Sackgasse Inklusion

David Nagiller: http://www.andreas-unterberger.at/2014/08/sackgasse-inklusion/   (10.8.):

Jüngsten Medienberichten zufolge sollen bis 2020 sonderpädagogische Einrichtungen weitestgehend abgeschafft werden. Unter der beschönigenden Formulierung „Inklusion“ sollen dann auch Kinder und Jugendliche, die den Anforderungen eines Regelschulbetriebs intellektuell und/oder aufgrund ihres Sozialverhaltens eigentlich nicht gewachsen sind, trotz dieses Umstandes in ebendiesen mitübernommen werden.

Dass dieses Vorhaben den Pflichtschulbereich durchziehen soll, ist bereits seit längerem klar. Heißt es doch etwa im Schulorganisationsgesetz zu den Zielsetzungen der Neuen Mittelschule, dass Diversität und Inklusion, Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit wichtige Ziele seien. Inklusion u. a. bedeute, zu „erkennen, dass Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern Chancen für das gemeinsame Lernen sind und nicht Probleme, die es zu überwinden gilt“.

Dieser ungeheuerliche Euphemismus geht allerdings an der Realität klar vorbei. Allein Kinder mit psychosozial-emotionalen Entwicklungsstörungen, nur eine der bisher im sonderpädagogischen Bereich betreuten Gruppen, stellen nämlich den sinnvollen Unterricht in den Klassen massiv in Frage, denn sie sind häufig aggressiv, können nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden und gefährden sich und andere Personen. …

… Aber nicht genug damit, dass die Pflichtschulen desavouiert werden sollen: Das Prinzip der „Inklusion“ soll nun auch noch auf alle darüber hinausgehenden Schulformen wie AHS und BMHS angewandt werden.

Dies mit der Begründung, dass „nicht nur Kinder mit Beeinträchtigung vom gemeinsamen Aufwachsen profitieren (würden), sondern auch die anderen Schüler durch den Erwerb von mehr Konfliktfähigkeit und sozialen Kompetenzen.

Abgesehen davon, dass sich die Gymnasiasten und HAK-Schüler sicher freuen, wenn sie Woche für Woche in allerlei unangenehmen Situationen ihre „Konfliktfähigkeit“ entwickeln dürfen, so stellt sich ernsthaft die Frage, welcher Teufel die Verantwortlichen im Bildungsministerium geritten hat? …

In seinem Kommentar bezieht sich Wolfram Schrems auf den vorangehenden Satz:

… Der Teufel (oder einer von ihnen) heißt „Prokrustes„. Die gewaltsame Gleichmachung des Ungleichen als Programm des mythischen Riesen gleichen Namens wurde von der Bildungsbürokratie als eigenes Programm adaptiert. Es hatte im Sowjetkommunismus erhebliche Resultate erzielt.

Diese Geistespathologie feiert fröhliche Urständ. Derzeit gibt es leider keinen Theseus, der dem Prokrustes den Garaus machen würde.

Ein weiterer Kommentator weist u. a. auf Folgendes hin:

Österreich hat sich auf Grund einer UNO-Konvention, die Österreich unterschrieb, zur Inklusion verpflichtet.

Siehe auch:

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Ergänzung 20.12.2014:

Bärbel Fischer: http://www.freiewelt.net/inklusion-um-jeden-preis-10050318/   (18.12.)

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4 Antworten zu Sackgasse Inklusion

  1. Dörflinger André schreibt:

    „Inklusion“ ? Wieder so ein neues, konstruiertes Fremdwort mit Endung „…..ion“
    aus meiner Liste der 500 unnötigen Französismen. Ja, das Lateinische > Fränkische übt eine unglaubliche, unheimliche – nur einseitige – Anziehungskraft auf die Germanenvölker (inbegr. GB) aus, erstarrt vor Bewunderung wie das „Karnickel vor der Schlange“.
    Denn, wenn man einen klaren Begriff vernebeln will, verwendet man eben so einen Französismus, den dann alle auf verschiedene Weise auslegen sollen, handelt es sich doch um nichts Anderes als „Gleichmacherei > Eingleichung > Einebnung“ aller intellektuellen Fähigkeiten der Grundschüler in einem „Geistes-Einheitstopf“. Denn, nicht wahr, die zuvielen auswärtigen Kinder bereiten doch schon herkunftsprachlich bei der Einschulung ein enormes Problem, das den Bundes-Staat finanziell wie logistisch (Mangel an Fachlehrer, Schulhäuser) überfordert. Ergo soll das „Bad“ wiedermal d i e Mittelstand „auslöffeln“, allwo die Oberschicht ihre Kinder in die teuren Privatschulen rettet, damit sie nicht mit so Problemen der Mittelschicht konfrontiert werden.

    Es gibt eben hienieden kein friedliches, geruhsames LEBEN. Ständig wird man mit nervtötenden, nie enden wollenden Lebens-Problemen der Nachbarsvölker konfrontiert, denen man sich annehmen sollte.
    Klar, bei Naturkatastrophen (Wasser, Erde, Hunger) steht man bei, danach aber ist auch da mal Schluss, weil sich die Lage wieder bereinigt hat.
    Bei den afroasiatischen Völkerschaften aber, die von ihren religionsverrückten Diktatoren seit 1960 vertrieben werden, da reicht doch ganz Europa nicht aus, diese künstlichen Probleme > sowohl geistig wie körperlich > aufzunehmen > zu lösen, die dann unsere Lebensqualität schwer beeinträchtigen > wie hier im Grundschulwesen > danach noch unsere Sprache mit unnötigen, vernebelnden Fremdwörtern unterwandern. „Man“ will einfach das Grundübel des Problems nicht sehen, bis es wirklich nicht mehr lösbar geworden ist. In diesem Sinne lernt Europa wirklich nie das Entscheidende aus der Geschichte, wird mit der Zeit selbst zum Problemfall verkommen.

    Aber eben, auch davon leben bei unsere ganze Heerscharen von „Gutmenschen“ der Sozialtherapeuten, Uebersetzern, Personal der Sicherheit, des Transports, der Pflege, Religion… , Journalisten und…..Politiker.

    • Carolus schreibt:

      An den Fremdwörtern hab‘ ich, als gelernter Lateiner, eigentlich weniger auszusetzen, da sie oft einen Sachverhalt prägnanter beschreiben; wogegen ich mich wehre, ist das/der Neusprech, mit dem alten Begriffen ein anderer Sinngehalt unterlegt wird. Vernebelung, ja.

      Die Vertreibung der afroasiatischen Völkerschaften (nach Europa) ist Programm der Mächtigen und ihrer Politmarionetten; siehe z. B. https://kreidfeuer.wordpress.com/2013/06/23/peter-sutherland-eu-soll-homogenitaet-der-voelker-europas-unterminieren/

    • Elisabeth schreibt:

      Sind denn die herkömmlichen Stände-Etablissements (Träger..allerdings würde ich in dem Falle die deutsche Übersetzung VERWAHRANSTALTEN wählen) von Behinderteneinrichtungen BESSER???
      Was hier wie dort läuft, ist BEZIEHUNGSARMUT.
      In Hamburg sagte mir eine Leiterin einer solchen Wohngruppe, die sich u.a. mit dem Wort Lebenshilfe im Titel schmückt und „gelernte“ Sozialarbeiterin (wohl noch aus den 68er-Konformisten) : „Für Beziehung sind wir nicht zuständig“.

      • unten schreibt:

        „unten“ = hoch oben im Norden
        und wohin die Reise in der BRD geht….
        keine Zeit = kein FACHpersonal (nur Zeitkräfte oder Ungelernt oder Dilettanten) dafür aber gern fragwürdige Maßmahmen bis Medikamentierung = „Ruhigstellung“ und Psychiatrisierung, wenn nicht Kriminalisierung

        HA 7.9.2014
        „Eltern von Behindertem verklagen die Lebenshilfe Pinneberg

        Familie Giebel/Biller zieht für ihren behinderten Sohn vor Gericht. Vorwurf an die Lebenshilfe Pinneberg: Mitarbeiterinnen hätten ihn schikaniert. Es geht um Einbehalten von Geld, Telefonverbote, Hausarrest.
        Von Katy Krause

        Wedel/Pinneberg. Für die einen ist es eine sinnvolle pädagogische Sanktion, um den reibungslosen Betrieb aufrechtzuerhalten. Für die anderen ist es reine Schikane und ein Verstoß gegen die in der UN-Charta festgelegten Rechte von Menschen mit Behinderung. Fest steht, dass der Fall von Dirk Biller heute das Pinneberger Amtsgericht beschäftigen wird. Dessen Familie zieht für ihren 45 Jahre alten geistig behinderten Angehörigen vor Gericht. Ihr Vorwurf an die Lebenshilfe Pinneberg, in deren Wedeler Wohngruppe Dirk Biller lebt: Mitarbeiterinnen hätten ihn mit unzulässigen Erziehungsmethoden schikaniert. Sie klagen auf Unterlassung und fordern empfindliche Strafen bei Zuwiderhandlung.

        An ihrer Seite haben sie Lothar Selke. Der ehemalige Richter ist selbst Vater eines behinderten Kindes und engagiert sich seit seiner Pensionierung ehrenamtlich im Hamburger Verein Verbraucherschutz für behinderte Menschen, der sich für die Rechte der Benachteiligten einsetzt. Er verklagt nun ausgerechnet mit der Lebenshilfe einen gemeinnützigen Verein, der dasselbe für sich beansprucht. Behinderten helfen und sich für ihre Interessen stark machen: Das führt die Einrichtung, zu der in Elmshorn, Pinneberg und Wedel zahlreiche Wohngruppen, Kitas sowie eine Werkstatt in Thesdorf gehören, als Ziele an. Über ihre Wohngruppen heißt es in Prospekten und auf der Internetseite, dass sie den Bewohnern Schutz und Geborgenheit bieten. „Bei uns leben die Bewohner so selbstständig wie möglich und mit so viel Unterstützung wie nötig. Unsere Mitarbeiter sind qualifiziert und motiviert. Wir achten auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung und unterstützen sie entsprechend.“

        Genau das bezweifelt die Familie Biller. „Das Traurige ist, dass die Lebenshilfe nicht mehr ist, was sie zu sein vorgibt. Es geht nicht mehr vorrangig um die Menschen mit Behinderung“, kritisiert Günter Biller. Er selbst wirkte einst vor 25 Jahren aktiv in der Lebenshilfe Wedel mit, baute unter anderem die Wohngruppe in Wedel auf, in der sein Sohn seit zwei Jahrzehnten lebt. Und das sehr gern. Bis der Ärger begann. Laut den Billers gingen die Probleme mit der Wohngruppenleitung vor knapp zwei Jahren los. Telefonverbote, Stubenarrest, Umgangsverbote mit anderen Bewohnern wurden gegen Dirk Biller verhängt. Manchmal behielten die Mitarbeiter zur Strafe sein Taschengeld ein. Das geht auch aus den Zwischenberichten der Lebenshilfe hervor. Darin protokollierten die Mitarbeiter die Biller-Vorfälle und die Sanktionen. Ein Beispiel: Weil er eigenmächtig die Waschmaschine anstellte, obwohl er bereits drei Tage zuvor verwarnt wurde, wurde ein Telefonverbot für zwei Tage verhängt. Weil Taschentücher aus dem Fenster schmiss, durfte er die Wohnung nicht verlassen. Sein Taschengeld wurde einbehalten, nachdem er den Badezimmerschlüssel erneut versteckt hatte. Ärger gab es auch, weil er nachts heimlich mehr Kaffeepulver in die Maschine füllte.

        Dirk Biller kam mit einem Down-Syndrom auf die Welt. Trisomie 21, wie die Genommutation auch heißt, ist meist nicht erblich bedingt. Seine Behinderung schränkt ihn ein, aber er weiß, was er will. Fragt man ihn zum Beispiel, warum er denn den Kaffee nachts aufgefüllt hat, erklärt er: „Ich mag gern starken Kaffee. Ich schlaf sonst bei der Arbeit ein.“ Dirk Biller ist für die Werkstatt der Lebenshilfe tätig. Seine Tante und gesetzliche Betreuerin lächelt angesichts seiner Begründung. „Er ist clever“, sagt Gerda Gabriel. Sie weiß, dass er nicht immer einfach ist und seine eigenen Wege geht. Die ständigen Bestrafungen kann sie aber nicht nachvollziehen, weil es andere Möglichkeiten gebe, wie das Wegstellen des Kaffees oder das Anbinden des Badezimmerschlüssels. Günter Biller schüttelt den Kopf: „Das ist so lachhaft.“

        Aus Sicht von Anwalt Selke ist es noch viel mehr, es ist aus seiner Sicht unzulässig und verstößt auch gegen das Selbstbestimmungsgesetz in Schleswig-Holstein. „Die verhängten Sanktionen stellen schwere diskriminierende Verstöße dar. Es erinnert an längst vergangene Anstaltszeiten.“ Dass die Lebenshilfe sich nicht von den Erziehungsmaßnahmen in diesem Fall distanzierte, entsetzt Selke. Er hat am Mittwoch die Heimaufsicht des Kreises Pinneberg eingeschaltet.

        Lebenshilfe-Geschäftsführer Michel Behrens wollte sich zum Fall aufgrund der Persönlichkeitsrechte und des laufenden Verfahrens nicht äußern. Dem Abendblatt aber liegt die Stellungnahme der beauftragten Kanzlei für die Verhandlung in Pinneberg vor. Darin wird erläutert, dass die Sanktionen eine Reaktion auf aggressives und störendes Verhalten Billers gewesen seien. Sie seien zum Selbstschutz, Schutz der Mitbewohner und zur Aufrechterhaltung des Zusammenlebens in der Wohngruppe nötig gewesen. Dem Vorwurf der Familie, die Lebenshilfe stehe nicht mehr zu ihren Werten, entgegnet Behrens: „Wir müssen wirtschaftlicher denken als früher und mehr tun als vielleicht andere Einrichtungen, um das Überleben zu sichern. Deshalb vergessen wir aber nicht, wofür wir stehen.“

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