Glaubenspräfekt Müller vom Papst entlassen

http://www.katholisches.info/2017/06/kardinal-gerhard-mueller-von-papst-franziskus-entlassen/ (30.6.):

(Rom) Kardinal Gerhard Müller wurde von Papst Franziskus als Präfekt der römischen Glaubenskongregation entlassen.

… Der kleine Formalismus, Kardinal Müller für eine vollständige Amtszeit im Amt belassen zu haben und nun sozusagen die legitime Möglichkeit einer Neubesetzung zu nützen, kann nicht über die Radikalität des Eingriffes hinwegtäuschen, in einem immer härter geführten Ringen um die Ausrichtung der Kirche.

Mit der Entlassung des Glaubenspräfekten kommen die Gleichgewichte im Vatikan, in die von Papst Franziskus mehrfach eingegriffen wurde, massiv ins Rutschen. Mit vorerst nicht absehbaren Folgen. …


 

Ergänzung 2.7.2017:

http://www.katholisches.info/2017/07/der-jesuit-ladaria-ferrer-wird-nachfolger-von-kardinal-mueller-als-glaubenspraefekt/ (1.7.):

Das Tagesbulletin bestätigt die gestern bekannt gewordene Entlassung des Glaubenspräfekten. Papst Franziskus hatte gestern Kardinal Müller in Audienz empfangen. Dabei teilte er ihm seine Entlassung mit. Über eine solche war in den vergangenen Wochen immer intensiver spekuliert worden.

Zum neuen Glaubenspräfekten ernannte Franziskus die bisherige Nummer zwei der Glaubenskongregation, den spanischen Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Ladaria ist seit 1995 für das ehemalige Heilige Offizium tätig. Zunächst war er Consultor. 2008 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof und Sekretär der Kongregation. Er ist der erste Jesuit in diesem Amt.

… Da die Entlassung des Glaubenspräfekten ein Paukenschlag im schwelenden Konflikt um die Ausrichtung der katholischen Kirche ist, entschied sich Franziskus für eine weniger spektakuläre Nachfolgeregelung, indem er die bisherige Nummer zwei an die Spitze setzte. Ladaria gilt als hochqualifizierter und orthodoxer Theologe. Dennoch dürfte der katholischen Kirche mit ihm ein zweiter Glaubenspräfekt Levada bevorstehen. Der US-Amerikaner William Joseph Kardinal Levada leitete von 20052012 die Glaubenskongregation. Der Nachfolger von Joseph Kardinal Ratzinger erfüllte hinter den Kulissen seine Arbeit, blieb jedoch farblos und ohne Außenwirkung. …


 

Ergänzung 4.7.2017:

Roberto de Mattei: http://www.katholisches.info/2017/07/roberto-de-mattei-ueber-den-fall-mueller/ (3.7.):

Die Entfernung von Kardinal Gerhard Müller stellt einen entscheidenden Moment in der Geschichte des Pontifikats von Papst Franziskus dar. Müller, der von Benedikt XVI. ernannt, am 2. Juli 2012 als Präfekt die Leitung der Kongregation für die Glaubenslehre übernahm, ist erst 69 Jahre alt. Es ist noch nie vorgekommen, daß ein Kardinal, der mehr als fünf Jahre vom kanonischen Pensionsalter (75 Jahre) entfernt ist, nicht für eine zweite fünfjähriges Amtszeit verlängert wurde.

Es genügt daran zu denken, daß es Prälaten gibt, die zehn Jahre älter als Kardinal Müller sind und noch wichtige Ämter innehaben. Dazu gehört Kardinal Francesco Coccopalmerio, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, dessen Sekretär vor kurzem in flagranti von der päpstlichen Gendarmerie bei einer Homo-Orgie und mit Drogen in einem zum Vatikan gehörenden Gebäude erwischt wurde. Coccopalmerio hatte jedoch seine Wertschätzung für Amoris laetitia kundgetan und erklärt, daß „die Kirche immer die Zuflucht der Sünder war“, während Müller seine Irritationen wegen der Öffnungen des päpstlichen Schreibens nicht verborgen hielt, wenn auch mit Kritik zurückhielt.

Unter diesem Blickwinkel ist die Entlassung von Kardinal Müller ein autoritärer Akt, mit dem Papst Bergoglio offen jenen Teil von konservativen Kardinälen herausfordert, dem der Präfekt der Glaubenskongregation bekanntlich nahesteht. Franziskus ist mit Macht, aber auch Geschicklichkeit vorgegangen. Zunächst schuf er rund um Müller verbrannte Erde, indem er ihm drei seiner treuesten Mitarbeiter entließ. Dann wiegte er ihn bis zum Schluß im Glauben, ohne je sichere Zusagen zu machen, ihn im Amt zu verlängern. Am Ende ersetzte er ihn nicht mit einem Vertreter des radikalen Progressismus wie dem Rektor der Katholischen Universität von Argentinien, Msgr. Victor Manuel Fernández, oder dem Sondersekretär der Synode, Msgr. Bruno Forte. Der Auserwählte ist Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, ein Jesuit, der bisher Sekretär der Glaubenskongregation war. Diese Entscheidung soll die Konservativen in Sicherheit wiegen und zugleich auf dem falschen Fuß erwischen. Was einige von ihnen nämlich nicht verstehen: Worauf es Papst Franziskus ankommt, ist nicht die Ideologie seiner Mitarbeiter, sondern die Treue gegenüber seinem Plan einer „unumkehrbaren Reform“ der Kirche. …


 

Ergänzung 7.7.2017:

http://www.katholisches.info/2017/07/entlassung-von-kardinal-mueller-in-einer-minute-und-ohne-nennung-eines-grundes-inakzeptabler-stil/ (6.7.):

(Rom) Scharfe Kritik an der Art und Weise seiner Entlassung und am Umgang von Papst Franziskus mit seinen Mitarbeitern übt Kardinal Gerhard Müller in der heutigen Ausgabe der Passauer Neuen Presse.

Der deutsche Kardinal war am vergangenen Freitag von Papst Franziskus in Audienz empfangen worden, die nur „eine Minute“ dauerte. In der Blitzbegegnung habe Franziskus dem bisherigen Präfekten der römischen Kongregation für die Glaubenslehre „innerhalb einer Minute seine Entscheidung mitgeteilt“, daß er ihn in diesem Amt nicht bestätige. Punkt. Einen Grund für die Entlassung nannte Franziskus nicht und beendete die Audienz.

„Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren“, so Kardinal Müller gegenüber der Neuen Passauer Presse. Im Umgang mit seinen Mitarbeitern müsse auch für den Papst „die Soziallehre der Kirche gelten“, so Müller, der im Juni 2012 von Papst Benedikt XVI. als Glaubenspräfekt an die Römische Kurie berufen worden war. Zuvor war Müller zehn Jahre Bischof von Regensburg gewesen. …


 

Ergänzung 11.7.2017:

http://kath.net/news/60225 Gerechtigkeit für Kardinal Müller! (10.7.):

… „Ob diese Form der Abberufung ohne öffentliches Wort des Danks dem Postulat der Barmherzigkeit zu 100 Prozent gerecht wird, das Franziskus sonst oft und schön betont? Er wird doch nicht Wasser predigen und Wein trinken!“. …

*************************************************************************************

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kirche abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s