Ernüchterung über die Papstwahl

Catocon: http://hocestenim.wordpress.com/2013/03/14/dritte-reaktion-eine-richtungswahl/:

… Was bitte ist in dieses Konklave gefahren? Wir hatten ja durchaus einige Kardinäle, die die Richtung des vergangenen Pontifikats gern fortgesetzt hätten – Scola, Ouellet etc. Das Konklave war das, was man in manchen weltlichen Kontexten eine Richtungswahl nennen könnte. Nach dem Papstrücktritt, der einen klaren Bruch mit einer langen Tradition darstellte, stand nun die Frage an, wie die Kardinäle mit diesem Rücktritt umgehen sollten. …

Der Ausgang des Konklaves, der Richtungswahl, zeigt klar: Eine solide Zweidrittelmehrheit der Kardinäle wollte den Bruch mit dem Kurs Benedikts, den Bruch mit der langsamen  Rückkehr zu liturgischer Angemessenheit und theologischer Orthodoxie, den Bruch mit der “Hermeneutik der Kontinuität” und mit allen anderen Aspekten des vergangenen Pontifikats. Die Kardinäle, die mehrheitlich von Benedikt ernannt worden sind, haben damit einen energischen Richtungswechsel der Kirche herbeizuführen versucht. Gegen Bergoglios Liturgien nehmen sich die von deutschen Bischöfen zelebrierten Messen geradezu ehrfürchtig, andächtig und ultra-traditionell aus. Verglichen mit Bergoglios hochmütigem Vor-sich-Hertragen angeblicher Demut nimmt sich selbst der ständige Versuch der deutschen Bischöfe, volksnah zu sein, noch triumphalistisch und pompös aus.

… Radikaler Ökumenismus, Anpassung an das wirtschaftspolitische Programm sozialistischer Parteien, weitgehendes Schweigen zum Massenmord an den Ungeborenen, Herabwürdigung des Heiligen Messopfers zur Tanz- und Hüpfparty für geistige Kinder aller Altersschichten, Unterdrückung der Anhänger der überlieferten Messe, Anbiederung an die Moderne etc. etc., das ist das Programm des Erzbischofs von Buenos Aires gewesen, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dies werde nicht auch sein Programm als Bischof von Rom bleiben. …

Manfred: Habemus – was eigentlich?  (14.3.):

Ja, ich gebe es zu: Man hätte es mir nicht recht machen können.

Der Vertrauensvorschuss, den ich der Kirche selbstverständlich einräumen sollte, ist durch den Rücktritt Benedikts XVI. bis auf einen kleinen Rest zusammengeschmolzen. Denn wenn man sich auf einen Ratzinger nicht verlassen kann, auf wen dann? Und sollen wir wirklich glauben, dass Gott sich bieten lässt, dass der Papst ihm den Krempel vor die Füße wirft, und dann eilfertigst einen Nachfolger beauftragt?

… Es gab im gesamten Kardinalskollegium keinen Kandidaten, dem ich uneingeschränktes Vertrauen entgegengebracht hätte; aber den einen oder anderen hätte es doch gegeben, bei dem meine Bauchschmerzen geringer gewesen wären als bei Kardinal Bergoglio: einem 76-Jährigen. Nichteuropäischen. Liberalen. Jesuiten. Der sich obendrein ausgerechnet „Franziskus“ nennt. Wir waren ja alle darauf vorbereitet, dass wir nicht Pius XIII. bekommen würden, aber Franziskus I. klingt wie eine Drohung:

Dass der neue Papst sich besonders für die sozialen Aspekte des Katholizismus interessiert – unter anderem bringt er dies mit der Namenswahl zum Ausdruck – und die Kirche an der Seite der Armen sieht, ist dabei keineswegs per se problematisch. Die Soziallehre gehört zum Katholizismus, und dass ein Papst kapitalismuskritisch eingestellt ist, sollte sich geradezu von selbst verstehen.

Problematisch wird diese Namenswahl erst durch das Umfeld, in das dieses Signal gesendet wird. Was aus einer Botschaft wird, entscheidet nämlich nicht deren Sender, sondern ihr Empfänger. Empfänger ist eine Gesellschaft, die im tiefsten Sinne gottlos geworden ist, und die die Kirche, sofern sie sich auf das Wort und den Willen Gottes beruft, nicht erträgt. Sie erträgt diese Kirche nur, sofern diese bereit ist, ihre theologische Terminologie zur sakralen Überhöhung linker Politik zur Verfügung zu stellen und eine politische, das heißt gottferne Agenda mit dem Weihwasser einer frommen Phraseologie zu besprengen.

… Wie wir jetzt erfahren – es war schon länger bekannt, aber man hatte sich nicht damit beschäftigt – kommt die Wahl Bergoglios keineswegs so überraschend, wie die Presse es jetzt darstellt. Tatsächlich war er schon 2005 der Kandidat der Anti-Ratzinger-Fraktion gewesen und hatte eine Sperrminorität von beachtlichen 40 Stimmen auf sich vereinigt. … Angesichts von Bergoglios jetzt tatsächlich erfolgter Wahl ist die Vermutung mehr als naheliegend, dass der Kern seiner Anhängerschaft aus denselben Kardinälen besteht, die ihn schon 2005 unterstützt hatten, um Ratzinger zu verhindern.

… Warum hat gerade dieser Mann eine Anhängerschaft im Kardinalskollegium, die sich offenkundig in den Kopf gesetzt hatte, ihn auf Biegen und Brechen und über zwei Konklaven hinweg durchzusetzen?

Ich fürchte, es geht nicht um den Mann, es geht um eine Agenda. Um eine Agenda, die wir nicht kennen, und die aus Gründen, die wir ebenfalls nicht kennen, mit genau dieser Person verknüpft ist. Welche Agenda das ist?

Die Antwort werden wir vermutlich ziemlich bald bekommen …

Ergänzung 21.3.2013:

Manfred Kleine-Hartlage sieht seine Befürchtungen durch ein Interview Marco Politis, eines linken Vatikankenners, bestätigt:
Eine Art Gegenpapst. Marco Politi über Franziskus  (21.3., lesenswert!)

Alexander von Schönburg: http://www.welt.de/kultur/article114537303/Auch-Bescheidenheit-kann-Arroganz-sein.html  (18.3.):

… Die Wahl Bergoglios nicht als offenen Bruch mit dem Pontifikat Benedikts XVI. zu sehen ist fast ebenso naiv wie die Vermutung, Bergoglios Wahl sei eine Niederlage der „dunklen Seite der Macht“, des ominösen römischen „Apparats“, der Kurie. Längst ist durchgesickert, dass es gerade die hohen Kurienvertreter waren, allen voran der starke Mann unter Johannes Paul II., Kardinaldekan Sodano, der in Allianz mit Kardinal Kasper die Fäden für die Wahl Bergoglios zog.

… Das zentrale Anliegen all jener „Modernisten“, für die das Pontifikat Benedikts XVI. eine widerwillig zu erduldende Wanderung durch die Wüste bedeutete, war und ist: die mittelfristige Abschaffung des Weihepriestertums. Die Grundprämisse nämlich, dass sich Priester durch Weihe von den gewöhnlichen Laien unterscheiden, ist für Modernisten und Egalitaristen ein Graus.

Daher rührt auch der in deutschsprachigen Ländern besonders leidenschaftlich geführte Kampf, die – wegen Priestermangels angeblich notwendigen – von nicht geweihten Pfarrgemeinderät(inn)en durchgeführten Wortgottesdienste als ebenso gültig wie die von Priestern („in persona Christi“) zelebrierten Messen anzuerkennen. In den Niederlanden und der Schweiz sind auf dem Land Wortgottesdienste statt Messen bereits die Regel und gelten als vollgültiger Ersatz; hier hat der Egalitarismus, der militant antisakral ist, bereits gesiegt.

… Die Frage ist aber nicht nur, ob die Monarchen, allen voran der Papst als letzter absolutistischer Monarch, sich einen Gefallen tun, wenn sie ihre eigene Überflüssigkeit durch Assimilation betreiben. Die Frage ist vielmehr, ob hinter diesen sorgsamen Gesten der Demut nicht vielmehr eine unverzeihliche Arroganz schlummert.

… Es sind nicht sie – die Inhaber der Ämter –, denen unsere Ehrerbietung gilt. Als Personen sind sie Menschen wie du und ich. Es sind ihre Ämter. Vor denen haben wir aber geradezu das Recht, uns zu verneigen.

Ist neben allzu ostentativer Bescheidenheit die Unart, sich selbst mit seinem Amt zu verwechseln, die vielleicht unverschämteste Form des Hochmuts?

Ergänzung 13.4.2013:

Francesco Colafemmina: http://www.katholisches.info/2013/04/10/furcht-oder-prophetie-der-nachste-papst-wird-lateinamerikaner-sein/:

… Jedenfalls haben sich nach dem Verzicht von Benedikt alle dunklen Wolken über dem Vatikan mit einem Schlag aufgelöst. Heiteres Wetter kehrte zurück. IOR, Kurie, Pädophilie, Vatileaks usw. gehören alle der Vergangenheit an … Wie sagte ein Priester bei der Messe zu Ostern: „Mit Papst Franziskus atmet man neue Luft“.

… Sicher, man wird nun widersprechen und einwerfen, daß der Stil von Papst Franziskus “nüchtern”, “zart” und “volksnahe” ist. Persönlich bin ich der Meinung, daß es sich dabei nur um Demagogie handelt. Anders ausgedrückt, um einen geplanten und überlegten Willen, ein anderes Zeichen zu setzen und allgemein ein neues Bild des Papstes und des Papsttums zu vermitteln. Und um das zu tun, hat Franziskus – unabhängig von allem übrigen – den einhelligen Konsens der Massenmedien. Er ist der „Befreier“, den man sich nach dem „Tyrannen“ Benedikt XVI. erhoffte.

… Nein, ich glaube vielmehr, daß alles konstruiert und geplant ist, seit Jahren. …

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Eine Antwort zu Ernüchterung über die Papstwahl

  1. Leopold Kleedorfer schreibt:

    In den Medien war von einem kometenhaften Aufstieg zu hören. In nur 6 Jahren von einem einfachen Landpfarrer zum Erzbischof von Buenos Aires?

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