Zur Entstehung von Gewalt

Albert Wunsch nimmt in einem Interview zur Entstehung von Gewalt Stellung:
http://www.freiewelt.net/interview/fehlende-elterliche-zuwendung-foerdert-gewalt-10040636/   (30.8.):

Am Berliner Alexanderplatz wird ein Mann totgeschlagen. Warum? Im Interview mit FreieWelt.net erläutert der Erziehungswissenschaftler Dr. Albert Wunsch: Wem familiäre Geborgenheit versagt bleibt, neigt zur Gewalt.

… Wir brauchen eine neue Kultur der Achtsamkeit. Kinder – erst recht Säuglinge – brauchen keine Verschiebebahnhöfe zwischen elterlichem Nachtlager und öffentlicher Ganztagsbetreuung, sondern erfahrbare und verlässliche Mütter und Väter, die sie zu immer mehr Selbstverantwortung und Eigenständigkeit ins Leben führen. Wir müssen dann auch unsere Konsum- und Spaßgesellschaft kritisch in den Blick nehmen, weil sonst auch das menschliche Leben leicht zum Gebrauchs- und Wegwerfprodukt wird. Damit ist verbunden, uns auch von der Lebensmaxime des »Alles ist gleich gültig« zu verabschieden. Denn wenn Kinder nicht mehr lernen, zwischen Gut und Böse zu unterschieden, dann fehlt ihnen auch in Konfliktsituationen der Maßstab und die Kraft, sich mit allen Kräften für das Förderliche und gegen Verwerfliches zu entscheiden.

So wichtig und richtig der medienwirksame Ruf »Gewalt muss gesellschaftlich geächtet werden« in der Folge solch brutaler Exzesse auch ist, wirksam wird er erst dann, wenn ein gesellschaftlicher Grundwertekonsens von möglichst allen Menschen jeden Tag neu und engagiert ins Leben getragen wird.

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Ergänzung 26.9.2014:

Dagmar Neubronner: http://www.freiewelt.net/winnenden-gleichaltrigenorientierung-und-jugendgewalt-205/   (13.3.2009):

Gleichaltrigenorientierung [Peer orientation] als zentrale Ursache der Jugendgewalt

Gewaltausbrüche und Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen sind vor allem auf fehlende Kind-Erwachsenen-Bindung zurückzuführen. Dies ist die zentrale These von Prof. Gordon Neufeld (siehe auch das Interview mit Prof. Neufeld auf freiewelt.net). Nachstehend finden Sie Auszüge aus dem ersten Kapitel des bereits 2006 auf Deutsch erschienenen Buches von Prof. Neufeld „Unsere Kinder brauchen uns! – Die entscheidende Bedeutung der Kind-Eltern-Bindung“

„Mehr Kinder und Jugendliche als je zuvor bekommen auf Grund von Depressionen, Ängsten oder einer Vielzahl anderer Diagnosen Medikamente verordnet. Die Krise der jungen Generation zeigt sich inzwischen auf bedrohliche Weise in den zunehmenden Problemen mit tyrannisierendem Verhalten in den Schulen und, im äußersten Extrem, in der Ermordung von Kindern durch Kinder. Solche Tragödien sind zwar selten, aber sie sind auch nur die dramatischsten Symptome für ein weit verbreitetes Übel in der Jugendkultur von heute, den Hang zu aggressivem Verhalten….

Es ist die These dieses Buches, dass die Störung, die man bei den Generationen der heute aufwachsenden Kinder und Jugendlichen beobachten kann, darauf zurückzuführen ist, dass diese die Orientierung an den für sie sorgenden Erwachsenen verloren haben… …

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3 Antworten zu Zur Entstehung von Gewalt

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG schreibt:
  2. heureka47 schreibt:

    „… wenn ein gesellschaftlicher Grundwertekonsens von möglichst allen Menschen jeden Tag neu und engagiert ins Leben getragen wird.“:

    Ein solcher „Grundwertekonsens“ braucht von uns Menschen nicht „erfunden“ zu werden – denn es gibt ihn bereits. Wir müssen ihn nur ERKENNEN – und zwar in der höheren Bewußtseins- / Seins-Ebene, im „Höheren / wahren Selbst“, dem „Christus“ / „Christus-Bewußtsein“.

    Die „Nachfolge Christi“ ist nichts anderes, als zu dieser Bewußtseins-Ebene des WAHREN Erwachsenen aufzusteigen und die DORT erkennbaren „Werte“ zu erkennen, ANzuerkennen und nach bestem Vermögen zu LEBEN.

    Im Wege steht dem nur die mehrheitliche Befallenheit von der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“ (KZN), der „Krankheit der Gesellschaft“, der „Entfremdung“ – die aber in jedem Einzelfall grundlegend heilbar ist.

    Ich habe den Beitrag auch an der Quelle kommentiert.

    Herzlichen Gruß!

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