Kirchliche Haltung zu den Global Compacts im Widerspruch zur eigenen Soziallehre

Schon vor mehr als einem Jahr mischte der Vatikan bei der Erstellung der Global Compacts der UN mit:
https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/microsites/fluechtlingshilfe/Vatikan_20-pastorale-Handlungsschwerpunkte_kurz.pdf (Dez 2017):

Antworten auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen und Migranten – 20 pastorale Handlungsschwerpunkte

Die globalen Migrationsbewegungen sind eine große Herausforderung für die Welt von heute und eine vorrangige Priorität für die katholische Kirche. In Worten und Taten zeigt Papst Franziskus immer wieder sein tiefes Mitgefühl für alle, die ihre Heimat verloren haben. Denken wir nur an seine Begegnungen mit Migranten und Flüchtlingen auf den Inseln Lampedusa und Lesbos. Und denken wir auch an seinen Aufruf, ihnen mit offenen Armen zu begegnen: Migranten, Flüchtlinge und Opfer des Menschenhandels aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren.

Es ist dem Heiligen Vater ein Anliegen, dass die Kirche unter seiner Leitung die Weltgemeinschaft dabei unterstützt, ihre Antworten auf die Bedürfnisse der Migranten systematisch zu verbessern. Die internationale politische Gemeinschaft hat einen multilateralen Prozess aus Beratungen und Verhandlungen in Gang gesetzt. Ziel ist es, bis Ende 2018 zwei globale Abkommen (Global Compacts) zu erstellen: das eine zu internationalen Migranten, das andere zu Flüchtlingen.

Zu vielen Themen, die in den Globalen Compacts enthalten sein werden, hat die Kirche bereits Stellung bezogen. Vor dem Hintergrund ihrer langen und vielfältigen pastoralen Erfahrung möchte sie aktiv an diesem Prozess mitwirken. Um eine solche Mitwirkung zu unterstützen, hat die vatikanische Abteilung für Migranten und Flüchtlinge (Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen) – nach Beratung mit verschiedenen Bischofskonferenzen und katholischen Organisationen, die in diesem Bereich aktiv sind – die nachfolgenden 20 Handlungsschwerpunkte zu Migranten und Flüchtlingen erarbeitet.

In ihnen wird die kirchliche Lehre zu Migranten und Flüchtlingen nicht erschöpfend behandelt; vielmehr sollen mit den 20 Punkten nützliche Überlegungen angeboten werden, die Katholiken im Dialog mit den Regierungen über die Global Compacts verwenden, ergänzen und weiterentwickeln können. Die 20 Punkte sind ausgerichtet an den Bedürfnissen der Migranten und Flüchtlinge, die an der Basis ermittelt wurden, sowie an den entsprechenden Best-Practice-Initiativen der Kirche. Sie wurden vom Heiligen Vater befürwortet. …

Langversion:
https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/microsites/fluechtlingshilfe/Vatikan_20-Handlungsschwerpunkte-f%C3%BCr-Global-Compacts_lang.pdf (Dez 2017)

https://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/peace/documents/papa-francesco_20171113_messaggio-51giornatamondiale-pace2018.html (13.11.2017):

BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS PAPST FRANZISKUS
ZUR FEIER DES WELTFRIEDENSTAGES

1. JANUAR 2018

Migranten und Flüchtlinge: Menschen auf der Suche nach Frieden …

 

Manfred Spieker weist nun auf schwere Unzulänglichkeiten hin:
http://civitas-institut.online/?p=533 Aktuelle kirchliche Stellungnahmen zur Migrationsfrage haben nichts mit der Soziallehre der Kirche zu tun (2.1.):

… In den aktuellen kirchlichen Stellungnahmen aus Deutschland zu Flucht und Migration bleibt das Erfordernis einer Grenzkontrolle ein blinder Fleck. Der Heilige Stuhl und Papst Franziskus kennen das Thema Grenzen in ihren Stellungnahmen noch weniger. Mit der katholischen Soziallehre hat das nichts mehr zu tun.

… Fast 1,5 Millionen Flüchtlinge strömten 2015 und 2016 nach Europa. Wo auch immer sie die Grenzen der EU erreichten, die meisten wollten nach Deutschland. 1,2 Millionen beantragten in Deutschland Asyl. Die meisten kamen aus Syrien und dem Irak, jeweils Tausende aus Afghanistan, Pakistan, Nigeria, Eritrea, Südsudan, Iran und nicht zur EU gehörenden Balkanstaaten. Syrer und Iraker flohen vor dem Terror des „Islamischen Staates“, Afghanen vor dem Terror der Taliban, Nigerianer vor dem Terror von Boko Haram, viele vor der Armut und der Perspektivlosigkeit in Afrika, aber auch in den Balkanländern Serbien, dem Kosovo, Albanien und Mazedonien sowie in Flüchtlingslagern des Nahen Ostens.

Dass die meisten nach Deutschland wollten, lag nicht nur an der offenen Grenze, sondern auch an dem weit ausgebauten rechtlichen und materiellen Schutzsystem für Flüchtlinge mit seinen Leistungen für Asylbewerber sowie an den in Deutschland bereits vorhandenen Diasporagemeinden, die Menschen der eigenen Nation oder Religion anzogen. Rund 70 Prozent der Migranten gehören der muslimisch geprägten Mehrheit in ihren Herkunftsländern an, rund 18 Prozent sind Christen, fünf Prozent Jesiden. Im Irak wurden die Christen fast vollständig vertrieben.

… Was gebietet die Solidarität angesichts der neuen Migrationsdynamik? Ein Schuldbekenntnis, dass Europa mitverantwortlich sei für die Gewaltverhältnisse, die die Migration verursachen, und dass es nun eine historische Rechnung für die Ausbeutung seiner Kolonien bezahle? Die Grenzen zu öffnen und jeden aufzunehmen, der einreisen will? Verteilungsquoten für die eingereisten Flüchtlinge zu akzeptieren? Rettungsschiffe ins Mittelmeer zu entsenden und die geretteten Migranten nach Europa zu bringen?

Ist die Strategie der vier Imperative, nämlich „aufnehmen, schützen, fördern, integrieren“, die die 20 Handlungsschwerpunkte des Heiligen Stuhls für die beiden Abkommen (Global Compacts) der Vereinten Nationen zu Flüchtlingen und Migranten und auch die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag 2018 bestimmen, ein Gebot der Solidarität, mithin eine logische Konsequenz der katholischen Soziallehre? Sind die Begrenzung der Einreise von Flüchtlingen in die EU und die Kontrolle der Migranten eine gegen das Solidaritätsprinzip verstoßende Abschottung der EU? Gibt die Bibel die Antwort? …

**************************************************************************************

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Umvolkung abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.