FSSPX zur Ernennung von Bischof Müller

In einer Presseerklärung der Piusbruderschaft zur Ernennung von Bischof Müller zum Präfekten der Glaubenskongregation stellt ihr Dogmatiker Pater Matthias Gaudron fest:

Die Kirche hat es immer als eine ihrer wichtigsten Aufgaben betrachtet, das ihr von Christus und den Aposteln anvertraute Glaubensgut getreu zu bewahren und gegen Irrtümer zu verteidigen, um es unversehrt an die kommenden Generationen weitergeben zu können. Zu Recht ist darum das Amt des Präfekten der Glaubenskongregation eines der höchsten Ämter in der Kirche.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland hat daher mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass der Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, zu diesem Amt berufen wurde. Die Priesterbruderschaft fragt sich, welche Eignung für dieses Amt ein Mann hat, der in seinen Schriften und öffentlichen Reden mehrfach gegen die katholische Lehre verstoßen hat.

Folgende Punkte seien genannt:

  • Bischof Müller leugnet in seinem Buch Die Messe – Quelle christlichen Lebens die wirkliche Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi. Brot und Wein bleiben nach ihm, was sie sind, werden aber Mittel, um den Glaubenden in die Lebensgemeinschaft mit Vater und Sohn einzubeziehen. Das ähnelt der kalvinistischen Lehre, nach der Brot und Wein nicht verwandelt, aber Mittel der Gnade werden.[1]
  • Entgegen der katholischen Lehre, nach der die Verwandlung der Gaben sich durch das Aussprechen der Einsetzungsworte „Das ist mein Leib … Das ist der Kelch meines Blutes“ vollzieht,[2] behauptet Bischof Müller, die Frage nach dem Zeitpunkt der Verwandlung gebe „theologisch keinen richtigen Sinn“.[3]
  • Bischof Müller leugnet in seiner Dogmatik das Dogma von der Jungfräulichkeit Mariens in der Geburt,[4] also die Lehre, dass Maria ihren Sohn ohne Verletzung ihrer körperlichen Unversehrtheit geboren hat.[5]
  • In einer Laudatio für den protestantischen Landesbischof Dr. Johannes Friedrich sagte Bischof Müller am 11. Oktober 2011: „Auch die Christen, die nicht in voller Gemeinschaft der Lehre, der Heilsmittel und der apostolisch-bischöflichen Verfassung mit der katholischen Kirche stehen, sind durch Glaube und die Taufe gerechtfertigt und in die Kirche Gottes als Leib Christi voll eingegliedert.“ Dies widerspricht der gesamten katholischen Tradition und insbesondere der Lehre Pius’ XII. in Mystici corporis.
  • Entgegen der katholischen Lehre von der Notwendigkeit einer Bekehrung zur katholischen Kirche, wie sie noch im 2. Vatikanischen Konzil ausdrücklich gelehrt wird,[6] bezeichnete Bischof Müller in derselben Rede die sog. „Rückkehrökumene“ als „abwegig“.

Die Bruderschaft würde Bischof Müller dringend bitten, zu diesen umstrittenen Aussagen Stellung zu nehmen bzw. sie zu korrigieren. Es sind nicht persönliche Aversionen, welche die Bruderschaft zu dieser Haltung führen, sondern einzig und allein der Wunsch nach unverfälschter Verkündigung der Glaubenslehre.

Da Bischof Müller in den vergangenen Jahren zudem aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Bruderschaft keinen Hehl gemacht hat, sieht die Piusbruderschaft darin zunächst kein positives Signal für die Gesprächsbereitschaft in der Frage der kirchenrechtlichen Anerkennung. Sie hofft jedoch, dass der neue Präfekt – im Angesicht der Gespräche innerhalb der Weltkirche – zu einer positiveren Haltung zur Piusbruderschaft finden möge.

Fußnoten:

[1] „In Wirklichkeit bedeuten Leib und Blut Christi nicht die materiellen Bestandteile des Menschen Jesus während seiner Lebenszeit oder in der verklärten Leiblichkeit. Leib und Blut bedeuten hier vielmehr Gegenwart Christi im Zeichen des Mediums von Brot und Wein.“ … Wir haben „jetzt Gemeinschaft mit Jesus Christus, vermittelt durch das Essen und Trinken des Brotes und des Weines. Schon allein im zwischenmenschlichen Bereich vermag etwa ein Brief die Freundschaft zwischen Menschen darzustellen und beim Empfänger sozusagen die Zuneigung des Adressaten zu veranschaulichen und zu verleiblichen.“ (Die Messe – Quelle christlichen Lebens, Augsburg: St. Ulrich Verlag: 2002, S. 139 f).

[2] Vgl. den Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 1375, 1377.

[3] Die Messe – Quelle christlichen Lebens, S. 142.

[4] Vgl. den Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 499, 510.

[5] „Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwas die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war. … Der Inhalt der Glaubensaussage bezieht sich also nicht auf physiologisch und empirisch verifizierbare somatische Details“ (Katholische Dogmatik für Studium und Praxis, Freiburg 52003, S. 498). In Wahrheit meint die traditionelle Lehre eben doch solche physiologischen Besonderheiten.

[6] „Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten“ (Lumen gentium 14).

Ergänzung 7.7.2012:

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster, erläutert die Theologie Erzbischof Müllers:

… Der Vorwurf, er leugne die Jungfrauengeburt, bezieht sich auf folgende Stelle in der “Katholischen Dogmatik” Müllers auf S. 498:

„Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwas die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war.“

Zunächst ist festzuhalten, daß der Autor hier erläutert, worum es beim Dogma grundsätzlich geht, er hat “physiologische Besonderheiten” aber keineswegs bestritten.

Zudem sind eben diese Details ohnehin nicht dogmatisiert worden. Wo bleibt dann die angebliche “Ketzerei”?

Nun hat der gewiß “vorkonziliare”, unzweifelhaft lehramtstreue und bewährte Theologe Ludwig Ott, dessen “Grundriss der Dogmatik” auch in traditionellen Kreisen hochgeschätzt wird, zu diesem Thema in seinem bekannten Werk einiges erläutert.

Wir zitieren aus der 11. Auflage des “Ott” (wie sein “Grundriß” im Volksmund gerne genannt wird), die der traditionsorientierte Verlag Nova & vetera neu herausbrachte  –  dort heißt es auf Seite 300:

“Die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit in der Geburt nach der physiologischen Seite besteht, gehört nicht zum Glauben der Kirche.

Diese Klarstellung zunächst als “Vorbemerkung” –  und nun sei auf den ZUSAMMENHANG der vielzitierten Aussage Müllers hingewiesen.

Sein diesbezügliches Kapitel “Die Jungfräulichkeit Marias in der Geburt” (S. 497) beginnt mit den Worten:

“Seit Anfang des 4. Jh. begegnet in verschiedenen Varianten die Dreierformel von der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt. Die Grundlage bietet die in ihrer Glaubensbereitschaft angenommene jungfräuliche Gottesmutterschaft. Aus dieser eher christologischen Aussage über die Jungfräulichkeit Marias vor der Geburt folgt im Sinne einer stärker mariologischen Akzentuierung der Aussage die Prägung des Geburtsvorgangs (virginitas in partu) durch die Tatsache, daß Maria den Gott-Menschen und Erlöser gebiert und daß sie in der Konsequenz ihrer ganzmenschlichen Hingabe an das Erlösungsereignis keinen ehelichen Umgang mit Josef hatte und darum auch ohne weitere Kinder geblieben ist. Den Glaubensinhalt der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt und damit der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens bezeugen alle Kirchenväter…”

Sodann geht der Autor darauf ein, daß die Jungfrauengeburt nicht “gnostisch” mißdeutet werden dürfe (als ob Christus nur einen Scheinleib gehabt hätte und kein wirkliches Menschsein besitze); es dürfe “keine Verleugnung der Realität der Menschheit Jesu” stattfinden.

Daher, so der Verfasser, “muß die kirchliche Lehre im Sinne der Realität der Inkarnation ausgelegt werden” (Inkarnation  =  Menschwerdung Christi).

Nach dieser Feststellung folgt die derzeit von einigen Kreisen vielkritisierte Aussage hinsichtlich der “physiologischen Besonderheiten” etc.

Es geht Prof. Gerhard L. Müller, dem heutigen Erzbischof, aber ersichtlich darum, das wahre Menschsein Christi zu bezeugen und gegen doketistische Irrtümer abzugrenzen – und nicht etwa um eine Leugnung der Jungfrauengeburt, die er in der Einleitung des erwähnten Kapitels doch ausdrücklich bezeugt.

Aus seinen Ausführungen (die freilich nicht immer ganz leicht zu lesen sind) also eine Leugnung der Jungfräulichkeit Mariens abzuleiten, ist ebenso unfair wie unzutreffend.

Ergänzung 8.7.2012:

Civitas-Institut: Häretiker wird oberster Glaubenshüter  (5.7.):

Wie weit es mit der römisch-katholischen Kirche weiter bergab geht, zeigt die Ernennung des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre. Während dieser im Verein mit zahlreichen anderen Bischöfen und Kardinälen von der Piusbruderschaft, die den ganzen Glauben der Kirche aus 2000 Jahre ohne Einschränkung anerkennt, verkündet und daraus lebt, die „vollständige und uneingeschränkte Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils“ fordert, verkündet er selbst seit Jahren Irrlehren. An die Piusbruderschaft gewandt sagte er gestern: „Jeder, der sich katholisch nennt, sollte sich auch an die Prinzipien des katholischen Glaubens halten.“ Wenn er sich doch nur selbst daran halten würde! Trotzdem hindert dies den Papst aber offensichtlich nicht daran, ihn zum obersten Glaubenshüter zu ernennen. …

Bischof Müller und die Piusbruderschaft: Ein Kommentar  (3.7):

… Daniel Deckers von der FAZ fügt ein weiteres Fragezeichen zum Bild des Bischofs Müller hinzu:

„Und es ist wirklich derselbe Mann, […] der zusammen mit seinem von der vatikanischen Kongregation für Glaubenslehre immer argwöhnisch beäugten Freund und Befreiungstheologen Gustavo Gutiérrez ein Buch schreibt, in dem eben jene Befreiungstheologie als „im regionalen Kontext und für die weltweite theologische Kommunikation unaufgebbar“ bezeichnet wird?“

Ein Freund der kommunistisch-orientierten Befreiungstheologie und zugleich Garant für die Integrität des Glaubens? Wie geht das zusammen? Der jetzige Papst war als Chef der Glaubenskongregation in den achtziger Jahren einer der Hauptakteure in der Auseinandersetzung mit dieser Richtung der Theologie. Höhepunkt dieses Streits war ein Rede- und Lehrverbot gegen den brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff im Jahre 1985. Für das Amt des Präfekten der Glaubenskongregation befindet Deckers daher abschließend “bedarf es aber weniger der Fähigkeit, die Farben und die Haltung zu wechseln“.

… Vieles also ist bei Bischof Müller schillernd, nur eines nicht: Seine offene Ablehnung der Piusbruderschaft gegenüber.

Oder wird sich das ändern, wenn der Rheinländer an den Tiber kommt und nun die Piusbruderschaft als einen weltumspannenden Orden kennenlernt und nicht mehr nur als ein – von ihm aus betrachtet – „widerspenstiges“ Seminar im eigenen Sprengel?

Es wäre zu wünschen, dass ein wenig weltkirchliche Universalität Wasser in den Essig mischt, den er bislang der Bruderschaft kredenzte.

Und umgekehrt: Wird die Piusbruderschaft nun aufhören, den künftigen Kardinal und Hüter des Glaubens zu kritisieren? Die Piusbrüder sind – und dies als wichtige Botschaft an den künftigen Gesprächspartner – keine Kritisierer um des Kritisierens willen. Wir sind keine Gegenbewegung oder, wie Erzbischof Lefebvre sagte: „Keine Antis“!

Die Bruderschaft fühlt sich verpflichtet, im Namen der Kontinuität und Konsistenz der katholischen Lehrverkündigung auf all jene Aussagen hinzuweisen, die in direktem Gegensatz zum katholischen Dogma stehen. Des Bischofs Müller Name wird hier genannt, nicht wegen einer persönlichen Aversion, sondern wegen eben dieser Aussagen, welche mit dem Lehramt unvereinbar sind.

Das schließt aber nicht aus, dass ein Bischof sich ändern könnte oder – wie in diesem Fall notwendig – die entsprechenden Aussagen korrigierte.

Ergänzung 17.7.2012:

http://www.katholisches.info/2012/07/16/interview-mit-s-e-bischof-bernard-fellay-anlasslich-des-generalkapitels-der-priesterbruderschaft-st-pius-x/:

… DICI: Was bedeutet für Sie die Ernennung von Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Glaubenskongregation?

Bischof Fellay: Der ehemalige Bischof von Regensburg, in dessen Diözese sich unser Seminar von Zaitzkofen befindet, schätzt uns nicht, das ist für niemanden ein Geheimnis. Nach der mutigen Tat von Benedikt XVI. 2009 zu unseren Gunsten schien er nicht im mindesten im gleichen Sinn mitarbeiten zu wollen. Er hat uns wie Parias behandelt. Schließlich war er es, der erklärt hat, dass unser Seminar geschlossen werden müsste und dass unsere Studenten in die Seminare ihres Herkunftslandes gehen müssten, bevor er unumwunden verkündete: „Die vier Bischöfe der Bruderschaft müssten alle demissionieren!“ (siehe Interview in der „Zeit online“ vom 8. Mai 2009).

Aber noch wichtige und noch beunruhigender für uns ist die Rolle, die er an der Spitze der Glaubenskongregation wird aufnehmen müssen. Ihre Aufgabe ist es, den Glauben zu verteidigen, mit der besonderen Mission, die Lehrirrtümer und die Häresien zu bekämpfen. Denn mehrere Texte von Bischof Müller über die wirkliche Transsubstantiation von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi, über das Dogma der Jungfrauengeburt, über die Notwendigkeit für die Nichtkatholiken, sich zur katholischen Kirche zu bekehren… sind mehr als fragwürdig. Ohne jeden Zweifel wären sie früher Gegenstand einer Intervention von Seiten des Heiligen Offiziums gewesen, aus dem die Glaubenskongregation hervorgegangen ist, welcher er heute vorsteht. …

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