Brandenburg und Thüringen: Zweistellige Ergebnisse für AfD

http://www.welt.de/politik/deutschland/article132249137/Berauschte-AfD-setzt-rasanten-Aufstieg-fort.html   (14.9.):

… Die AfD berauscht sich an sich selbst. „Von hier und heute beginnt eine neue Epoche in der Parteiengeschichte der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Björn Höcke, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland in Thüringen, als er am Wahlabend vor seine euphorischen Anhänger tritt. Brandenburgs Landesparteichef Alexander Gauland spricht vom „glücklichsten Tag in meinem Leben“. Nun gehe es auf zu den Wahlen in Hamburg und Bremen im kommenden Jahr, sagt er. „Wir sind in der deutschen Politik angekommen, und es wird uns daraus keiner mehr verdrängen.“

Nun dachten das schon viele Parteien in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch fürs Erste ist die AfD tatsächlich etabliert. Sie zieht nach Sachsen auch in die Landtage von Brandenburg und Thüringen ein. Und das triumphal mit zweistelligen Ergebnissen [Brandenburg: 12,2 %, Thüringen 10,6 %]. „Die Bürger haben für eine politische Erneuerung gestimmt“, sagt Bundes-Chef Bernd Lucke. Die „Altparteien“, wie Lucke die Mitbewerber nennt, müssen sich offenbar auf etwas gefasst machen.

Nach diesem Sonntag wird sich vor allem die Union trotz eigener Zugewinne in den zwei Bundesländern noch schwerer tun, ihre Taktik gegenüber der AfD aufrechtzuerhalten. Zwar holt sie sich wiederum Stimmen aus allen Lagern, aber eben erneut in nennenswertem Umfang von der Union. Laut Forschungsgruppe Wahlen haben in Brandenburg beim letzten Mal 14 Prozent der AfD-Wähler noch CDU gewählt, in Thüringen waren es 13 Prozent. Bisher war die Haltung der Union zu der neuen Partei: ignorieren. Sie wolle sie inhaltlich stellen, teilten ihre Spitzenleute mit – was immer das heißt. Die Union tut immer noch so, als ginge sie die AfD nicht wirklich etwas an. …

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Ergänzung:

Süffisantes bis gehässiges Journaille-Gerede über begrüßenswerte AfD-Vorhaben (noch im Juli):
http://www.wsj.de/nachrichten/SB10001424052702304365404580061243219712052?mg=reno64-wsjde   AfD im Osten: Drei Kinder und bloß kein Swinger-Club   (30.7.):

… Im Wahlkampf setzt man dafür auf eine stramme Familienpolitik und propagiert die Rückkehr zur Drei-Kind-Familie.

Um Eltern die Erziehung von drei Kindern schmackhaft zu machen, schweben der AfD allerlei Leckerlis vor. Das reicht … über eine Ausweitung des steuerlichen Splittingmodells bis hin zu einem Familienwahlrecht, bei dem die Stimmabgabe der Kinder bis zur Vollendung des 16. beziehungsweise 18. Lebensjahres von den Eltern wahrgenommen werden soll.

Dabei scheut die AfD nicht die ideologische Anleihe bei der Familienpolitik des SED-Regimes, das ja mit Maßnahmen wie Ehekredit und Babyjahr einiges tat, um die Geburtenrate zu erhöhen. Auf die „guten Seiten der Familienpolitik in der DDR“ solle man sich ruhig besinnen, appellierte Petry.

Inklusion in der Schule, wie sie in den vergangenen Jahren vorangetrieben wurde, zählt offenbar nicht zu den guten Dingen im Leben eines AfDlers. „Inklusion kann nicht funktionieren“, sagt der thüringische Spitzenkandidat Björn Höcke, der auch gleich noch gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften schoss: Man dürfe die „natürliche Polarität der Menschen“ nicht auflösen. Apropos: Die Gender-Ideologie steht laut Wahlprogramm der AfD Thüringen „sowohl im Widerspruch zu den Ergebnissen der Naturwissenschaft und Entwicklungspsychologie als auch zur Lebenserfahrung“.

Der brandenburgische Spitzenkandidat Alexander Gauland widersprach einer bekannten Einschätzung von Alt-Bundespräsident Christian Wulff. „Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass der Islam in Deutschland dazu gehört“, sagte Gauland. Seine Begründung: Der Islam habe bislang nichts zur Gesellschaft in Deutschland beigetragen.

Damit das wiederum ganz klar ist, will die AfD Sachsen den Geschichtsunterricht aufwerten und umgewichten, wie es im Wahlprogramm heißt: „Wir wollen einen deutlichen Schwerpunkt auf das 19. Jahrhundert und die Befreiungskriege gesetzt wissen. Die Grundlage unseres Staates wurde in den Jahren 1813, 1848 und 1871 gelegt.“

Alle drei AfD-Landesparteien gehen bei den kommenden Wahlen vom Überschreiten der Fünf-Prozent-Hürde und einem einstelligen Ergebnis aus. Wobei die Sachsen laut Forsa-Chef Manfred Güllner und dem aktuellen Stern-RTL-Wahltrend „von dem starken rechtsradikalen Milieu“ in ihrem Land profitieren und Stimmen von NPD-Anhängern abwerben könnte.

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Ergänzung:

Peter Helmes: http://www.pi-news.net/2014/09/merkel-und-seehofer-muessen-sich-warm-anziehen/   (15.9.):

Die SPD ist der große Wahlverlierer – und ein eventuell großer Wahlsieger: Außer in Brandenburg fährt sie katastrophale Ergebnisse in Thüringen wie vor zwei Wochen in Sachsen ein: Trotzdem könnte die SPD künftig in allen drei Landesregierungen vertreten sein. Zweimal kann sie sich den oder die Partner womöglich aussuchen. Eine schwierige Entscheidung, die auch von der Großen Koalition in Berlin mit Argusaugen beobachtet wird.

… In beiden Ländern befindet sich die SPD auf Augenhöhe – mit der AfD! Und es ist kein Trost, daß sie in Brandenburg stärkste Kraft geblieben ist.

… Alle Parteien haben versucht, die AfD zu ignorieren, wobei das Wort „ignorieren“ eine höfliche Umschreibung der Begriffe „beleidigen“, „verleumden“ und „niedermachen“ ist. Damit ist es vorbei. Jetzt braucht vor allem die Union eine Strategie für den Umgang mit den „Rechtskonservativen“ und „Rechtspopulisten“. …

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Ergänzung 18.9.2014:

http://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2014/afd-geht-gegen-spd-generalsekretaerin-vor/   (18.9.):

Der Düsseldorfer Stadtverband der Alternative für Deutschland (AfD) hat Strafanzeige gegen SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi gestellt. Die Partei wirft ihr Volksverhetzung und Beleidigung vor. Fahimi hatte die AfD in einem Interview als „braune Suppe“ bezeichnet, die sich ein „spießbürgerliches Gewand“ gebe. Die Schuld an den AfD-Wahlerfolgen sah Fahimi in der fehlenden Distanzierung der Union zur AfD. …

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3 Antworten zu Brandenburg und Thüringen: Zweistellige Ergebnisse für AfD

  1. alphachamber schreibt:

    Der penetrante Zwang zur politischen Korrektheit verstärkt sich mit der Schwäche der Staats.
    Alle ehrlichen Bedenken und Einsprüche zum social engineering der großen Parteien – zum Zwecke einer bequemen Manipulation der gesellschaftlichen Mehrheit – werden ungeniert in die rechte Ecke geredet. Eine SPD-Sprecherin bezeichnete z.B. die AfD Wählerschaft als “braune Sosse” – eine ungeheure Impertinenz und armseliger Schwachsinn. Das ist “liberaler Faschismus”.

    Der Begriff stammt von dem Paradigma der linken Heuchelei, dem erklärten Sozialisten H.G. Wells. In einer Rede im englischen Oxford vor den Jungen Liberalen 1932 sagte er: “…die Progressiven
    müssten „liberale Faschisten und aufgeklärte Nazis werden.“(!)

    Gudrun Ensslin, Hauptmitglied der linksextremen RAF (Baader-Meinhof Bande) 1968/69: „…diese bürgerliche Schizophrenie, dauernd zu tun was man nicht meint, geht so weit, dass man eine
    demokratische Gesellschaft will und gleichzeitig an einer faschistischen zimmert.“

  2. Johannes Talfeld schreibt:

    Die Haltung einiger ostdeutscher AfD-Politiker zum Thema Gleichstellung ist problematisch. Im Westen und in Berlin ist die Stimmung anders. Die AfD hat inzwischen einen offiziellen Arbeitskreis (BIG) für Homosexuelle. Die Leitlinien der AfD stehen im übrigen für eine volle Rechtsstaatlichkeit auch in dieser Frage. Das bedeutet: Der Forderung unserer Verfassungsrichter nach einer Gleichstellung beider Rechtsinstitute (Ehe und Eingetragene Partnerschaft) ist Folge zu leisten. Auch das Adoptionsrecht wurde inzwischen erweitert. Die AfD respektiert das, sie respektiert aber auch die Meinung konservativer Mitglieder, die das z.B. aus religiösen Gründen ablehnen. Der Staat hat allerdings die Forderungen nach Gleichstellung umzusetzen. Die Ablehnung ist reine Privatsache.

  3. Nichtmehrwählerin schreibt:

    Ich währe zwar nicht mehr. Aber es freut mich für die Etablierten, dass sie auf die Flossen gekriegt haben! Was für eine schäbige Familienpolitik in diesem Lande! Kinderreiche und Alleinerziehende (Stern) = das Armenhaus. Rentner sowieso. Während die Industrie 500 Milliarden Überschuß bunkert und nicht investiert. Ausser Produktionen-Standorte ins Ausland verlegen. Ansonsten alles marode…Jüngste Stellenstreichungen. Und die Journaille überschlägt sich, die AfD für ihre „gestrige“ (50er und 60er-Jahre) Politik zu kritisieren. Dabei sind es die Jungen, die ein Kreuzchen gemacht haben…

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