In der falschen Partei

Das folgende Interview mit Lena Kürschner von den Grünen erinnert mich ein wenig an Christa Müller, die mit guten familienpolitischen Ansätzen bei den Linken Schiffbruch erlitt:
http://www.freiewelt.net/interview/den-schweigenden-familien-eine-stimme-geben-10014667/   (30.10.):

… FreieWelt.net: Die Grünen orientieren sich in ihrem Wahlprogramm am Leitbild (!) vollzeitnaher Teilzeitbeschäftigung, sie fordern die Abschaffung des Betreuungsgeldes und des Ehegattensplittings, ganztägige Kinderbetreuung und den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen – Frau Kürschner, sind Sie nicht schlichtweg in der falschen Partei?

Lena Kürschner: Diese Frage höre ich in der Tat öfter. Nun decken sich die Grundgedanken der Grünen – Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung, Toleranz und Gerechtigkeit – durchaus mit meinen Ansichten. Ich bemerke aber zunehmend, dass sich die Grünen immer weiter von ihrem Anspruch entfernen, die natürlichen Grundlagen menschlichen Lebens zu schützen, zu denen meiner Ansicht eben auch die elementaren Bedürfnisse des heranwachsenden Naturwesens „Mensch“ gehören. Das scheint innerhalb der Partei kaum einer zu merken, vielleicht auch, weil jede Art von Hochachtung vor Müttern durch die unselige deutsche Geschichte in Verruf geraten ist. Es wird aber allerhöchste Zeit, die derzeitige Politik an den großen Worten von Toleranz, Gerechtigkeit und Naturschutz zu messen, die Ohren zu spitzen, was die Bevölkerung darunter versteht, und die Politik danach neu auszurichten. Ich war tatsächlich schon kurz davor, aus den Grünen auszutreten, aber eines unserer Ortsverbandsmitglieder hat es mir erfolgreich wieder ausgeredet. Und er hat ja recht, wenn man etwas verändern will, muss man es von innen heraus tun. Und welche Partei, die irgendeine Chance hat in die Parlamente einzuziehen, verbindet den Nachhaltigkeits- und Ökologie-Gedanken mit einer kinder- und familienorientierten Familienpolitik? Wenn man es so will, wäre ich in keiner Partei richtig, aber das politische Engagement deshalb vollständig einzustellen wäre wohl der gänzlich falsche Weg.

FreieWelt.net: Ihre Vorstellungen von einer guten Familienpolitik umzusetzen, würde ein 180°-Wendung ihrer Partei bedeuten. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?

Lena Kürschner: Halt, falsch! Keine 180°, nur 90°! Ich will ja nicht diejenigen, die sich für eine möglichst lückenlose Berufstätigkeit als Mütter oder Väter entscheiden, in ihren Möglichkeiten beschneiden. Ich will nur, dass diejenigen, die das nicht wollen, wahr- und ernst genommen werden.

Im Übrigen habe ich über konkrete Schritte noch nicht nachgedacht. Erstmal wollte ich meiner angestauten Wut Luft machen und die Partei darauf aufmerksam machen, dass sie sich in ihrer eigenen Ideologie verstrickt und nicht mehr wahrnimmt, was für Vorstellungen die Menschen, die sie überzeugen wollen, eigentlich haben. Viele gute Ideen der grünen Partei scheitern daran, dass sich die Wähler vom Grundsatz her nicht ernst genommen fühlen und entsprechend andere Parteien wählen.

Ich hoffe, dass sich auch die, die bisher schweigen, immer mehr zu Wort melden, auch und vor allem Parteimitglieder. Und ich hoffe auch, dass die Politik lernt, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie, die ja immer mehr werden, nicht zu ignorieren, sondern in alle Überlegungen mit einzubeziehen. Alle wissen, dass es mehr Stärke erfordert Fehler einzugestehen, als auf früheren Einschätzungen zu beharren. Das gilt insbesondere für die Politik und ich denke, dass die Grünen diese Stärke zeigen können.

FreieWelt.net: Welche Reaktionen haben Sie auf Ihren Brief, der derzeit im Internet die Runde macht, erhalten?

Lena Kürschner: Es gibt viele Kommentare auf den Internetseiten, die den Brief veröffentlicht haben, ich habe Mails und Briefe erhalten. Die beiden häufigsten Sätze sind: „Danke, Sie sprechen mir aus der Seele!“ und „Genau aus diesen Gründen wähle ich nicht mehr Grün“. …

FreieWelt.net: Frau Kürschner, ich danke Ihnen für das Gespräch!

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