Stärkeres Militärengagement Russlands in Syrien?

Sebastian Range: http://www.hintergrund.de/201509113658/politik/welt/syrien-neue-dynamik.html:

… Greift Russland aktiv in das Kampfgeschehen in Syrien ein? Diese Frage beschäftigt seit Tagen westliche Regierungen und Medien. Die Beweise für ein stärkeres militärisches Engagement Russlands, das qualitativ über die Unterstützung hinausgeht, die Moskau seit Jahren gewährt – und von Präsident Wladimir Putin kürzlich als Lieferung von „Ausrüstung“ und „Ausbildung syrischer Soldaten an russischen Waffen“ zusammengefasst wurde – sind dürftig.

… Ist ein direktes militärisches Eingreifen Russlands in Form von am Boden operierenden Kampfeinheiten unwahrscheinlich, so liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass Russland mit der US-geführten Anti-IS-Koalition gleichzieht, und Luftschläge gegen den „Islamischen Staat“ durchführt. Die New York Times behauptete zu Monatsbeginn, Russland arbeite zu diesem Zweck an der Errichtung eines Luftwaffenstützpunktes. (8) Bemerkenswerterweise warnte US-Außenminister John Kerry Russland vor einem solchen Vorgehen mit den Worten, das würde „den Konflikt weiter eskalieren, zu einem größeren Verlust unschuldiger Menschenleben führen und die Flüchtlingsströme vergrößern“. Offenbar hält das Weiße Haus es für einen großen Unterschied, ob die Bomben auf den „Islamischen Staat“ von russischen oder US-amerikanischen Flugzeugen abgeworfen werden – was die Frage aufwirft, wie ernst den Vereinigten Staaten der Kampf gegen die Terrormiliz wirklich ist.

… Ob Zufall oder nicht, unlängst nach Bekanntwerden, dass Moskau seine Militärhilfe für Syrien ausweitet, erklärten Frankreich und Großbritannien, sich nun auch an der Anti-IS-Koalition beteiligen zu wollen. Auch Australien will folgen. Die beiden EU-Staaten begründen ihr Eingreifen mit der wachsenden Flüchtlingsproblematik. Auffällig ist dabei, dass für letztere zunehmend Moskau haftbar gemacht wird. Denn die Assad-Regierung sei für die Massenflucht verantwortlich, weshalb auch Moskau als deren Unterstützer in die Pflicht zu nehmen sei. Putin konterte hingegen mit der Behauptung, die Syrer würden vor dem „Islamischen Staat“ fliehen. Die meisten Menschen fliehen jedoch vor dem Krieg, nicht vor einer der beteiligten Parteien, sondern vor dem Kreuzfeuer zwischen diesen.

… Eine Blaupause, wie mithilfe sogenannter Schutzzonen der syrische Staat zerschlagen und der Herrschaft Assads ein Ende bereitet werden kann, lieferte vor Monaten das Brookings Institut. Unter der Überschrift „Dekonstruktion Syriens“ fasst der konservative Washingtoner Think Tank seine Pläne zusammen, die weit über die Einrichtung einer Flugverbotszone hinausgehen. (17) Demnach sollen US-amerikanische, britische, türkische, saudische und jordanische Spezialkräfte in Syrien eindringen, um diese „Schutzzonen“ zu sichern. Zunächst sollen Gebiete entlang der türkischen und jordanischen Grenze erobert werden, um von dort aus Schritt für Schritt ein Gebiet nach dem anderen der Kontrolle der syrischen Armee zu entreißen. Sollte Assad so „töricht“ sein, gegen diese „Schutzzonen“ vorzugehen, dann müsste er mit Vergeltungsschlägen gegen seine Luftwaffe rechnen, die „seinem Militär einen der wenigen Vorteile gegenüber dem Islamischen Staat“ nehmen würden. Sollte Assad nicht den Weg ins Exil suchen, müsse er mit der „Gefährdung seiner Person“ rechnen – Gaddafi lässt grüßen. …

… Würde Assad zum gegenwärtigen Zeitpunkt stürzen, so die nicht unrealistische Auffassung Moskaus, würde ganz Syrien unter die Kontrolle der verschiedenen Dschihadisten-Fraktionen fallen. Dieser Sichtweise schließen sich auch zunehmend europäische Länder an, wie jüngste Äußerungen spanischer und österreichischer Regierungsvertreter zeigen. (19) …

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/syrien-krieg-horst-seehofer-will-mehr-kooperation-mit-wladimir-putin-a-1052460.html (12.9.)

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Ergänzung 11.10.2015:

http://www.katholisches.info/2015/10/09/erzbischof-von-aleppo-russische-militaerintervention-gibt-christen-syriens-neue-hoffnung/:

(Damaskus) In einem Exklusivinterview mit Radio Télevision Suisse (RTS), dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk für die Welschschweiz, sprach der Erzbischof von Aleppo, Jean-Clément Jeanbart, über die Reaktionen der syrischen Christen auf die russische Militäroffensive gegen den Islamischen Staat (IS) und zur Stützung von Staatspräsident Assad.

Wladimir Putin hilft der Sache der Christen“, sagte der Erzbischof bei einem Aufenthalt in Genf, wo sich der UNO-Menschenrechtsrat mit dem Schicksal der syrischen Christen befaßt. Dabei, so der Erzbischof, dürfe man sich nicht darüber hinwegtäuschen, daß der russische Präsident dabei die Interessen seines Landes in der Region im Auge habe. Das gelte für alle beteiligten Staaten, auch für den Westen, an dem Erzbischof Jeanbart in der Vergangenheit bereits heftige Kritik geübt hatte.

… Die russische Militärintervention gebe den Christen Syriens „neue Hoffnung“. …

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http://www.rtdeutsch.com/33902/international/syrischer-erzbischof-gemaessigte-rebellen-gibt-es-nicht-und-wenn-assad-geht-endet-syrien-wie-libyen/ (9.10.):

Erzbischof Jacques Behnan Hindo, einer der wichtigsten Vertreter der über 500.000 Christen in Syrien, hat sich gegenüber Agenzia Fides, der Nachrichtenagentur der katholischen Kirche, äußerst kritisch gegenüber der Rolle der USA und insbesondere der CIA in Syrien geäußert. Zudem hinterfragte er die Kritik der USA an den russischen Luftschlägen mit den Worten: „Die USA protestieren 14 Jahre nach dem 11. September, weil die Russen die Milizen der Al Kaida in Syrien bombardieren. Glauben sie wirklich, dass wir so wenig Intelligenz und Erinnerungsvermögen besitzen?”

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2 Antworten zu Stärkeres Militärengagement Russlands in Syrien?

  1. MURAT O. schreibt:

    Hat dies auf MURAT O. rebloggt.

  2. aussteiger geno schreibt:

    die opfer unserer wertegemeinschaft bekommen ein gesicht

    anfang 2011 baten italien und griechenland, wegen der zunehmenden flüchtlingsströme über das mittelmeer, die eu-staaten um hilfe und solidarität. die eu, allen voran die bundesregierung, lehnten die aufnahme von flüchtlingen, oder eine eu-flüchtlingsquote, strikt ab. heute bittet deutschland vergeblich um solidarität der eu-staaten. ich finde es gut, dass die opfer unserer “wertegemeinschaft” nun ein gesicht bekommen.

    die usa haben das afghanische volk von den taliban befreit, dann die iraker von ihrem diktator saddam hussein und libyen von seinem diktator muammar al-gaddafi. zur zeit wollen sie die syrer von ihrem diktator baschar al-assad befreien. kurz nach 9/11 hatte die usa eine liste von 60 staaten, die sie zu ihrer verteidigung angreifen wollten. die “befreiten” völker sind nun auf der flucht, aber die liste der us-militäroperationen wird immer länger!. europa muss sich endlich emanzipieren, lossagen und unabhängig werden von dieser us-diktatur! sonst versinken wir im strudel all der von den usa angerichteten regionalen konflikten. ein planloses weiter “merkeln” hilft uns nicht mehr weiter. mehr hierzu: https://campogeno.wordpress.com/2015/09/18/die-opfer-unserer-wertegemeinschaft-bekommen-ein-gesicht/

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