„Displaced Persons“: Migranten und eigene Entortete

Lutz Meyer: http://www.sezession.de/54929/displaced-persons-ein-deja-vu.html (14.8.):

… Ich möchte nicht nur über historische Parallelen nachdenken, sondern prüfen, ob der Terminus „Displaced Persons“ für die Diskussion um die heutige Masseneinwanderung nach Europa taugt. Die offiziell verwendeten, bewusst euphemistisch gewählten Begriffe wie „kulturelle Bereicherung“, „Refugees“, „Flüchtlinge“, „uns plötzlich geschenkte Menschen“, „dringend benötigte Fachkräfte“, „kommende Rentenbeitragszahler“, „Geflüchtete“,  „Schutzsuchende“ usw. usf. sind bekanntlich dermaßen realitätsfern, daß sie, kaum geprägt, rasch der Ironisierung und allgemeinem Hohngelächter zum Opfer fallen. Der Begriff „Displaced Persons“ hingegen wirkt angenehm humorfern, wertneutral und erlaubt auch manche notwendige Differenzierung nach innen.

… Es geht um Entortung, den Verlust der Heimat. Dabei ist es unerheblich, ob man verschleppt wurde, der Heimat freiwillig den Rücken kehrte oder die Entortung – gleichviel, wo man sich aufhält – als Prinzip verkehrten Lebens schon lange in sich trägt. Letzteres gibt es nämlich auch hier, sogar reichlich. Schauen wir uns unsere eigenen Entorteten doch nur einmal an. Man muss das schwachsinnige Entzücken dreißigjähriger, dem Lebenslauf nach akademisch gebildeter Einheimischer gesehen haben, wenn sie auf ihrem Smartphone wieder einmal ein virtuelles Monster entdeckt und das neueste lustige Filmchen gesehen haben. Hatte Nietzsche so etwas vor Augen, als er vom letzten Menschen sprach? Oder waren derartige Abgründe der Dämlichkeit selbst für ihn unvorstellbar?

Die heutigen Displaced Persons von jenseits des Mittelmeeres scheinen unsere diversen westlichen Deplatziertheiten jedenfalls sehr deutlich wahrzunehmen und nehmen sie gnadenlos ins Visier. Und sie treffen uns genau dort, wo es am meisten wehtut. Machen wir eine kurze Bestandsaufnahme und schauen uns einige spezifisch deutsche Deplatziertheiten, die dieser Tage gründlich mit sich selbst konfrontiert werden, einmal näher an. …

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Eine Antwort zu „Displaced Persons“: Migranten und eigene Entortete

  1. DIVISION DUISBURG schreibt:

    Hat dies auf Manfred O. rebloggt.

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