Über die Ziele der transatlantischen Globalisten

http://wertewelt.wordpress.com/2013/09/04/schlag-gegen-syrien-gefahr-eines-dritten-weltkrieges/:

Obama besucht Schweden und andere nordische Länder, um Verbündete für einen Schlag gegen Syrien zu gewinnen. Jeder weiß, dass Schweden eines der „erfolgreichsten“ Länder für die Durchsetzung der Massenislamisierung in Europa ist. Aus dem nun folgenden Interview geht hervor, warum eine Islamisierung Europas zwecks Destabilisierung gewollt ist und welches die Hintergründe des Angriffs der US-Verbündeten auf Syrien sind.

Obwohl das Interview schon ein Jahr alt ist, erklärt es, warum es im Nahen Osten zu einem gewollten Flächenbrand kommen soll. Es lohnt sich diesen langen Artikel durchzulesen. Nur wer die Zusammenhänge dieses Konfliktes kennt, kann sich ein Urteil über die gefährliche Entwicklung in Syrien bzw. der gesamten Welt bilden.

Die Übersetzung aus dem Russischen habe ich von einem Freund bekommen. Da mir keine Urheberrechte der deutschen Übersetzung bekannt sind, habe ich es hier aus aktuellem Anlass veröffentlicht. Ich empfinde den Inhalt als zu wichtig. Man möge mir verzeihen, wenn ich unwissentlich Rechte Dritter verletzt haben sollte.

Am Ende des Artikels ist ein Film, der ebenso wichtig wie der Artikel ist und Licht ins Dunkel der heutigen politischen Ereignisse bringt.  (Bitte unbedingt den Link dieses Artikels weitergeben!)

Interview:

Das folgende Gespräch mit Pro­fessor Andrej Fursow, dem Leiter des Zentrums für Rußland-For­schung an der Moskauer Geistes­wissenschaftlichen Universität und dem Mitglied der Internatio­nalen Akademie der Wissenschaften (München), erschien am 9. August 2012 bei KP.ru. Ausge­hend von der derzeitigen Situa­tion in Syrien und dem „Arabi­schen Frühling” versucht der rus­sische Historiker Prognosen und Betrachtungen über die weitere Entwicklung danach. Es bedarf sicherlich keiner besonderen Erklärung, warum dieses hochinteressante Interview von den deutschen Qualitätsmedien völlig ignoriert worden ist.

KP: Die Sache mit dem Raketenschild und der NATO-Osterweiterung ist klar. Aber wie hängen Syrien und der Iran konkret mit unserer Sicherheit zusammen?

Prof. Andrej Fursow:  Sie sind unseren Grenzen und unserem Einflußgebiet Transkaukasien und Zentralasien sehr nahe. Wenn die derzeitigen Regimes in Damaskus und Teheran fallen, so wird sich die ganze Zone des von den Atlantisten „gesteuerten Chaos”  von Mauretanien und dem Maghreb bis nach Kirgisien und dem Kaschmir erstrecken. Der Bogen der Instabilität wird sich wie ein Keil gegen das zentrale Eurasien vorschieben, von wo aus die Atlantisten Rußland und China schon direkt bedrohen. Vor allem aber Rußland.

KP: Warum Rußland vor allen anderen Dingen?

Prof. Andrej Fursow: Die zu erwartende Weltsystemkrise hebt die Bedeutung der Kontrolle über die Ressourcen ins Unermeßliche.  Die Bedeutung wird unter Bedingungen der prognostizierten geoklimatischen und geophysischen Katastrophe noch potenziert. Ich rede jetzt nicht von der umstrittenen „globalen Erwärmung”, sondern vom durchaus prosaischen Abklingen des Golfstroms, der Umstellung der Nahrungsketten in den Weltozeanen (das passiert einmal in 11,5 bis 12,5 Jahrtausenden), das sind Umbrüche eines planetaren Ausmaßes, die ungefähr zum Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzten und etwa im ersten Drittel des 22. Jahrhunderts abgeschlossen sein werden.

Unter solchen Krisenbedingungen und nach einer solchen Krise. ist die einzige stabile und Ressourcen aufweisende Region das nördliche Eurasien, also hauptsächlich das geographische Gebiet Rußlands. Das macht unser Territorium zur wichtigsten geohistorischen Beute des 21. Jahrhunderts und der darauf folgenden Jahrhunderte.

Die bekannten Russopho­ben Brzezinski, Albright und andere im Westen haben mehrfach ausgesagt, es sei ungerecht, daß Rußland über ein sol­ches Territorium und solche Ressourcen verfügt. Das solle der Weltgemeinschaft gehören – das heißt, den atlantischen Eli­ten, die in Logen, Clubs, Kommissionen, Orden und außeror­dentlichen Strukturen organisiert sind. Allerdings braucht es dazu, die Kontrolle über das nördliche Eurasien zu gewinnen, ein Aufmarschgebiet – Zentralasien. Die Amerikaner sind auch bereits vor Ort, doch von dem durch sie kontrollierten Nahen Osten sind sie eben noch durch Syrien und den Iran von Zentralasien getrennt. Hier reißt die Zündschnur, die man in Nordafrika angesteckt hat, bisher noch ab und erlischt. Ohne die Vernichtung dieser beiden Länder können die Atlan­tisten den Kampf um das nördliche Eur­asien nicht angehen. Sie betrachten Rußland als Rohstoffquelle, China als Quelle für Arbeitskraft, das heißt, als etwas eigentlich Sekundäres. Und wenn sich dieses Sekundäre ihren Plänen ent­gegenstellt, macht sie das so ziem­lich verrückt. Die Lösung der russi­schen und chine­sischen Frage wird vom Westen gerade eben mit­hilfe des Islam, der Araber angegangen. Egal, ob das nun in Form des gesteuerten Chaos einer neuen arabischen Eroberung oder eines Kriegs zwischen Kalifat und Ungläubi­gen passiert. Dabei werden die Angelsachsen, getreu ihrer Tradition, größere  Staaten und Völker gegeneinander aufzuhetzen, diese zu schwächen oder gar zu vernichten (zweimal im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden Rußland und Deutschland gegeneinander gehetzt), sich allerdings auch bemühen, den Islam auszuschalten.

Das passiert durch dessen maximale Radikalisierung mit dem Wahhabismus, den Entzug seiner inneren wirtschaftlichen und demographischen Kraft im Verlauf der eurasischen Kriege, wonach die islamische Welt später in eine Art neo-traditionelles Ghetto verwandelt werden wird, das keine eigenen Ressourcen und Technologien besitzt. Die, welche in ihrer Kindheit – „Dungeons  & Dragons” gespielt haben, erinnern sich wahrscheinlich an die Variante einer „Welt der schwarzen Sonne”.

Die Globalisten werden versuchen, die islamische Welt in eine Menge kleiner Einheiten zu zerschlagen, mit denen private Militärfirmen oder Konzernsöldner leicht zurande kommen, die Reste von Ressourcen aus ihnen herauspressen und sie anschließend auf der Müllhalde der Geschichte entsorgen. Der Westen wird nur über Punkte mit Ressourcenkonzentration Kontrolle ausüben (zum Beispiel, heute schon Realität, über die fast 1800 Kilometer lange Mittelmeerküste Libyens); das andere gibt man den Stämmen, Clans und kriminellen Syndikaten zur freien Verfügung, von denen jeder sein Stück und Stückchen kontrollieren wird. Zu solchen „Stückchen” können auch Teile von Saudi-Arabien, Pakistan (Abtrennung von Belutschistan), der Iran werden – ein islamisches Mosaik. Gleichzeitig braucht der Westen Aufseher in der Region, und diese Rolle kann durchaus zu Groß-Kurdistan passen. Ein einziger Staat, dem es gestattet sein wird, groß zu sein.

KP: Weshalb?

Prof. Andrej Fursow: Auf dem Gebiet Groß-Kurdistans, sollte dieses einmal geschaffen werden, werden sich die Quellen aller größeren Flüsse der Region befinden. Das bedeutet, daß in der kommenden, an Wasser armen Epoche und folglich einer Epoche von Kriegen um das Wasser als Ressource, die wichtigsten Hebel des Einflusses auf die Region – wie zu Zeiten des Assyrischen Reichens – in den Händen des uralten Volks der Kurden sein werden. Kurdistan könnte zum wichtigsten Wachhund der Region werden und in dieser Rolle Israel ablösen.

KP: Über Israel bitte etwas genauer!

Prof. Andrej Fursow: Israels Perspektiven sind im sich wandelnden Nahen Osten ziemlich nebulös. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Westen Israel demontieren, weil Israel einfach nicht mehr notwendig sein wird, so, wie es Arnold J. Toynbee noch 1957 vorausgesagt hat. Sicherlich erst nach der Evakuierung des „oberen Drittels” der Bevölkerung. Die Variante der Schaffung eines Groß-Kurdistans und der Demontage Israels ist nicht zu hundert Prozent sicher, aber doch sehr wahrscheinlich. Freilich ist das keine Sache der nahen Zukunft.

KP: Was sollte Rußland denn in der drama­tischen Situation, die sich um Syrien aufbaut, unternehmen?

Prof. Andrej Fursow: Das, was Rußland bereits tut – näm­lich Syrien intensiv zu unterstützen, es nicht zulassen, daß man es zerdrückt. Es hat bereits Einheiten der Kriegsma­rine entsandt, kein großes Kontingent, aber besser als gar nichts. Und wenn man schon Krieg führt, tut man das besser nicht durch Quantität, sondern durch Können. Am 7. Juni gab es Rake­tentests zweier ballistischer Interkonti­nentalraketen: eines „Topoi” (das haben wir bestätigt) und einer „Bulawa” (das haben wir nicht bestätigt, aber die Amerikaner bestehen zumindest dar­auf, daß es einen solchen Start gegeben hat). Das ist ein gewisses Zeichen.

Denn Rußland ist trotz aller Militärreformen immer noch eine Nuklearmacht, und wir sind es, nicht so sehr die Chinesen, die von den Amerikanern immer schon als Hauptfeind gesehen wurden, das tun sie immer noch und werden es auch weiter tun. Unsere Diplomaten tun ihre Arbeit. Es hat mir gefallen, wie Witali Tschurkin mit dem Botschafter von Qatar gesprochen hat, ich stelle mit einiger Genugtuung die Ohnmacht in der Bosheit der Madame Clinton und einiger niederer Offizieller des State Department fest, die sie gegen unsere Führung demonstrieren. Es ist zu begrüßen, daß die syrische Luftabwehr bereits 18 Einheiten unserer „Buk-M2″- Raketensysteme und 36 Einheiten unserer Luftabwehrraketen-Systeme vom Typ „Panzir S1″  erhalten hat; dazu stehen Lieferungen von S-300-Systemen und Mi-25-Hubschraubern aus.

Ich rechne sehr mit dem Selbsterhaltungstrieb der russischen Führung und damit, daß sie aus den tragischen Schicksalen Milosevics, Saddam Husseins und Gaddafis die richtigen Schlüsse gezogen haben. Diese beißen und nutzen dafür innere Probleme, und von denen hat Rußland wahrlich mehr als genug.

Ist es denn Zufall, daß die Zusammenrottungen der „Weißen Schleifen” Ende 2011 – Anfang 2012 auf interessante Weise mit der Erklärung der russischen Führung zusammenfielen, hinsichtlich der syrischen Sache eine harte Position zu verfolgen? Sicher nicht. Und hier tritt das Problem der „Fünften Kolonne” [subversive Umstürzler] mit aller Schärfe zutage, die sich bei uns im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts herangebildet hat. Wir leben in einem Zeitalter des Krieges, welches mit der NATO-Aggression gegen Jugoslawien begonnen hat und der inzwischen mit denselben NATO-Stiefeln gegen die Pforten Syriens tritt.

In solchen Zeiten muß man gemäß der Leitlinien von Kriegszeiten handeln. Noch nie ist es jemandem gelungen, einen äußeren Feind zu besiegen oder ihm auch nur zu widerstehen, ohne gleichzeitig oder vorher die „Fünfte Kolonne” unter Kontrolle gebracht zu haben; selbstverständlich legal, nur legal. Und schlußendlich bedarf es eines internationalen politischen und militärischen Bündnisses, das in der Lage wäre, den Aggressor zu bändigen und Sicherheit oder wenigstens eine Atempause von acht bis zehn Jah­ren zu verschaffen. In dieser Zeit kann Rußland es schaffen, sich aufzuraffen und sich auf den Großen Krieg des 21. Jahrhunderts vorzubereiten – auf die letzte große Jagd der Epoche des Kapi­talismus, die leider höchstwahrschein­lich unvermeidbar ist. Man muß sich darauf vorbereiten und dabei bestehen.

Nun, und für den Moment gilt es, den potentiellen Gegner möglichst fernab zu halten und die Schwachen darin zu unterstützen, diesen Gegner in der Ferne zu schlagen – das ist nicht nur strategisch richtig, sondern auch mora­lisch.

KP: Was sind die Lehren aus Libyen und Syrien für Ruß­land?

Prof. Andrej Fursow: Zuallererst: vertraue niemals, unter keinen Umständen der westlichen Füh­rung. Sie wird uns immer als Haupt­feind betrachten, und zum Zeitpunkt unserer maximalen Schwäche, auf die sie selbst hinarbeitet, unerbittlich zuschlagen und versuchen, die „russi­sche Frage” zu klären. Leonid Schebar­schin sagte einmal: „Der Westen will von Rußland nur eines: daß es Rußland nicht mehr gibt.” Wie man die Schwa­chen beseitigt, haben wir am Beispiel Libyens erlebt. Wie man sich die Zähne an den stärkeren ausbeißt, sehen wir am Beispiel Syriens.

Das zweite: Die libysche und syrische Variante der NATO-Aggression demon­strieren, wie sich die Ereignisse bei uns im Falle von militärischen Handlungen entwickeln werden: Krieg wird durch Söldner geführt, vor allem durch Ara­ber, aber auch durch private Militärfirmen. Nach syrischem Muster wird man versuchen, den Kaukasus und die Wolgaregion zu destabilisieren. Man besetzt eine Stadt oder einen Teil davon, die Folgen sind Massaker, Anru­fung der „Weltöffentlichkeit”, welche auf Sanktionen, Kontrolle, Stützpunkte drängen wird (einen solchen haben wir bereits im Hinterland, nämlich die NATO-Nachschubbasis in Uljanowsk).

Das dritte: Bei aller entscheidenden Rolle des äußeren Faktors spielt bei der Situation in Syrien der Zustand des „Objekts”, auf das dieser Faktor gerich­tet ist, eine äußerst bedeutsame Rolle: Ein ineffizientes Regierungssystem, Korruption und so weiter, was alles in allem Angriffsfläche bietet. In dieser Hinsicht ist Rußland auch sehr ver­wundbar; wir haben eine genauso inef­fiziente Führung, Korruption, eine kriminalisierte Wirtschaft, eine enge Ver­flechtung unserer Wirtschaftsgrößen mit der Weltwirtschaft, folglich also auch eine Schicht pro-westlicher Com­pradores [Einkäufer], dabei ein niedriges professio­nelles und moralisches Niveau der Oberschicht, das Vorherrschen von Interessen einzelner Clans über den Interessen des Landes. Vom Zerfall der Armee, der geistlichen und moralischen Krise ganz zu schweigen, ebenso von der „Abnutzung” des Humanpotentials eines bedeutenden Teils der Bevölke­rung.

Es ist sicher wahr, daß eine äußere Bedrohung die Bevölkerung zusammenschweißen und mobilisieren kann, denn so ist es mit den Russen bisher immer gewesen, ob 1612, 1812 oder 1941. Das weiß der Gegner aber nur zu gut. In diesem Sinne ist der vor kurzem veröffentlichte Artikel Henry Kissingers zur Situation in Syrien sehr interessant. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, alles klar auszudrücken, gibt es hier eine Menge an nebulösen Erörterungen, einschließlich der Erwähnung des Heiligen Römischen Reiches und wie man es letztlich zu Fall brachte. Doch wenn man die reine Logik dieses Textes verfolgt und exakt das formuliert, was einer der größten „Hintermänner” dieser Welt angedeutet hat, bekommt man folgendes: Der „alte Henry” warnt den Westen davor, einen solchen Druck auf Syrien auszuüben, der eine unnachgiebige Position Ruß­lands zur Folge hätte und es zur Kon­frontation mit dem Westen treibt. Denn das birgt die Gefahr, all das zu verlie­ren, was man sich in den letzten 20 Jah­ren an der Schwächung Rußlands erar­beitet hat. Und diese Resultate sind wichtiger als Syrien.

Tatsächlich kann eine Konfrontation mit dem Westen die Situation in Ruß­land grundlegend ändern, und zwar in allen sozialen Schichten, vor allem aber in der Oberschicht, die nicht nur verstehen, sondern am eigenen Leib spüren wird, daß die westliche Elite sie niemals in ihre Kreise aufnehmen wird sondern daß sie ganz in Gegenteil früher oder später von ihr gefressen wird. Wenn das aber so ist, so ist ein wesentlicher Kurswechsel nötig, wenigstens, um Reichtümer, Status und Leben zu bewahren.

Die Beispiele solcher doch pro-westlicher arabischer Führer wie Ben Ali oder Mubarak demonstrieren doch der Wahrheitsgehalt der These des herausragen­den russischen Geopolitikers Alexej Jedrichin­ Wandam: „Schlimmer als die Feindschaft mit den Angelsach­sen kann nur eines sein: die Freund­schaft mit ihnen”. Der Westen, insbe­sondere die Angelsachsen, garantieren niemandem etwas, noch viel weniger jemandem, der sein Land und sein Volk verraten hat. Die Alten pflegten zu sagen: „Roma traditoribus non premia” (Rom bezahlt keine Verräter). Genauer gesagt bezahlt es sie schon, aber nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Danach geht man getrennte Wege. Auch das ist eine Lektion aus dem Nahen Osten für Moskau.

KP: Warum hat es der Westen so eilig damit, die Nägel in den Sarg des Assad­Regimes zu schlagen?

Prof. Andrej Fursow: Dieses nicht allzu große Land im Nahen Osten ist im Wandel zum schlimmsten neuralgischen Punkt des Planeten geworden. Ständig tagt die UNO dazu. Eine unnachgiebige Haltung nehmen dort Rußland und China ein. Eine Flotte russischer Kriegs­schiffe mit Marineinfanteristen hat Kurs aufs Mittelmeer gesetzt und läuft auch Syrien an. Die USA stellen den „Rebellen” wei­ter 15 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Riecht es hier etwa nach einem großen Krieg?

KP: Wodurch hat denn das kleine Syrien dem mächtigen Westen die Suppe versalzen?

Prof. Andrej Fursow: Einfach durch alles. Gehen wir der Reihe nach – vom Kleinen zum Großen, vom Regionalen zum Globalen. Bei den Konstellationen im Nahen Osten allgemein und im Kampf der Amerikaner und der sunnitischen Monarchien (Saudi-Arabien und Qatar) gegen den schiitischen Iran ist dieses Land nicht einfach nur ein Verbündeter Teherans, sondern Glied einer Kette, das dieses mit den schiitischen Grup­pierungen in der arabischen Welt ver­bindet. Ohne ein solches Verbindungs­glied würde der Einfluß des Iran in der arabischen Welt wesentlich geringer sein. Ich will nicht einmal davon spre­chen, daß eine Erdölpipeline aus dem Iran durch Syrien verläuft. Ohne die Lösung der syrischen Frage können die Angelsachsen, d. h. die Briten und die Amerikaner, sich nicht an den Iran wagen.

Das syrische Regime ist faktisch das einzige starke, weltliche Regime in der arabischen Welt. Dass es stark ist, stört die Atlantisten mit ihren Plänen zum Umbau des Nahen Ostens und der gesamten Welt. Dass es ein weltliches Land und dabei wirtschaftlich erfolg­reich ist, stört die Führung Saudi-Ara­biens und Qatars.

KP: Manche sagen, es sei der erste Krieg um Erdgas…

Im südlichen Mittelmeerraum sind Erdgasvorkommen festgestellt worden – sowohl auf Seegebiet, als auch an Land auf syrischem Territorium (Kara). Wie groß diese Vorkommen sind, ist schwer zu sagen, aber es gibt sie. Qatar exportiert verflüssigtes Erdgas mithilfe einer Tankerflotte. Bricht das Assad­-Regime zusammen, so bekommt Qatar die Möglichkeit, den „blauen Brenn­stoff’ direkt über das syrische Territorium an die Küste des Mittelmeers zu transportieren. Das würde Qatars Export­volumen mindestens verdoppeln und gleichzeitig den Export aus dem Iran behindern. Das Erstarken Qatars auf dem Markt für Erdgas schwächt die Position Rußlands.

Wenn es den Ameri­kanern gleichzeitig gelingt, Kontrolle über das algerische Erdgas zu gewin­nen, so sieht das schon nach einer Blockade des Erdgasexports für Ruß­land aus. Das heißt, die wirtschaftlichen Interessen Qatars fallen mit den geopo­litischen Interessen der USA zusammen und mit ihrem Bemühen, Rußland maximal zu schwächen, denn Rußland soll nicht wieder erstarken.

KP: Das bedeutet, daß die Yankees in Syrien eigentlich indirekt Rußlands geliebtes Gazprom angreifen?

Prof. Andrej Fursow: Die Angelsachsen sind globale Bil­lardspieler, sie arbeiten nach dem Prin­zip, mit einem Mal gleich mehrere Kugeln zu versenken (was man von ihnen lernen sollte). Der große Nahe Osten mit dem darin ablaufenden gesteuerten Chaos trennt China von den benötigten Quellen für Erdöl und Erdgas ab, gleichzeitig wird ein Bruch zwischen dem chinesischen und dem westeuropäischen Teil Eurasiens gelegt. Die Kontrolle über das Öl und Gas aus dem Nahen Osten bedeutet in erster Linie die Kontrolle der USA über Europa, speziell Westeuropa, was der Schwächung Rußlands und seiner Posi­tionen durchaus zuträglich wäre. Und wenn Europa das eines Tages mißfallen sollte, so kann man inzwischen auch dort ein paar arabisch-afrikanische Unruhen vom Zaun brechen – so, daß die satten Bürger wünschten, es wäre wieder vorbei.

Diese Logik (obwohl nicht nur diese allein) bestimmt den Drang der nordat­lantischen Elite durch die arabische Welt nach Osten: Tunesien, Ägypten, Libyen. Nun sind sie bei Syrien ange­kommen. Allerdings sind die Atlantisten auf diesem syrischen Flecken Erde mit einer anderen globalen Macht aneinander geraten, die sich mit ihnen in wirtschaftlicher und sogar militäri­scher Hinsicht messen kann, aber eine vollkommen andere Zivilisation dar­stellt.

Das ist China mit seinem Drang nach Westen. Chinas Drang ist eine Art Kreuzzug um Ressourcen. Pakistan befindet sich schon unter Chinas Ein­fluß. Mit den Taliban Afghanistans haben die Chinesen schon lange Bezie­hungen. Der Iran ist auch Verbündeter, wenn auch ein sehr spezieller. Der Süden des Irak wird de facto bereits von den schiitischen Verbündeten des Iran kontrolliert. Geostrategisch und auch geoökonomisch gesehen dringt China hier nicht nur bis an die Küste des Indischen Ozeans, sondern, so gesehen, auch bis zum Atlantik vor (nämlich an die syrische Mittelmeerkü­ste). Objektiv gesprochen sind die west­lichen Kreuzritter in Syrien an die Chi­nesische Mauer gestoßen.

Erstmals ist die englisch-amerika­nisch-jüdische Elite, die sich innerhalb der letzten Jahrhunderte herangebildet hat und zu einer organisationellen historischen Errungenschaft des Westens geworden ist, hier auf einen globalen Gegner eines nicht-westlichen Typs gestoßen (denn auch die Füh­rungsspitze der UdSSR war die Umset­zung eines linken Projekts des Westens, einer jakobinischen Moderne). Außer­dem steht dem europäischen Segment der westlichen Elite, woher diese ja auch die historische Erfahrung bezieht, das nicht minder alte, vielleicht sogar noch ältere chinesische Segment gegenüber, ebenso sehr auf das Mate­rielle, den Handel und Geld orientiert. Dabei aber auch noch sehr abenteuer­lustig, denn die Chinesen haben ja auch ihre eigenes, globales kriminelles System.

KP: Die chinesische Mafia ist wahrschein­lich noch etwas heftiger als die italieni­sche…

Prof. Andrej Fursow: Ja, und die chinesischen Goldreser­ven als bedrohliche Finanzwaffe wollen wir gar nicht erst erwähnen. Peking versteht sehr wohl, daß Syrien lediglich ein Wegpunkt in der Hauptstoßrichtung der Nordatlantiker ist – und Ziel ist es, China fallen zu sehen, es in die Schranken seiner eigenen Landesgrenzen zu verweisen, es von den Rohstoffquellen zu trennen und techno­logisch zu ersticken. Deswegen haben wir es mit einer solch harten Position Chinas zu Syrien in der UNO zu tun.

KP: Was ist mit der Position Moskaus? Warum ist diese jetzt so anders als im Falle von Libyen?

Prof. Andrej Fursow: Erstens haben wir heute einen ande­ren Präsidenten. Zweitens hat die Geschichte mit Gaddafi, wie ich meine, die russische Führung einiges gelehrt. Drittens unterhält Rußland in Syrien einen Marinestützpunkt. Viertens hat die russische Rüstungsindustrie starkes Interesse an Syrien, und wirtschaftliche Interessen sind für die russische Füh­rung eine heilige Sache. Fünftens ist Syrien Rußlands Grenzen und dem postsowjetischen Raum viel näher als Libyen.

Alles das bestimmt Moskaus Position, welche durch ihr atomares und diplomatisches Potential die chine­sische Position stützt. Allein würden weder Rußland noch China bestehen können. Sicherlich können die Angelsachsen auf Rußlands und Chinas Vetos in der UN pfeifen, auf die UNO und das inter­nationale Recht insgesamt, welche sie ohnehin aufzuheben gedenken. Aber das sind bisher nur Absichten. Denn wie Stalin einmal sagte, die Logik der Umstände ist immer stärker als die Logik der Absichten.

Diese Umstände sind Rußland und China, welche einen rasenden Zorn der Nordatlantiker bewirken – es genügt, sich ein paarmal Frau Clinton anzuhören und sich ihre Mimik zu betrachten.

KP: Ungeachtet der unnachgiebigen Posi­tion Moskaus und Pekings zieht sich der Westen nicht zurück. Wieso nicht?

Prof. Andrej Fursow: Erstens liegt es nicht in der histori­schen Tradition der Angelsachsen, ihre Beute fahren zu lassen, in die sie sich einmal wie ein Pitbull verbissen haben. Sie werden bis zum Anschlag Druck ausüben, bis sie ihr Vorhaben durchge­setzt haben oder bis der Gegner ihnen das Gebiss bricht. Zweitens sind die Angelsachsen im Verlauf der letzten 25–30 Jahre, nachdem sie die sowjetische Elite besiegt hatten (es geht genau um die sowjetische Elite – sie hat kapitu­liert), einfach überheblich geworden.

Sie haben sich daran gewöhnt, daß Rußland alles aufgibt und bauen darauf, auf die russische Elite Druck ausüben zu können, schon, weil diese ihr Geld in westlichen Banken deponiert hat. Drit­tens, und das ist der Hauptgrund, wel­cher alle anderen überwiegt: Die Ein­sätze sind viel zu hoch, auf dem Spiel steht das Schicksal der nordatlantischen Eliten selbst, es geht durchaus nicht nur um die Kohlenwasserstoffvor­räte oder den Nahen Osten. Der Westen hat keine andere Möglichkeit, als weiter vorwärtszupreschen.

Die Sache ist folgende: Ungeachtet des enormen materiellen und Informa­tionspotentials dieser gigantischen Maschinerie, welche von höchst erfah­renen übernationalen Geokonstrukteu­ren und Geoingenieuren gesteuert wird, erleben die USA heute eine Überspan­nung der Kräfte. „Nihil dat fortuna man­cipio” – das Schicksal gewährt nichts für ewig? Amerikas Zeit geht vorüber. Um den endgültigen Fall aufzuschieben oder gar zu vermeiden, braucht Amerika eine Verschnaufpause. Nicht von ungefähr geht es in der neuen Militär­doktrin, die Obama am 5. Januar 2012 verkündet hat, jetzt darum, daß die USA nicht mehr – wie bis dato – zu zwei parallelen laufenden Kriegen gerüstet sein muß, sondern nur noch zu einem plus zu indirekten Aktivitäten in mehre­ren Regionen.

Zu berücksichtigen gilt es ferner, daß die Amerikaner bis zu 60 % ihrer Militärmacht in den Stillen Ozean, den ostpazifischen Raum umgruppieren und sich so auf Ausein­andersetzungen mit China vorbereiten.

Nicht von ungefähr bringt das Journal „Foreign Affairs”, eine Publikation des Council on Foreign Relations (CFR) – eine der einflußreichsten amerikani­schen Strukturen in Fragen internatio­naler Beziehungen – neuerdings immer wieder Artikel, die direkt aussagen: Die USA brauchen eine Verschnaufpause, „um sich auf der Wiedererrichtung des Fundaments nationaler Blüte zu kon­zentrieren”. Amerika erinnert heute an das Römische Reich zu Zeiten Kaiser Trajans (Anfang des 2. Jh. n. Chr.). Damals ist Rom von strategischen Angriffen zur strategischen Defensive übergegangen, Rom begann damit, den Limes zu bauen und einige eroberte Gebiete aufzugeben, in erster Linie im Nahen Osten.

KP: Das ist eine direkte Analogie: Die USA haben vor, Afghanistan zu verlassen, aus dem Irak sind sie abgezogen…

Prof. Andrej Fursow: Die Ergebnisse des NATO-Gipfels in Chicago am 20. und 21. Mai 2012 haben gezeigt: Im direkten Sinne werden weder die USA noch wird die NATO den Nahen Osten oder Afghanistan wirklich verlassen. Nicht deshalb sind sie ja schließlich dahin gegangen. Aller­dings müssen sie dort im bisherigen Sinne „heraus”, das Führungsmodell dort wird ein anderes. Und das ganz einfach, damit der Platz nicht von den Konkurrenten besetzt wird, nämlich von der EU und vor allen Dingen von China. Das ist der Sinn hinter diesem neuen Modell der Steuerung der Region: gesteuertes Chaos. Einen bes­seren Kandidaten dafür, dieses Modell zu implementieren und aufrecht zu erhalten, als die Islamisten, die „Ketten­hunde der Globalisierung auf amerika­nisch”, kann man sich gar nicht vorstel­len.

Und nun sehen wir, wie im Nahen Osten – speziell im Schlüsselland Ägyp­ten – als Ergebnis des sogenannten „Arabischen Frühlings” gerade die Isla­misten an die Macht kommen. Besser gesagt sind sie es, denen man den Weg frei macht. Allerdings haben die Angel­sachsen auf diesem Weg zwei Länder als Stolpersteine angetroffen, zwei Län­der, in denen die Islamisten entweder nicht stark oder nicht aktiv waren.

Das sind Libyen und Syrien. Libyen ist bereits durch die barbarische NATO-Aggression vernichtet worden, Syrien wird heute belagert. Syriens Armee kämpft gegen den internationalen Ter­rorismus, der, wie es sich für ihn auch geziemt, von den Strippenziehern der englisch-amerikanischen Spitze gesteuert wird.

Ende

Video: Kriege werden von den USA schon lange vom Zaun gebrochen. Lügen dienen dazu sich an der eigenen Kriegsindustrie zu bereichern und Völker schonungslos auszurauben oder zu zerstören. Der Vietnamkrieg beruhte auch auf einer Lüge. 1965 behauptete Präsident Johnson vor dem US-Kongress, nordvietnamesische Boote hatten im Golf von Tonkin US-Einheiten angegriffen. Aufgrund seiner Lügen wurde er vom Kongress zum Krieg ermächtigt. Bush und Obama folgen dieser Tradition und ziehen den Westen bzw. die Nato mit in den Krieg.
http://www.youtube.com/watch?v=AW1DcyyfvJo   Irak Libyen Syrien Iran USA  (4.9.2013    11 min)

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