Sarajevo 1914

http://diepresse.com/home/zeitgeschichte/3814831/Heute-vor-100-Jahren_Eine-schreckliche-Tragodie-fur-das-Kaiserhaus   (28.6.):

Neue Freie Presse am 28.6.1914

Eine Nachricht ist heute aus Sarajevo eingetroffen, welche die ganze Monarchie auf das tiefste erschüttern wird. Das Kaiserhaus hat eine schreckliche Tragödie zu verzeichnen. Der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Frau Herzogin von Hohenberg sind heute in Sarajevo das Opfer eines Attentates geworden.
Wie uns aus Sarajevo gemeldet wird, hat sich das schauerliche Verbrechen in der folgenden Weise zugetragen:

Sarajewo, 28. Juni. Als Se. K. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Franz Ferdinand mit höchstseiner Gemahlin der Frau Herzogin von Hohenberg sich heute vormittag zum Empfang ins Rathaus begab, wurde gegen das Automobil eine Bombe geschleudert, die Se. K. u. k. Hoheit mit dem Arme zurückstieß.
Die Bombe explodierte, nachdem das erzherzogliche Automobil passiert war. Die in dem nachfolgenden Automobil befindlichen beiden Herren Graf Boos-Waldeck und der Flügeladjutant des Landeschefs Oberstleutnant Morizzi wurden leicht verletzt. Vom Publikum wurden sechs Personen mehr oder minder schwer verletzt.
Der Attentäter ist ein Typograph aus Trebinje namens Cabrinovic. Er wurde sofort festgenommen.

Nach dem festlichen Empfange im Rathause setzte Se. K. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog mit höchstdessen Gemahlin die Rundfahrt fort.

Ein Gymnasiast der achten Klasse, namens Prinzip aus Grahovo, feuerte aus einer Browningpistole mehrere Schüsse auf das erzherzogliche Automobil ab. Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog wurde im Gesicht, Ihre Hoheit die Frau Herzogin von Hohenberg durch einen Schuß in den Unterleib verletzt. Seine k. und k. Hoheit und die Frau Herzogin wurden in den Konak überführt und sind dortselbst den Verletzungen erlegen.
Auch der zweite Attentäter wurde verhaftet.
Die erbitterte Menge hat die beiden Attentäter nahezu gelyncht.

Die erste Nachricht von dem schauerlichen Verbrechen traf einige Minuten nach zwölf in Wien ein.
Der Kaiser wurde von diesem furchtbaren Ereignis sofort verständigt. Das Gerücht von diesem entsetzlichen Ereignis verbreitete sich in der ganzen Stadt und rief große Aufregung hervor. …

http://lepenseur-lepenseur.blogspot.co.at/2014/06/das-unheil-nimmt-seinen-lauf.html (28.6.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_von_Sarajevo

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http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Ich-wollte-darueber-nachdenken-wie-aus-Frieden-Krieg-wird/story/31507230 (27.6.):

Interview: Der Historiker Christopher Clark über Europas Weg in den Ersten Weltkrieg, die Frage der Kriegsschuld, die Kontroverse um seine Thesen und den Gebrauchswert der Geschichte als Orakel.

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Ergänzung 29.6.2014:

Konrad Gill: http://www.sezession.de/45553/sarajewo-28-6-1914.html   (28.6.):

Es war kein Tag wie jeder andere für die Serben, denn es war der 28. Juni, der St.-Veitstag. Der Tag des heiligen Vitus, serbisch Vidovdan, galt und gilt den Serben als nationalheiliger Erinnerungstag an die Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje), die als Aufopferung des Balkanvolkes für die christliche Sache im Abwehrkampf gegen die Osmanen gedeutet wird. An einem Vidovdan geschahen etliche der wichtigsten und verhängnisvollsten Ereignisse des serbischen 20. Jahrhunderts. Doch kein Vidovdan war so verhängnisvoll wie der des Jahres 1914.

Die Ereignisse des 28. Juni vor 100 Jahren sind allseits bekannt und werden heuer durch alle möglichen Feuilletons, Rundfunksendungen und Buchneuerscheinungen gejagt, nacherzählt und gedeutet. Den allermeisten Bürgern gelten sie als Randnotiz, als kleine Nachricht neben Ukraine, Diätenerhöhungen und Ballsport. Der Leserschaft der Sezession müssen sie nicht erläutert werden.

Es seien daher nur einige Anregungen gegeben, worüber sich angesichts des Atems der Geschichte, der einen am 28. Juni 2014 anweht, nachdenken ließe.

1. In Sarajewo starb heute vor 100 Jahren nicht irgendein gesichtsloser Prinz, sondern die Hoffnung seiner Völker. Franz Ferdinand von Habsburg-Este wäre wohl als einziger in der Lage gewesen (wenn überhaupt jemand), das riesige Habsburgerreich vor dem längst virulenten slawischen Nationalismus zu bewahren. Lange im Schatten des greisen Kaisers stehend und auf seine Regentschaft wartend, hatte er im Wiener Belvedere einen Kreis von gelehrten Beratern um sich geschart, die ein Modell für eine friedliche, die Völker verbindende Verfassung zu erarbeiten [hatten]. Deutsche, Slawen und Ungarn sollten in jeweils eigenen Reichsteilen, aber durch die Kaiserkrone vereint leben.

Die Ablehnung des Nationalismus als neuartige, dem Wesen der österreichischen Monarchie widersprechende Erscheinung bei gleichzeitiger Bereitschaft zu grundlegenden Reformen sowie das unerschütterliche Selbstbewußtsein, nicht nur legitimer Herrscher sein zu sollen, sondern aus diesem Schicksal auch die Verantwortung für die Herstellung stabiler und zukunftsfähiger Verhältnisse zu tragen, macht aus Franz Ferdinand das „Leitbild einer konservativen Revolution“ (so der Untertitel einer Biographie aus dem Jahre 1964).

Mit seinem Tod von Mörderhand starb diese Option, Europa begann, dem Verfall entgegenzutaumeln. Der politischen Einigung dienten fortan nur noch Gewalt, Massenmanipulation und zunehmende Gleichgültigkeit bzw. Oberflächlichkeit. Die letzten 100 Jahre als weitgehend kontinuierlichen Abstieg in fast allen Bereichen zu bezeichnen dürfte nur für einen äußerst optimistischen Menschen als Übertreibung gelten.

2. …

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