Umerziehung durch Neusprech

Ron Kubsch: http://www.freiewelt.net/neusprache-10034146/   (12.6.):

… Liest jemand – wie ich derzeit – das empfehlenswerte Buch Die Pädagogik der Neuen Linken (München/Basel, 5. Aufl., 1980), kommt er möglicherweise gelegentlich ins Staunen darüber, wie exakt Wolfgang Brezinka die Umerziehung der Schüler (von denen heute übrigens etliche Lehrer sind) vorhergesehen hat.

Als Beispiel sei das geforderte soziologisch-politische Vokabular angeführt. Bewusstseinsänderungen werden nämlich insbesondere durch die Schaffung einer neuen Sprache erreicht:

Was hier geschieht, ist eine ideologische Unterwanderung mittels sprachlicher Unterwanderung. Marcuse hat diese Politisierung der Sprache als »linguistische Therapie« (der seiner Ansicht nach »kranken« liberalen Wohlfahrtsgesellschaft) bezeichnet und gefordert, das soziologische und politische Vokabular systematisch umzuformen: »Es muß seiner falschen Neutralität entkleidet werden; es muß methodisch und provokatorisch im Sinne der Weigerung ›moralisiert‹ werden« .

Zur Methode der Bewußtseinsverengung gehört neben der Umdefinition von Wörtern auch die Einführung neuer Wörter und die Ausscheidung unerwünschter Wörter. Beispiele für neue Wörter sind »Establishment« für die politisch negativ bewertete Führungsschicht der Gesellschaft; »go in«, »sit in«, »teach in« für Formen des Hausfriedensbruches oder der Nötigung, die verharmlost werden sollen; »umfunktionieren« für die Zweckentfremdung von Einrichtungen oder Veranstaltungen; »verunsichern« für eine Technik der Einschüchterung politischer Gegner; »Technokrat« für Wissenschaftler, Techniker und Verwaltungsfachleute, die im Rahmen der gegebenen Gesetze zweckrational zu handeln bemüht sind, statt die Normen ihrer Gesellschaft abzulehnen und für den Umsturz zu arbeiten.

Beispiele für unerwünschte Wörter, die aus der Sprache der Neuen Linken verbannt werden, sind »Verantwortung«, »Vertrauen«, »Höflichkeit«, »Anstand«, »Ehrfurcht«, »Dankbarkeit«, »Bescheidenheit«, »Fleiß«, »Treue«, »Gehorsam«, »Zucht«, »Auslese«, »Selbstdisziplin«, »Sitte«, »Autorität«, »Pflicht«, »Ordnung«, »Gemüt«, »Heimat«, »Vaterland«, »Nation« , »Wehrbereitschaft« usw.

Alle diese Techniken zur sprachlichen Unterwerfung einer Gesellschaft durch Einführung einer »Neusprache« (»newspeak«) sind bereits von Orwell in seiner Zukunftsvision vom totalitären sozialistischen Staat »1984« geschildert worden. Der Zweck der »Neusprache« ist es, alle von der sozialistischen Ideologie abweichenden Denk- und Ausdrucksweisen unmöglich zu machen. Neben den erwähnten Techniken der Umdefinition vorhandener, der Einführung neuer und der Ausschaltung unerwünschter Wörter wird ganz allgemein die Verminderung des Wortschatzes als wesentlich angesehen. Indem die Möglichkeiten der Wortwahl auf ein Minimum beschränkt werden, hofft man auch das Denken auf jene Gegenstände einschränken zu können, die von der Ideologie zugelassen werden.

Mein Eindruck ist, dass ebenfalls in der kirchlichen Verkündigung durch Sprachinquisitoren etliche Begriffe auf einem Index unerwünschter Wörter gelandet sind. Ich denke da beispielsweise an: göttlicher Zorn, Erwählung, Gericht, Hölle, Strafe, Gehorsam, (Unter)Ordnung, Selbstverleugnung, Stellvertretung, Sühne, … Als ob die Heilige Schrift diese Themen verberge.

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5 Antworten zu Umerziehung durch Neusprech

  1. Identitäten schreibt:

    Auf eine Sprache, die u.a. Worte wie ZUCHT, AUSLESE, AUSERWÄHLTE, ELITE oder OBERHÄUPTER benutzt, verzichte ich doch glatt! Realität folgt Sprache. Umerziehung wird generell gern vertuscht, egal von welchem Lager! Und wenns die Beetschwestern (Moms in Prayer Schweiz sind!)
    Zu schmerzlich, genauer hin zu sehen.
    Der Film über die LEBENSBORNkinder wird z.Zt. in Abständen wiederholt…….da genehmigten sich die SS „Oberhäupter“ doch ihren Spaß für einen „edlen Zweck“!

    Wie kommts, dass Evangelikale rekordverdächtig oft fremdgehen? Mit ü25% noch vor Katholiken (ü22%), während die armen Agnostiker(1,6) und Atheisten(1,4) ganz bescheiden in fremden Revieren jagen? Fragen über Fragen….
    http://www.idea.de/detail/glaube/detail/viele-christen-nehmen-es-mit-dem-6-gebot-nicht-so-genau-28060.html
    Es offenbart sich eigentlich überall immer dasselbe Muster; nach oben beten, nach unten treten.

    Naja…sind wir doch schon etwas „weiter“ als der indische Mann (gegenüber der indischen Frau)
    http://www.zeit.de/2014/25/vergewaltigung-indien-gewalt-frauen

  2. Identitäten schreibt:

    Die Frage ist auch, was mir diese „Kokolores“(Kelle in Focus) -und Funktionärs-Christentümer überhaupt noch zu bieten haben? Mit meiner bescheidenen Mehrkinder-Rente kann ich mir deren Tagesausflüge, z.B. mit Essengehen über dem Fjord für 90 Mark plus Anreise nicht leisten! :- )

  3. kinderreiche Mutter schreibt:

    “Wozu ist Gender gut?
    Spontane Antwort: Na zu gar nichts! Ganz so einfach sollte es dann nicht werden bei meinem Streitgespräch mit Frau Prof. Dr. Janssen, Leiterin des Studienzentrums für Genderfragen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Man kann wohl sagen, am Ende eskalierte das Gespräch komplett. Aber lesen Sie selbst, es ist auch online zu finden und zwar: HIER.
    http://www.kath.net/news/46343
    Um es zusammen zu fassen: Keine meiner Fragen wurden beantwortet und am Schluss kam Frau Janssen dann mit der Faschismuskeule, als die Argumente ausgingen. Aber immerhin möchte ich Ihnen nicht den Einblick in die Unisextoiltette des Genderzentrums vorenthalten: Vorbildlich hat man hier die neue EKD-Kampagne “Eine Tür ist genug” umgesetzt und das Urinal für Männer mit friedfertigen Blumen besetzt. Damit gibt es jetzt nicht nur eine Tür für alle, sondern auch ein Klo für alle. Der gendersensible Mann von heute pinkelt im Sitzen. Und das ist konsequent meine Herren, denn im übertragenen Sinne ist das Urinal doch wahrlich ein Phallussymbol und damit ein ständiges Mahnmal für die Herrschaft des Patriarchats und in Zeiten, in denen doch nun wirklich alle wissen, dass ein Penis nur eine soziale Konstruktion ist, zudem auch noch völlig überflüssig.”
    🙂
    Birgit Kelle Newsletter
    newsletter(at)frau200plus.net

    • Atopiker schreibt:

      Wo man, ob man überhaupt noch irgendwo in diesem Desaster „verortet“ sein möchte? In diesem Kokolores? Des Dürfens und der Verbote? Des „richtigen“ mainstreams?
      Frau Kelle sucht sich als Katholikin ebenfalls neue Räume (idea 🙂 )
      Und so sind die Grenzen fließend.
      Wenn ich Yoga machen oder eine systemische therapeutische Hilfe (mit Genogramm) in Anspruch nehmen wollte, dann würde ich das tun und mich nicht von der EAD zurück halten lassen! (EAD ist GESINNUNGSTERROR genug!, während sie die Kids mit Staßenhiphop ködert…oder Moms international für Geld& Co beten läßt oder für ein Fußballtor, während man doch weiß, wo ihr eigenes Fundamanet begründet liegt)

      Ich „verorte“ mich heute darin, mich gewissermaßen *freidenkend* einzu“ordnen“..= Neusprech? .Und deshalb kann ich gleichzeitig Gender ablehnen, für ein Müttergehalt (Familienarbeit/ErziehungsLEISTUNG und Rente plädieren) und „unwissenschaftliche“ Tipps begrüßen, wie sie der Neurologe David Servan-Schreiber in
      Die Neue Medizin der Emotionen (Leseprobe) beschreibt (oder glauben, dass „Krebszellen keine Himbeeren mögen“) .
      ansonsten endet es immer wieder wie hier:
      http://www.idea.de/detail/politik/detail/in-der-spd-kein-platz-fuer-kritiker-der-homosexualitaet-28078.html

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