„Familien“-Politik benachteiligt kinderreiche Familien

Birgit Kelle: http://frau2000plus.net/kinderreiche-familien-werden-am-wenigsten-unterstuetzt/   (2.9.):

Nach jahrelanger Arbeit ist nun also der Abschlussbericht zur „Gesamtevaluation der familienpolitischen Leistungen“ auf dem Tisch und wer hätte das gedacht: Die Familienministerin ist zufrieden. Stimmen doch die Expertenempfehlungen genau mit ihren eigenen Ansichten überein. Nur doppelte Berufstätigkeit schützt Eltern und Kinder demnach vor Armut, damit sieht sie ihren Kurs, alle Familien in genau dies Modell zu drängen, als bestätigt an.

Ich empfinde es als Armutszeugnis, denn was genau sagt uns das? Genau: Es findet gar keine echte Familienförderung statt, Familien sind darauf angewiesen, durch ein doppeltes Einkommen ihre Mehrkosten, die durch das Großziehen von Kindern entstehen, selbst zu erwirtschaften. Wo genau ist dann aber die besondere Förderung? Stattdessen ist es ziemlich zynisch, dass es inzwischen ja sogar Berechnungen gibt, inwiefern eine berufstätige Mutter mit ihren Steuern und Abgaben die Kosten für die Betreuung ihrer Kinder selbst erwirtschaftet. Kosten, die sie nicht hätte, würde man die elterliche Erziehung genauso subventionieren wie die staatliche.

… Prägnant zusammengefasst sieht das Ergebnis so aus: Alle familienpolitischen Leistungen, die in Institutionen fließen, also Krippenförderung usw. und alle Leistungen, die einen Anreiz bieten, dass Frauen auf den Arbeitsmarkt wechseln, werden als positiv bewertet. Alles, was direkt oder gar bar (Gott behüte!) an Familien fließt, ist schlecht. Alles, was dazu beiträgt, dass Eltern länger zu Hause selbst erziehen, wird als kontraproduktiv bewertet. „Die wichtigste familienpolitische Leistung ist das Kindergeld, das Eltern maximal bis zum 25. Lebensjahr ihres Sprösslings erhalten. Nach Berechnungen von Holger Bonin vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wären gut 1,2 Millionen Familien ohne diese Geldleistung auf Hartz IV angewiesen. “Das Kindergeld senkt das Armutsrisiko von Familien” – schreibt Dorothea Siems in der Welt. Kindergeld ist aber nicht mal eine echte Familienleistung, sondern nur der Ausgleich für zu viel gezahlte Steuern der Eltern, weil man das Existenzminimum ihrer Kinder besteuert und ihnen das Geld wieder zurückgeben muss. Der größte Batzen ist also auch keine Förderung. Siems schreibt weiter: „Nach der Definition der Ökonomen ist die Vereinbarkeit von Beruf und Kind umso besser, je mehr Zeit die Frauen am Arbeitsmarkt verbringen. Die gemeinsame Zeit von Eltern mit ihrem Nachwuchs spielt dagegen bei dieser Beurteilung der familienpolitischen Instrumente keine Rolle.“ – Und genau hierbei liegt das Grundproblem: Vereinbarkeit bedeutet in Wahrheit immer mehr Arbeitszeit und weniger Familienzeit. Dies ist kein böser Nebeneffekt der Politik, sondern sogar explizit gewollt.

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Ergänzung 4.9.2014:

Zum Frau2000plus-Newsletter   (4.9.)

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2 Antworten zu „Familien“-Politik benachteiligt kinderreiche Familien

  1. unten schreibt:

    nix Vereinbarkeit
    nix Förderung
    stell dir vor, du hättest eine Tochter von 35, und die hätte ein Kind……
    und du weißt, wo sie landen wird.
    nix Ammersee, nix Starnberger See, sondern im Norden
    in der Altersarmut
    Schicksal Armutsfalle, gestern
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_reportage/

    gleich darauf folgte ein Beitrag, wohin die Fördersummen gehen: Nestlé, ein Multi, der 8 Milliarden Überschuss macht..Finanzielle Wohltaten für den Multi…Arbetisplätze versus Alu-Plastikkapseln…

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