Italien: Bischöfe pro Monti

Dem italienischen Katholizismus ist nicht zu helfen:
http://www.katholisches.info/2012/12/31/bischofe-unterstutzen-monti-um-radikale-linke-zu-verhindern-parlamentswahlen-in-italien/:

… Nach einem Jahr Amtszeit einer Technikerregierung unter dem vom internationalen Finanzdienstleister Goldman Sachs freigestellten, man könnte auch sagen, von einer Finanzoligarchie delegierten Investmentbanker Mario Monti könnte die Zeit jedoch reif sein. Gewissermaßen ein Paradox. Doch die Politik ist voll von Paradoxa.

… An dieser Stelle erklärt sich auch die Zustimmung der katholischen Bischöfe für die Liste Monti. Sie entspringt ihrem Sinn für Realpolitik. Dabei geht es auch um die Person Monti, vor allem jedoch um die Operation Wiederaufbau der Christdemokratie als Zünglein an der Waage für jede Regierungsbildung. Die Bischöfe mußten in den vergangenen 18 Jahren erleben, daß sich sowohl das Links- als auch das Rechtsbündnis für wichtige katholische Anliegen schwerhörig stellte. Zu sozialpolitischen Fragen bestand eine größere Übereinstimmung mit der Linken, zu gesellschaftspolitischen Fragen, vor allem den unverhandelbaren Werten wie Euthanasie, Homo-“Ehe“, Adoptionsrecht für Homosexuelle und Abtreibung mehr mit der Rechten.

… Warum unterstützen die Bischöfe aber gerade Monti? Weil Monti seit Beginn seiner Amtszeit Signale der Entspannung Richtung Kirche aussandte. Er besuchte nach seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten demonstrativ eine Heilige Messe. Er berief den Gründer der katholischen Gemeinschaft von Sant‘Egidio als Minister in seine Regierung. Eine neue Gemeinschaft, die im Vatikan wegen ihres sozialen Einsatzes, mehr aber noch als inoffizielle Paralleldiplomatie in Krisengebieten geschätzt wird. Monti muß zudem im Bereich der nicht verhandelbaren Werte (Bioethik, Familie) die Zusage gegeben haben, keine gegen das Naturrecht und die Kirche gerichtete Politik zu betreiben. In der Bischofskonferenz wie im Vatikan wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen, daß der Wirtschaftsexperte während seiner dreizehn Regierungsmonate sich zu diesen Themen völlige Zurückhaltung auferlegt hatte.

… Welche Rolle kommt aber Monti bei dem Ganzen zu? An dieser Stelle kann es nicht um seine Rolle als Investmentbanker von Goldman Sachs und bei Moody’s oder als führendes Mitglied internationaler Netzwerke wie der Trilateral Commission, der Bilderberger, des Atlantic Council beleuchtet werden, auch nicht seine Finanzpolitik in Italien mit ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft und Soziales.

… Die Allianz der katholischen Bischöfe mit Monti folgt einer gewissen Logik, die über den Grundsatz des kleineren Übels hinausgeht. Sie wirft dennoch eine ganze Reihe von Fragen auf, die den vom Islam zur katholischen Kirche konvertierten Cristiano Magdi Allam, seit 2009 christdemokratischer Europaabgeordneter, zu einer scharfen Kritik am Bündnis veranlaßten. Allam sieht in der „Achse Vatikan-Monti“ ein Bündnis der Kirche mit dem „antichristlichen Europa“. Seine Frage lautet: „Wie verträgt sich das kirchliche Lehramt, die katholische Morallehre, die kirchliche Soziallehre, die im Sinne der göttlichen Ordnung den Menschen in den Mittelpunkt stellt, mit der skrupellosen Ideologie eines Mario Monti, der nach dem chinesischen Modell Kapitalismus und Etatismus verknüpft und  das Geld, die Banken und den Markt in den Mittelpunkt stellt?“ Unweigerlich müsse einem Katholiken die Ermahnung Jesu in Erinnerung kommen, daß der Mensch nicht Gott und dem Mammon dienen könne (Matthäus 6,24, Lukas 16,13).

Der katholische Intellektuelle Roberto de Mattei bezeichnete die Regierung Monti wegen ihrer Finanzpolitik als die „schlechteste aller Regierungen der vergangenen 15 Jahre“. Sie habe die „reale Wirtschaft geschädigt, Armut geschaffen, die Inflation angeheizt und will die italienische Finanzpolitik an die europäischen Institutionen übertragen, nachdem er sich skeptisch über die Fähigkeit zu einer politischen Union geäußert hatte“.

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