„Social Freezing“: Huxley lässt grüßen

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/social-freezing-emanzipatorischer-schritt-oder-totale-kontrolle-13216524-p3.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3   Seid fruchtbar, aber später!   (18.10.):

Ist „Social Freezing“, das Einfrieren der Eizellen, ein emanzipatorischer Schritt für Frauen? Oder doch der nächste Schritt in die kontrollierte Gesellschaft?

… Seitdem bekannt wurde, dass die Firma Facebook ihren weiblichen Angestellten das Einfrieren von Eizellen als Teil der Sozialleistungen bezahlt (Apple wird diesem Vorbild ab 2015 folgen), gibt es auch in Deutschland eine Debatte darüber, was dieses Angebot bedeute: ob es als befreiender Akt der Gleichberechtigung zu verstehen sei oder als monströse Ausprägung eines emotionalen Kapitalismus.

… Zum anderen bleibt natürlich der Zweifel, ob die vom Arbeitgeber finanzierte Konservierung der Eizellen wirklich das passende Mittel ist, um Frauen die harmonische Verbindung von Familie und Beruf zu ermöglichen. Vielleicht ist eher das Gegenteil der Fall, und „Social Freezing“ zementiert die Trennlinie zwischen „Kind“ und „Karriere“. Denn sollte das Einfrieren von Gameten wirklich einmal zum etablierten Angebot von Unternehmen werden, würden alle herkömmlichen Sozialmodelle für Mütter – Elternzeit oder Teilzeitarbeit – mit dem Makel der Abweichung versehen sein. Wer in einer Welt der großzügig finanzierten Eizellkonservierung zu Beginn der Laufbahn schwanger wird, in jungen Jahren und auf natürlichem Wege, hätte das Vertrauen in eine große Karriere mit unbedingtem Commitment wahrscheinlich noch rigoroser verspielt als heute.

… Wenn man sich zudem das bekannte [Facebook-]Unternehmensmantra der „Transparenz“ vergegenwärtigt, wirkt der Vorschlag, neue Mitarbeiterinnen sollten bei Vertragsabschluss auch ihre Familienplanung offenlegen und vom Arbeitgeber vorfinanzieren lassen, wie ein konsequenter und fälliger Schritt. Social Media und „Social Freezing“: zwei Facetten des „Sozialen“ (oder besser: des „Öffentlichen“), die Wissen über den Menschen sammeln, die ihn erfassbar und berechenbar machen. …

Birgit Kelle: http://www.freiewelt.net/lauft-frauen-lauft-10044862/   (19.10.):

Nein, was für eine neue Freiheit! US-Arbeitgeber bezahlen jetzt das Einfrieren der Eizellen, damit ist endlich Platz für Karriere und Arbeit bis zum Umfallen in den besten Jahren unseres Lebens. Hoch lebe die Emanzipation!

… Wir legen die Kinder auf Eis, um rechtzeitig den nächsten Karriereschritt zu vollziehen.

… Die besten Jahre unseres Lebens sollen wir unsere Energie dem Arbeitgeber schenken und nicht unseren Kindern oder der Familie. Und wir machen brav mit und sind so fleißige Arbeitsbienchen. Und dann, wenn wir durch jüngere Frauen ersetzt werden können, dann dürfen wir gebären. Da beklagen Feministinnen, dass durch Prostitution die Sexualität der Frau zur Ware degradiert wird, doch die Fruchtbarkeit der Frau ist längst ebenfalls ein finanzträchtiges Geschäft. Eine neue Stufe der Ausbeutung erreicht. Die Risiken und Nebenwirkungen bleiben allerdings bei uns Frauen. Die Risikoschwangerschaften, das Risiko dann leider auch auf künstlichem Weg kein Kind mehr zu bekommen. Ach ja, dafür gibt es doch Leihmütter, die kann man dann künstlich befruchten und bezahlen. Damit wird auch das Kind zur Ware, zum Objekt.

Lauft, Frauen, lauft! Man befreit euch nicht, man fängt euch ein. …

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Ergänzung 21.10.2014:

Die Facebook-Verlockungen gefallen sogar der Sopherl nicht:
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/3775865/karmasin-recht-kinderbetreuung.story   (19.10.):

… Harsche Kritik übt Karmasin am Angebot von Facebook und Apple, ihren US-Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen, damit diese bevorzugt erst in späteren Jahren ihren Kinderwunsch erfüllen. Sie könne nur hoffen, dass es sich da um einen PR-Gag handle. Denn dies wäre der absolut falsche Weg, signalisiere so ein Angebot doch, dass ein Vereinbaren von Karriere und Familie nicht möglich sei. …

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