Zum Tod von Helmut Kohl

http://www.freiewelt.net/nachricht/der-kanzler-der-einheit-ist-tot-10071217/ (19.6.):

Er prägte die Bundesrepublik mit einer 16-jährigen Amtszeit wie kaum ein anderer und war Kanzler der deutschen Einheit. Über 25 Jahre führte er bis 1998 die CDU. …

Im Alter von 87 Jahren ist am Freitag Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl gestorben. In jenem Ort, wo er auch am 3. April 1930 geboren wurde: im Ludwigshafener Ortsteil Oggersheim. Keiner regierte mit 16 Jahren die Bundesrepublik Deutschland so lange wie er. Der Tod bot Gelegenheit alte Wahrnehmungen einer 19 Jahre zurückliegenden Ära aufzufrischen oder Vergleiche zur jetzigen Merkel-Regierung zu ziehen. Die Anteilnahme zu dem traurigen Anlass ging quer durch alle politischen Lager.

… Der 1,93-Meter-Mann aus der Pfalz bediente viele Superlativen. Er war in vielem damals der jüngste. Schon mit 16 trat der überzeugte Katholik 1946 in die CDU ein. Und das obwohl er – später zugebend– damals Kurt Schumacher interessanter fand als Konrad Adenauer, als dessen politischer Enkel er immer wieder bezeichnet wurde. Kohl gefiel dessen stärkere Vision der deutschen Einheit, während Adenauer mit dem preußischen Teil im Osten fremdelte. …


Ergänzung 21.6.2017:

Willy Wimmer: http://www.freiewelt.net/blog/mit-wehmut-10071216/ (18.6.):

Deutschland hat in einem kurzen Abstand Helmut Schmidt und nun Helmut Kohl verloren. Was bleibt unserem Vaterland? Ein Nachruf auf Helmut Kohl.

2006 unterschied sich als Jahr nicht von dem, was ich zuvor gesehen hatte. Seit seinem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag kam ich regelmäßig und in kurzen Abständen mit dem Bundeskanzler zusammen. Sein Büro „Unter den Linden“ war ein sicherer Gesprächsort. Vorher waren es die Amtsräume im Kanzleramt in Bonn gewesen. Zu jener Zeit trieb uns wieder einmal die Sorge um einen weiteren Krieg um, ein Krieg gegen den Iran.

Mit Helmut Kohl als deutschem Bundeskanzler hätte es schon nicht den völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien gegeben. Mit den dazu gehörenden Vier-Augen-Gesprächen mit dem jugoslawischen Präsidenten Milosevic hatte der Bundeskanzler mich betraut. …


Wolfgang Hebold: http://www.freiewelt.net/blog/geistig-moralische-wendehaelse-10071223/ (19.6.):

Helmut Kohl ist tot. Und bekanntlich sagt man über Tote nichts Schlechtes. Außer über die schlechten Toten. Oder jene, die schon zu lange tot sind.

… Ja, seine Partei, die Christdemokraten, hat im Endeffekt mehr zur Auflösung einer rationalen, politischen Wertegesellschaft beigetragen als sämtliche links-liberalen Kräfte zusammen.

… Eine geistig-moralische Wende fand damals nicht statt und sie fand auch später nicht statt. …


Ergänzung 22.6.2017:

http://www.andreas-unterberger.at/2017/06/kohl-und-mock-oder-orbán-kurz-und-spahn-ende-oder-neuanfangij/ (18.6.):

Der Zusammenfall des Todes von Alois Mock und Helmut Kohl binnen nur weniger Tage hat tiefe symbolische Bedeutung. Das ist der Abschied von einer großen historischen Generation. Mehr als interessant ist aber auch die Suche nach Erben der beiden und nach dem letzten Besucher Kohls in seiner Krankenstube.

Das war nämlich der Ungar Viktor Orbán. Dieser hat vor wenigen Wochen demonstrativ Kohl besucht, um den sich sonst seit langem niemand gekümmert hat. Das war eine klare symbolische Geste der geistigen Sympathie und Nähe, auch wenn man nicht weiß, wie sehr Orbán dabei mit Kohl noch kommunizieren konnte, war doch Kohl so wie der ein wenig jüngere Mock im letzten Lebensjahrzehnt von progressivem Siechtum gequält gewesen.

Man kann in der Tat im Kurs Orbáns am deutlichsten die Erbschaft dieser beiden großen europäischen Politiker erkennen. Einer Politik, die zwar von links heftig denunziert wird, die sich aber in ihrem tiefverwurzelten Konservativismus nicht beirren lässt und die zugleich europäisch wie auch national zu denken und handeln vermag. …


Ergänzung 24.6.2017:

Dieter Stein: https://jungefreiheit.de/debatte/streiflicht/2017/wir-kinder-helmut-kohls/ (22.6.):

… 14 Jahre nach der linksradikalen Studentenrevolte von 1968, dem Marsch durch die Institutionen, nach 13 Jahren sozialliberaler Regierungspolitik erhofften Konservative tatsächlich einen scharfen Politikwechsel. Helmut Kohl hatte auch von einer „geistig-moralischen Wende“ gesprochen, die an die Thesen von der konservativen „Tendenzwende“ zu appellieren schien.

Schnell trat jedoch Ernüchterung ein. Der konservative Publizist Caspar von Schrenck-Notzing fällte das harte Urteil, „nicht erst nach Übernahme der Kanzlerschaft“ habe Kohl sich damit beschäftigt, „konservative Ansätze und Personen innerhalb und außerhalb der CDU unter seine Kontrolle zu bringen oder zu eliminieren“.

… Empört hat uns die faktische Aufgabe des operativen Ziels der Wiedervereinigung und das Arrangement mit der Teilung als Endpunkt der Geschichte.

…Wäre es nicht zum von den Deutschen in der DDR erzwungenen Mauerfall am 9. November 1989 gekommen – Helmut Kohl hätte nicht die Gelegenheit ergreifen können, die Einheit Deutschlands durchzusetzen. Sie ist sein bleibendes historisches Verdienst!

Daneben wiegen die Hypotheken schwer: eine nie korrigierte Migrationspolitik, die Aufgabe traditioneller Familienpolitik und des Lebensschutzes, der Verrat an den Enteignungsopfern der DDR, der Irrweg des Maastricht-Europas und die Aufgabe der D-Mark zugunsten des Euro-Abenteuers, mit dessen fatalen Folgen wir heute zu kämpfen haben. …


 

Ergänzung 2.7.2017:

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2017/abschied-von-kohl-ich-verneige-mich-vor-ihnen/ (1.7.)

*************************************************************************************

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Zum Tod von Helmut Kohl

  1. strafjustiz schreibt:

    Ja, hoffen wir mit dem endlichen (!) Ableben KOHLs endlich auch die Wahrheit zu erfahren, die in STASi-Akten stehen, deren Einsichtnahme er doch so heftig richterlich verweigern liess. Wieso wohl? Was hatte er da zu verbergen? Was wurde da in der Zeit von 1985-89 mit der DDR gemauschelt? Man erinnere sich doch des Milliardenkredits, den FJ Strauss der „Zone“ = „d“ em „d“ ämlichen „R“ esten gewährte…. Da wird doch diesbezüglich nach endlicher Archivöffnung in den nächsten Jahren endlich etwas Prickelndes zu vernehmen sein, die seinen Lebenslauf gemäss unserer Vermutung vervollständigen wird. // Und dass die Witwe (wohl auch auf Wunsch von Kohl selber…) keinen Staatsakt in Deutschland begehrte, ist nachvollziehbar, denn….genug der Heuchelei in Strassburg !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s