Die Gleichstellungslüge

Birgit Kelle: http://www.freiewelt.net/die-gleichstellungsluege-10055752/ (6.3.):

Wir halten also fest: Für Männer sind strukturelle Diskriminierungen nicht gegeben. Für Frauen stehen sie hingegen wie in Stein gemeißelt. Wer dagegen hält, ist Antifeministin oder Hüter patriarchaler Strukturen. Auf keinen Fall darf an diesem Mantra gerüttelt werden, denn sonst müssten Gleichstellungsbeauftragte ja tatsächlich ihre Arbeit für alle Geschlechter aufteilen.

Wo Gleichstellung drauf steht, ist Frau drin. Das alte Mantra der alleinigen Benachteiligung der Frau muss mit allen Mitteln verteidigt werden. Gerade hat man bei der Novellierung des Bundesgleichstellungsgesetzes die heilige weibliche Opfer-Kuh noch einmal vom Eis geholt, denn es drohte der feministische Super-GAU: Man hätte sich um ein Haar auch um Männer kümmern müssen. Männer! Das geht nun wirklich nicht.

Im Herbst saß ich bei einer Podiumsdiskussion in Berlin mit einer Frauenbeauftragten einer Berliner Universität in einer Diskussion über Frauenquoten und die richtige Frauenpolitik fürs Land. Sie berichtete von ihrer Arbeit und betonte immer wieder, die Studentinnen würden aus Studiengängen wie Informatik oder auch Mathematik „rausstudiert“. Es würden immer wieder Studentinnen den Studiengang abbrechen, es sei ja so schwer in männlichen Domänen. Nachdem das „rausstudiert“ ein paar Mal gefallen war, wagte der Veranstalter aus dem Publikum die Frage, was sie denn mit dem Begriff „rausstudiert“ meine, er könne sich das nicht so genau vorstellen. Ja, die Studentinnen würden halt aufgeben, auch sie habe das vor über 20 Jahren erlebt in einem männlich dominierten Studienfach, man nehme die Frauen nicht ernst, das Wort Mobbing fiel und dann würden Studentinnen eben ihr Studium abbrechen. Die Strukturen seien schuld, männlich geprägte Strukturen natürlich. Deswegen müssen diese natürlich verändert werden und die Quoten her zur Förderung von Frauen.

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Ergänzung 15.3.2015:

Christine Bauer-Jelinek: http://www.andreas-unterberger.at/2015/03/die-luegen-des-gender-komplexes/ (12.3.)
Update 29.3.2015: Link nunmehr: http://www.andreas-unterberger.at/2015/03/der-feminismus-frisst-seine-kinder/ (20.3.):

… (Anmerkung: Dieser Text ist eine etwas längere, aber tiefschürfende und alle relevanten Aspekte ansprechende Analyse der gegenwärtigen Gender-Diskussion).

[Ich empfehle die komplette Lektüre des Originaltextes.]

… Diese Gleichstellungspolitik repräsentiert die heutige Vorstellung von Geschlechtergerechtigkeit (nicht „jedem das Seine“, sondern „allen das Gleiche“).

… Es fand ein Bedeutungswandel von Gleichberechtigung in Richtung quantitativer Gleichheit (Gleichstellung) statt. …

Die allgemeine Akzeptanz des Konstruktivismus als Begründung der Geschlechteridentitäten (Gender = Sozialisation statt Sexus = Biologie) sowie der quantitativen Gleichstellung ermöglichte neue gesellschaftliche Normen zur Rollenerweiterung bzw. -umkehr:

  • Frauen in die Vollzeiterwerbstätigkeit inklusive Karrierestreben;
  • Männer in Väterkarenz mit Verzicht auf Überstunden und Bereitschaft zur Teilzeitarbeit;
  • möglichst frühe Fremdbetreuung der Kinder
  • und Versorgung von alten Menschen in Pflegeeinrichtungen, …

… In den letzten Jahren verstärkt sich das Bestreben, das „heteronormative Paradigma“ der Geschlechter aufzulösen, also Mann und Frau nicht mehr als konstituierendes Prinzip des Menschseins anzuerkennen. Alle Formen der sexuellen Orientierung sollten in allen Belangen gleichgestellt und sichtbar gemacht werden (Ehe- und Adoptionsrecht für homosexuelle Paare etc).

Um diesen gesellschaftlichen Wandel in so kurzer Zeit zu erzielen, wurden immer mehr Fakten der Ideologie unterworfen: Die massiven Bestrebungen, Frauen und Männern nicht nur gleiche Rechte und Chancen zu einzuräumen, sondern sie vollkommen gleich zu stellen, bewirkten eine Marginalisierung von Schwangerschaft, Mutterschaft und Stillzeiten.

Der Begriff Dyade (die enge und ausschließliche Verbindung von Mutter und Neugeborenem) wird in der Psychologie nicht mehr erwähnt. Die wissenschaftliche These lautet heute: Die biologische Mutter sei nicht so wichtig, denn ein Kind könne von Anfang an von jedem Menschen gleichermaßen betreut werden. Menstruation und Menopause sind aus der Diskussion über biologische Unterschiede verschwunden – man erwartet, dass Frauen die damit verbundene Leistungsminderung in Eigenverantwortung mit Hilfe von Therapien, Medikamenten oder Operationen im Griff haben (Stichwort: social freezing).

… Es wird in der wissenschaftlichen und medialen Kommunikation nur noch von Betreuungspflichten gesprochen, nicht jedoch von Betreuungswünschen. …

Im Bereich der Erwerbsarbeit suggerieren die wiederkehrenden Berichte über die mehr als 20-prozentige Geschlechter-Lohnlücke (Gender-Pay-Gap), dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger gezahlt bekämen. Die Quoten-Diskussion für Aufsichtsräte erzeugt den Eindruck, dass Frauen nicht die gleichen Karriere-Chancen hätten wie Männer.

Diese beiden Aspekte sind seit Jahrzehnten die Hauptstoßrichtung der Politik und werden durch den Einsatz der Wissenschaft und der Medien auch von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung als Realität wahrgenommen und als ungerecht empfunden. Daher finden Ankündigungen zu deren Beseitigung auch über parteipolitische, weltanschauliche und schichtspezifische Grenzen hinweg breite Zustimmung.

Wie in unserer Studie zur Einkommensverteilung und zur Geschlechter-Lohnlücke aufgezeigt, beruht dieses Gefühl der „Ungerechtigkeit“ nicht auf Fakten, sondern auf interessensgeleiteten Interpretationen, die den Eindruck erwecken, Frauen würden für die gleiche Arbeit um ein Viertel weniger Lohn erhalten als Männer. Frauen erhalten jedoch nicht für die gleiche Arbeit weniger Lohn, sondern für andere Arbeit. …

Konsequenzen

… Evident ist, dass die Regelungen beiden Geschlechtern nicht das angestrebte Mehr an Freiheit und Lebensqualität gebracht, sondern diese reell reduziert haben.

Das von der Politik propagierte Halbe-Halbe-Prinzip, also Erwerbsarbeit und Familienarbeit (Care) jeweils zu 50:50 zwischen den Partnern aufzuteilen, ist in der Praxis sukzessive zu einem „100:100“ mutiert: Die Erwerbsarbeitszeit einer Familie (zwei Personen im erwerbsfähigen Alter mit betreuungsbedürftigen Kindern) hat sich von etwa 50 Stunden in den 1960er Jahren auf heute 70 Stunden erhöht. Und der Trend setzt sich fort, da die angestrebte Idealvorstellung zwei vollzeitarbeitende Elternteile sind – das ergibt 80 bis 90 Stunden Erwerbsarbeitszeit.

Abgesehen vom mangelnden Angebot an entsprechenden Arbeitsplätzen besteht der Anspruch, möglichst viel „Qualitätszeit“ mit den Kindern zu verbringen, die Familie gesund zu ernähren, Sport zu betreiben, sich ehrenamtlich und politisch zu engagieren, die Hausarbeit persönlich zu erledigen und vieles mehr. Das hat die oft kritisierte Doppelbelastung für Frauen nicht reduziert, sondern vielmehr nun auch für Männer zur Norm erhoben.

Dieses Lebensmodell ist unter den erwünschten Qualitätsstandards nicht realisierbar.

… Ein realistisches „Halbe-halbe“ würde bedeuten, dass die Erwerbsarbeitszeit deutlich reduziert und der Ausgleich für Care-Arbeit deutlich erhöht werden müsste, um Frau und Mann ausreichend Zeit für die Familienarbeit zu schaffen.

Die derzeitige Politik bietet nur eindimensionale Lösungen an, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern und die Unabhängigkeit von Frauen (bei Scheidungen, bei Pensionen etc.) zu ermöglichen: …

… Diese Maßnahmen gehen alle in eine Richtung: Sie bauen ausschließlich auf dem Prinzip der Steigerung der Erwerbstätigkeit und der Reduzierung der Familienarbeit der Frauen einerseits und der Reduzierung der Erwerbstätigkeit und Steigerung der Familienarbeit der Männer andererseits auf. Und zwar bei gleichzeitigem Ausbau der Betreuungseinrichtungen für Kinder und betagte bzw. kranke oder behinderte Menschen. Modelle, die ein anderes Gesellschaftsbild fördern, werden von den Protagonisten dieser Politik als frauenfeindlich kritisiert oder schon im Keim erstickt (konservatives Familienbild, „Herdprämie”, „Müttergehalt” etc.). …

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Eine Antwort zu Die Gleichstellungslüge

  1. jsbielicki schreibt:

    Hat dies auf psychosputnik rebloggt.

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