AfD in Klärungsphase

Günther Lachmann: http://www.geolitico.de/2014/10/31/bruch-zwischen-gauland-und-henkel/:

… Überhaupt hadert der einstige BDI-Chef Henkel immer häufiger mit seiner Partei, und anders als noch vor einem halben Jahr lässt er die Öffentlichkeit an seinem Unmut teilhaben. So gab er dem „Spiegel“ zu Protokoll, die AfD habe „Unvernünftige, Unanständige und Intolerante“ in ihren Reihen; gegenüber der „Zeit“ nannte er seine Mitstreiter „Ideologen, Goldgräber und Karrieristen“ und stöhnte über „diese ganzen Russlandversteher“. Allesamt schwierige Typen, die ihre ganz eigene Agenda verfolgten und deren Gegenwart ihm allergrößtes Unbehagen bereite. „Da sitzt man auf einem Parteitag und hört irgendwelche wilden Verschwörungstheorien. Ich werde dann ganz klein und schäme mich in Grund und Boden.“ Vernichtender könnte ein Urteil über die eigene Partei kaum ausfallen.

… „Herr Henkel muss sich fragen, ob er noch zur AfD gehören will, denn er will im Grunde genommen eine liberale Partei. Er möchte auf keinen Fall etwas mit Herrn Putin zu tun haben, er will auf jeden Fall das Freihandelsabkommen mit den USA“, sagt Gauland. „Er möchte eine Partei, die die Werte von CDU und FDP, wie er sie sieht, weiter verkörpert. Und das wird mit der AfD nicht gehen“, stellt der Partei-Vize fest. Bei seinen Besuchen an der Basis gewinne er zunehmend den Eindruck, dass sich das National-Konservative oder National-Liberale als Markenkern herausschäle. Das Patriotische sei das verbindende Element der AfD.

… Gauland sagt, er könne mit den Positionen des Publizisten Jürgen Elsässer, der regelmäßig auf diesen Montagsdemos, aber auch auf AfD-Veranstaltungen spricht, bis zu einem gewisse Grade leben. „Elsässer propagiert den alten Nationalbolschewismus der Weimarer Republik. Nun gut. Aber ich kann nicht tolerieren, wenn er jetzt zu Demonstrationen mit Hooligans aufruft“, sagt er. …

Mittlerweile halte ich Henkel für einen transatlantischen Maulwurf. Schade um die AfD!

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Ergänzung 3.11.2014:

Günther Lachmann: http://www.geolitico.de/2014/11/03/wie-henkel-sich-in-der-afd-irrte/:

Nach dem Bruch der AfD-Vizes Henkel und Gauland kämpft die Partei um Schadensbegrenzung. Petry: „Wir müssen die Leute annehmen, so unterschiedlich sie sind.“

… Als Gauland in seinem Papier zur Außenpolitik die Wiederbelebung der bismarckschen Rückversicherungspolitik gegenüber Russland vorschlug, erhielt er dafür zum Verdruss von Henkel und AfD-Chef Lucke reichlich Beifall aus der Partei. Spätestens an diesem Punkt zeigte sich auf dem Erfurter Parteitag die Stärke des national-konservativen Flügels. Doch während Lucke sich unter dem Eindruck der Stimmungslage in der Partei der Gauland-Linie annäherte, blieb Henkel bei seinen Grundsätzen.

„Er möchte auf keinen Fall etwas mit Herrn Putin zu tun haben, er will auf jeden Fall das Freihandelsabkommen mit den USA“, sagt Gauland über Henkel. Gauland hingegen wirbt um Verständnis für das „Einsammeln russischer Erde“ etwa auf der Krim. Das sei deutsche Interessenpolitik, sagt er. Henkel ist strikt dagegen und befürwortet stattdessen Sanktionen gegen Russland und unterstützt die Maßnahmen der Nato, die Gauland wiederum ablehnt. Henkel ist überzeugter Transatlantiker, Gauland jedoch wünscht sich auch in der Zusammenarbeit mit den USA mehr deutsche Eigenständigkeit. …

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Ergänzung 4.11.2014:

http://juergenelsaesser.wordpress.com/2014/11/01/gauland-henkel-und-der-nationalbolschewist-elsasser/:

[Alexander Gauland:] Es gibt eine transatlantische und eine europäische Sichtweise, die Sie [d. i. Elsässer] als bismarckianische bezeichnen. Aber auch ich bin, obwohl ich für die Einbeziehung Russlands plädiere, ein Anhänger der Westbindung und nicht für den Austritt aus der NATO. Die NATO muss jedoch ein Verteidigungsbündnis bleiben und darf nicht als Deckmantel für weltweite Militäroperationen der USA missbraucht werden, und es darf keine Politik betrieben werden, die das strategische Gleichgewicht verschiebt und Russland aus Europa hinausdrängt….

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Ergänzung 4.11.2014:

http://ef-magazin.de/2014/11/04/5920-dokumentation-afd-was-nun  Die Analyse von vor einem Jahr gilt immer noch

In der AfD rumort es gewaltig. Die Kämpfe innerhalb der Partei werden immer erbitterter. Der stellvertretende Sprecher Alexander Gauland legt dem stellvertretenden Sprecher Hans-Olaf Henkel den Parteiaustritt nahe, nachdem dieser sich für andersdenkende Parteimitglieder öffentlich fremdschämte. Und Sprecher Bernd Lucke droht derweil mal wieder Abweichlern mit Parteiausschluss. All das war voraussehbar. …

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Götz Kubitschek: http://www.sezession.de/47015/hans-olaf-henkels-afd.html   (4.11.)

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Ergänzung 25.11.2014:

http://www.geolitico.de/2014/11/24/petrys-machtanspruch-in-der-afd/:

Frauke Petry will die AfD nicht Bernd Lucke überlassen. “Die AfD darf keine One-Man-Show sein”, sagt sie im Einklang mit Alexander Gauland. Kann Lucke sich halten? …

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Ergänzung 28.11.2014:

Dieter Stein: http://jungefreiheit.de/debatte/streiflicht/2014/mit-vollgas-gegen-die-wand/   (27.11.):

Das Bild, das die Alternative für Deutschland derzeit bietet, ist ein Desaster. Die junge Partei ist drauf und dran, sich im gleichen atemberaubenden Tempo zu zerlegen, mit dem ihr beispielloser Aufstieg gelungen ist. Die Partei fährt auf eine Wand zu, und die Führung gibt Vollgas. …

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Ergänzung 1.12.2014:

Ulrich F. Sackstedt: http://journalistenwatch.com/cms/2014/12/01/womit-kaempft-die-afd/

… Bei ihren unsachlichen Verurteilungen versichert sich die politische Klasse auch nicht der Mehrheitsmeinung im Volk, in dem sie es befragt und dann auf seine Meinung hört, einem Volk, das an seinem Weltbild aus Christentum und abendländischer Kultur sehr wohl festhalten will, nein, man möchte dieses Volk ohne dessen Beteiligung auf den neuesten Stand der neomarxistisch ausgerichteten Denkingenieure bringen: Dekonstruktivismus – ja richtig gelesen! Zu deutsch: Abbau oder besser gesagt: Zerstörung des vorhandenen Weltbildes, der Denkweise, der Erziehungstraditionen, der Sitten und Gebräuche, der Ansichten über Gott und das Abendland, vor allem über Gemeinschaft und Familie, Partnerschaft, Liebe, Treue und Verlässlichkeit.

Das ist nach Denkart der neuen Denkdiktatoren nun alles Schnee von gestern und hat einer im sozialtechnischen Labor geschaffenen Ideologie der Beliebigkeit zu weichen. Damit wäre der letzte Akt von Volkszerstörung eingeleitet, nachdem das Streben nach Idealen und lebbaren Zielen, nach Orientierung an den höheren Werten von Kultur und Glauben, die ständige spirituelle Weiterentwicklung des Menschen bereits beseitigt ist. Dies alles kann ein richtig gelebtes Christentum vermitteln, aber es war eben doch bequemer, sich ins gemachte Bett des materialistischen Konsums, der Selbstverherrlichung (als Selbstverwirklichung bezeichnet) und des Egoismus zu legen. Und genau dieser vereinsamte Egoist ist die neue Zielgruppe des Kapitals. …

… Wie pervers kann Kapitalismus eigentlich noch sein, welcher im Gewand neokommunistischer Ideen daherkommt, um sich Konkurrenz vom Hals zu schaffen. Früher … Heute wird die Institution Familie zerstört, weil sie in Konkurrenz zum Sex-Kommerz steht und weil man emotional Verunsicherte kommerziell besser verwerten kann. Konsum ist für viele Ersatz für unerfüllte Bedürfnisse der Anerkennung, Liebe und Geborgenheit.

… Natürlich ist die Zustimmung zu den Rußland-Sanktionen und zu TTIP im EU-Parlament nicht gerade geeignet, die AfD als wirkliche Alternative auszuweisen. Das verkörpert aber offenbar Kräfte in dieser Partei, die eine solche nicht-alternative Haltung repräsentieren. Ob  sich diese „Vielfalt“ wird halten können, das müssen wir abwarten.

Ob wir das Thema unkontrollierte Zuwanderung, den kulturzerstörenden Genderismus, das EU-Finanz-Desaster oder die unsägliche Rußlandpolitik nehmen, es gibt für all dies im bisherigen Diskurs anerkannter politischer Meinungsbildung vorgefertigte, sogenannte “korrekte” Meinungsbausteine. Wenn die AfD diese nun nicht in ihr Selbstportrait einbaut, dann ist sie in den Augen der Etablierten offensichtlich eine rechtspopulistische, oder sagen wir doch gleich: eine Nazi-Partei. Andere Begriffe kennt man im Mainstream leider nicht, weil man es sich seit langem abgewöhnt hat, tiefer zu schürfen und die Dinge bei ihrem richtigen Namen zu nennen. …

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Ergänzung 2.12.2014:

http://www.blu-news.org/2014/11/30/afd-hessen-vorstand-feuert-landessprecher-muench/

Die Patriotische Plattform, bestehend aus Mitgliedern der AfD und der Jungen Alternative, bekämpft die Suspendierung Peter Münchs:
http://patriotische-plattform.de/blog/2014/12/01/erklaerung-der-patriotischen-plattform-suspendierung-von-peter-muench-nicht-hinnehmbar/

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