Buch: Nikolai A. Berdiajew: „Im Herzen die Freiheit“

https://www.civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2664:im-herzen-die-freiheit&catid=1:neuestes&Itemid=33 (18.3.):

Manchmal fallen einem Bücher in die Hand, die regelrechte Augenöffner und Denkanreger sind: Das gilt auch für ein nur vom Umfang, keineswegs aber vom Inhalt her schmales Buch, das der rührige, junge Renovamen-Verlag auf den Markt gebracht hat. Es stammt aus dem Jahr 1936 und hat den ungeheuren Reiz, eine Analyse der „Würde des Christentums und der Unwürdigkeit der Christen“ zu liefern, die mit dem Abstand von nunmehr über 80 Jahren überprüft werden kann.

In der ersten Hälfte des katastrophenträchtigen 20. Jahrhunderts führte sein Lebensweg den russischen Philosophen Nikolai Alexandrowitsch Berdiajew aus Russland, aus der Sowjetunion nach Westen, nach Berlin, wo er Spengler, Scheler und Tillich traf. Die Nationalsozialisten verboten seine Bücher wegen angeblicher prosowjetischer Einstellung, Berdiajew ging später nach Paris und starb 1948 in Clamart-sur-Seine bei Paris. Sein intellektueller Lebensweg führte von spätpubertärer Marxismus-Begeisterung (wer hatte die nicht?) zur Hinwendung zum russisch-orthodoxen Christentum, was ihm die Verbannung aus Lenins bolschewistischer Hölle eintrug.

Das vorliegende Buch ist eine komprimierte, aber eben deshalb verständliche und nachvollziehbare Analyse der Lage des Christentums in der heutigen Zeit, und das weit vor den völlig falschen Reaktionen des 2. Vatikanums auf eben diese Lage. In sehr gut lesbarer Form gibt Berdiajew eine scharfsinnige Diagnose. Gleich zu Beginn stellt er fest: „Heute, da der Glaube zu versiegen droht und der Unglaube eine allgemeine Verbreitung gefunden hat, pflegt man das Christentum nach den Christen zu beurteilen; in früheren Zeiten dagegen hat man das Christentum nach seinen ewigen Wahrheiten, nach seiner Lehre und seinen Dogmen gewertet. Unser Zeitalter ist aber von dem Menschen und dem Menschlichen zu sehr beherrscht.“ Was soll man da hinzufügen, außer: Ja, es stimmt! Und das schreibt Berdiajew bereits 1936, es ist mehr als 80 Jahre her. Berdiajews Schlussfolgerung daraus erfolgt wenig später: „Die Verwirklichung der Religion der Liebe ist unendlich schwierig, aber diese Religion verliert dadurch weder an Erhabenheit noch an Wahrheit.“ …

Tom Hemerken: https://www.katholisches.info/2018/03/im-herzen-die-freiheit/ (17.3.):

„Die Fundamente des Lebens sind ins Schwanken geraten.“

Handelt es sich dabei „um eine Krise der außer- und antichristlichen Welt“ oder um eine „Krise des Christentums“ selbst? Diese ganz aktuell erscheinenden Begriffe wurden bereits in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts notiert, als Nikolai A. Berdiajew in Luzern sein Buch „Von der Würde des Christentums und der Unwürde des Christen“ veröffentlichte. Sein Buch ist nun als schmales Bändchen im Verlag Renovamen neu erschienen; es trägt jetzt den Titel „Im Herzen die Freiheit. Das Bürgertum zwischen Sinnsuche und Selbstgeißelung“.

… Das Buch Berdiajews besteht aus drei Kapiteln. Er befasst sich gemäß dem Buchtitel der Erstveröffentlichung mit der Würde des Christentums und den darin sich bewegenden unwürdigen Christen, wobei es hier um ein authentisches Christentum geht in seiner Auseinandersetzung mit den angeblichen gesellschaftlichen Gegebenheiten und  Erwartungen. Der Autor mahnt „geistliche Nüchternheit“ an und weiß, dass „das Himmelreich Gewalt“ leiden muss. Er stellt einerseits fest, der Staat habe „die Insignien des Christentums usurpiert, ohne in Wahrheit christlichen Geistes zu sein“, um andererseits der Kirche ins Stammbuch zu schreiben, dass das „veräußerlichte, rhetorische und heuchlerische Christentum“ nicht mehr zu bestehen vermag, „seine Zeit ist vorüber“. …

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Eine Antwort zu Buch: Nikolai A. Berdiajew: „Im Herzen die Freiheit“

  1. ungute Erinnerungen schreibt:

    es ging immer nur um R E I N (man selber) und UNREIN (die anderen)***
    um G L Ä U B I G (man selber) und UNGLÄUBIG (die anderen, egal wer)***

    ich vergleiche meine Stipvisite bei den einzig wahren Christen mit dem Aufenthalt in Hundeschulen 🙂 : man muß das jeweilige Angebot annehmen (oder auch nicht) …z.B. Leinenführigkeit: militant mit zehn anderen in einer Reihe nebeneinander marschieren, unterwegs die Kommandos befolgen. Kehrt, Marsch, Sitz…. Wo brauche ich das so?
    Das ist für uns (Hund und für mich) keine ALLTAGSSITUATION. Also lieber INTUITIV. „Den einen richtigen Weg“ gibts nämlich nicht.

    „Du wirst dein Valparaiso nicht finden,
    Doch jeder Flügelschlag dahin war‘s wert! “
    Reinhard Mey. Frei.

    Die Tür aus gold‘nem Draht steht unverschlossen,
    Nur einen Augenblick, doch lang genug.
    Das Fenster, achtlos angelehnt, knarrt leise
    Und öffnet einen Spaltbreit sich im Zug.
    Das ist die grosse, langersehnte Chance,
    Sie kommt nur einmal, jedes siebte Jahr:
    Der Käfig offen und zugleich das Fenster,
    Ergreife sie im Flug, jetzt nimm sie wahr!

    Ann P.

    ***
    diese Erfahrung ist absolut übertragbar aktuell auf die gesellschaftliche Situation in Gruppierungen, Parteien
    *ich gut, du böse*… ich richtig, du falsch 😦

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