http://www.spiegel.de/schulspiegel/foerderschule-junge-mit-down-syndrom-vom-schulbesuch-ausgeschlossen-a-965158.html

  2. "Gut leben in Deutschland" schreibt:

    Neues von der Inklusionsfront?
    Buch, Neuerscheinung „Die Inklusionslüge“, Uwe Becker
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=27514

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