Erdogan in Wien

Martin Sellner: http://www.identitaere-generation.info/erdogan-wien/   (10.6.):

Es ist mittlerweile wohl fix. Erdogan, amtierender Präsident der Türkei, kommt am 19. Juni nach Wien, um dort für zwei Tage zu bleiben. Die Union of European Turkish Democrats hatte ihn eingeladen und sein Kommen in frenetischem Jubel verkündet. Bei der offenen Facebook-Veranstaltung haben bereits mehr als viertausend Erdogan-Fans zugesagt. Es dürften aber weit mehr werden. …

… Doch auch die “ach so integrierte” Jugend mit türkischem Migrationshintergrund, die unsere Politik in den letzten Jahrzehnten in Wien angesiedelt hat, fühlt sich mit Erdogan viel verbundener als etwa mit Faymann und Spindelegger. Angesichts dieser “Konkurrenz” kann man ihnen das schwerlich verübeln. Was unter dem Strich aber übrig bleibt, ist die Tatsache, dass die rund 110.000 überwiegend jungen Türken in Österreich nach wie vor eine türkische nationale Identität haben. Sogar in Umfragen wird das offen zugegeben. So gaben 69,3 % der türkischen Einwanderer an, sich nach wie vor „dem Staat, aus dem ich stamme bzw. aus dem meine Eltern stammen“ zugehörig zu fühlen.

… Sie pfeifen auf die “Identität”, die ihnen ein Wisch Papier, als das sie die Staatsbürgerschaft meistens betrachten, gibt. Für sie gilt die Herkunft und die türkische ethnokulturelle Identität. Sie sehen sich in einer großen Mehrheit selbst nicht als Österreicher, sondern als Türken. … Würden heute osmanische Heere wieder vor Wien stehen, würden die Erdogan-Fans ihrem „Meister“ die Tore aufmachen …

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http://tvthek.orf.at/program/ZIB-2/1211/ZIB-2/8062949/Studiogaeste-Abdurrahman-Karayazili-und-Efgani-Doenmez/8062953   (16.6.   1 Woche verfügbar   11 min):

Abdurrahman Karayazili, geboren 1987 in Wien und Präsident des Vereins UETD, der Union der Europäischen Türkischen Demokraten, und Efgani Dönmez, Bundesrats-Abgeordneter der Grünen und Erdogan-Kritiker, diskutieren den bevorstehenden Erdogan-Auftritt in Wien.

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Ergänzung 20.6.2014:

http://www.andreas-unterberger.at/2014/06/erdogan-und-osterreich-die-wahl-und-die-heuchelei/   (19.6.):

… Erdogan soll also nur reden. Österreich hält das aus. Viel ärgerlicher sind in Wahrheit vier ganz andere Dinge.

  1. Erstens sind das die zahllosen Exekutiv-Überstunden, die der Steuerzahler finanzieren muss, um die Pro- und Kontra-Erdogan-Massen auseinanderzuhalten. Wie kommt er eigentlich dazu, dass türkische Parteikontroversen hierzulande ausgetragen werden? Der Österreicher weiß es nicht. Er wird ja nicht gefragt. Er muss nur zahlen. Und die einst überwältigende Unterstützung für die Freiheit des Demonstrationsrechts sinkt wieder ein Stück.

  2. Zweitens: Bis heute gibt es in Österreich keinen einzigen Minister, der mit ähnlicher Schärfe auf die Bedrohung durch radikalisierte Moslems hinweisen würde, wie es vor allem der deutsche Innenminister in diesen Tagen tut. Wo gibt es etwa die Debatte ums Strafrecht? Warum wird nicht automatisch jeder streng bestraft, der für eine fremde Macht kämpft? Egal, ob er, beziehungsweise wie viele Menschen er abgeschlachtet hat. Es kann doch nicht wahr sein, dass diese jungen Männer nachher wieder hierzulande herumlaufen dürfen. Oder glaubt man bei dieser Regierung ernstlich, dass Fundamentalisten nur im Ausland gewalttätig sind?

  3. Drittens: Wann erkennt man endlich, dass es keine scharfe Grenze zwischen (harmlosem) Islam und (gewalttätigem) Islamismus gibt? Die von der Regierung so hofierte Islamische Glaubensgemeinschaft etwa geht immer nur im Nachhinein auf Distanz zu erwischten Gewalttätern. Sie weist nie im Vorhinein auf den Behörden noch unbekannte Prediger, Imame, Lehrer, Moscheen, Internetseiten hin, die Gewalt billigen oder gar dazu aufrufen. Die zur Schlechterbehandlung von Frauen aufrufen. Die den Wechsel vom Islam zu einem anderen Bekenntnis nicht akzeptieren.
    Wann erkennen naive Bischöfe die Wahrheit hinter dem islamischen Wortschwall: dass es nämlich im heiligen Buch der Moslems – bei diesen die einzige Autorität! – jede Menge Aufrufe zu Gewalttätigkeit gibt? Sie lassen sich in ihrer Weltfremdheit unglaublich viel Sand in die Augen streuen, weil im Koran halt auch Abraham erwähnt wird. Beim Gründer des Christentums, insbesondere im Neuen Testament, fehlt hingegen jedes derartige Gutheißen von Gewalt.
    Wann erkennen endlich Medien (siehe etwa die unglaublich euphemistische Darstellung im ORF zu der gehackten Kurz-Seite!), dass heute bei manchen Moslems wieder der Marsch auf Wien und die Belagerung dieser Stadt ein Thema sind? Wann erkennt man – bei allem wirtschaftlich Sinnvollem und Erfolgreichem, was Erdogan tut! –, dass mit ihm das Land am Bosporus einen weiten Schritt zum islamischen Fundamentalismus zurück getan hat?

  4. Und viertens ist besonders ärgerlich, dass viele Türken nach Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft wieder die türkische erwerben. Von den rund 270.000 türkischstämmigen Menschen, die hier leben, sind zwar schon 115.000 formell Österreicher. Davon aber hat eine unbekannte Anzahl auch wieder zusätzlich den türkischen Pass bekommen. Das ist nach türkischem Recht legal, nach österreichischem jedoch nicht. Wenn sich Österreich ernst nimmt, muss er all jenen „Austrotürken“ sofort wieder den rot-weiß-roten Pass entziehen, die auch (wieder) den türkischen haben. …

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Ergänzung 22.6.2014:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-06/recep-tayyip-erdogan-wien/komplettansicht   (20.6.):

Die Enkel der Belagerer

Steht ein Türke in Wien: Erdoğan lässt sich in Österreich von seinen Fans bejubeln, vielen aber ist er gar nicht willkommen. Die uralte Feindschaft ist bis heute präsent.

… Erdoğan ist nicht willkommen in Wien. Das liegt auch an der besonderen Beziehung der beiden Länder: Über 300 Jahre, nachdem die türkische Armee zuletzt die Stadt belagert hat, scheint die Bedrohung durch die Türken noch immer ein Motiv zu sein, dass in der österreichischen Öffentlichkeit eine Rolle spielt. Und es scheint auch ein Motiv zu sein, wie dieser Tag zeigen wird, dass der heutige türkische Premier gerne bedient.

… Ein Mann in osmanischer Tracht, ergänzt durch einen sonderbaren Hut und eine  gigantische Türkei-Flagge, spaziert durch die Reihen und lässt sich bereitwillig fotografieren. Er symbolisiert, was Erdoğan später ausspricht: „Wir sind alle die Enkel von Sultan Süleyman„, wird der Ministerpräsident sagen, „und die Enkel von Kara Mustafa„. Sultan Süleyman der Prächtige war jener Sultan, der die Erste Türkenbelagerung Wiens 1529 zu verantworten hatte. Kara Mustafa war Oberbefehlshaber während der Zweiten Türkenbelagerung 1683.

Vergleiche der historischen Türken mit den zeitgenössischen sind keine Randerscheinung in der Wiener Historiographie. So warb die FPÖ bei den Wien-Wahlen 2010 mit einem Comic, der unter anderem die Zweite Türkenbelagerung als Sujet hatte. Acht Jahre zuvor sagte der St. Pöltner Diözesanbischofs Kurt Krenn in einem Interview: „Zwei Türkenbelagerungen waren schon, die dritte haben wir jetzt.“ Nur erfolge diese auf einem anderen Weg. Die Quasi-Gleichstellung der ehemaligen Gastarbeiter mit einer plündernden und mordenden Horde osmanischer Soldaten hat dem Bischof damals viel Kritik eingebracht. …

http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/3824052/Erdogan-kam-sah-und-schadete-der-Sache   (20.6.):

Österreichs Politik hat sich mit dem sonderbaren Auftritt des türkischen Premiers schwergetan. Wie immer, wenn’s um unangenehme Wahrheiten geht.

… Am Donnerstag nannte er seine hiesigen Anhänger „Enkel Kara Mustafas“ – der osmanische Feldherr war an der Belagerung Wiens gescheitert. Das soll wohl heißen, die Türken in Wien setzen die alte Mission ihres „Großvaters“ nun fort? Interessant, aber eigentlich eine ziemlich deutliche kulturelle Kriegserklärung, nicht? …

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Ergänzung 23.6.2014:

http://helmutmueller.wordpress.com/2014/06/22/von-wiener-ruckgratlosigkeit-und-turkenstolz/:

„Bei allem Zweifeln der Diplomaten – jetzt hat Kurz einen mächtigen und einflussreichen Fürsprecher bekommen“, konnte man in den Medien lesen, als der junge Mann als Außenministerkandidat gehandelt wurde. Bei dem Fürsprecher handelt es sich um den Kurz-Berater Albert Rohan, ehemaliger Generalsekretär des Außenamtes und Präsident der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Was wohl den alten Herrn für Jungspund Kurz so erwärmt haben mag?

Rohan, eine der Grauen Eminenzen im Hintergrund, wurde übrigens wegen seines Eintretens für einen unabhängigen Kosovo mit dem höchsten Orden dieses von den US-Amerikanern aus der Taufe gehobenen Landes ausgezeichnet. Ein Freund der Freiheit, möchte man meinen, aber schon dessen transatlantische Stimme im Konzert des EU-„Establishments“ ließe Zweifel zu.

… Nun hätte der Besuch des türkischen Premiers eigentlich die Gelegenheit zu einer aufrechteren außenpolitischen Linie geboten. Aber der von einer Zeitung als Abrechnung angekündigte Dialog war bloß der Innenpolitik geschuldetes, etwas mit Trotz garniertes diplomatisches Ritual, das für einen Türkei-Beitritt absolut kein Hindernis darstellt. Soweit ja klar, denn „Mastermind“ Rohan ist ein Befürworter eines solchen: Für den Beitritt der Türkei spreche die geostrategische Lage, vor allem als Energie-Transitland. Dass Demokratie und Islam vereinbar seien, wäre auch eine Botschaft an andere islamische Länder, so Rohan einmal. Für die EU ist ja auch nicht der Islam das Problem, sondern Erdogans nationaler Imperativ. …

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Ergänzung 24.6.2014:

http://iboesterreich.at/?p=1002   Erdogan geh ham   (19.6.):

Die Identitäre Bewegung Wien hat heute Vormittag mit Transparenten, welche die Aufschrift „Erdogan geh ham“ und „Gute Heimreise“ trugen, gegen den Auftritt des türkischen Premiers in Wien demonstriert. Es ist ein Wahnsinn, dass ein fremder Politiker in unserer Hauptstadt eine Wahlkampfveranstaltung abhält. Und es ist ein Wahnsinn, dass die türkische Innenpolitik samt Islamisierung und Terror-Konflikten in unser Land hereinschwappt.

Die Türkei ist nicht einmal ein Teil Europas – Erdogan will hier klar seine „5. Kolonne“ auf sich einschwören. Er spekuliert auf die Gunst von 90.000 türkischen Wählern, die dank der illegalen Praxis der doppelten Staatsbürgerschaft immer noch wahlberechtigt sind. Tausende „österreichische Staatsbürger“ schwenken Türkeifahnen, zeigen Symbole der Grauen Wölfe und Schilder mit Parolen wie „3. Türkenbelagerung“ – dazu fast alle Frauen mit Kopftuch: Das sind die Fans von Erdogan.

Es ist aber nicht sein Besuch, der „einen Keil“ in eine vermeintliche Multikulti-Idylle treibt. Die Erdogan-Fans gab es auch schon vor diesem Eklat und sie werden uns auch bleiben, wenn Erdogan längst wieder in ihre Heimat abgereist ist. Man muss sich hier mit dem Grünen Bundesrat Dönmez fragen, warum sie es Erdogan nicht gleich tun und in das Land abreisen, dem sie sich verbunden fühlen?

Erdogan ist nur eines der vielen Zeichen der Masseneinwanderung und Multikulti-Fehlpolitik der letzten Jahrzehnte. Das „Menschenmaterial“, mit dem skrupellose Politiker und globale Konzerne das eigene, überalterte Volk ersetzen wollten, hat sich als nicht „integrierbar“ erwiesen. Das Konzept war von Anfang an wahnsinnig und realitätsfremd, wie der deutsche Altkanzler Helmut Schmidt unlängst sagte. Man kann aus den Staaten jahrtausendealter, ethnokultureller Gemeinschaften nicht in wenigen Jahren multikulturelle Einwanderungszonen machen. Das war ein klarer Bruch mit der Verantwortung vor dem eigenen Volk und ein Verbrechen an unserer Zukunft und Demokratie. …

… Wir, die patriotische Jugend, haben hier aber sehr wohl noch mitzureden! Wir lassen uns unsere Zukunft und Identität nicht stehlen und nehmen die Sache selbst in die Hand. Wir fordern eine Volksabstimmung über Masseneinwanderung und Islamisierung. Wir wollen ein Ende von Multikulti und sagen Erdogan und seinen Jüngern: „Gute Heimreise“! Denn sie sind nicht nur die “Enkel Kara Mustafas”, wie Erdogan vor tausenden Türken freimütig zugegeben hat – wir sind auch die Nachfahren der Verteidiger von Wien!

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Ergänzung 25.6.2014:

http://tvthek.orf.at/program/Im-Zentrum/6907623/IM-ZENTRUM/8087699   (22.6.   62 min   1 Woche verfügbar)

Erdogans Werbetour – Provokation auf Türkisch?

Mit viel Emotion haben türkisch-stämmige Migranten und Auslandstürken den Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Wien begleitet – mit Ablehnung, vor allem aber mit viel Zustimmung von tausenden von Anhängern. Und wie schon zuvor in Köln warnt Erdogan auch in Wien seine Landsleute vor Assimilation und spricht sie als Enkel der Türkenbelagerer an – für viele eine Provokation und ein Aufruf zur kulturellen Unterwanderung ihres Gastlandes Österreich. Wie gut sind die in Österreich lebenden Türken integriert? Was ist dran an der Behauptung, viele lebten in einer Parallel-Gesellschaft ohne jedes Interesse an Integration? Und warum gibt es in Österreich gerade Türken gegenüber so viele Ressentiments?

Sebastian Kurz, Außenminister, ÖVP
Alev Korun, Integrationssprecherin, Die Grünen
Fatih Köse, Pro-Erdogan-Aktivist, „New Vienna Turks“
Hannelore Schuster, Bürgerinitiative „Moschee ade“
Kenan Güngör, Soziologe und Migrationsexperte

http://www.unzensuriert.at/content/0015646-FP-zu-ORF-Im-Zentrum-nicht-eingeladen-Frau-Schuster-allein-gegen-Islamisten-Lobby   (25.6.)

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Ergänzung 8.7.2014:

Sehr lesenswert:
Martin Lichtmesz: http://www.unzensuriert.at/content/0015626-Wien-Auftritt-Erdogan-und-die-S-hne-Kara-Mustafas   (21.6.)

Seit die Grünen gegen den türkischen Machthaber sind, wird ein Auftreten Erdogans in Wien auch in den österreichischen Medien hart attackiert. Vorher war ja dort schon aus politischer Korrektheit alles Türkische heilig. Aber jenseits der Aufregung um Erdogan und seine Sätze gibt es vier grundsätzliche und hier gerne verdrängte Aspekte, die viel schlimmer sind. (Mit einer nachträglichen Ergänzung)

Tatsache ist, dass Erdogan eine Wahlrede hält. Und zwar tut er das trotz eines seit einigen Tagen an den Grenzen der Türkei und mit gewaltigem Verschulden seines Landes entflammten Großkrieges. Das erstaunt. Denn es sind schon aus viel nichtigeren Anlässen Auslandsreisen abgesagt worden. Dass er zum zehnjährigen Jubiläum eines Vereins nach Österreich kommen würde, ist ja eine so dumme Formalbegründung seines Wien-Besuchs, dass nicht einmal die gläubigen Anhänger Erdogans sie glauben.

Tatsache ist aber ebenso, dass auch ein Erdogan selbstverständlich die hierzulande in der Verfassung stehende Meinungsfreiheit nutzen kann. Daran kann und soll auch der Umstand nichts ändern, dass ein umgekehrter Auftritt in der Türkei ohne Gefahr für Leib und Leben völlig undenkbar ist. Daran ändert der Umstand nichts, dass Christen oder Alewiten oder Juden in der Türkei massiv behindert werden. Daran soll auch das Verhalten der Grünen nichts ändern, die jemand allen Ernstes schon wegen des Wortes „Neger“ vor Gericht zerren wollen; die offenbar mit der Wiener Staatsanwaltschaft rechnen, dass sie ernsthaft wegen dieses Wortes an einen Prozess glauben.

Tatsache ist auch, dass ähnlich wie Erdogan auch ein Barack Obama in Berlin eine Vorwahlrede gehalten hat. Damals sind sehr viele zu ihm gepilgert und haben ihm zugejubelt (was heute kaum noch einer täte, nachdem Obama insbesondere im Irak ein totales Chaos angerichtet hat, das jenes seines Vorgängers noch übersteigt). Man sollte sich aber erinnern: Damals hat sich die gesamte linke Presse über Angela Merkel erregt, weil sie dem Noch-Nicht-Präsidenten nicht auch noch an offiziellen Orten wählkämpfen – pardon: predigen ließ.

Erdogan soll also nur reden. Österreich hält das aus. Viel ärgerlicher sind in Wahrheit vier ganz andere Dinge.

  1. Erstens sind das die zahllosen Exekutiv-Überstunden, die der Steuerzahler finanzieren muss, um die Pro- und Kontra-Erdogan-Massen auseinanderzuhalten. Wie kommt er eigentlich dazu, dass türkische Parteikontroversen hierzulande ausgetragen werden? Der Österreicher weiß es nicht. Er wird ja nicht gefragt. Er muss nur zahlen. Und die einst überwältigende Unterstützung für die Freiheit des Demonstrationsrechts sinkt wieder ein Stück.
  2. Zweitens: Bis heute gibt es in Österreich keinen einzigen Minister, der mit ähnlicher Schärfe auf die Bedrohung durch radikalisierte Moslems hinweisen würde, wie es vor allem der deutsche Innenminister in diesen Tagen tut. Wo gibt es etwa die Debatte ums Strafrecht? Warum wird nicht automatisch jeder streng bestraft, der für eine fremde Macht kämpft? Egal, ob er, beziehungsweise wie viele Menschen er abgeschlachtet hat. Es kann doch nicht wahr sein, dass diese jungen Männer nachher wieder hierzulande herumlaufen dürfen. Oder glaubt man bei dieser Regierung ernstlich, dass Fundamentalisten nur im Ausland gewalttätig sind?
  3. Drittens: Wann erkennt man endlich, dass es keine scharfe Grenze zwischen (harmlosem) Islam und (gewalttätigem) Islamismus gibt? Die von der Regierung so hofierte Islamische Glaubensgemeinschaft etwa geht immer nur im Nachhinein auf Distanz zu erwischten Gewalttätern. Sie weist nie im Vorhinein auf den Behörden noch unbekannte Prediger, Imame, Lehrer, Moscheen, Internetseiten hin, die Gewalt billigen oder gar dazu aufrufen. Die zur Schlechterbehandlung von Frauen aufrufen. Die den Wechsel vom Islam zu einem anderen Bekenntnis nicht akzeptieren.
    Wann erkennen naive Bischöfe die Wahrheit hinter dem islamischen Wortschwall: dass es nämlich im heiligen Buch der Moslems – bei diesen die einzige Autorität! – jede Menge Aufrufe zu Gewalttätigkeit gibt? Sie lassen sich in ihrer Weltfremdheit unglaublich viel Sand in die Augen streuen, weil im Koran halt auch Abraham erwähnt wird. Beim Gründer des Christentums, insbesondere im Neuen Testament, fehlt hingegen jedes derartige Gutheißen von Gewalt.
    Wann erkennen endlich Medien (siehe etwa die unglaublich euphemistische Darstellung im ORF zu der gehackten Kurz-Seite!), dass heute bei manchen Moslems wieder der Marsch auf Wien und die Belagerung dieser Stadt ein Thema sind? Wann erkennt man – bei allem wirtschaftlich Sinnvollem und Erfolgreichem, was Erdogan tut! –, dass mit ihm das Land am Bosporus einen weiten Schritt zum islamischen Fundamentalismus zurück getan hat?
  4. Und viertens ist besonders ärgerlich, dass viele Türken nach Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft wieder die türkische erwerben. Von den rund 270.000 türkischstämmigen Menschen, die hier leben, sind zwar schon 115.000 formell Österreicher. Davon aber hat eine unbekannte Anzahl auch wieder zusätzlich den türkischen Pass bekommen. Das ist nach türkischem Recht legal, nach österreichischem jedoch nicht. Wenn sich Österreich ernst nimmt, muss er all jenen „Austrotürken“ sofort wieder den rot-weiß-roten Pass entziehen, die auch (wieder) den türkischen haben.

Die bevorstehende Wahl des türkischen Präsidenten macht das im übrigen auch leicht herauszufinden – zumindest bei einigen „Austrotürken“. An dieser Wahl kann man nämlich erstmals auch auf österreichischem Boden teilnehmen. Man muss nicht mehr in die Türkei fliegen. Mit der Teilnahme an dieser Wahl ergibt man jedoch zu erkennen, dass man (auch) einen türkischen Pass hat.

Aber nimmt sich Österreich noch ernst? Oder ist die Wiener Staatsanwaltschaft nur noch für Verwendung des Ausdrucks „Neger“ und für jene zuständig, die sich vom kasachischen Diktator abwenden? Man wird sehen.

Parteipolitisch hat sich jedenfalls in Sachen Erdogan das Blatt gewendet. Früher haben sich zwei Parteien islamische Stimmen versprochen. Und laute Propaganda gemacht. Die Grünen haben hingegen jetzt gewechselt, sie konzentrieren sich nun auf die Anti-Erdogan-Stimmen. Die SPÖ hingegen zählt weiter auf Muslimstimmen und damit auf Erdogan. Freilich ist der bei ihren alten Wählern nicht gerade populär, weshalb die Partei samt ihrem Vorsitzenden – wie ja in praktisch sämtlichen heiklen Fragen – auf Tauchstation gegangen ist.

PS: Köstlich übrigens der ORF-Linke Armin Wolf: Wenn Rot und Grün uneins sind, verschlägt es ihm sofort die Rede.

PPS: Jenseits der Schulpflicht und ohne Öffentlichkeitsrecht gibt es im Rechtsstaat keine Möglichkeit, gegen eine türkische „Schule“ etwas zu unternehmen. Nur muss sie wie jeder Imam sich zur Gänze an die österreichische Verfassung halten. Was natürlich auch da zur prüfen wäre.

Nachträgliche Ergänzung: Großbritannien hat binnen weniger Tage schon auf ISIS reagiert: Wer dort – und in anderen vier Organisationen – auch nur Mitglied ist, macht sich schon dadurch strafbar. In Österreich wird es nicht einmal diskutiert . . .

– See more at: http://www.andreas-unterberger.at/2014/06/erdogan-und-osterreich-die-wahl-und-die-heuchelei/#sthash.s9LoMz1T.dpuf

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Eine Antwort zu Erdogan in Wien

  1. arkan schreibt:

    Schlecht recherchiert. Erdogan ist nicht Präsident, sondern Premierminister. Türken in Österreich sind rund 400.000

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