Parlamentswahlen in Großbritannien

Henning Hoffgaard: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2015/die-verlierer-sitzen-in-bruessel/ (8.5.):

Die Wahlen in Großbritannien haben gezeigt: Nigel Farage hat ein Problem. Fast überall erzielte Ukip gute Ergebnisse, doch in kaum einem Wahlkreis waren sie gut genug. Das britische Mehrheitswahlrecht macht es kleinen Parteien ohne regionale Verankerung, wie etwa der Ukip, schwer, in das Parlament einzuziehen.

So paradox es klingt – Farage war zu erfolgreich darin, dem Wahlkampf seinen Stempel aufzudrücken. Gnadenlos trieb der brillante Redner die Konservativen und Sozialdemokraten vor sich her. Es war Farage, über dessen einwanderungs- und EU-kritische Agenda am Donnerstag abgestimmt wurde.

… Tories und Labour überboten sich darin, der Ukip nicht das Feld zu überlassen. Für Premierminister David Cameron hat sich das gelohnt. Er wurde mit den Themen gewählt, die ohne Farage nie auf der Tagesordnung gestanden hätten. Belohnt wurden die EU-Kritiker dafür nicht. Ihre fast vier Millionen Wähler werden nun von einem einzigen Abgeordneten vertreten. In mehr als 90 Wahlbezirken wurden sie zweitstärkste Kraft. Mit der Ukip, die landesweit in absoluten Stimmen klar drittstärkste Kraft wurde, wird also dennoch zu rechnen sein. …

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Ergänzung:

Willy Wimmer: http://www.freiewelt.net/kommentar-zur-wahl-in-grossbritannien-10059292/ (8.5.):

…Die nüchterne Betrachtung der britischen Rolle in Europa muss in Rechnung stellen, in welcher Weise London in der Kombination mit Washington die Welt finanzpolitisch und militärisch zu dominieren versucht und das auch tatsächlich schafft. Seit Sir Francis Drake scheint sich wenig geändert zu haben, selbst wenn die Geschäftsfelder andere geworden zu sein scheinen.

Noch ist in ziemlich frischer Erinnerung, in welch deutlicher Weise der amerikanische Präsident Obama, dessen politischen Tage im Weißen Haus auch langsam zu zählen sind, die Briten wegen der Bedeutung Londons für Washington davor gewarnt hat, es mit der Aversion gegen Brüssel zu weit zu treiben.

Es ist im derzeitigen amerikanischen Interesse, den britischen ”joy stick” in Brüssel erhalten zu sehen, denn darüber ergibt sich für Brüssel eine aus amerikanischer Sicht notwendige “lange Leine”, über die Europa auch geführt werden kann. …

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Ergänzung 9.5.2015:

http://www.freiewelt.net/reportage/grossbritannien-hat-gewaehlt-10059304/ (8.5.):

Engländer, Waliser, Schotten und Nordiren haben gewählt. Doch wer ist der Sieger? Das Wahlrecht sorgt dafür, dass das Parlament den Wählerwillen nicht korrekt widerspiegelt.

… Bemerkenswert ist, dass der Souverän der Wahl eine besondere Bedeutung beigemessen hat, denn er ist in größerer Zahl zu den Urnen gegangen als bei der 2010er-Wahl: 66,1 statt 65,1 Prozent betrug die Beteiligung. Ein Detail, das angesichts verbreiteter Klage über die Wahlmüdigkeit in westlichen Demokratien Beachtung verdient.

… Auch Farage wird als Verlierer gehandelt, denn er hat im Wahlkreis South Thanet, wo er angetreten ist, verloren – und zwar ausgerechnet gegen einen vormaligen Parteifreund, der zu den Tories übergelaufen war. Aber insgesamt hat UKIP hervorragend abgeschnitten, denn sie hat ihr Ergebnis fast vervierfachen können und ist zur drittstärksten Kraft geworden. Dass sich das nicht in Sitzen im Parlament niederschlägt, wohin sie wohl nur einen Abgeordneten entsenden kann, ist dem britischen Wahlrecht zuzuschreiben. …

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http://www.freiewelt.net/nachricht/das-britische-wahlsystem-10059276/ (8.5.)

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http://www.freiewelt.net/nachricht/farage-gewinnt-und-tritt-zurueck-10059298/ (8.5.)

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http://lepenseur-lepenseur.blogspot.co.at/2015/05/westminster-casino.html (8.5.):

Das gegenüber dem die Regierbarkeit eines Landes »lähmenden« Verhältniswahlrecht immer wieder als besonders »praxisnahe« angepriesene Mehrheitswahlrecht konnte bei den Unterhauswahlen wieder einmal klar seinen »Casino-Charakter« ausspielen: es ist mehr oder weniger beliebig, was herauskommt. …

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