3. Oktober: 30 Jahre deutsche Wiedervereinigung

Dieter Stein: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2020/natuerlich-eine-nation2/ (2.10.):

Es ist das Schicksal des 3. Oktober 1990, des Tags der deutschen Wiedervereinigung, daß die wenigsten mit ihm so starke Bilder und Emotionen verbinden wie mit dem Mauerfall am 9. November 1989. Den Vollzug der staatlichen Einheit empfinden wir in der kollektiven Erinnerung nur als bürokratischen Schlußpunkt. Vor 30 Jahren stand ich mit Freunden auf der Wiese vor dem Reichstag. Es war ein kühler Abend unter einem wolkenlosen Nachthimmel.

Hunderttausende hatten sich eingefunden vor dem Portal und erlebten den Moment, als die riesige „Fahne der Einheit“ von Sportlern aus beiden ehemaligen deutschen Teilstaaten emporgezogen und die Nationalhymne gesungen wurde. Das war ein sehr erhebender Augenblick, und für einen Moment konnte es so scheinen, als ob die Deutschen tatsächlich mit sich und ihrem Dasein im reinen wären.

… Der Moment hielt nicht an. Sehr rasch hat sich gezeigt, wie schwer wir es mit uns haben. Was vor allem damit zusammenhängt, daß schon die Frage, ob es eine deutsche Geschichte, ein deutsches Schicksal, eine deutsche Nation gibt, umstritten ist. Das hat vor allem mit einem Versagen der geistigen Führungsschicht zu tun. …


Ergänzung:

Karlheinz Weißmann: https://jungefreiheit.de/debatte/forum/2020/des-glueckes-unterpfand/ (3.10.):

Vergleicht man das Deutschland der Gegenwart mit dem vor dreißig Jahren, fällt sofort der Unterschied der Stimmungslage von 1989/90 auf. Es ist nichts geblieben von der Hochspannung und der Begeisterung. Das gilt vor allem für die „neuen“ Bundesländer, in denen weiland alles, was aus den „alten“ kam, enthusiastisch begrüßt wurde: die Währung, die Verfassung, die Parteien, die Mode, die Musik, die Ernährungsgewohnheiten. Damals war „Ostalgie“ ein schwer vorstellbarer Gemütszustand. …


https://vera-lengsfeld.de/2020/10/03/deutschland-vereint-aber-tief-gespalten-meine-bilanz-zum-30-jahrestag-der-vereinigung/: x

https://youtu.be/zjXjc6iYA_k Vera Lengsfeld „Deutschland nicht mehr geteilt, aber tief gespalten“ im Hayek-Club Berlin (2.10.  52min)

Text zum Nachlesen, für alle, die nicht das Video schauen wollen

Nichts illustriert das deutsche Dilemma im 30. Jahrestag der Vereinigung besser als die Politposse, die von SPD, Grünen und SED-Linken in Dresden inszeniert wurde. Anlass war die Einladung des sächsischen Landtagspräsidenten Matthias Rößler (CDU) an Arnold Vaatz, Bürgerrechtler, CDU-Politiker und Merkel-Kritiker, am 3. Oktober im Sächsischen Landtag die Festrede zu halten. Nun sollte man meinen, ein Mann, der stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Unions-Bundestagsfraktion ist und auch noch im Vorstand der Bundes-CDU, sollte ein Redner sein, gegen den besonders die Koalitionspartner der CDU in Sachsen nichts einzuwenden hätten. Oder wenn doch, dann aus Koalitionsdisziplin keine öffentlichen Proteste anmelden.

Das Gegenteil ist der Fall. Indem sich SPD und Grüne dem Linke-Protest gegen Arnold Vaatz nicht nur anschlossen, sondern auch noch den Boykott der Veranstaltung verkündeten, haben sie eine Staatskrise heraufbeschworen, die nur mühsam unter dem Deckel gehalten werden kann.

Arnold Vaatz gehörte in der Friedlichen Revolution zu den Führungsfiguren des Dresdener Widerstands gegen das SED-Regime. Er war ein Mitglied der Gruppe der 20, die auf dem Höhepunkt der Proteste, als zehntausende Menschen auf den Straßen waren, bestimmt wurde, um mit dem damaligen Dresdener Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer über ein Ende der Gewalt gegen die Demonstranten zu verhandeln. Ausgerechnet ein ausgewiesener Bürgerrechtler soll nicht über 30 Jahre deutsche Vereinigung reden dürfen? Was ist da schief gelaufen? …


Ergänzung 05.10.2020:

Karlheinz Weißmann: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2020/steinmeier-spaltet1/ (5.10.):

Der Bundespräsident hat eine Rede gehalten. In Potsdam, zum 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit. Er hat dieser Einheit keinen Dienst erwiesen. Denn Frank-Walter Steinmeier spaltet. Er spaltet durch die Einseitigkeit und Ungerechtigkeit seiner Betrachtungsweisen. …

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