Norbert Blüm: Ein Plädoyer für Liebe und Verantwortung

In einem grandiosen Aufsatz bricht Norbert Blüm eine Lanze für die lebenslange Ehe als Kern der Zivilisation. Ich zitiere nur einige Gedanken daraus.
http://www.welt.de/politik/deutschland/article111466410/Lieblose-Alleinverwirklicher-bedrohen-die-Ehe.html  (25.11.):

… Flexibel und mobil befindet sich der moderne Jobhopser auf dem Rückmarsch von der Sesshaftigkeit zum vorzeitlichen Nomadentum.

… Der Kündigungsschutz ist im Miet- und Arbeitsrecht weiter entwickelt als im Ehe- und Familienrecht.

… Je „lediger“, umso besser für die lieblose Gesellschaft der Alleinverwirklicher.

… Die Chronik der Familienrechtsänderung lässt sich wie das Protokoll der Unterspülung der Familie lesen.

… Für die feministische Bewegung ist die nicht erwerbstätige Mutter sowieso eine Arbeitslose, die sich von den übrigen Arbeitslosen nur dadurch unterscheidet, dass sie als „hauptamtliche Familienarbeiterin“ dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht.

… In dem Streit um den Betreuungsunterhalt des Kindes taucht das Wohl des Kindes gar nicht oder nur am Rand auf.

… Wenn die Ehe wie eine Aktiengesellschaft betrachtet wird, in die man Anteile einbringt, abzieht und an neuer Stelle wieder unterbringt, dann ist das neue Eherecht konsequent.

… Aus dem Ehe- und Familienrecht schwindet offenbar jedweder Gedanke der Kontinuität und nachwirkender Verantwortung füreinander. Die gemeinsame Verantwortung aus gemeinsamer Lebenszeit mit dem Partner lässt sich offenbar nur mit einem gesetzlich erzwungenen Gedächtnisschwund ausschließen. … Die Leitfigur des neuen Scheidungsrechts ist ein Vorteilsmaximierer ohne Gedächtnis und Moral.

… Das moderne Eherecht ist wechselhaft und ändert sich in einem Tempo, das bei Moden und dem Wechsel zwischen kurzen und langen Röcken üblich ist.

… Die Familiengerichte ebnen im vorauseilenden Gehorsam die Bahnen, zu denen dem Gesetzgeber noch der Mut fehlt. Der Bundesgerichtshof entwickelt sich zur selbstreferenziellen Behörde eines familienfeindlichen Eherechts. … Mit verbissenem Ehrgeiz arbeiten die Agenten des neoliberalen „Fortschritts“ an der totalen Verwirtschaftung der Gesellschaft.

… Die Idee des lebenslangen ehelichen Zusammenhalts ist keine Gefühlsduselei. Sie ist die Quintessenz eines mühsamen abendländischen Zivilisationsprozesses, in dem der launige Sexus mit dem auf Ewigkeit gerichteten Eros versöhnt wurde.

Selbst brutale Kollektivierungen haben die Idee von Ehe und Familie als Zufluchtsort des Widerstands gegen die Unterordnung der Liebe unter allgemeine, öffentliche Zwecke nie gänzlich auslöschen können.

… Ist in der partnerschaftlichen Ehe vielleicht ein utopisches Moment enthalten, auf das wir evolutionär angelegt sind?

… Wenn die Ehe die intensivste und intimste Sozialbeziehung ist, dann ist sie auf Dauer angelegt. Die Dauer ist die säkulare Variante der Ewigkeit. Das Dauerhafte steht über dem Vorübergehen.

In der Verteidigung von Ehe und Familie geht es nicht um eine reaktionäre Marotte, sondern um die progressive Idee der Freiheit.

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Eine Antwort zu Norbert Blüm: Ein Plädoyer für Liebe und Verantwortung

  1. Wolfgang Heuer schreibt:

    „Die Idee des lebenslangen ehelichen Zusammenhalts ist keine Gefühlsduselei. Sie ist die Quintessenz eines mühsamen abendländischen Zivilisationsprozesses, in dem der launige Sexus mit dem auf Ewigkeit gerichteten Eros versöhnt wurde.“:

    Darin scheint mir ein Irrtum zu stecken:
    Der „launige Sexus“ ist kein Mangel an „Zivilisation“, sondern eher eine FOLGE von „Zivilisation“ bzw. der „Kollektiven Zivilisations-Neurose“, welche die befallenen Menschen vom Erkennen des höchsten Prinzips des Universums entfremdet (hat). Selbst einige Tiergattungen kennen die lebenslange Partnerschaft. Andere Tiergattungen aber leben auch sehr sozial und seit Millionen Jahren funktionierend OHNE solche lebenslangen Zweier-Beziehungen.

    BEIDES fehlt auffällig – und zunehmend! – in der zivilisierten Gesellschaft. Und wenn man offenen Geistes ist und nicht zwanghaft neurotisch verdrängt, ausblendet, abwehrt, kann man die Existenz und das zerstörerische Wirken der Kollektiven Zivilisations-Neurose, der „Krankheit der Gesellschaft“, des „Wahnsinns der Normalität“ (Arno Gruen) bzw. der „Pathologie der Normalität“ (Erich Fromm) an den Entwicklungen in der zivilisierten Gesellschaft der letzten 60 oder der letzten ca. 10.000 Jahre ablesen.

    Die jetzige – fast weltweite – „zivilisierte Gesellschaft“ ist eine der „Hochkulturen“ in der Reihe von Hochkulturen, die lt. O. Spengler alle untergegangen sind. Und darin macht unsere jetzige „Hochkultur“ keine Ausnahme. Wer die Zeichen erkennen kann – und das können nur die wenigen noch nicht Befallenen oder die wenigen Geheilten – sieht die Symptome und kann in der Retrospektive auch die geschichtlichen Ursachen erkennen, ebenso wie die Ursachen in jedem einzelnen Menschenleben HEUTE.

    Dass die große Mehrheit der Menschen diese Störung / Krankheit / Pandemie nicht wahrnimmt, hat damit zu tun, dass es sich bei dieser komplexen Störung zum Teil um eine WAHRNEHMUNGS-Störung handelt, eine Entwicklungs- / Reifungsstörung, die verhindert, dass die Menschen in das erkennende Bewußtsein, die höhere Bewußtseins-Ebene / -Dimension, aufsteigen, in das reguläre Erwachsenen-Bewußtsein.

    Die Befähigung zum rationalen Denken ist KEIN Beweis für wahres Erwachsensein (abgesehen von der körperlichen Geschlechtsreife). Es kommt darauf an, welche Bewußtseins-Ebene sich des rationalen Denkens bedient, welches Bewußtsein im Menschen HERRSCHT. Und das sollte ab der Pubertät nicht mehr das „Niedere Selbst“ / „Pseudo-Selbst“ / „Ego“ sein, sondern das „Höhere / wahre Selbst“, das ERKENNENDE Bewußtsein, mit dem der Mensch weit, weit mehr erkennen kann als mit seinen Sinnen und der Betätigung des rationalen Denkens unter der Dominanz des „Ego“.

    Wahre Heilung ist möglich. Ohne Medikamente, ohne Schulmedizin. Allein durch den Mut zur (Selbst-)Erkenntnis, zur konstruktiven Überwindung der Angst, der Erkenntnis der wahren Identität. Durch den Aufstieg zum wahren SEIN. Dann ist auch die Frage nach dem SINN (des Lebens) beantwortet / obsolet.

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