Lügenpresse: Wort des Jahres!

Michael Klonovsky: http://ef-magazin.de/2015/01/16/6223-luegenpresse-das-wort-des-jahres   Über Hetzer und Verhetzte

„Ein Lügenstaat mit seiner Lügenregierung und seinen selig-einmütigen Lügenparteien und seinen Lügengewerkschaften und seinen Lügenmedien und seinen Lügenkirchen und seinen Lügenislamverbänden und seinen Lügenkapitalisten und allen seinen kleinen Für-dies-und-das-Lügengesellschaften beschließt selig-einmütig ruckzuck das neueste Unwort. Klar, dass das ‚Lügenpresse‘ heißt“, schreibt an mich (und sicherlich nicht nur an mich) „Karl Kraus per himmlischer E-Mail“, um als sanfte Korrektur noch anzufügen, natürlich sei „Lügenpresse“ nicht das „Unwort“, sondern das „Wort des Jahres“.

Ja was denn sonst!

Lügenpresse, zum zweiten: Aus dem Kastell Peripheria am Rande der Hauptstadt der DDR schreibt mir heute Freund F. folgende Zeilen: „Vorgestern rief mich die Mitarbeiterin einer Regional-Tageszeitung an, die wir per Zufall für zwei Wochen kostenlos bezogen. Sie wollte wissen, ob ich sie weiter lesen möchte. Mein klares Nein und ihre Frage ‚warum?‘ beantwortete ich unter anderem mit der einseitigen Berichterstattung über Pegida. Eisige Reaktion der bisher Scheißfreundlichen: ‚Wir haben da unsere klaren politischen Richtlinien.‘“ …

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Ergänzung:

Arno Klönne: http://www.heise.de/tp/artikel/43/43850/1.html „Lügenpresse“ – ein böses Wort? Kritisches über die diesjährige Warnung vor einem „Unwort“   (14.1.):

Die „Sprachkritische Aktion“, eine Gruppe vorwiegend von Wissenschaftlern, stellt seit längerem ein „Unwort des Jahres“ heraus, dessen öffentliche Verwendung beklagend. Sie hat sich damit aufklärerische Verdienste erworben, zum Beispiel bei der Kritik der Worte „Dönermorde“ und „Sozialtourismus“. Für das Jahr 2014 erklärte sie nun „Lügenpresse“ zum „Unwort“.

Sie zielt damit auf den Gebrauch dieses medienkritischen Begriffes in der rechtspopulistischen Szene, bei Pegida und Co. Den Grundsätzen der sprachkritischen Akteure zufolge steckt darin eine „Pauschalverurteilung“, die „Diskriminierung einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe“, hier der Journalisten. Die Wahl dieses „Unwortes“ begründend wird darauf verwiesen, dass die deutschnationale und dann nationalsozialistische Propaganda eine Vorliebe für „Lügenpresse“ als Kampfbegriff hatte. Das trifft zu, allerdings wissen wir nicht, inwieweit der Hang Dresdner „Spaziergänger“ zur Verwendung des „Unwortes“ aus der besagten Traditionslinie stammt.

Die „Sprachkritische Aktion“ erwähnt nicht, dass von „Lügenpresse“ auch auf der linken Seite des historischen Politikspektrums die Rede war. Etwa in illegalen Flugblättern von Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime; Goebbels wurde darin als „Meister der Lügenpresse“ bezeichnet – völlig zu Recht. Pegida-Fans freilich werden an diese geschichtliche Linie nicht anknüpfen wollen, zudem ist die Bundesrepublik nicht gleichzusetzen mit dem „Dritten Reich“. …

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Ergänzung 22.1.2015:

Michael Paulwitz: http://jungefreiheit.de/kolumne/2015/neues-von-der-luegenpresse/ (22.1.)

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http://www.andreas-unterberger.at/2015/01/ijpegida-ij-schwere-ausschreitungen-bei-protestzug-in-leipzigij/   (16.1.):

Diese Überschrift konnte man jetzt auf etlichen Internet-Desinformations-Portalen lesen. So natürlich auch auf orf.at. …

Unglaublich. Jetzt haben sich die Pegida-Teilnehmer halt doch als üble Gewalttäter und Rowdies entpuppt! Steine auf Polizeiautos, Verkehrszeichen ausgerissen, Feuerwerkskörper gezündet, zahlreiche Scheiben eines Gerichtsgebäudes zerstört, drei Festnahmen wegen Landfriedensbruch, 200 Demonstranten mussten Personalien angeben.

Einziger Schönheitsfehler: Das war entgegen der Überschrift bei ORF und Genossen gar keine Pegida-Demonstration, sondern eine der linken Szene gegen Pegida! Aber die Hälfte der Menschen liest nur Überschriften. Und damit hat die Hetze gegen Pegida schon wieder ihr Ziel erreicht. …

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Ergänzung 23.1.2015:

http://www.civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2377:klare-aussagen-eines-medienwissenschaftlers&catid=1:neuestes&Itemid=33   (22.1.):

Was von Pegida-Anhängern und der überwiegenden Mehrheit der Bürger unseres Landes manchmal überspitzt formuliert wird („Lügenpresse“), hat einen realen Hintergrund.

Der Mainzer Medienwissenschaftler Hans Mathias Kepplinger hat zu diesem Thema geforscht und kommt zu Erkenntnissen [über] die linke, faktisch gleichgeschaltete Medienlandschaft in Deutschland. Die „Tagespost“ hat Herrn Kepplinger interviewt: „Die Berichterstattung der meisten Medien über Pegida war von Anfang an journalistisch indiskutabel. Nahezu kein Medium setzte sich seriös mit den Argumenten und Forderungen auseinander.“

Auch zu anderen Themen im Zusammenhang mit den Medien, die den DDR-Medien immer ähnlicher werden, wurden im Interview Fragen gestellt. …

Kepplinger-Interview:
http://www.die-tagespost.de/Medien-gehen-mit-Pegida-indiskutabel-um;art456,157890   (21.1.):

Der Chef des deutschen Zeitungsverlegerverbandes Heinen hat jetzt Pegida und die Pariser Terroristen kurzgeschlossen. In einer vom Verband veröffentlichten Karikatur sagen die „Charlie-Hebdo“-Attentäter mit Blick auf die Pegida-Leute, die „Lügenpresse“-Plakate in Händen halten, dass sie etwas täten, während die Pegida-Leute nur redeten. Infam oder den Nagel auf den Kopf getroffen?

[Kepplinger:] Heinen bestätigt damit im Grunde die übelsten Befürchtungen von Pegida. Ein Offenbarungseid. …

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Ergänzung 24.1.2015:

http://www.mmnews.de/index.php/politik/34545-pegida-umfrage   (24.1.):

Focus-Umfrage: Medien-Berichte über Pegida nicht objektiv. – „Das Stimmungsbild in der Bevölkerung, also der öffentlichen Meinung, ist vielfältiger als die veröffentlichte Meinung.“ …

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Ergänzung 26.1.2015:

Thorsten Hinz: http://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2015/den-nerv-getroffen-3/ (24.1.):

Das Wort wirkt wie ein Donnerhall: Lügenpresse! Den Journalisten der etablierten Medien treibt es die Zornesröte und auch Angstschweiß ins Gesicht. Eine „unabhängige Jury“ aus Sprachwissenschaftlern hat es zum „Unwort des Jahres“ erklärt, weil es „bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff“ gewesen sei und „auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien“ gedient habe. Ja. Und trotzdem ist die Entscheidung so falsch, wie ihre Begründung dumm ist. Mit ihr demonstrieren die Experten, daß sie demselben ideologischen Überbau angehören wie die kritisierten Medien. …

… Bis heute gehört der „Eiserne Vorhang“ zum Bestand des politisch-historischen Vokabulars. Genauso unbefangen kann man das Wort „Lügenpresse“ benutzen. …

… Gemeint sind bewußt falsche Aussagen, die auf Täuschung der Adressaten angelegt sind, sowie die Unterschlagung relevanter Informationen und Zusammenhänge, die suggestiven Benennungen, Insinuationen und andere subtile Varianten der Unwahrheit.

Überhaupt nicht subtil, sondern grobschlächtig lügt und hetzt die FAZ, wenn sie einen Herausgeber-Kommentar veröffentlicht und eine Karikatur auf ihre Onlineseite stellt, die eine Verwandtschaft zwischen den islamistischen Mördern in Paris und den Demonstranten in Dresden behaupten. Gelogen wird, wenn friedliche Proteste als „Aufmarsch“ bezeichnet und damit Assoziationen zu militanten Formationen bis hin zur SA hergestellt werden.

… Die Lüge wird verdoppelt, wenn gleichzeitig gewalttätige Autonome zu „Aktivisten“ oder „Gegendemonstranten“ geadelt werden. Die Medien machen sich zum Werkzeug der Lüge, wenn sie scheinbar neutral den türkischen Ministerpräsidenten zitieren, der Bürgerproteste in Deutschland mit dem „Islamischen Staat“ gleichsetzt.

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Ergänzung 27.1.2015:

Martin Lichtmesz: http://www.sezession.de/48252/pegida-die-luegenpresse-der-historiker-und-der-asylant.html   (26.1.):

Es gäbe kein besseres Wort als „Lügenpresse“, um „die aktuelle Praxis und Verfaßtheit der Medien auf den Punkt zu bringen“, schreibt Thorsten Hinz in der Jungen Freiheit. Wie sehr es sich bei dem Schlagwort weniger um Polemik, als um eine präzise Feststellung handelt, kann man am täglichen Gejaule und Gekläffe der getroffenen Hunde gut ablesen. …

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Ergänzung 6.2.2015:

http://www.kath.net/news/49362 Was heißt hier ‚Lügenpresse‘? (6.2.):

Früher oder später kommt es heraus, was [von der] Presse an Fakten unterdrückt und an Meinungen manipuliert worden ist. … kath.net-Kommentar von Prof. Wolfgang Ockenfels OP

… bemühte sich eine selbsternannte und daher „unabhängige“ Jury von Sprachreinigern, den massenhaft skandierten Begriff „Lügenpresse“ zum „Unwort des Jahres“ zu erklären. Aber was heißt hier das Unwort „Unwort“? Es könnte ja sein, dass sich eine bestimmte Presse den Vorwurf der Lüge selber zugezogen und redlich verdient hat.

Die strukturkonservativ-„alternativlose“ und daher schrumpfende Presse ist zu einem Skandalon geworden, das sich freilich nicht allein auf Druckerzeugnisse bezieht. Es sind ja heute nicht bloß Printmedien, die die Wirklichkeit beliebig konstruieren und damit verzerren, sondern vor allem öffentlich-rechtliche und die privaten Rundfunk-Medien, die politisch-ökonomische Interessen stärker zur Geltung bringen als einen wahrheitsgemäßen Realitätsbezug. Einen kritisch-distanzierten Überblick über die Lage, wie sie „wirklich ist“, kann man sich inzwischen nur noch unter Berücksichtigung der Berichte und Kommentare verschaffen, die uns das Internet frei Haus liefert.

Des anklagenden Ausdrucks „Lügenpresse“ hatten sich bereits die 68er-Demonstranten erfolgreich bedient. Damals richtete er sich vor allem gegen die Springer-Presse. Heute hat sich die medienkritische Perspektive erheblich erweitert. Da nutzt es nichts, auf einen auch von den Nazis benutzten Begriff warnend zu verweisen. Die braune „Bewegung“ hatte viele Begriffe kontaminiert – wie etwa die bis heute gängigen: „Lebensraum“ und „Anschluss“, über die sich kaum einer aufregt.

Wer sich heute aber als Journalist und Politiker über die raffinierte Technik der „glaubwürdigen Lüge“ Aufschluss verschaffen will, kommt an der Lektüre von Joseph Goebbels nicht vorbei. Die geheimen Aufzeichnungen aus der Werkstatt des genialen Lügners sind öffentlich zugänglich und bilden bis heute eine Fundgrube für Leute, die sich nicht übertölpeln lassen wollen. Leider aber auch für jene, die seinen Spuren bis heute folgen. …

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Eine Antwort zu Lügenpresse: Wort des Jahres!

  1. Helmut Zott schreibt:

    Lügenpresse

    Ein Mensch kann leider nur erfassen
    was ihn die Medien wissen lassen.
    Doch nirgends wird so frech gelogen,
    die Wahrheit und der Sinn verbogen,
    wie in den Räumen einer Zeitung,
    dem Ort von Trug und Irreleitung.
    Dem Bürger zeigt man die Kulissen,
    verborgen bleibt das wahre Wissen.

    Helmut Zott

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