Stopp der Sprachgenderei!

http://diepresse.com/home/bildung/schule/3837996/Gendern_Feministinnen-zwingen-Mehrheit-ihren-Willen-auf   (14.7.):

In einem offenen Brief fordern Sprachkritiker die „Rückkehr zur sprachlichen Normalität“. Gendergerechte Formulierungen seien „zu eliminieren“.

In einem „Offenen Brief“ an Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) haben am Montag Universitätsprofessoren, Lehrer sowie Journalisten und andere Sprachkritiker eine „Rückkehr zur sprachlichen Normalität“ gefordert. Die Minister sollen, so die Forderung, „dem Wildwuchs durch das sprachliche ‚Gendern'“ Einhalt gebieten.

Das Schreiben wurde bisher von knapp 800 Personen unterzeichnet. Darunter sind u. a. die Philosophen Konrad Paul Liessmann und Peter Kampits, Mathematiker Rudolf Taschner, Verfassungsrechtler Heinz Mayer, Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, der deutsche Journalist und Sprachpfleger Bastian Sick und Schauspielerin Chris Lohner. Insgesamt ist laut Aussendung mehr als die Hälfte der Unterzeichner weiblich, außerdem sind rund 300 Schulleiter bzw. Lehrer dabei.

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Ergänzung:

http://diepresse.com/files/pdf/Offener_Brief_Heinisch-Hosek_Mitterlehner.pdf:

Offener Brief zum Thema „Sprachliche Gleichbehandlung“
anFrau Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek undHerrn Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner

Sehr geehrte Frau Ministerin Heinisch-Hosek,
sehr geehrter Herr Minister Mitterlehner!

Die gegenwärtige öffentliche Diskussion zur sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern veranlasst die unterzeichneten Linguisten, Germanisten, Hochschul-, Gymnasial- und Pflichtschullehrer, Journalisten und Schriftsteller, aber auch andere Personen des Gesellschaftslebens, dringend eine Revision der gegenwärtigen Vorschriften zu fordern. Es ist Zeit für eine Rückkehr zur sprachlichen Normalität.

Die derzeit durch den Frauenförderungsplan von oben her verordnete konsequente getrenntgeschlechtliche Formulierung zerstört die gewachsene Struktur der deutschen Sprache bis hin zur Unlesbarkeit und Unverständlichkeit. Man versuche z. B. nur § 2 des Bundesgleichbehandlungsgesetzes zu lesen und zu verstehen. Die Verpflichtung zur generellen getrenntgeschlechtlichen Formulierung führt darüber hinaus dazu, dass manche Aussagen nun schlichtweg nicht mehr „politisch korrekt“ formulierbar sind, z. B. Sätze wie „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörer“.

Das Beispiel zeigt klar auf: Die verordneten Vorschriften widersprechen zum Teil den Grundregeln unserer Sprache.

Sprache dient nämlich sowohl in mündlicher als auch in schriftlicher Form einzig und allein der problemlosen Verständigung und nicht der Durchsetzung partikulärer Interessen.

Die trotz jahrzehntelanger intensiver Bemühungen gering gebliebene Akzeptanz der feministischen Vorgaben muss zu denken geben:

• Laut jüngsten Umfragen lehnen 85–90 % der Bevölkerung die gegenwärtige Praxis der Textgestaltung im öffentlichen Bereich ab.

• Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2013 kam zum Ergebnis, dass in Printmedien nur bei 0,5 % von Aussagen, die auf beide Geschlechter bezogen sind, getrenntgeschlechtlich formuliert wurde.

Die feministisch motivierten Grundsätze zur „sprachlichen Gleichbehandlung“ basieren auf einer einseitigen und unrichtigen Einschätzung der Gegebenheiten in unserer Sprache. Das „generische Maskulinum“ (z. B. Mensch, Zuschauer …) zum Feindbild zu erklären und dessen Abschaffung zu verlangen, blendet die Tatsache aus, dass unsere Sprache ebenso ein „generisches Femininum“ (z. B. Person, Fachkraft …) und ein „generisches Neutrum“ (z. B. Publikum, Volk …) kennt. Alle seit Jahrhunderten als Verallgemeinerungen gebrauchten Wörter umfassen prinzipiell unterschiedslos beide Geschlechter. Die angeführten Beispiele beweisen dies. Es kann also weder die Rede davon sein, dass das jeweils andere Geschlecht nur „mitgemeint“ sei, noch dass das „generische Maskulinum“ ein „geronnener Sexismus“ wäre und für die Unterdrückung der Frau in der Sprache stünde. Die Sprachfrequenzforschung belegt ganz im Gegensatz dazu überzeugend, dass der feminine Artikel „die“ in allen Arten von Texten um ein Vielfaches häufiger repräsentiert ist als der maskuline Artikel „der“.

Folgende aus den angeführten irrigen Grundannahmen entstandenen Verunstaltungen des Schriftbildes sind daher wieder aus dem Schreibgebrauch zu eliminieren:

• Binnen-I, z. B. KollegInnen
• Schrägstrich im Wortinneren, z. B. Kolleg/innen
• Klammern, z. B. Kolleg(inn)en
• hochgestelltes „a“ bzw. „in“ im Anschluss an bestimmte Abkürzungen, z. B. Mag.a, DIin

Alle genannten schriftlichen Verunstaltungen entsprechen einerseits nicht dem derzeit gültigen „Amtlichen Regelwerk“ zur deutschen Rechtschreibung, andererseits enthalten sie zum Teil grammatische oder sprachlogische Fehler und können in den angebotenen Formen nicht unmittelbar gelesen werden. (Näheres dazu ist in diversen Publikationen von Brühlmeier, Kubelik, Pohl u. a. nachzulesen.) Darüber hinaus erscheinen die femininen Formen in solchen Konglomeraten jeweils nur als „Anhängsel“ der maskulinen, wobei die maskulinen Formen durch „Anhängsel“ ebenfalls entstellt werden – keines von beiden Geschlechtern kann sich damit respektvoll angesprochen fühlen.

Auch auf die Forderung, ausweichende Formulierungen zu suchen, ist zu verzichten, weil der Schreiber durch krampfhaftes Suchen nach Ersatzformen häufig vom Wesentlichen des Inhalts abgelenkt wird und andererseits der Leser durch gekünsteltes Wortgut irritiert wird.

Außerdem muss gewährleistet sein, dass durch die traditionsgemäße Anwendung verallgemeinernder Wortformen die Verständlichkeit von Texten wieder den Vorrang vor dem Transport feministischer Anliegen eingeräumt bekommt. Dies vor allem im Hinblick auf

• Kinder, die das sinnerfassende Lesen erlernen sollen,
• Menschen, die Deutsch als Fremdsprache erwerben und
• Menschen mit besonderen Bedürfnissen (z. B. Blinde, Gehörlose, Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten)

In Schulbüchern dürfen daher nicht länger sprachlich zerstörte Texte stehen wie „Sie/Er verbindet ihr/ihm die Augen und führt sie/ihn an der Hand zu ihrer/seiner Garderobe.“ In amtlichen Texten und Formularen dürfen nicht länger entstellte Formulierungen zu finden sein wie „Unterschrift ZeichnungsberechtigteR“.

Studenten sollen in ihren wissenschaftlichen Arbeiten nicht länger höheres Augenmerk auf das „richtige Gendern“ zu legen haben als auf den Inhalt ihrer Arbeit (siehe das Interview mit Univ.-Prof. Dr. Rudolf Taschner in „News“ 31/2013).

Sprache war und ist immer ein Bereich, der sich basisdemokratisch weiterentwickelt: Was die Mehrheit der Sprachteilhaber als richtig empfindet, wird als Regelfall angesehen. Wo immer im Laufe der Geschichte versucht wurde, in diesen Prozess regulierend einzugreifen, hatten wir es mit diktatorischen Regimen zu tun. Das staatstragende Prinzip „Demokratie“ verbietet daher a priori sprachliche Zwangsmaßnahmen, wie sie derzeit überhandnehmen. Ein minimaler Prozentsatz kämpferischer Sprachfeministinnen darf nicht länger der nahezu 90-prozentigen Mehrheit der Staatsbürger ihren Willen aufzwingen.

Der Entwurf der ÖNORM A 1080, der die öffentliche Debatte zu diesem Thema ausgelöst hatte, präsentiert einen Vorschlag, der die feministischen Anliegen maximal berücksichtigt, aber andererseits eine Rückkehr zur sprachlichen Normalität ermöglicht. Die Unterzeichneten plädieren daher mit Nachdruck dafür, diesen Entwurf auch auf höchster politischer Ebene zuunterstützen und zur Grundlage der Textgestaltung im öffentlichen Bereich zu erklären.

[Zur Liste der Unterzeichner: http://diepresse.com/files/pdf/Offener_Brief_Heinisch-Hosek_Mitterlehner.pdf]

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Ergänzung 25.1.2015:

Köstlich! Herbert Kickl zum Binnen-I (21.1.2015  10 sec):
https://www.youtube.com/watch?v=C-7vBnS4jdo#t=120

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3 Antworten zu Stopp der Sprachgenderei!

  1. heureka47 schreibt:

    Ich stimme dem hier beschriebenen Ansatz ZU.

    Ich gehe auch noch einen Schritt weiter und plädiere – analog zur englischen Sprache – für die Reduktion auf nur EINEN Artikel.
    Wenn ich mich nicht irre, hatten unsere germanischen Vorfahren – vor der (Sch…-)Romanisierung AUCH nur EINEN Artikel. Und ich finde, das reicht völlig aus!
    DREI Artikel erschweren nur das Lernen der Sprache.

    Warum muß es bei uns DER Tisch heißen, wo im Französischen LA table weiblich ist??
    Die zutreffende Übersetzung ist natürlich DIE Tafel – das ist mir schon klar.
    Gruselig wird es für die Lernenden der deutschen Sprache, wenn es ins Detail geht:
    DER Tisch
    DIE Tischplatte
    DAS Tischbein.

    Wo ist da die Logik??

    Es gibt keine…

    Der NEUE – einzige – deutsche Artikel sollte geschlechtsneutral sein – z.B.: DE.
    De Mann,
    De Frau,
    De Kind.
    De Tisch,
    De Tischplatte,
    De Tischbein.

    Herzlichen Gruß!

    • Antonius schreibt:

      heureka47 schreibt:
      2014/07/15 um 00:21

      ***Ich gehe auch noch einen Schritt weiter und plädiere – analog zur englischen Sprache – für die Reduktion auf nur EINEN Artikel.
      Warum muß es bei uns DER Tisch heißen, wo im Französischen LA table weiblich ist??***

      Die Tafel hilft auch nicht viel, ein Gegenstand kann durch verschiedene Worte beschrieben werden, darum geht es nicht.. Es gibt ein krasses Beispiel in Sprachen, welche mir bekannt sind. Es geht um die Sonne: The sun, le soleil, die Sonne, to słóńce.

      *** Gruselig wird es für die Lernenden der deutschen Sprache, wenn es ins Detail geht:
      DER Tisch
      DIE Tischplatte
      DAS Tischbein.
      Wo ist da die Logik??
      Es gibt keine…***

      Das ist nicht wahr! Hier sind de Gestze der Grammatik klar – den Artikel bestimmt das letzte Glied der Kette von zusammengesetzen Woertern. In diesem Falle: „Die“ Platte und „das“ Bein, der Tisch selbst hat nichts zu vermelden wie auch „das“ Holz in „dem“ Holzbein, obwohl hier beide Artikel die selben sind!
      Ich kann ein berufliches Beispiel angeben (aus der „Bibel“ der deutschen Vakuumtechniker):

      Ultrahochvakuumdoppelglockenpumpstand.

      Ich hatte zwei dieser Apparate.
      Hier hast Du alle moeglichen Artikel, aber „der“ Stand regiert die Kette.
      Die Einfuehrung von „the (de)“ als Universalmittel ist auch nur eine Halbheit. Weg mit allen Artikeln!!!
      Ob ich jemandem „Idiot“ sage, oder „de Idiot“, das aendert doch nichts am Wesentlichen. Sogar dsas Anhaengen von „in“ z. B. bei einer Diskussion mit meiner Frau, verbessert kaum ihre Stimmung.
      Herzlichen „de“ Gruß!

      • heureka47 schreibt:

        „Das ist nicht wahr! Hier sind de Gestze der Grammatik klar – den Artikel bestimmt das letzte Glied der Kette von zusammengesetzen Woertern. „:

        Menschengemachte „Gesetze“ gibt es viele! Allein – der SINN ist fragwürdig IN DER KRANKEN, dem „rationalen Irresein“ verfallenen, ZIVILISIERTEN GESELLSCHAFT.

        Die Zivilisation wurde gelegentlich auch schon ZUVIEL-ISATION genannt – hier trifft das auch zu, weil der neurotisch intellektüberbetonte Mensch zuviel regeln will. Weit mehr als sinnvoll – WEISE – ist.
        Es mangelt überhaupt nicht an WISSEN – im Gegenteil – dafür aber gravierend an WEISHEIT, an HÖHERER Vernunft!

        Herzlichen Gruß!

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