Wortkargheit gegenüber den Kindern – Beispiel für neue Armut

Während die Kaufkraft in Deutschland, z. B. gemessen in gekauften Hühnereiern pro geleisteter Stunde Arbeitszeit, seit 1950 auf über das Vierzehnfache gestiegen ist, krankt es auf anderen, vor allem geistig-seelischen Gebieten:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article139174824/Die-neue-Armut-der-Deutschen.html (7.4.):

… Mittelschichtseltern sprechen mehr mit ihren Kindern als Unterschichtseltern – und sie sprechen auf andere Weise mit ihnen. Eine „Wortlücke“ von 30 Millionen Worten, die zu einem Vierjährigen aus prekären Verhältnissen nicht gesagt wurden, ermittelten die Kinderpsychologen Betty Hart und Todd Risley von der Universität Kansas in den 80er-Jahren. Die andere Armut kann also auch Wortlosigkeit sein. Nach den Erkenntnissen von Hart und Risley wirkte sich das Schweigen unmittelbar auf die kognitive Entwicklung der Kinder aus.

Es geht auch um das, was gesagt wird. Während Mittelschichtskinder in einer Stunde 32 Ermutigungen und nur fünf Verbote hörten, wurden den benachteiligten Kindern elf Verbote um die Ohren gehauen – und sie erfuhren nur fünf Ermutigungen.

Eine Initiative, die direkt und aufsuchend die Eltern-Kind-Kommunikation in den Fokus nimmt, könnte auch die deutsche Wortarmut lindern. …

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Auch andere Erkenntnisse aus obigem Artikel der WELT sind wissenswert:

… Stabile Beziehungen sind wichtig fürs Glück

Der amerikanische Politikwissenschaftler und Soziologe Robert Putnam setzt sich in seinem neuen Buch „Our Kids“ mit der dramatischen Bedeutung auseinander, die Klassenzugehörigkeit in den USA für die Bildungsbiografien von Kindern erlangt – während ihr ethnischer Hintergrund immer unwichtiger wird. Dabei spielen geradezu reaktionär anmutende Kriterien eine Rolle: Kinder von verheirateten Eltern haben wesentlich bessere Chancen, einen College-Abschluss zu machen, als die Kinder von Nichtverheirateten oder Alleinerziehenden. …

Auch in Deutschland sind nicht Kinder das Armutsrisiko, sondern auseinanderbrechende Elternpaare, mit all den materiellen und immateriellen Folgen der Trennung: weniger Einkommen, weil nicht beide Partner voll arbeiten können; doppelte Haushaltsführung; fehlende männliche Vorbilder; Erschöpfung, weil sich zwei Erwachsene besser als einer gegen den Kinderstress feien können. Einsamkeit. …

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