Blanker Hohn: Gysi als Festredner zum DDR-Ende?

Vera Lengsfeld: https://www.freiewelt.net/blog/die-verhoehnung-der-friedlichen-revolution-1989-10078207/ (27.6.):

… Wie die Leipziger Volkszeitung bereits im Mai unter der Rubrik „Sonderthemen“ meldete, planen die Leipziger Philharmoniker ein Gedenkkonzert zur Friedlichen Revolution in der Peterskirche. Der Titel der Veranstaltung lautet: „Freiheit, schöner Götterfunken“.

Ausgerechnet am 9. Oktober, dem Jahrestag der großen Montagsdemonstration, die den Beginn des Endes der SED-Diktatur bedeutete, soll mit der Neunten Sinfonie von Beethoven das Werk erklingen, das Leonard Bernstein mit dem neuen Text „Freiheit, schöner Götterfunken“ 1989 in Berlin zum Fall der Berliner Mauer aufführte. Was als „respektvolle Würdigung für die vielen Tausend, die seinerzeit in Leipzig mutig auf die Straße gegangen sind“, angekündigt wurde, gerät durch den engagierten Festredner Gregor Gysi allerdings zu einer Verhöhnung der Demonstranten.

Die Leipziger und alle anderen Demonstranten in der ganzen DDR sind gegen die Herrschaft der SED auf die Straße gegangen. Es war Gregor Gysi, der die Mauerschützenpartei vor dem verdienten Untergang rettete. Beim letzten SED-Parteitag, der am 8. Dezember 1989 stattfand, war die Mehrheit der Delegierten, gepeinigt von Scham und Reue, entschlossen die Partei aufzulösen. Der damalige Partei- und Regierungschef Hans Modrow drohte mit seinem Versuch, die Auflösung zu verhindern, zu scheitern. Da trat der bis dato fast unbekannte Rechtsanwalt Gregor Gysi, laut Feststellung des Bundestags-Immunitätsausschusses von 1998 erwiesener Mitarbeiter der Staatssicherheit, ans Mikrofon. Er überzeugte die Genossen, ihre Entscheidung zu überdenken, denn dann wären auch das Vermögen und die Parteistrukturen verloren, was „unabsehbare Folgen“ besonders für den kommenden Wahlkampf hätte. …


Ergänzung 30.06.2019:

https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/revolte-in-leipzig-riesenwirbel-um-gysi-auftritt-zum-30-wendejubilaeum-a2928851.html (29.6.):

Ein ehemaliger SED-Funktionär soll 30 Jahre nach Mauerfall eine Festrede in Leipzig halten? Das stößt vielen Ostdeutschen sauer auf. 70.000 Menschen waren 1989 für das Ende des SED-Regimes auf die Straße gegangen.

… Nach Informationen von „Bild“ wurde Gysi inzwischen wieder ausgeladen.

… Die Stadt Leipzig informierte darüber, dass sie Gregor Gysi nicht als Festredner eingeladen habe. Bei dem Festredner handele es sich um den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD). In einem Twitter-Post hatte zuvor der Historiker Hubertus Knabe das Gerücht verbreitet, die Stadt habe Gysi eingeladen. Laut „Bild“ behält sich die Stadt rechtliche Schritte gegen Knabe vor. …


Ergänzung 01.07.2019:

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2019/geplanter-gysi-auftritt-in-leipzig-sorgt-fuer-empoerung/ (1.7.):

LEIPZIG. Mehrere Wissenschaftler, Künstler und ehemalige DDR-Bürgerrechtler haben gegen die Einladung Gregor Gysis (Linkspartei) zum 30. Jahrestag der „Friedlichen Revolution“ in Leipzig protestiert. Gysi soll beim Gedenkkonzert der Leipziger Philharmoniker mit dem Titel „Freiheit, schöner Götterfunken“ in der Peterskirche eine Rede halten. …


Ergänzung 05.10.2019:

Ralf Georg Reuth: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2019/die-spaete-verhoehnung/ (5.10.):

Ein Schelm, der Böses dabei denkt, wenn ausgerechnet der DDR-Bürgerrechtler und derzeitige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, als Wortführer bei der Zerschlagung seiner eigenen Behörde auftritt. Durch die Überführung der mehr als 111 Kilometer Akten, 1,8 Millionen Fotos und 23.000 Tonbandmitschnitte des ehemaligen DDR-Geheimdienstes in die Obhut des Bundesarchivs werde „eine Brücke in die nächste Generation“ gebaut. Es werde „Neues geschaffen“, um den „Kern des Alten“ zu bewahren. …


Boris T. Kaiser: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2019/kaisers-royaler-wochenrueckblick-29/ (5.10.):

Am Donnerstag war Tag der Deutschen Einheit. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Kiel eine „wunderschöne Gedenkfeier“ hatte, gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ohne störendes Volk, hielt der letzte Vorsitzende der SED, Gregor Gysi (Linkspartei), beim „Politischen Gottesdienst“ in Karlsruhe eine – wie der SWR es nannte –„launige Rede“. Der Gottesdienst in der Stadtkirche Durlach stand unter dem Motto „Alle Mauern sollen niederfallen“. Gysi ist eben ein so anständiger Mann, daß er sich die Moral gleich doppelt leisten kann. …

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