Bildungskrippe

Hanniel Strebel: http://www.freiewelt.net/krippe-der-bildung-wegen-10012935/   (13.10.):

Zumindest in manchen Medien wird fleissig die Maxime nachgebetet: Je früher weg von zu Hause, desto besser fürs Kind. Dieser gesellschaftliche Konsens ist nicht nur kontra-intuitiv, er wird zunehmend kritisch hinterfragt. Hier ist ein weiteres Beispiel:

Wenn man einmal absieht von dem – höflich formuliert – eingeschränkten Bildungsbegriff der OECD und den umstrittenen Erhebungsmethoden und wenn man auch noch das “Erwachsenen-PISA” ernst nimmt, muss man notwendigerweise den Schluss ziehen: Die Krippe kann`s nicht richten! Die Daten sprechen dagegen, geben einen positiven Zusammenhang zwischen Krippenbetreuung und PISA/PIAAC-Leistungen nicht her, im Gegenteil!

Denn die jüngsten Ergebnisse der europäischen statistischen Erhebung (Gesis – Informationsdienst Soziale Indikatoren, ISI 48) zu den Betreuungsformen für Kinder unter drei Jahren weisen aus, dass ausgerechnet Finnland unter allen westeuropäischen Ländern seine Kleinkinder lieber von den Eltern betreuen lässt, als sie in die eine oder andere Form der Fremdbetreuung zu geben. Und das, obwohl die Voraussetzungen für die Krippen-Betreuung in Finnland mit dem Rechtsanspruch – wie jetzt auch in Deutschland – und einer besseren finanziellen wie personellen Ausstattung vorbildlich sind.

Rainer Böhm, Kinderarzt, verweist (hier) auf die aktuelle Forschung von U3-Krippenkindern:

Am beunruhigendsten war indes der Befund, dass Krippenbetreuung sich unabhängig von sämtlichen anderen Messfaktoren negativ auf die sozioemotionale Kompetenz der Kinder auswirkt. Je mehr Zeit kumulativ Kinder in einer Einrichtung verbrachten, desto stärker zeigten sie später dissoziales Verhalten wie Streiten, Kämpfen, Sachbeschädigungen, Prahlen, Lügen, Schikanieren, Gemeinheiten oder häufiges Schreien.

Neuere Ergebnisse zeigen vor allem den starken Anstieg des Stresshormons Cortisol:

Entgegen dem normalen Verlauf an Tagen im Kreis der Familie – hoher Wert am Morgen und kontinuierlicher Abfall zum Abend hin – stieg die Ausschüttung des Stresshormons während der ganztägigen Betreuung  im Verlauf des Tages an – ein untrügliches Anzeichen einer erheblichen und chronischen Stressbelastung.

Kommentator Michael Bloch führt dazu aus::

Dass die Krippenbetreuung favorisiert wird, haben wir dem Einfluss der Wirtschaftslobby zu verdanken: die Wirtschaft will die Mütter als Arbeitskräfte (oder soll ich besser sagen: Arbeitssklaven) in der Wirtschaft. Je mehr Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, umso geringer können die Löhne ausfallen. Daher dürfen die Mütter nicht wegen Kindererziehung “ausfallen”. Das und nur das steckt dahinter!

Dem Staat ist es recht, denn erwerbstätige Mütter zahlen Steuern, daher unterstützt er das. Und damit das nicht so auffällt, wird es als “Bildung” für die Kinder verkauft: damit die Mütter kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihre Kinder abliefern und stattdessen am Fließband stehen und Geld für die Aktionäre scheffeln.

Diese totale Ökonomisierung der Gesellschaft muss gestoppt werden, um Schlimmeres zu verhindern. …

Ergänzung 15.10.2013:

Birgit Kelle weist darauf hin, dass im „Bildungsauftrag der Krippe“ eine ganz gefährliche Falle lauert: die „Bildungs“-Pflicht analog der Schulpflicht:
Standortvorteil Elternhaus   (30.9.):

… Nehmen wir noch die verpflichtenden Ganztagsschulen von Sigmar Gabriel dazu, dann haben wir als Ziel für die Zukunft nur noch Kinder, die bald ab dem ersten Lebensjahr in Krippe, Kita und Ganztagsschulen verpflichtend ihren Tag verbringen, ganz egal, ob ihre Eltern das wollen oder nicht.

Bildungsauftrag der Krippen

Das Instrument, das man benötigt, ist der Bildungsauftrag der Krippen und Kitas, ohne diesen kommt man rechtlich nicht an den Eltern vorbei. Die „Lufthoheit über den Kinderbetten“, die SPD-Mann Olaf Scholz einst beschwor, ist als Kriegsgebiet nur zu erobern, wenn bereits die Krippe einen offiziellen Bildungsauftrag des Staates besitzt. Das hat die SPD schon im Jahr 2006 erkannt. Unter dem schönen Titel „Prüfung der Verbindlichkeit frühkindlicher staatlicher Förderung“ hatte die damalige Berliner Justizsenatorin der SPD, Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, in einem Gutachten ergründen lassen, ob man auch gegen den Willen der Eltern eine Kindergartenpflicht einführen kann. Ergebnis: Man kann nicht, das Grundgesetz und sein Artikel 6, Absatz 2 steht ihnen im Weg. Denn dort ist dummerweise festgehalten, dass die Eltern in Erziehungsfragen in der Rangordnung vor dem Staat stehen. Allerdings könnte man über die Bildung eine Hintertür finden. Weil der Staat das Bildungsmonopol besitzt. Daraus leitet sich ja auch die Schulpflicht ab. Könnte man also die Kitas zu Bildungseinrichtungen umdeuten, im Sinne von Schulen, dann hätte der Staat wieder das Sagen und könnte eine Kitapflicht daraus ableiten – auch gegen den Willen der Eltern. Und natürlich muss man dafür die Kitas kostenfrei gestalten, denn  – ebenfalls wie bei der Schule – man könnte Eltern ansonsten nicht zwingen, ihre Kinder dorthin zu geben, wenn sie dafür Gebühren aufbringen müssen. Die Gebührenfreiheit der Kitas ist also einfach eine Vorstufe zur Krippenpflicht.

Hat irgendjemand noch Fragen, warum wir also ständig über Bildung in der Krippe reden? … Wir tun es ja erst seit ein paar Jahren – oder vielleicht seit diesem Gutachten. Vorher war klar: Kindergarten und Krippe sind Orte der Betreuung, um Eltern zu entlasten, die das wünschen. Jetzt sollen es neuerdings Bildungsinstitutionen sein, die inkompetente Eltern ersetzen. Und zur Strafe für unsere Inkompetenz, müssen wir Eltern das Ganze dann auch noch bezahlen – zwar nicht mehr mit Gebühren, aber sehr wohl mit unseren Steuern. Mehr Zynismus geht eigentlich nicht.

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4 Antworten zu Bildungskrippe

  1. Juchitzer schreibt:

    pervers!
    und mit „System“ , die Torpedierung von der SPD….(btw ist das Betreuungsgeld, abgesehen davon. dass 100Jurolein nur einie Farce sind, eine MACHTPROBE)
    „Standortworteil“ Elternhaus
    http://frau2000plus.net/?p=1066

    tja…

  2. Nonnen schreibt:

    So toll sind Krippen für 0 – 3jährige Kleinstkinder nicht, für die seltsamerweise linke und gewerkschaftsnahe Parteien als auch Wirtschaftslobbyisten (Arbeitgeberpräsident HUNDT; Präsident von Gesamtmetall DULGER) wie wild trommeln: „Befreit die Mütter von ihren Kindern und fesselt sie an die Maschinen“
    Nicht nur die Familie, sondern vorallem die Schwächsten, die Kinder, werden möglicherweise ernste Probleme bekommen und damit die Zukunft unseres Volkes (Siehe auch in den hierzulande weitgehend unbekannten Studien z. B. von Prof. Annica Dahlström, Uni Göteborg: Innerhalb der letzten 15 – 20 Jahre einen Anstieg psychischer Erkrankungen bei schwedischen Mädchen um 1000 Prozent (Depressionen um 500 Prozent; Suizidrate finnischer Mädchen ist die höchste in Europa):
    Ausgerechnet diejenige Partei, die sich für die Schwachen einsetzen will, argumentiert reflexhaft gegen das Betreuungsgeld und trifft damit die Schwächsten der Gesellschaft.
    Die Krippe scheint eine Einrichtung zum Wohlergehen von Erwachsenen zu sein, denn ein bezüglich der sehr frühen Krippenaufbewahrung nicht ausreichend beachtetes Problem (neben zu erwartender erhöhter Stresshormonausschüttung infolge „learned helpnessless“ und Wachstumshormonmangel infolge reduziertem Langsamen-Wellen-Schlaf in der Krippe) ist die mögliche Störung bzw. Verzögerung der frühkindlichen Sprachentwicklung zu befürchten. Ein wichtiger Unterschied zwischen Tier und Mensch ist die Sprache auch als Basis des Denkens. Mangelnde primäre (besonders 0 – 1,5 Jahre) frühkindliche Sprachentwicklung hat oft die Folge von Lese- und Rechtschreibstörungen und letztlich ungünstiger kognitiver Entwicklung. [Auch Migrantenkinder müssen das basale Denken in der jeweiligen Muttersprache beginnen zu lernen].
    Dadurch ist zu befürchten, dass der wichtigste Schatz, den Deutschland besitzt, nur ungenügend sprachlich und kognitiv entwickelt vorliegen wird. (Siehe Ärztereport der Barmer Ersatzkasse vom Januar 2012 mit bereits jetzt schon ca. 40% sprachgestörten Kindern im Alter von 5 – 6 Jahren (Gründe: Zunahme Tagesmütter: 2006 ca. 14%, bereits 2010: 23%;; enorme Lärmpegel in Kitas); logopädische Behandlungskosten etwa 1 Milliarde Euro).
    Warum heißt es Muttersprache und nicht Vatersprache?
    Bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib flüssigkeitsangekoppelt die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist, zumal in diesem Zeitraum zumindest zwei kürzere Phasen besonders begierigem Sprechlernen des Kleinkindes individuell verschieden auftreten (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 3. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2013)

  3. Dörflinger André schreibt:

    Die stattlich geförderte Krippenpolitik steht doch in direktem Zusammenhang mit Ehe->Scheidungrecht !
    Heute werden doch von allen Scheidungsbegehren 2/3 von Frauen eingereicht, die dann von meist gehörnten Ehemänner mittels gerichtlich verordneten Alimenten unterstützt werden wollen.., was ja nur weitere, kaum überwindbare Ueberlebensprobleme für alle schafft. Denn die heute doch auch kopflastig gewordene > ausgebildete Jung-Frau will doch ihre Ausbildung erstmals auskosten > amortisieren, darum auch heiratet und gebiert sie immer später und weniger. Wenn sie also in der noch kinderlosen Ehe nicht erwerbstätig ist, dann ist sie „Angestellte des Mannes“, der ihr jeden Monat einen festen Betrag (zB € 200 + gleiches Sackgeld für beide) überweisen m u s s. Darum sollte Ehefrau 2 Jahre nach Ende der Familienplanung wieder einer (wenn auch teilzeitigen) Erwerbsarbeit nachgehen, damit Gehörnter im Scheidungsfalle auch an den Sozialversicherungs-Renten der Ungetreuen teilhaftig werden kann. >> Wir haben heute andere > männerbenachteiligende Scheidungs-Unterhalts-gesetze, darum können heute auch nicht mehr dieselben Gesellschaftregelungen (=nur Hausfrau) wie noch bis in die 1980-er Jahre herr-schen ! Die obigen Theorie-Ausführungen und Kommentare sind allesamt ungenau, weil sie bewusst konkreten Lebens-Jahrzahlen-daten ausweichen ! Ich fasse zusammen: Es braucht Krippen für alle gut ausgebildeten Ehefrauen, deren letztes Kind mind. 2 jährig ist, zur a) Unterstützung des durch-schnittlichen Haushaltsbudgets b) im Scheidungsfalle für gehörnten Ehemann und 3) damit Ex-Frau im (Teilzeit-)Arbeitsleben wieder leichter Fuss fassen kann und 4) auch als Steuerzahlerin für den ständig finanzklammen Staat.

    • @ Gehörnten schreibt:

      Bla. Gequirlter Hörnerquatsch, was sie da melden! Wer sagt denn, dass dieses System aufrecht erhalten werden muß? Ausserdem haben die assimilierten Ministerinnen gerade die Daumenschraube für Frauen fester angezogen. Nix Bevorteiligung. Nix Benachteiligung der Männer. WAs passieren muß ist eine Anpassung der Wirtschaft an die Bedürfnisse der Familie und nicht umgekehrt. Eben auch die Förderung des Wiedereinstiegs für ältere Frauen, wenn sie denn wollen!
      Remo Largo hat sich auch geirrt! (ab 2 in die Krippen) Toktok! Selber schuld, wer zu solchen I. rennt!

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