Buchbesprechung: Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog

Andreas Tögel: http://ef-magazin.de/2014/07/28/5590-buchbesprechung-die-schlafwandler:

Am 28. 7. 1914, mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, beginnt der dritte Balkankrieg, der sich bereits nach wenigen Tagen zu einem europäischen Flächenbrand ausweitet.

Ob Hundertjähriger oder Dreißigjähriger Krieg, ob amerikanischer Bürgerkrieg oder russisch-japanischer Krieg 1904/05 – die Frage nach einer Kriegsschuld wird nie gestellt. Auch bei den sehr zahlreichen Nahostkriegen der zurückliegenden Jahrzehnte wird die Benennung eines Schuldigen stets vermieden. Der Erste Weltkrieg bildet in dieser Hinsicht eine bemerkenswerte Ausnahme: Insbesondere für Historiker deutscher Zunge besteht kein Zweifel daran, den Furor teutonicus für den Ausbruch der Feindseligkeiten verantwortlich zu machen. Der Kaiser war´s!

So gesehen legt der australische Historiker Christopher Clark mit seinem viel beachteten Buch zur Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs ein revisionistisches Werk vor. Denn er kommt zu keiner eindeutigen Schuldzuweisung. Vielmehr beschreibt er die Geschehnisse, die zu dieser europäischen Katastrophe geführt haben, als eine hochkomplexe Gemengelage von einander widerstrebenden Zielen, persönlichen Befindlichkeiten, Fehleinschätzungen, Verbindlichkeiten und unglücklichen Zufällen. Clark misst den Ereignissen auf dem Balkan – anders als viele seiner Kollegen – aus vielerlei Gründen größte Bedeutung zu. Die Politik Serbiens bildet für ihn keine unbedeutende Randerscheinung, sondern ist ein zentrales Element der am Ende zum Krieg führenden Ereignisse.

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Ergänzung:

http://lepenseur-lepenseur.blogspot.co.at/2014/07/An-meine-Völker.html   (28.7.):

… Welch ein Unterschied! — zwischen diesem Dokument von Maßvollheit wie Schmerzlichkeit, in einen Krieg ziehen zu müssen, den der greise Monarch nur durch sein Gottvertrauen in den Sieg einer gerechten Sache gegenüber einem hinterhältig und amoralisch agierenden Feind doch zu gewinnen hoffen konnte, und der heute hysterisch überschnappenden Kampfrhetorik, die Schlagzeilen, Leitartikel und Pressekonferenzen seit Wochen und Monaten, und insbesondere in den letzten Tagen, ohne Unterlaß hervorkrakeelen.

Heute vor exakt hundert Jahren nahm Österreich-Ungarns und Europas Unglück seinen Lauf. Wer die Ereignisse der letzten Tage unserer Zeit beobachtete, bekommt den Eindruck, daß unsere heutigen Regierungen (oder, besser gesagt: ihre Strippenzieher hinter den Kulissen) drauf und dran sind, denselben Versuch nochmals zu unternehmen: herauszufinden, ob die von ihnen ersehnte »Neue Weltordnung« nicht doch mit Waffengewalt herbeizwingbar wäre. …

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3 Antworten zu Buchbesprechung: Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog

  1. heureka47 schreibt:

    Viele Menschen könnten derlei Bücher schreiben – und viele „unwiderlegbare“ / „wissenschaftlich“ ermittelte „Fakten“ würden präsentiert werden. Und dennoch lägen alle solche informationsreichen Werke letztlich FALSCH.
    Denn die wahre, tiefere, Ursache der Kriege der zivilisierten Gesellschaft ist eine ganz andere: Die ENTFREMDUNG / „Kollektive Neurose“ der großen Mehrheit der Menschen der „zivilisierten Gesellschaft“. Es ist – vereinfacht gesagt – der gravierende Mangel an der „Kraft des Friedens“, an wahrer Friedensfähigkeit – an der Kraft der Liebe.

    Ich weiß nicht mehr: Steht es in der Bibel oder war es ein Spruch aus der Hippie-Zeit oder woher habe ich den Satz: „Es ist keine Liebe mehr unter den Menschen“?
    Ich meine, er ist mir schon früh – vor 40 oder 50 Jahren – begegnet.
    Aber WIE (sehr) tragisch wahr er ist und WARUM er zutrifft, habe ich erst in den letzten gut 20 Jahren herausgefunden.

    Vor allem fand ich auch heraus, daß und wie die Kollektive Neurose grundlegend zu heilen ist.
    Das versuche ich in meiner 1992 gegründeten AKTION MENSCH UMWELT ZUKUNFT (AMUZ) seit damals unter die Menschen zu bringen.

    Mir ist klar: Es gehört zum Störungs- / Krankheitsbild, daß die – unbequeme / bitttere – Wahrheit verdrängt wird. Die typisch neurotische „Abwehr- / Vermeidungshaltung“ sorgt dafür; die „Angst-Abwehr“.
    Aber ich sehe keine andere Möglichkeit als dennoch über die Wahrheit zu informieren – wen auch immer sie erreichen mag.
    Die Krankheit läßt sich nur heilen, wenn sie BEWUSST (gemacht) wird und wenn der Betroffene den Weg der Heilung geht.
    „Zwangs-Erlösung“ ist in diesem Universum nicht vorgesehen.
    Schlimm genug, daß viele Menschen unter dem Einfluß der Kollektiven Neurose schwersten Leidensdruck erleben müssen und auch dann nicht die richtige, hilfreiche, Information vom „Gesundheitssystem“ bekommen, sondern von pathologisch dummen – kollektivneurotischen – Ärzten / Psychiatern „im Regen stehen gelassen“ werden.
    20 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich von Menschen mit „psychischen Erkrankungen“ hat mich das deutlich erkennen lassen. Aber den Skandal will – verständlicherweise – niemand sehen / wahrhaben.
    Ich vermute, in (den) anderen Bereichen des Gesundheitssystems sieht es ähnlich aus. Die „Metzgermethoden“ der Schulmedizin sind Ausdruck der pathologischen Unreife und Dummheit, des „rationalen Irrsinns“, wie man den „Wahnsinn der Normalität“ (Arno Gruen) bzw. „Die Pathologie der Normalität“ (Erich Fromm) auch nennen könnte.

    Wie gesagt:
    Grundlegende Heilung ist möglich!
    In jedem Einzelfall.
    Auf die völlig natürliche, gottgewollte und evolutionsentwickelte, Weise – durch Bewußtseins-Wandel / -Wechsel; durch Aufstieg zur höheren, feinstofflichen, Bewußtseins-Ebene.

    Wie Jesus am Bethesda-Teich zu dem dort lagernden Kranken sagte:
    „Hebe dein Lager auf und WANDLE.“

    Das ist keine historische, sondern eine SYMBOLISCHE Ge-Schichte. (!)

    Herzlichen Gruß!

    • Dörflinger André schreibt:

      Ja, gut, aber die Kriegsschuld des 1.WK wollen die Gutmenschen nicht lösgelöst vom 2. WK betrachtet sehen, was natürlich völlig verquere Sichtweise ist, denn den 2. WK lässt sich aus der dem 1. WK ableiten, nicht aber umgekehrt, der 1. WK aus Sichtweise des 2.WK. !! Aber, es gehört z.Z. zur „politischen Korrektheit“ , die europäischen Gewinnermächte des 2. WK (hauptsächlich Frankreich, das ja kein Sieger war, sondern nur – dank den Amerikanern und Briten u.v.a. = Nutzniesser also Kriegs-Gewinn(l)er war), also, ich wiederhole es: Frankreich wegen der von De Gaulle 1963 verordneten „D-F Freundschaft* zu schonen, alte Gräben von ab 1871 aufzureissen. Ich habs genau betrachtet: Die Kriegsschuld lag zu 60 % bei den Germanenmächten = Donau-monarchie (Oesterreich) (40 %) und Deutschland (20%) und 40 % bei der verkleinerten „Entente“ (Frankreich 30% ) und Russland (10%). Klar ist, dass a) die Wiener die Abreibe an Serbien auf alle Fälle wollten, auch ohne die Blankoer-mächtigung aus Berlin getan hätten und b) Deutschland sich diesem Ansinnen nicht widersetzt haben, nein, es drauf ankommen liessen, denn gemäss Bismarckscher immergültiger Maxime „fürchtet Deutschland niemanden ausser Gott“. Also tragen beide Germanenmächte die Hauptschuld zu 60 %, aber …..nicht mehr! Denn, die Franzosen standen seit etwa 1900 „Gewehr bei Fuss“ –> warteten nur den günstigsten Zeitpunkt ab, um die Scharten von 1871 (Verlust zweier Dept.) auszuwetzen. Denn: Deutschland hat sie doch 1914 nicht angreifen wollen, bloss verlangt, dass sie sich betr. die Abreibe Wiens an Belgrad „stille verhalten“ sollen. Frankreich hätte ja via Mittelmehrflotte den Serbien militärisch beistehen können, aber nein, „man“ benützte die sich endlich zeigenden Gelegenheit, um den Erzfeind packen zu können, was ihnen ja nicht gelang > Frankreich war nie einen Meter in deutscher Erde, nein, es fand nichts Gescheiteres als schon in der gleichen Woche der Kriegserklärung sieglos in Mülhausen einzufallen, wo sie die Deutschen nach einer Woche wieder hinauswarfen. Die Kriegsschuld Frankreichs 30 % ist genau die Hälfte jener von Berlin + Wien zusammen (60 %), nicht mehr, aber auch nicht…..weniger. Bloss, siehe Anfang, das will „man“ = die heutigen ex DDR-Gutmenschen CDU Merkel + Pfarrer Gauck so an öffentlichen Gedenkfeiern nicht öffentlich hinausposaunen, sondern nur in verklärt-vernebelten Floskels angehen, dass „so was nie mehr geschehen dürfe“; ja natürlich, gewiss, aber, das sind doch nur abgedroschene Allgemeinplätze der unbilligsten Art, das beantwortet doch die eigentliche Kriegs-Schuldfrage von 1914 nicht, aber eben, solches Hinterfragen ist politisch noch mindestens 50 Jahre – solange noch Zeitzeugen & deren direkte Nachfahren noch leben – nicht „opportun“ > „man“ ist ja schliesslich Politiker…..die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

      • heureka47 schreibt:

        Mir geht es nicht um „Schuld“. Mir geht es darum, die tieferen Ursachen zu erkennen, damit – endlich – HEILUNG bewirkt werden kann.

        Herzlichen Gruß#!

        Wolfgang Heuer

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